Human Resources
Wie du durch Wechseljahre-Support deine weiblichen Talente an das Unternehmen bindest

Wie du durch Wechseljahre-Support deine weiblichen Talente an das Unternehmen bindest

Ein Gastbeitrag von Christina Nußbeck | 10.03.26

Hitzewellen, Schlafstörungen und Unwohlsein begleiten viele Frauen in den Höhepunkten ihrer Karriere. Die Wechseljahre sind ein natürliches, menschliches Phänomen und dennoch ein Tabuthema auf der Arbeit. Erfahre, wie Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen besser unterstützen und ihre Kompetenzen binden können.

Du sitzt motiviert und gut gelaunt in einem wichtigen Meeting und bist bestens darauf vorbereitet. Doch plötzlich spürst du, wie dich eine Hitzewelle überrollt. Du hast Herzrasen, kannst dich nicht mehr konzentrieren und kämpfst gegen das aufsteigende Unwohlsein an. Du leidest unter nächtlichen Schlafstörungen und tagsüber quälen dich Konzentrationsschwierigkeiten. Du beginnst, an dir selbst zu zweifeln. Anstatt dich jemandem im Team anzuvertrauen, ziehst du dich zurück und überlegst, zu kündigen.

Das beschriebene Szenario kommt dir bekannt vor? Kein Wunder, es ist kein Einzelfall. Es ist der Alltag von 7,5 Millionen berufstätigen Frauen in Deutschland. Sie sind mitten in ihren Karrieren und zwischen 45 und 60 Jahre alt. Sie sind hochqualifizierte Arbeitskräfte, die den Arbeitsmarkt mit ihrer Expertise und ihrem Wissen bereichern. Und sie stecken mitten in ihren Wechseljahren.

Wirtschaftsfaktor Wechseljahre: Warum 7,5 Millionen Mitarbeiterinnen Unterstützung brauchen

Acht von zehn Frauen erleben laut der Deutschen Menopause Gesellschaft spürbare Wechseljahresbeschwerden, wie geistige und körperliche Erschöpfung, Schlafstörungen, Hitzewallungen, Gelenkschmerzen, Reizbarkeit und depressive Verstimmungen. Jede zehnte von ihnen überlegt laut der Menosupport-Studie früher in Rente zu gehen. Jede vierte Frau reduziert, aufgrund der Beschwerden, ihre Arbeitszeit. Mitarbeiterinnen wechseln deshalb gar ihren Job oder verzichten auf Beförderungen. Der jährliche Schaden für Arbeitgebende durch Fehlzeiten der Mitarbeiterinnen und damit einhergehende Produktivitätsverluste beläuft sich laut Expert:innen auf bis zu 9,4 Milliarden Euro pro Jahr. Das Wechseljahrestabu verschärft außerdem die Geschlechterungleichheit, da sie für Frauen oft mit finanziellen Einbußen und Karriereverlusten einhergehen.

In Zeiten des Fachkräftemangels ist es für Unternehmen wertvoll, die Erfahrung und Kompetenz dieser qualifizierten Zielgruppe gezielt zu fördern. Ein ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM), das die Lebensphase der Wechseljahre aktiv und präventiv berücksichtigt, trägt maßgeblich dazu bei, die Gesundheit und Einsatzfreude dieser Fachkräfte langfristig zu erhalten. Wenn du das wertvolle Know-how deiner Mitarbeiterinnen erhalten und deren Bindung an das Unternehmen stärken möchtest, solltest du das Thema Wechseljahre auf die Agenda deines BGM setzen.

Wechseljahre und Menopause: eine notwendige Unterscheidung

Was genau versteht man denn nun unter den Wechseljahren oder der (Peri)menopause? Und ist beides das Gleiche? Die Antwort lautet Nein. Die Wechseljahre sind ein Prozess, der sich oft über 15 bis 20 Jahre hinziehen kann. Die Menopause dagegen ist definiert als der Zeitpunkt zwölf Monate nach der letzten Regelblutung. Die Perimenopause beschreibt die Phase vor der eigentlichen Menopause. In dieser Zeit, oft schon ab Anfang des vierzigsten Lebensjahres, beginnt der weibliche Hormonhaushalt zu schwanken. Es treten die ersten, oft diffusen Symptome auf – Zyklusschwankungen, Schlafstörungen, plötzliche Erschöpfungszustände. Nach der Menopause folgt die Postmenopause. Sie schließt sich an die Menopause an, also die zwölf periodefreien Monate, und kennzeichnet das Ende der weiblichen Fruchtbarkeitsphase.

Warum ist das für Arbeitgeber:innen, Führungskrafte oder HR Managere wichtig? Weil die erwähnten Symptome meist dann am stärksten sind, wenn die Frauen auf dem Gipfel ihrer Karriere stehen; zwischen dem fünfundvierzigsten und sechzigsten Lebensjahr. Genau dann, wenn sie dem Arbeitsmarkt nach Geburten, Elternzeit und Teilzeit wieder zur Verfügung stehen. Sie sind die Stütze vieler Teams und Abteilungen. Wenn diese Gruppe durch mangelnde Unterstützung ausfällt, macht sich das im Unternehmen bemerkbar. In den Teams durch Einbußen bei der Expertise und wirtschaftlich durch Produktivitätsverluste. Dabei sind die Lösung und die Strategie simpel: Enttabuisiere die Wechseljahre in Unternehmen und denke sie im BGM immer mit!


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© Tim Mossholder – Pexels


Was wir von Großbritannien lernen können

Während das Thema in Deutschland zumeist tabuisiert wird und schambesetzt ist, zeigt uns Großbritannien, wie man die Menopause im Unternehmen proaktiv und erfolgreich angehen kann. Dort hat die Regierung die „Women’s Health Strategy“ veröffentlicht: Unternehmen, die sich aktiv für den Menopause-Support ihrer Mitarbeiter:innen einsetzen, erhalten sogenannte Menopause Workplace Pledges. Bereits dreißig Prozent der britischen Firmen haben dafür spezifische Richtlinien entwickelt.

Das Gute ist: Auch in Deutschland gibt es bereits erste Impulse. So forderte die CDU/CSU-Bundestagsfraktion 2024 in einem Antrag die Erarbeitung einer nationalen Strategie für die Menopause nach internationalem Vorbild. Initiativen wie  Wir sind 9 Millionen treiben die Enttabuisierung voran und sorgen für gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Diese politischen und gesellschaftlichen Ambitionen können jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn Unternehmen aktiv durch ein modernes BGM die Basis für ein unterstützendes Arbeitsumfeld schaffen.

Dein Fünf-Punkte-Plan für ein unterstützendes Wechseljahre-Arbeitsumfeld

Warum erst auf gesetzliche Vorgaben warten? Welche Maßnahmen lassen sich kurzfristig umsetzen, um auf das Employee Wellbeing deiner weiblichen Mitarbeitenden in den Wechseljahren einzuzahlen? Folgend sind fünf praxisnahe Tipps, um die Arbeitsfähigkeit deiner Mitarbeiterinnen zu erhalten:

  1. Schaffe eine offene Gesprächskultur: Sprich im Unternehmen und im Team über das Thema. Zusätzliche interne Netzwerke oder „Menopause-Zirkel“ bieten Raum für Austausch ohne Stigmatisierung.
  2. Sensibilisiere deine Teams: Biete deinen Teams und Führungskräften Schulungen an – ausdrücklich auch den männlichen Kollegen. Je häufiger, offener und transparenter über die Wechseljahre und die Menopause gesprochen wird, desto schneller kommt es zur Entstigmatisierung. Außerdem sorgt es für ein besseres gegenseitiges Verständnis und das Gefühl von Wertschätzung. 
  3. Flexibilisiere die Arbeitsmodelle: Ermögliche Remote-Work-Optionen oder flexible Arbeitszeiten. An Tagen mit starken Beschwerden von zu Hause aus zu arbeiten oder flexibel über die Arbeitszeiten entscheiden zu können, hilft dabei, die Produktivität hochzuhalten, ohne die Gesundheit deiner Mitarbeiterinnen zu gefährden.
  4. Optimiere die Infrastruktur: Manchmal helfen kleine Dinge. Stelle Ventilatoren bereit, biete Zugang zu kühlen Ruheräumen und achte bei Arbeitskleidung auf atmungsaktive Materialien. Eine Ist-Analyse mittels anonymer Fragebögen kann dir helfen, den konkreten Bedarf in deiner Belegschaft zu ermitteln.
  5. Sorge für Informationsmöglichkeiten: Teil Infomaterialien über das Intranet. Schaffe die Position einer/eines Wechseljahresbeauftragten, die/der Kolleg:innen bei Fragen und Anliegen zur Verfügung steht.

Wechseljahre-Support als Win-Win-Strategie

Die Wechseljahre der Mitarbeiterinnen sind eine Phase, die mit Empathie und klugen Management-Entscheidungen begleitet werden kann. Wenn du die Bedingungen am Arbeitsplatz anpasst, zahlst du nicht nur auf das Wellbeing deiner erfahrensten Fachkräfte ein und verhinderst deren frühzeitigen Jobausstieg, sondern stärkst auch deine Position als attraktive:r Arbeitgeber:in. Du profitierst von einem gesunden Team, reduzierten Fehlzeiten und einer Unternehmenskultur, die Inklusion nicht nur plakatiert, sondern lebt. So wird aus dem vormaligen Tabuthema ein klarer Wettbewerbsvorteil in der Mitarbeiter:innenbindung und im Recruiting.

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