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Equal Pay noch lange nicht erreicht: So viel weniger verdienen Frauen

Equal Pay noch lange nicht erreicht: So viel weniger verdienen Frauen

Marié Detlefsen | 27.02.26

Trotz Equal Pay Day 2026 verdienen Frauen in Deutschland immer noch deutlich weniger als Männer: Der Gender Gap Arbeitsmarkt liegt gar bei 37 Prozent. Gleiches Geld für gleiche Arbeit bleibt ein drängendes Thema – nicht nur für Arbeitnehmer:innen, sondern für die gesamte Gesellschaft.

Gleiches Geld für gleichwertige Arbeit? Klingt nach Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht. Solange Arbeitnehmer:innen nicht direkt selbst betroffen sind, bleibt der Gender Pay Gap für viele ein abstraktes Thema – irgendwo zwischen Schlagwort und Statistik. Dabei zeigt ein Blick auf die aktuellen Zahlen zum heutigen Equal Pay Day am 27. Februar 2026: Von echter Lohngleichheit sind wir weiterhin ein gutes Stück entfernt.

Equal Pay? Frauen verdienen 16 Prozent weniger Lohn pro Stunde

Das Statistische Bundesamt (Destatis) meldet für 2025 einen sogenannten Gender Gap Arbeitsmarkt von 37 Prozent. Heißt konkret: Rechnet man Stundenlohn, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung zusammen, verdienen Frauen im Schnitt 37 Prozent weniger als Männer. Und das Bittere daran? Der Wert ist im Vergleich zum Vorjahr unverändert. Nachdem es 2024 noch eine leichte Verbesserung gegeben hatte, herrscht nun Stillstand.

Der Gender Gap Arbeitsmarkt gilt als umfassender Indikator, weil er nicht nur auf den Stundenlohn schaut, sondern drei zentrale Faktoren kombiniert. Diese Komponenten werden jeweils für Frauen und für Männer multipliziert. Aus den multiplizierten Komponenten der Männer und der Frauen wird die Differenz gebildet und ins Verhältnis zu den drei Komponenten der Männer gesetzt:

  • den Gender Pay Gap (Unterschied beim Bruttostundenverdienst),
  • den Gender Hours Gap (Differenz in der bezahlten Arbeitszeit),
  • sowie den Gender Employment Gap (Unterschiede in der Erwerbsquote).

Je höher dieser Gesamtwert, desto ausgeprägter ist die strukturelle Ungleichheit. Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2025 bei 16 Prozent. Frauen erhielten also durchschnittlich 16 Prozent weniger Bruttostundenlohn als Männer. Ein Teil dieser Differenz (knapp zwei Drittel) lässt sich durch Faktoren wie Branche, Qualifikation oder Arbeitsumfang statistisch erklären. Doch selbst nach dieser Bereinigung bleibt eine Lücke von sechs Prozent, die sich nicht durch messbare Merkmale begründen lässt. Mit anderen Worten: Selbst bei vergleichbaren Voraussetzungen verdienen Frauen weiterhin weniger. Genau hierauf macht der Equal Pay Day aufmerksam, welcher dieses Jahr unter dem Motto „equal pay every day“ steht.

"equal pay every day" ist das Motto des diesjährigen Aktionstages, © equal pay day
„equal pay every day“ ist das Motto des diesjährigen Aktionstages, © equal pay day

Weniger Stunden, weniger Einkommen, weniger Equal Pay

Ein entscheidender Hebel liegt in der Arbeitszeit. Männer arbeiteten 2025 im Durchschnitt gut 34 Stunden pro Woche in bezahlter Beschäftigung, Frauen hingegen knapp 28 Stunden. Das entspricht einem Unterschied von 18 Prozent, dem sogenannten Gender Hours Gap. Dass Frauen deutlich häufiger in Teilzeit arbeiten, prägt die Einkommensrealität massiv. Die Gründe sind vielfältig: Care-Arbeit, fehlende Betreuungsangebote, tradierte Rollenbilder oder steuerliche Fehlanreize. Fakt ist jedoch: Weniger bezahlte Stunden bedeuten automatisch weniger Einkommen – kurzfristig wie langfristig.

Männer arbeiteten 2025 im Durchschnitt etwa sechs Stunden mehr als Frauen, was zu einem Gender Hours Gap von 18 Prozent führt, © equal pay day
Männer arbeiteten 2025 im Durchschnitt etwa sechs Stunden mehr als Frauen, was zu einem Gender Hours Gap von 18 Prozent führt, © equal pay day

Nicht nur die Arbeitszeit unterscheidet sich, auch die Erwerbsbeteiligung. In Betracht aller erwerbstätigen Personen, waren 2024 knapp 74 Prozent der Frauen erwerbstätig, bei den Männern waren es rund 81 Prozent. Der Gender Employment Gap liegt damit bei acht Prozent, ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr, aber weiterhin deutlich spürbar.

Ost-West-Gefälle bleibt bei Equal Pay deutlich

Spannend ist der Blick auf die Bundesländer. Während der Gender Gap Arbeitsmarkt in Westdeutschland bei 39 Prozent liegt, beträgt er in Ostdeutschland lediglich 22 Prozent. Besonders niedrig fällt der Wert in Mecklenburg-Vorpommern mit 17 Prozent aus, gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 20 Prozent. Am oberen Ende der Skala stehen Baden-Württemberg und Bayern mit jeweils 41 Prozent. Dahinter folgen Hessen, Niedersachsen und das Saarland mit jeweils 40 Prozent. Ein Grund für dieses Gefälle: In Ostdeutschland ist die Erwerbsbeteiligung von Frauen historisch höher, zudem arbeiten Frauen dort häufiger in Vollzeit. Das drückt sowohl den Gender Pay Gap als auch den Gender Hours und Employment Gap.


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30.000 Euro Einkommen weniger nach der Geburt

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© Yan Krukau – Pexels


Die Folgen reichen bis in die Rente

Wer beim Gender Pay Gap nur an das Hier und Jetzt denkt, greift zu kurz. Einkommensunterschiede ziehen sich durch den gesamten Lebensverlauf. Die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern beträgt in Deutschland 25,8 Prozent. Geringere Stundenlöhne, häufigere Teilzeit und unterbrochene Erwerbsbiografien summieren sich über Jahrzehnte. Ökonomische Eigenständigkeit bedeutet, den eigenen Lebensunterhalt dauerhaft selbst sichern zu können. Doch genau das gelingt vielen Frauen nicht: Laut aktuellen Auswertungen kann etwa die Hälfte der abhängig beschäftigten Frauen im Haupterwerbsalter ihre Existenz langfristig nicht aus eigener Kraft absichern.

Finanzielle Abhängigkeiten wirken sich nicht nur auf Konsum oder Altersvorsorge aus, sondern auch auf Machtverhältnisse in Beziehungen. Ungleich verteiltes Einkommen beeinflusst die Aufteilung von Care-Arbeit, Freizeit und beruflichen Chancen. Im Falle einer Trennung oder beim Tod von Partner:innen kann fehlende finanzielle Absicherung schnell existenzbedrohend werden. Studien zeigen zudem, dass ökonomische Abhängigkeit das Risiko erhöht, in belastenden oder sogar gewaltvollen Beziehungen zu verbleiben.

Equal Pay geht alle an

Equal Pay ist deshalb kein „Frauenthema“, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es betrifft Arbeitnehmer:innen aller Geschlechter und beginnt nicht erst im Berufsleben. Weichen werden bereits in Schule und Ausbildung gestellt: durch Rollenbilder, Berufswahl, fehlende Finanzbildung und stereotype Erwartungen. Was braucht es also?

  • Frühzeitige (Finanz-)Bildung in Schulen
  • Eine Neubewertung von Care-Arbeit
  • Modernere Arbeitszeitmodelle
  • Transparente Gehaltsstrukturen
  • Und politische Rahmenbedingungen, die strukturelle Ungleichheit nicht individualisieren

Die Zahlen zum Equal Pay Day 2026 zeigen deutlich, dass es sich um ein strukturelles Problem handelt – eingebettet in wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Mechanismen. Oder anders gesagt: Equal Pay darf kein Aktionstag bleiben. Es braucht Equal Pay every day.


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