Human Resources
Zwischen Fachkräftemangel und Transformation: Warum Soft Skills und KI-Know-how immer wichtiger werden

Zwischen Fachkräftemangel und Transformation: Warum Soft Skills und KI-Know-how immer wichtiger werden

Marié Detlefsen | 16.01.26

Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen für Unternehmen und zwingt sie dazu, ihre Erwartungen an Arbeitnehmer:innen neu zu definieren. Erfahre, welche fachlichen und sozialen Skills 2026 über Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und Zukunftsfähigkeit entscheiden.

Der Arbeitsmarkt in Deutschland startet mit gemischten Signalen ins Jahr 2026. Konjunkturelle Unsicherheiten sind weiterhin spürbar, gleichzeitig planen viele Unternehmen, ihr Personal moderat auszubauen. Doch zwischen Einstellungsabsicht und tatsächlicher Besetzung klafft eine wachsende Lücke: Qualifizierte Arbeitnehmer:innen sind rar, und genau das zwingt Unternehmen dazu, ihre Kompetenzprofile neu zu justieren.

Eine aktuelle Befragung der ManpowerGroup, an der bundesweit mehr als 1.000 Unternehmen teilnahmen, zeigt deutlich, welche Fähigkeiten derzeit über Einstellung oder Absage entscheiden und warum klassische Qualifikationen allein nicht mehr ausreichen.

Fachkräftemangel bleibt auf hohem Niveau

Der Engpass auf dem Arbeitsmarkt verschärft sich weiter. So geben 83 Prozent der befragten Arbeitgeber:innen an, offene Positionen nicht oder nur schwer besetzen zu können, weil geeignete Bewerber:innen fehlen. Trotz dieser angespannten Lage planen 40 Prozent der Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Personalaufbau, während 18 Prozent einen Abbau erwarten. Weitere 38 Prozent wollen ihre Belegschaft stabil halten.

Trotz angespannter Lage planen 40 Prozent der Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Personalaufbau, © ManpowerGroup
Trotz angespannter Lage planen 40 Prozent der Unternehmen im ersten Quartal 2026 einen Personalaufbau, © ManpowerGroup

Doch was genau suchen Unternehmen überhaupt? Besonders stark nachgefragt sind IT- und datenbezogene Fähigkeiten. Rund 21 Prozent der Unternehmen suchen gezielt nach entsprechenden Kompetenzen. Noch deutlicher wird der Wandel beim Blick auf Künstliche Intelligenz: 19 Prozent der Arbeitgeber:innen benötigen Mitarbeitende, die KI-Tools sicher anwenden können, während 16 Prozent Know-how in der Entwicklung und im Training von KI-Systemen suchen.

KI ist somit kein Spezialthema mehr für einzelne Abteilungen, sondern entwickelt sich zur Querschnittskompetenz. Unternehmen erwarten zunehmend, dass Arbeitnehmer:innen digitale Werkzeuge nicht nur verstehen, sondern produktiv einsetzen können, im Tagesgeschäft ebenso wie in strategischen Prozessen.

Diese (digitalen) Skills suchen Arbeitgeber:innen

Der Fachkräftemangel beschränkt sich jedoch nicht auf Tech-Berufe. In Fertigung und Produktion berichten 19 Prozent der Unternehmen von Personalbedarf, in der Logistik sind es 16 Prozent. Auch Verwaltung und Office Management (15 Prozent) sowie Vertrieb und Marketing (14 Prozent) zählen zu den Bereichen, in denen qualifizierte Fachkräfte fehlen.

Diese Kompetenzen rücken 2026 in den Fokus, © ManpowerGroup
Diese Kompetenzen rücken 2026 in den Fokus, © ManpowerGroup

Angesichts leergefegter Bewerber:innenmärkte richten Unternehmen den Blick zunehmend nach innen. 28 Prozent setzen vorrangig auf Weiterbildung und Umschulung der bestehenden Belegschaft, um offene Rollen zu besetzen. Flexible Arbeitszeitmodelle wie Teilzeit oder variable Arbeitszeiten folgen mit 26 Prozent dicht dahinter.

Weitere Maßnahmen reichen von Gehaltserhöhungen (19 Prozent) über verstärkte Recruiting-Kampagnen (17 Prozent) bis hin zur gezielten Ansprache neuer Talentgruppen (16 Prozent). Ergänzend gewinnen Standortflexibilität, hybride Arbeitsmodelle, Automatisierung sowie internationale Rekrutierung an Bedeutung. Teilweise senken Unternehmen auch formale Abschlussanforderungen, um Zugang zu breiteren Bewerber:innenpools zu erhalten.

Soft Skills als Fundament des Wandels

Neben fachlicher Expertise rücken persönliche und soziale Fähigkeiten immer stärker in den Mittelpunkt von Einstellungsentscheidungen. Folgende Soft Skills werden laut der Studie von Unternehmen derzeit als unverzichtbar ansehen:

  • Kommunikationsfähigkeit sowie Zusammenarbeit im Team: Für 47 Prozent der Unternehmen stehen diese Kompetenzen an erster Stelle. Gerade in hybriden Arbeitsmodellen und interdisziplinären Projekten gelten sie als Grundvoraussetzung für erfolgreiche Zusammenarbeit.
  • Anpassungsfähigkeit und Lernbereitschaft: 36 Prozent der Arbeitgeber:innen präferieren Arbeitnehmer:innen, die offen für Veränderungen sind und sich kontinuierlich weiterentwickeln.
  • Professionalität und ausgeprägte Arbeitsmoral: Für 33 Prozent der Unternehmen spielen Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und eine professionelle Haltung eine zentrale Rolle im Arbeitsalltag.
  • Kritisches Denken und Problemlösungskompetenz: 28 Prozent der Befragten legen Wert auf analytische Fähigkeiten und die Fähigkeit, komplexe Herausforderungen selbstständig zu bewerten und zu lösen.
  • Digitale Grundkompetenzen: 22 Prozent der Unternehmen erwarten, dass Arbeitnehmer:innen sicher mit digitalen Tools umgehen können, unabhängig von Funktion oder Hierarchieebene.

Die Ergebnisse der Studie zeigen einen klaren Trend: Unternehmen suchen weniger nach perfekten Lebensläufen, sondern nach lernwilligen, digitalen und teamfähigen Arbeitnehmer:innen, die sich in einem dynamischen Umfeld behaupten können. Wer KI versteht, offen für Weiterbildung ist und soziale Kompetenzen mitbringt, verbessert die eigenen Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich.

Du möchtest mehr dazu wissen, welche Skills dich 2026 weiterbringen? Dann lies auch unsere Aufbereitung des Skills Economy Reports:


Skills Economy Report 2026:

Diese Fähigkeiten entscheiden über die Jobs der Zukunft

Skills Economy Report 2026: Diese Fähigkeiten entscheiden über die Jobs der Zukunft
© Christina Morillo – Pexels

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