Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Dein wichtigster Touchpoint zur Digitalbranche.
Unternehmensnews
Auch Kanada möchte von Facebook und Google Geld für News Content – Entwicklung wie in Australien?

Auch Kanada möchte von Facebook und Google Geld für News Content – Entwicklung wie in Australien?

Niklas Lewanczik | 19.02.21

Nach Australien möchte nun die kanadische Regierung einen Gesetzesentwurf vorlegen, der Unternehmen wie Facebook und Google zur Gebührenzahlung für News-Inhalte von Publishern zwingen würde.

Der kanadische Heritage Minister Steven Guilbeault hat gegenüber diversen Medien erklärt, dass die Regierung Kanadas sich nicht von Plänen für ein Gesetz abhalten lassen möchte, das die Entlohnung von Publishern durch Tech-Unternehmen vorsieht, die deren News Content verbreiten. Die Erklärung kommt im Zuge der Entwicklungen in Australien, wo ein ähnliches Gesetz dem Vernehmen nach kurz vor der Verabschiedung steht. Als Reaktion auf das geplante Gesetzt dort hatte Google zunächst gedroht, Australien zu verlassen, sollte das Gesetz kommen. Facebook wiederum hat nun sogar journalistische Inhalte in Australien auf seiner Plattform gesperrt. Zugleich hat Google ein Stück weit eingelenkt und einen großen Deal mit der News Corp von Rupert Murdoch verkündet, zu der auch australische Publisher wie The Australian oder news.com.au gehören.

Guilbeault erklärte nun, dass Kanada sich auch durch die drastische Reaktion Facebooks nicht beirren lassen wolle und an vorderster Front stehe, wenn es darum geht, News Content für Facebook und Co. kostenpflichtig zu machen. Davon berichtet unter anderem Kanada-Korrespondent David Ljunggren bei Reuters.

Nach Austausch mit Australien, Deutschland und Co.: Kanada könnte Australiens Modell folgen

Bereits Anfang Februar hatte Steven Guilbeault eine Videokonferenz mit den zuständigen Minister:innen für Medien und Kommunikation aus Australien, Deutschland, Finnland und Frankreich abgehalten, um sich über die Zukunft von News Content im Online-Raum auszutauschen. Im offiziellen Dokument der kanadischen Regierung heißt es dazu etwa:

The ministers discussed the importance of promoting a healthy online information ecosystem that supports citizens’ ability to discover and access diverse online content, bolsters resilience against disinformation and encourages social cohesion. They also spoke about shared priorities, like ensuring that news organizations are fairly remunerated when their content is shared online.

Eine Entlohnung der Publisher hält der kanadische Minister für besonders wichtig und erklärt, man könnte in Kanada dem australischen Modell folgen – dies sieht allerdings auch vor, dass Unternehmen wie Google Publishern Vorabmeldungen zu Core Algorithm Updates geben müssten, was von den Unternehmen vehement abgelehnt wird. Reuters berichtet weiter, dass eine etwaige Einigung mit den Tech-Riesen wie Google aber auch ein solches Gewicht hat, weil ohne sie viele Journalismus-Jobs in Gefahr sind. Ein Gesetz, das eine Gebühr von Facebook, Google und Co. für News Content fordert, könnte Publishern demnach 620 Millionen kanadische Dollar pro Jahr einbringen. Ohne Zusatzeinnahmen aus solchen Deals seien laut Reuters 700 der 3.100 Print-Journalismus-Jobs in akuter Gefahr.

Kanada möchte dabei aber ein Modell vorstellen, das sich auf ein Gesetz berufen kann und nicht auf die Einigungen zu Googles Bedingungen allein angewiesen ist, wie sie beim Projekt Google News Showcase – das über eine Milliarde US-Dollar an Publisher ausspielen soll – vorkommen. Denn Steven Guilbeault erklärt:

What’s to say that Google – tomorrow, six months, a year from now – doesn’t change its mind and says its doesn’t want to do that any more?

Daher könnte Kanada, ähnlich wie Australien, die Online-News-Landschaft verändern. Für Publisher und Staaten hätten gesetzliche Vorschriften für News Content Deals unzweifelhaft Vorteile. Doch wenn sich Riesenunternehmen wie Facebook oder Google sträuben und den Usern News oder sogar ihre Dienste entziehen, ist dem digitalen Ökosystem nicht geholfen. Das globale Kräftemessen zwischen Politik und Tech-Unternehmen dürfte daher noch einige Wendungen nehmen.

Kommentare aus der Community

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*