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Grok 3 und Community Notes: X setzt bei Ads vermehrt auf KI – doch Transparenz bleibt auf der Strecke

Grok 3 und Community Notes: X setzt bei Ads vermehrt auf KI – doch Transparenz bleibt auf der Strecke

Larissa Ceccio | 24.02.25

X setzt mit Grok 3 auf KI-gestützte Werbung und verspricht einfachere Kampagnenoptimierung. Doch eine neue Studie wirft Zweifel auf: Während Ads immer smarter werden, bleibt die Transparenz auf der Plattform ein großes Problem – und Fehlinformationen oft unberührt.

Künstliche Intelligenz steht im Mittelpunkt der aktuellen Entwicklungen auf X. Mit dem jüngsten Update des Grok 3-Modells erweitert die Plattform ihr Angebot für Werbetreibende um neue Funktionen – darunter leistungsstarke Benchmarks, DeepSearch sowie einen Voice Mode. Diese Innovationen versprechen eine verbesserte Analyse und Optimierung von Werbekampagnen, sind jedoch ausschließlich zahlenden Nutzer:innen vorbehalten.

Parallel dazu wirft eine aktuelle Studie kritische Fragen zur Transparenz der Plattform auf: Ein Großteil der Community Notes, die zur Einordnung und Korrektur von Fehlinformationen dienen sollen, bleibt für Nutzer:innen unsichtbar. Dies stellt nicht nur die Glaubwürdigkeit der Plattform infrage, sondern könnte auch Auswirkungen auf die Werbewirkung haben.


Grok 3 ist da:
Das bietet das neue KI-Flaggschiff von xAI

Grok Image
Grok, © xAI via Canva


KI unterstützte Anzeigen: So funktionieren die neuen Tools von X

X-Eigner Elon Musk und sein Team treiben die Integration von KI auf der Plattform konsequent voran. Mit dem neuen Feature „Prefill with Grok“ können Werbetreibende automatisiert Anzeigen generieren, indem sie lediglich eine URL eingeben. Auf Basis der bereitgestellten Website-Inhalte erstellt das System eigenständig Werbetexte, Bilder und Call-to-Action-Elemente. Dies soll den Prozess der Anzeigenerstellung effizienter gestalten und Unternehmen eine schnellere, KI-gestützte Optimierung ihrer Kampagnen ermöglichen.

Die neue KI-gestützte Anzeigenerstellung mit „Prefill with Grok“ auf X ermöglicht automatisierte Werbeinhalte basierend auf einer URL, © X

Ein weiteres Feature heißt „Analyze Campaign with Grok“. Hier wird die Performance von Anzeigen mithilfe von KI analysiert und optimiert. X erklärt das so:

With ‚Analyze Campaign with Grok,‘ you get a clear, AI-driven breakdown of how your ads are performing, empowering you to refine your targeting, adjust your creative, and maximize your impact – all in a fraction of the time.

Der Roll-out erfolgt schrittweise, einige Werbetreibende dürfen die Features bereits testen. Ob die Features dauerhaft hinter einer Paywall bleiben oder für alle zugänglich sein werden, ist aktuell nicht abschließend geklärt.


Meta macht ernst:
Die Community Notes kommen

Metas Community Notes
© Meta via Canva


Community Notes: Die meisten Hinweise bleiben unsichtbar

X vermarktet Community Notes als bahnbrechendes Instrument im Kampf gegen Fehlinformationen – doch eine neue Studie zeigt: Das System scheitert an seinen eigenen Hürden. Die Mehrheit der Notizen bleibt unsichtbar, selbst wenn sie nachweislich korrekte Fakten enthalten. Statt ein effektives Mittel zur Aufklärung zu sein, verhindert die Plattform, dass ein Großteil der geprüften Informationen überhaupt bei den Nutzer:innen ankommt. Grundlage der Analyse waren 1.175.837 Community Notes, die 2024 öffentlich zugänglich gemacht wurden – sowohl sichtbare als auch verborgene Notizen.

Laut der Untersuchung des spanischen Fact-Checking-Portals Maldita vertrauen Nutzer:innen insbesondere Notizen, die sich auf professionelle Faktenprüfer stützen. Doch genau diese Notizen bleiben oft unsichtbar, weil X eine parteiübergreifende Zustimmung erfordert, bevor sie angezeigt werden. Was als Schutzmechanismus gegen Manipulation gedacht ist, sorgt in der Praxis dafür, dass politisch umstrittene, aber faktisch belegte Korrekturen blockiert werden.

Politische Paralyse statt Faktencheck

Die Studie zeigt, dass nur 8,3 Prozent aller vorgeschlagenen Community Notes tatsächlich veröffentlicht werden. Wird eine Notiz mit einer akkreditierten Fact-Checking-Organisation verknüpft, steigt die Sichtbarkeitsrate lediglich auf 15,2 Prozent. Mit anderen Worten: Selbst wenn eine Notiz auf verlässliche Quellen verweist, bleibt sie mit hoher Wahrscheinlichkeit unsichtbar. Dieses System macht Community Notes nahezu wirkungslos, wenn es darum geht, die Verbreitung von Falschinformationen tatsächlich zu stoppen.

Meta arbeitet ebenfalls daran, Community Notes auf den eigenen Plattformen einzuführen und argumentiert, dass offizielle Kooperationen mit Faktenprüfern überflüssig seien, weil Nutzer:innen diese ohnehin zitieren. Doch das ist Augenwischerei: Wenn geprüfte Fakten nicht sichtbar sind, helfen auch keine Zitate. Vielmehr zeigt die Studie, dass die strukturellen Schwächen des Systems gezielt ausgenutzt werden können, um unliebsame Wahrheiten verschwinden zu lassen.

X verliert weiter an Glaubwürdigkeit

Während X sich als führende Kraft für Transparenz und Nutzer:innenbeteiligung inszeniert, zeigt sich, dass die Plattform gezielt Mechanismen geschaffen hat, die faktische Richtigstellungen ausbremsen. Das Community Notes-Programm ist in seiner aktuellen Form ein Feigenblatt, das den Eindruck erweckt, Fehlinformationen zu bekämpfen, während es sie in Wirklichkeit weiter zirkulieren lässt.

Statt echter Aufklärung gibt es auf X eine politisch paralysierte Faktenprüfung, die nur in den seltensten Fällen durchdringt. Solange X diese systemische Schwäche nicht behebt, bleibt die Plattform ein Ort, an dem Wahrheit und Lüge oft nicht durch Recherche, sondern durch politische Lagerzugehörigkeit entschieden werden.


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© Panos Sakalakis – Unsplash


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