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Claude Duet: Anthropics neuer Always-on Agent für Selbstständige und KMU

Claude Duet: Anthropics neuer Always-on Agent für Selbstständige und KMU

Larissa Ceccio | 22.10.26

Neuer Stern am Agent-Himmel: Mit Claude Duet will Anthropic vor allem Selbstständige und KMU entlasten und liefert damit Konkurrenz für OpenAI dots, Meta Muse und Grok Bot. Die Funktionen reichen von täglichen Briefings bis zu Finanzprognosen, während Fehleranfälligkeit und eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten den praktischen Nutzen begrenzen können.

Anthropic hat mit Claude Duet einen proaktiven KI-Agent vorgestellt, der sich insbesondere an Freiberufler:innen und KMUs richtet. Duet überprüft verbundene Anwendungen, priorisiert Informationen und erledigt Aufgaben selbstständig, auch wenn Nutzer:innen nicht am Computer sitzen. Anders als ein Chatbot, der auf Eingaben reagiert, soll der Agent selbst erkennen, wann Handlungsbedarf besteht und welche Aufgaben er ohne weitere Anweisungen bearbeiten kann.

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Die technische Grundlage bildet Claude Opus 5.5. Das Modell soll einschätzen, welche Informationen relevant sind, welche Aufgaben warten können und wann eine Entscheidung der Nutzer:innen erforderlich ist. Anthropic verspricht damit nicht nur die Ausführung von Arbeitsaufträgen, sondern auch deren eigenständige Priorisierung.

Claude Duet wird als eigenständige App für iOS und Android sowie über claude.ai angeboten. Die Research Preview startet zunächst mit einer Warteliste für Pro- und Max-Abonnent:innen in den USA. Eine allgemeine Freischaltung ist damit noch nicht verbunden. Interessierte können sich über die offizielle Duet-Seite auf die Warteliste setzen lassen.

Claude Duet trifft auf OpenAI dots, Meta Muse und Grok Bot

Mit Claude Duet wächst die Konkurrenz unter den Always-on Agents. OpenAI hat Ende September dots in ChatGPT als Antwort auf Metas Muse vorgestellt, die sich mit über 4.000 Apps verbinden lassen und Aufgaben selbstständig über verschiedene Dienste hinweg übernehmen können. Doch aktuell hat Muse in den US Download Charts die Nase vorn und stellt neue Rekorde auf, während Meta das Muse-Ökosystem mit Muse for Small Business, der Meta Enterprise Platform inklusive Muse sowie den KI-Modellen Muse Wonder und Wonder Full bereits weiter ausgebaut hat.

Innerhalb von 40 Tagen ist Muse weltweit 10,9 Millionen Mal heruntergeladen worden, davon 10,2 Millionen Mal in den USA. ChatGPT hat dort im vergleichbaren Zeitraum nach dem App Launch 3,7 Millionen Downloads erreicht, weltweit allerdings rund 15 Millionen. Auch bei der Nutzung liegt Muse in den USA vorn. Nach 14 Tagen nutzen noch 23 Prozent der User die App, bei ChatGPT, Claude und Grok sind es durchschnittlich 16 Prozent.

Die Zahlen sind allerdings nicht ohne Einschränkungen vergleichbar, denn Muse war zunächst nur in den USA und Kanada verfügbar, während ChatGPT bereits zum Start international angeboten wurde. Zum Erfolg von Muse trägt außerdem Metas massive Vermarktung bei. Laut Sensor Tower sind im Oktober 39 Prozent der erfassten Meta-Werbeausgaben auf Muse entfallen, nach 23 Prozent im September. Der Erfolg wird jedoch von einem Datenschutzproblem überschattet. Sicherheitsforscher:innen haben mehr als 6.800 öffentlich auffindbare Links zu Muse-Konversationen entdeckt, darunter vertrauliche Unternehmensinformationen und persönliche Daten. Meta hat die betroffene Sharing-Funktion inzwischen gestoppt.

Und dann gibt es da noch Grok Bot. Der seit August verfügbare Assistant von Elon Musks KI-Sparte SpaceXSI greift inzwischen selbst auf Claude Opus 5.5 zurück – jenes Modell, das auch Duet antreibt. Mit einem neuen Update kann Grok Bot nun außerdem Berichte, Memos und Dashboards erstellen.



Datenleck bei Meta Muse:
Tausende KI-Chats öffentlich auffindbar

Blaues Muse-Logo auf hellem Hintergrund. Metas KI-Agent steht wegen öffentlich auffindbarer KI-Chats in der Kritik.
© Meta via Canva


Das kann Claude Duet: Von täglichen Briefings bis zu komplexen Projekten

Claude Duet soll nicht nur Aufgaben auf Zuruf erledigen, sondern selbst erkennen, wo Handlungsbedarf besteht. Dafür wertet der Assistant Informationen aus verbundenen Anwendungen aus, erstellt jeden Morgen ein Briefing mit den wichtigsten Entwicklungen und meldet sich im Tagesverlauf, wenn eine Entscheidung ansteht. Anthropic will damit auch die Organisation und Priorisierung von Aufgaben an die KI übergeben. Ein Blick auf den Funktionsumfang:

  • Briefings und Benachrichtigungen: Duet fasst Nachrichten, Termine und Aufgaben zusammen, setzt Prioritäten und weist Nutzer:innen auf wichtige Entwicklungen hin.
  • Administrative Aufgaben: Der Agent organisiert Meetings, bearbeitet E-Mails, identifiziert unbezahlte Rechnungen und bereitet Mahnungen vor. Auch bei der Vorbereitung von Lohnabrechnungen und Verträgen soll er unterstützen.
  • Komplexe Projekte: Duet kann Präsentationen, Dokumente, Tabellen, Dashboards sowie Finanz- und Umsatzprognosen erstellen und darüber hinaus Prototypen und Web-Anwendungen entwickeln.
  • Mehr als 6.000 Integrationen: Über Konnektoren und Plugins lässt sich der Assistant unter anderem mit Gmail, Slack, Microsoft 365, HubSpot, Stripe, QuickBooks, DocuSign, Shopify und Canva verbinden.

  • Gedächtnis und Skills: Bereits gespeicherte Erinnerungen, Skills und verbundene Apps aus dem Claude-Konto übernimmt Duet automatisch. Gesteuert wird der Assistant über einen zentralen Chat per Text oder Sprache.
  • Menschliche Freigaben: Bevor Duet Nachrichten versendet, Zahlungen ausführt, Dokumente unterzeichnet oder Daten löscht, müssen Nutzer:innen zustimmen.
Anthropic stellt den neuen KI-Agent Claude Duet und dessen Funktionen für den Arbeitsalltag vor, © Anthropic/YouTube

Einen Einblick in die Nutzung von Claude Duet gibt Anthropics Head of Growth Amol Avasare. Er nutzt Duet für die Vorbereitung anstehender Meetings, die stündliche Sortierung und Archivierung von E-Mails sowie die Verwaltung von Ausgaben und Erstattungen. Außerdem lässt er Slack, E-Mails und Social Media nach Informationen durchsuchen, die ihm sonst möglicherweise entgehen würden, und seine Dashboards täglich auf Auffälligkeiten überprüfen.

Sicherheit bei Claude Duet: Wie viel Kontrolle behalten Nutzer:innen?

Je mehr Aufgaben Claude Duet übernimmt, desto umfangreicher werden die Zugriffsrechte. Schließlich kann der Assistant nicht nur E-Mails, Kalender und Finanzdaten auswerten, sondern über verbundene Dienste auch eigenständig handeln. Dabei besteht etwa das Risiko, dass manipulierte Inhalte als Arbeitsanweisungen verstanden oder vertrauliche Informationen an falsche Empfänger:innen weitergegeben werden. Anthropic setzt bei Duet deshalb auf mehrere Sicherheitsmechanismen, die teilweise bereits bei Claude Code und Claude in Chrome zum Einsatz kommen:

  • Geschützte Zugangsdaten: Die Verwaltung orientiert sich an Claude Managed Agents, sodass Duet Passwörter und Anmelde-Tokens laut Anthropic nicht selbst einsehen kann.
  • Kontrolle von Aktionen: Ein automatischer Klassifikator prüft, ob geplante Schritte den Anweisungen der Nutzer:innen entsprechen. Weitere Schutzmaßnahmen sollen Prompt Injections abwehren, bei denen versteckte Anweisungen in E-Mails, Dokumenten oder auf Websites das Verhalten des Agents manipulieren.
  • Schutz sensibler Daten: Ein zusätzlicher Klassifikator und ein Sicherheits-Prompt sollen die unbefugte Weitergabe vertraulicher Informationen verhindern. Anfragen zur Weitergabe von Kreditkartennummern und amtlichen Ausweisdokumenten sollen abgelehnt werden, während Gesundheits- und Finanzdaten nur auf ausdrückliche Anweisung weitergegeben werden dürfen.
  • Menschliche Freigaben: Bevor Duet Nachrichten versendet, Zahlungen ausführt, Dokumente unterzeichnet oder Daten löscht, muss der Assistant eine Zustimmung einholen. Wertpapierhandel und Überweisungen zwischen Konten bleiben auch mit Freigabe ausgeschlossen.

Nach Angaben von Anthropic haben interne Red Teams und ein externes Unternehmen die Sicherheitsinfrastruktur durch Penetrationstests geprüft. Duet ist außerdem Teil des öffentlichen Bug-Bounty-Programms. Weitere technische Details zu den Schutzmaßnahmen will Anthropic in den kommenden Tagen veröffentlichen.

Falsche Termine, übersehene Nachrichten: Die Schwachstellen von Claude Duet

Anthropic weist selbst darauf hin, dass Claude Duet Gesprächsverläufe falsch interpretieren und die Dringlichkeit von Nachrichten fehlerhaft einschätzen kann. Hinzu kommt eine Einschränkung des Always-on-Ansatzes, denn der Assistant prüft verbundene Anwendungen nur alle paar Stunden. Anthropic begründet das mit dem Rechenaufwand, den eine permanente Überwachung verursachen würde. Dringende Nachrichten können deshalb trotz der proaktiven Funktionen längere Zeit unbemerkt bleiben.

Bei privaten Erledigungen wie Ticketbuchungen funktioniert der Assistant laut Anthropic bislang weniger zuverlässig als bei beruflichen Aufgaben. Problematisch ist zudem die eingeschränkte Transparenz. Duet arbeitet auf einem eigenen virtuellen Computer mit Cloud Browser, dessen Aktivitäten Nutzer bislang nicht live mitverfolgen können. Gerade bei umfangreichen Aufgaben fehlt damit die Möglichkeit, während der Ausführung zu prüfen, welche Schritte der Agent tatsächlich unternimmt.

Dass die Eigenständigkeit von KI-Agents weit über fehlerhafte Terminplanung hinaus problematisch werden kann, musste Anthropic bereits bei eigenen Sicherheitstests erfahren. Wegen einer fehlerhaft konfigurierten Testumgebung haben Claude-Modelle auf die IT-Systeme fremder Unternehmen zugegriffen, obwohl sie eigentlich nur simulierte Angriffe durchführen sollten. Besonders weit ging Claude Opus 4.7, das bei der Suche nach einem fiktiven Testziel auf die Chat-Anwendung eines realen Unternehmens mit beinahe identischem Namen stieß. Das Modell hat daraufhin sämtliche E-Mail-Adressen der dort registrierten Nutzer:innen heruntergeladen, weitere vertrauliche Daten ausgelesen und eine Account-Löschung ausgelöst, die nach Einschätzung von Anthropic wahrscheinlich auch tatsächlich durchgeführt wurde.

Auch die Nutzungslimits könnten schnell zum Problem werden. Duet teilt sich das verfügbare Kontingent mit den übrigen Claude-Diensten, wobei schon die regelmäßigen Checks im Hintergrund Kapazitäten verbrauchen. Wer den Assistant zusätzlich Finanzprognosen, Dashboards oder Präsentationen erstellen lässt, könnte besonders mit dem Pro-Abo schnell an die Limits stoßen.



Claude erstellt Live Dashboards und Videos, setzt Usern aber neue Grenzen

Titelgrafik von Anthropic zur Einführung von Claude Dashboards und Claude Motion mit einer animierten Fahrradillustration.
© Anthropic via Canva


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