Human Resources
Frauen ohne Aufstiegschancen: Weibliche Lebensphasen als Karriere-Killer

Frauen ohne Aufstiegschancen: Weibliche Lebensphasen als Karriere-Killer

Marié Detlefsen | 12.03.26

Typische Lebensphasen wie Elternzeit, Menopause oder Pflegepflichten bremsen Frauen in vielen Unternehmen noch immer aus. Haltung, Struktur und Angebote der Firmen entscheiden darüber, wer Karrierechancen wirklich nutzen kann.

Elternzeit, Pflege von Angehörigen oder die Menopause – Lebensphasen, die viele Frauen früher oder später betreffen, wirken sich in der Arbeitswelt oft stärker aus, als es offiziell zugegeben wird. Eine aktuelle HR-Studie von peaches (in Zusammenarbeit mit Mercer, MOOVE und benefits.me), zur Frauen- und Familienfreundlichkeit in deutschen Unternehmen zeigt: Trotz Fachkräftemangel gelingt es vielen Unternehmen noch immer nicht, das berufliche Potenzial von Frauen vollständig zu nutzen. Die befragten Personalverantwortlichen bewerten die Situation branchenübergreifend lediglich mit der Schulnote „befriedigend“. Das klingt zunächst recht moderat, doch erschreckenderweise sehen viele Unternehmen die Lebensphasen von Frauen als Karriererisiko.

Branchenübergreifend ist die Frauen- und Familienfreundlichkeit von Unternehmen nur befriedigend (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © peaches
Branchenübergreifend ist die Frauen- und Familienfreundlichkeit von Unternehmen nur befriedigend (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © peaches

Laut Studie sehen 51 Prozent der Unternehmen Ereignisse wie Elternzeit, Menopause oder familiäre Pflegeaufgaben als Risiko für die Karriereentwicklung. Lediglich drei Prozent bewerten diese Phasen als Chance. Diese Diskrepanz macht sichtbar, wie stark traditionelle Karrierebilder weiterhin wirken: Die „ideale“ Laufbahn ist häufig noch immer linear gedacht, ohne längere Unterbrechungen oder gesundheitliche Veränderungen. Für viele Frauen passt dieses Modell schlicht nicht zu ihrer Lebenssituation.

Die Mehrheit der befragten HR-Verantwortlichen sehen die Lebensphasen von Frauen als negativen Einfluss (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © peaches
Die Mehrheit der befragten HR-Verantwortlichen sieht die Lebensphasen von Frauen als negativen Einfluss (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © peaches

Die Mehrheit der befragten HR-Verantwortlichen sieht die Lebensphasen von Frauen als negative Faktoren. Als größter negativer Einfluss wird die Elternzeit gesehen (59 Prozent) sowie generell die Familienplanung (59 Prozent), dicht gefolgt von der Schwangerschaft (58 Prozent). Diese Ansichten erschweren es Frauen nicht nur, in jüngeren Jahren einen Job zu bekommen, sondern sie sorgen auch für entscheidende Brüche in Karrieren.

Während Elternzeit oder familiäre Pflegeverantwortung oft temporär sind, können ihre Folgen langfristig sein: verpasste Beförderungen, geringere Sichtbarkeit im Unternehmen oder das Gefühl, beruflich den Anschluss verloren zu haben. Die Studie deutet damit auf ein grundlegendes Problem hin: Viele Unternehmen betrachten Lebensphasen noch immer als individuelle Herausforderung von Arbeitnehmer:innen, statt als strukturelle Aufgabe der Organisation.

Wie Lebensphasen von Frauen Aufstiegschancen prägen

Ein entscheidender Hebel scheint dabei die Haltung der Unternehmensführung zu sein. Wo das Thema Frauen- und Familienfreundlichkeit aktiv vom Management unterstützt wird, fällt die Bewertung deutlich besser aus. Unternehmen mit starkem Engagement der Geschäftsleitung erreichen im Durchschnitt eine Bewertung von etwa 2+, während Organisationen ohne klares Bewusstsein für das Thema nur auf Noten zwischen drei und vier kommen. Mit anderen Worten: Die Kultur eines Unternehmens beginnt ganz oben.


Weltfrauentag 2026:

Warum Gleichberechtigung noch immer Arbeit bedeutet

Weltfrauentag 2026: Warum Gleichberechtigung noch immer Arbeit bedeutet
© Pavel Danilyuk – Pexels


Doch eine positive Haltung allein reicht nicht aus. Besonders erfolgreiche Unternehmen setzen laut Studie auf ein ganzes Bündel an Maßnahmen, das sich entlang des weiblichen Lebensverlaufs orientiert. Unternehmen, welche mit „sehr gut“ bewertet sind, bieten Mitarbeitenden im Schnitt dreimal so viele unterstützende Angebote wie Unternehmen, deren Situation nur als „ausreichend“ eingeschätzt wird. Zu diesen Maßnahmen gehören unter anderem:

  • Programme, die verschiedene Lebensphasen von Frauen gezielt begleiten
  • mehr Offenheit gegenüber lange tabuisierten Themen wie Kinderwunsch oder Menopause
  • flexible Arbeitsmodelle, die sich an unterschiedliche Lebenssituationen anpassen lassen

Der Ansatz dahinter: Frauenförderung funktioniert nicht über einzelne Benefits oder symbolische Maßnahmen. Vielmehr braucht es ein Zusammenspiel aus Unternehmenskultur, strukturellen Rahmenbedingungen und konkreten Angeboten im Arbeitsalltag.

Mehrheit der Unternehmen möchte Frauen- und Familienfreundlichkeit verbessern

Interessant ist auch der Blick in die Zukunft. Trotz der eher durchschnittlichen Bewertung zeigt sich in der Studie ein gewisser Veränderungswille. 75 Prozent der befragten Unternehmen geben an, ihre Frauen- und Familienfreundlichkeit kurzfristig verbessern zu wollen. Angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels ist das kaum überraschend: Wer qualifizierte Talente gewinnen und halten will, muss sich zwangsläufig mit den Lebensrealitäten von Arbeitnehmer:innen auseinandersetzen.

Gleichzeitig bleibt die Frage, wie schnell sich diese Veränderungen tatsächlich durchsetzen. Denn solange typische Lebensphasen von Frauen von der Mehrheit der Unternehmen als Karrierehindernis wahrgenommen werden, bleibt ein großes Potenzial ungenutzt. Für viele Unternehmen bedeutet das nicht nur ein Gleichstellungsproblem, sondern auch ein wirtschaftliches. Schließlich gehen ihnen dadurch qualifizierte Fachkräfte verloren oder werden in ihrer Entwicklung ausgebremst.

Du möchtest mit deinem Unternehmen selbst aktiv werden und wissen, wie du Frauen in ihren Lebensphasen am besten unterstützen kannst? Dann schaue dir folgenden Artikel an und erfahre, wie du Arbeitnehmerinnen in ihren Wechseljahren supportest und an das Unternehmen bindest:


Wie du durch Wechseljahre-Support deine weiblichen Talente an das Unternehmen bindest

© Mikael Blomkvist – Pexels

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

*
*

Melde dich jetzt zu unserem HR-Update an und erhalte regelmäßig spannende Artikel, Interviews und Hintergrundberichte aus dem Bereich Human Resources.