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E-Commerce
WeChat des Westens? WhatsApp stellt neues Feature für KMU vor

WeChat des Westens? WhatsApp stellt neues Feature für KMU vor

Nadine von Piechowski | 16.09.21

Facebook versucht schon seit geraumer Zeit, die eigenen Chat Apps zu einem zentralen Bestandteil des täglichen Lebens zu machen. Jetzt eifert der Social-Konzern auch im E-Commerce-Bereich dem Vorbild WeChat aus China nach.

WhatsApp beginnt mit dem Roll-out eines neuen Branchenverzeichnis-Features in der App. Das heißt, dass User in Brasilien über den Messenger kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in ihrer Umgebung via „Business Nearby“-Funktion finden können. In den von WhatsApp CEO Will Cathcart geteilten Screenshots ist zu sehen, dass die Nutzer:innen über einen Klick auf das Branchenverzeichnis zu verschiedenen Kategorien wie „Restaurant“, „Grocery Store“ oder auch „Education“ gelangen können. Im nächsten Schritt sind die User in der Lage, ein KMU auszuwählen und entweder mit diesem zu chatten oder sich auf das Unternehmensprofil weiterleiten zu lassen.


Im Thread schreibt Cathcart, dass das Branchenverzeichnis bisher nur in São Paulo über WhatsApp aufrufbar ist. In den kommenden Monaten soll das Feature aber in weiteren Regionen ausgerollt werden:

Based on feedback from the people who try it over the next few months, we’ll look at expanding this service to other cities and other types of businesses available on WhatsApp.

Weiter schreibt der CEO, dass die Funktion den Sicherheitsstandards der Chat App unterliege. Das heißt, WhatsApp würde nicht nachverfolgen können, welche KMU über das Branchenverzeichnis aufgerufen worden sind.

Will WhatsApp mit dem Branchenverzeichnis einen neuen Anlauf nehmen, um WeChat Konkurrenz zu machen?

WhatsApp-Mutterkonzern Facebook versuchte in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Features, den eigenen Messenger zu optimieren. So launchte WhatsApp gerade erst den View-Once-Modus und lässt User nun später in Videocalls einsteigen. Auch die Optionen für Unternehmen baut die Chat App fleißig aus. So startete im Mai 2021 ein erster offizieller Test für WhatsApp Pay – ebenfalls in Brasilien – und einen Monat später machte es der Messenger für Unternehmen wieder möglich über die App proaktiv Kund:innen anzusprechen. Letzteres freute viele KMU besonders nach dem Newsletter-Aus im Jahr 2019.

Diese Optimierungsmaßnahmen führt Facebook nicht ohne Grund an dem eigenen Messenger-Dienst durch. Denn der Social-Konzern hat ein klares Vorbild aus China vor Augen: WeChat. Die App erfreut sich in der Volksrepublik größter Beliebtheit und bietet den Nutzer:innen die Möglichkeit, in der App zu chatten, Essensbestellungen aufzugeben, zu shoppen, Tickets für öffentliche Verkehrsmittel zu kaufen und vieles mehr. Während der Coronapandemie half WeChat sogar bei der Eindämmung der Infektionszahlen mittels eines ähnlichen Prinzips wie die Coronawarn-App hierzulande.


WeChat ist also im Leben vieler Menschen in der Region China omnipräsent – und das möchte Facebook auch mit WhatsApp schaffen. Bereits 2016 versuchte der Social-Konzern, Chatbots nach WeChat-Vorbild bei WhatsApp einzuführen – vergeblich. Denn bei den User kamen diese nicht gut an. Ein Grund dafür, dass WhatsApp nicht die gleiche Nutzung in Europa, den USA und anderen Ländern erfährt wie WeChat könnte ein strengeres Datenschutzverständnis sein. Denn dies ist in China deutlich lockerer als beispielsweise in Europa.

Nach Instagram: Jetzt soll WhatsApp zur E-Commerce-Plattform werden

Mit dem Branchenverzeichnis könnte WhatsApp einen erneuten Anlauf nehmen wollen, um zumindest im E-Commerce-Bereich einen ähnlichen Status zu erlangen wie WeChat. Dass diese Funktion zunächst in Brasilien getestet wird, ist dabei kein Zufall. Denn dort nutzen 93 Prozent der Bevölkerung den Messenger täglich. Und auch viele der mehr als 175 Millionen registrierten WhatsApp Business Account stammen aus der Region. Sollte das neue Branchenverzeichnis-Feature hier also gut angenommen werden, könnte WhatsApp dies bald auch womöglich in Europa oder den USA in die offizielle Testphase schicken.

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