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KI-Kolleg:innen aus Europa: Strawberry 1.0 fordert dots und Muse heraus

KI-Kolleg:innen aus Europa: Strawberry 1.0 fordert dots und Muse heraus

Larissa Ceccio | 27.10.26

E-Mails bearbeiten, Leads recherchieren und Meetings dokumentieren: Mit Strawberry 1.0 startet ein KI-Browser aus Europa, mit dem User virtuelle KI-Kolleg:innen erstellen und Aufgaben automatisieren können. Die Companions lassen sich samt Wissen und Arbeitsabläufen mit dem ganzen Team teilen. Wir haben mit dem Startup gesprochen und nachgefragt, wie souverän die europäische Alternative zu OpenAI, Anthropic und Meta tatsächlich ist.

Mit dots von OpenAI und Metas Muse sind zuletzt zwei ambitionierte AI Agents aus den USA gestartet, die auch mit niedlichen virtuellen Figuren aufwarten. Jetzt kommt Konkurrenz aus Europa: Das schwedische Startup Strawberry hat jüngst Version 1.0 des gleichnamigen KI-Browsers veröffentlicht. Damit können User eigene AI Companions erstellen, die Aufgaben im Browser automatisieren und sich samt Wissen und Arbeitsabläufen mit allen Team-Mitgliedern teilen lassen. Programmierkenntnisse sind dafür nicht erforderlich. Und niedlich sind die virtuellen Helfer:innen ebenfalls.

Datenschutzbedenken, die Abhängigkeit von US-Anbieter:innen und die Frage nach der Kontrolle über sensible Daten machen europäische Alternativen zu US-Technologien immer wichtiger. Mit Mistral, das zuletzt Large 4 auf den Markt brachte, gibt es bereits leistungsfähige KI-Modelle aus Europa, und Strawberry will nun auch bei KI-Agents für den Arbeitsalltag eine Alternative zu US-Angeboten bieten.

Doch ein europäischer Firmensitz allein garantiert noch keine technologische Unabhängigkeit. Wie unabhängig von US-Technologie ist Strawberry also wirklich? Darüber sowie über die Unterschiede zur US-Konkurrenz und die Kontrolle über KI-Agents hat OnlineMarketing.de mit CEO Charles Maddock und Founding Operator Laurits Wehding gesprochen.



Le Chonk:
Mistral Large 4 ist Europas neues Mega-KI-Modell

orangefarbene, verpixelte 4 und Katze vor dunklem Hintergrund
© Mistral via Canva


Strawberry 1.0: Europäischer KI-Browser mit bekannten Kund:innen

Hinter Strawberry steht ein zwölfköpfiges Team aus Stockholm um CEO Charles Maddock, COO Sebastian Thunman und CTO Arian Hanifi. Das 2023 gegründete Startup hat nach eigenen Angaben sechs Millionen US-Dollar von Investor:innen wie EQT und General Catalyst eingesammelt. Auch Gründer:innen von Lovable, Supabase und Hugging Face zählen zu den Geldgeber:innen.

Team des schwedischen KI-Startups Strawberry posiert mit AI-Companion-Figuren im Freien.
Strawberry Team mit AI Companions, © Strawberry

Bereits im Oktober 2025 startete Strawberry in die Betaphase, seit Februar 2026 ist der Browser allgemein zugänglich. Mit dem Release von Version 1.0 kommen nun unter anderem überarbeitete Companion-Designs und die sogenannte Companion Plaza hinzu, in der sich die virtuellen Begleiter:innen als animierte Figuren bewegen und miteinander interagieren können. Neun vorgefertigte Companions, darunter Sales Sally und Talent Theo, sollen den Einstieg erleichtern.

Oberfläche der Strawberry Companion Plaza mit bunten, animierten AI Companions und einem Eingabefeld für Aufgaben.
In der Companion Plaza von Strawberry 1.0 können User ihre virtuellen KI-Begleiter:innen auswählen und mit ihnen interagieren, © Strawberry

Strawberry wird nach Angaben von CEO Charles Maddock bereits von Hunderten Teams eingesetzt, darunter die KI-Unternehmen Lovable und ElevenLabs sowie das Healthtech-Unternehmen Tandem Health. In einem LinkedIn Post zum Launch erklärt Maddock, dass User ihre Companions innerhalb von rund 15 Minuten mit persönlichen Präferenzen vertraut machen können. Anschließend sollen die virtuellen Begleiter:innen rund um die Uhr Aufgaben übernehmen, etwa Meetings transkribieren, Präsentationen erstellen oder Recherchen automatisieren. Ein zehnköpfiges Team könne dadurch laut Maddock mehr als 100 Arbeitsstunden pro Woche einsparen. Unabhängige Belege für diese Zeitersparnis liegen bislang allerdings nicht vor.

Diese Funktionen bietet Strawberry 1.0

User können die AI Companions mit Anweisungen, Dateien und sogenannten Skills ausstatten und anschließend mit Kolleg:innen teilen. Daneben bietet der Browser verschiedene Funktionen zur Automatisierung von Arbeitsabläufen:

  • Multiplayer AI: Teams können AI Companions mitsamt Dateien, Skills und gespeicherten Arbeitsabläufen teilen und gemeinsam nutzen.
  • Routines: Agents bearbeiten Aufgaben nach Zeitplan oder bei bestimmten Ereignissen, etwa wenn neue E-Mails oder Leads eingehen. Auch regelmäßige Marketing Reports lassen sich automatisieren.
  • Parallel Agents: Umfangreiche Aufträge wie die Recherche zu 200 Unternehmen oder die Auswertung von 100 Bewerbungsprofilen werden auf mehrere Agents verteilt, die parallel arbeiten und ihre Ergebnisse zusammenführen.
Strawberry 1.0 mit geöffneter LinkedIn-Suche und der Anweisung, 100 Leads in weniger als fünf Minuten zu finden.
Der europäische KI-Browser Strawberry soll unter anderem die Lead-Recherche auf LinkedIn automatisieren, © Strawberry
  • Individuelle Companions: Nutzer:innen können Namen, Aussehen und Persönlichkeit der virtuellen Kolleg:innen anpassen.
  • Meeting Notes: Strawberry kann Gespräche über Google Meet, Zoom oder Microsoft Teams nach entsprechender Freigabe aufzeichnen und daraus Notizen sowie Folgeaufgaben erstellen, ohne dass ein zusätzlicher Meeting Bot teilnehmen muss.
Strawberry-Benachrichtigung über ein erkanntes Google Meet-Gespräch mit einer Schaltfläche zum Starten der Aufzeichnung.
Strawberry kann Video-Meetings erkennen und nach Freigabe aufzeichnen, ohne dass ein zusätzlicher Bot beitritt, © Strawberry

Von ChatGPT bis Meta Muse: Strawberry trifft auf starke Konkurrenz

Mit dem KI-Browser steigt Strawberry in einen Markt ein, in dem OpenAI, Anthropic, Meta und Google längst um die Automatisierung des Arbeitsalltags konkurrieren. OpenAI ermöglicht es Usern beispielsweise seit April 2026, Workspace Agents in ChatGPT zu erstellen und mit gesamten Team zu teilen. Sie können unter anderem Reports erstellen, Nachrichten beantworten und über Anwendungen wie Slack arbeiten. Mit ChatGPT Work und Claude Cowork kommen weitere Funktionen hinzu, bei denen Agents Websites bedienen, Formulare ausfüllen und angemeldete Accounts nutzen können. Anthropics Cowork kann zudem Aufgaben über längere Zeit im Hintergrund erledigen und Informationen aus früheren Gesprächen berücksichtigen.

Mit Metas Pendant Muse können berechtigte User ebenfalls einen persönlichen AI Agent mit eigenem Browser und Computer nutzen, der auf verbundene Anwendungen zugreift und beispielsweise Instagram Creator bei der Content-Planung und Organisation unterstützt. Mit Muse for Small Business können inzwischen KMU auf Integrationen für Slack, Asana, Canva und Stripe zugreifen.

Auch die übrige Konkurrenz entwickelt entsprechende Angebote. Google ermöglicht mit Gemini Agents wiederkehrende Aufgaben über verschiedene Anwendungen hinweg, der Grok Bot kann inzwischen die X-Plattform nach Trends, Produkt-Feedback oder Nachrichten durchsuchen und Anthropic hat zuletzt mit Claude Duet einen weiteren Always-on Agent vorgestellt.

Strawberry setzt bei der Konkurrenz um KI-Agents vor allem auf die Kombination aus Browser und Team-Arbeit. Founding Operator Laurits Wehding erklärt gegenüber OnlineMarketing.de, warum das Startup den Browser als Ausgangspunkt gewählt hat:

Ein Agent in der App eines Anbieters sieht nur, was dieser Anbieter ihm gibt. Wir bauen um den Browser herum, weil dort die Arbeit passiert, mit den Accounts und dem Kontext, die der Mensch ohnehin offen hat, über alle Tools hinweg.

Auch andere KI-Unternehmen bieten inzwischen gemeinsam nutzbare Agents und vergleichbare Funktionen. Mit der Kombination aus KI-Browser, Team-Arbeit und europäischer Herkunft könnte Strawberry dennoch eine interessante Alternative zu den US-Angeboten sein. Doch wie unabhängig von US-Technologie ist das Startup tatsächlich?

Strawberry unterstützt europäische KI-Modelle und lokale Datenhaltung

Strawberry unterstützt nach eigenen Angaben europäische KI-Modelle und sichert eine vollständige EU-Datenresidenz zu. Ob das für eine Unabhängigkeit von US-Technologie ausreicht, hängt allerdings auch von der eingesetzten Infrastruktur ab. Gegenüber OnlineMarketing.de erklärt Laurits Wehding, inwiefern Unternehmen den KI-Browser mit europäischen Modellen und europäischer Infrastruktur betreiben können:

Strawberry ist modellagnostisch: Neben den Frontier-Modellen bieten wir auch europäische Modelle wie Mistral an, Unternehmen können also mit europäischen Modellen arbeiten.

Die Nutzung europäischer KI-Modelle ist damit möglich. Ob auch die übrige Infrastruktur und sämtliche Verarbeitungsschritte ohne US-Anbieter:innen auskommen, geht aus Wehdings Antwort allerdings nicht hervor. Die Datenschutzerklärung von Strawberry liefert dazu weitere Einblicke: Demnach verarbeitet das Unternehmen personenbezogene Daten sowohl in Europa als auch in den USA und kann Inhalte zur Bearbeitung von Aufgaben an externe KI-Anbieter:innen übertragen. Eine ausschließlich europäische Datenverarbeitung ist damit nicht für alle Fälle zugesichert.

Neben der europäischen Modellauswahl betont Strawberry auch den Datenschutz und die Kontrolle über die AI Companions. Das Startup verweist auf SOC-2-Prüfberichte vom Typ I und II. Logins und Browsing sollen lokal auf den Geräten der Nutzer:innen bleiben, während sich die Arbeitsschritte der Companions nachvollziehen lassen. Allerdings bleiben nicht sämtliche Informationen ausschließlich auf dem Gerät. Seit August können Chat-Verläufe auch verschlüsselt über den Strawberry Account zwischen Geräten synchronisiert werden.

Bei sensiblen Aktionen setzt Strawberry auf menschliche Freigaben, ohne die Agents bei jedem einzelnen Schritt zu unterbrechen. Gegenüber OnlineMarketing.de erklärt Wehding:

Wir fragen nicht bei jedem Schritt, sondern dort, wo es zählt, also bevor etwas gesendet, gelöscht oder veröffentlicht wird. Lesen, Recherchieren und Vorbereiten läuft ohne Klick durch. Dazu sind alle Schritte sichtbar und nachvollziehbar, sodass man im Zweifel zurückschauen kann. Die Freigabe ist also ein Entscheidungspunkt und kein Dauerklick.

So sollen Agents weitgehend selbstständig arbeiten, während User bei wichtigen Aktionen die Kontrolle behalten. Allerdings verhindern menschliche Freigaben nicht automatisch, dass fehlerhafte Ergebnisse übernommen werden.

Strawberry 1.0: Preise und geplante Expansion

Strawberry ist für macOS und Windows verfügbar und kann kostenlos ausprobiert werden. Auf der offiziellen Preisseite werden derzeit folgende monatliche Tarife angegeben:

  • Free: kostenlos mit 500 Credits
  • Intern: 20 US-Dollar mit 6.000 Credits
  • Part-time: 85 US-Dollar mit 25.000 Credits
  • Full-time: 250 US-Dollar mit 75.000 Credits

Daneben bietet Strawberry einen individuellen Team-Tarif an. Zusätzliche Credits kosten zehn US-Dollar je 1.000 Credits. Beim normalen Surfen fallen keine Credits an, sondern erst bei der Arbeit mit den Companions.

Nach dem Launch plant Strawberry außerdem eine Series-A-Finanzierungsrunde, um die Expansion in Europa und den USA voranzutreiben. Ein konkreter Zeitpunkt oder ein angestrebtes Finanzierungsvolumen wurden bislang nicht genannt.



„Your digital future is made in Europe“:
Europas Plan gegen Tech-Abhängigkeit

Pixel-Art-Grafik einer Figur, die von „Other tech“ zu „EU Tech“ springt. Der Schriftzug „Level Up“ symbolisiert den Technological Sovereignty Plan der EU, mit dem Europa die technologische Unabhängigkeit stärken und eigene Alternativen bei Cloud, KI, Halbleitern und Software fördern will.
© Europäische Kommission via X


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