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Eigene Versionen bekannter Hits: Spotify plant kostenpflichtige KI-Remixe

Eigene Versionen bekannter Hits: Spotify plant kostenpflichtige KI-Remixe

Larissa Ceccio | 03.11.26

Spotify will Fans ab 2027 eigene KI-Remixe bekannter Hits ermöglichen und dafür einen monatlichen Aufpreis verlangen. Doch viele große Stars zögern, ihre Musik freizugeben. Hinzu kommt die Kritik an KI-Lizenzen und der Vergütung von Artists. Ohne deren Zustimmung droht Spotifys KI-Geschäft die Grundlage zu fehlen.

Den Lieblingssong als Dance Track hören oder einen bekannten Hit mit einer anderen Stimme neu interpretieren – Spotify will Fans künftig ermöglichen, mithilfe generativer KI eigene Versionen bestehender Songs zu erstellen. Wie die Financial Times berichtet, könnte die neue Funktion bereits im ersten Quartal 2027 starten. Auch eine Vorstellung rund um die Grammy-Verleihung im Februar sei denkbar. Dafür könnten zusätzlich zum Premiumabonnement monatlich vier bis fünf US-Dollar fällig werden. Weder der Starttermin noch der Preis sind bislang offiziell bestätigt.

Bereits im Mai 2026 hatte Spotify gemeinsam mit der Universal Music Group Pläne für das kostenpflichtige KI-Remix-Angebot angekündigt. Zunächst soll eine begrenzte Zahl an Usern die Funktion testen. Anders als KI-Musikgeneratoren wie Suno, die aus Texteingaben neue Songs erstellen, soll Spotifys Tool bereits veröffentlichte Musikstücke verändern. Damit unterscheidet sich auch der Umgang mit den Musikrechten. Während Spotify auf Lizenzvereinbarungen und die Zustimmung der Artists setzt, steht Suno wegen der unlizenzierten Nutzung geschützter Werke in der Kritik. Ende Juli entschied das Landgericht München I in einem Rechtsstreit mit der GEMA weitgehend gegen den KI-Musikdienst. Das Urteil, das unter anderem die Nutzung geschützter Musikwerke für das KI-Training betrifft, ist bislang nicht rechtskräftig.



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Smartphone mit der neuen Spotify-Funktion „Talk to Spotify“. Die KI ermöglicht es, Musik, Podcasts und Hörbücher per Sprache oder Texteingabe zu entdecken.
© Spotify via Canva


Nicht alle Artists wollen ihre Musik für KI freigeben

Für das neue Angebot hat Spotify bereits Lizenzvereinbarungen mit der Universal Music Group, Merlin, Kobalt und Believe geschlossen. Mit Sony Music und Warner Music wird laut Financial Times noch verhandelt. Zuletzt gab Spotify am 20. Oktober die Zusammenarbeit mit Believe bekannt.

Die Vereinbarungen mit den Musikunternehmen bedeuten allerdings nicht, dass automatisch sämtliche Songs für KI-Remixe zur Verfügung stehen. Denn die einzelnen Artists sollen selbst über ihre Teilnahme entscheiden können. Believe sieht dafür sogar ein zweistufiges Verfahren vor. Musikschaffende müssen zunächst grundsätzlich einer Berücksichtigung für KI-Angebote zustimmen, bevor sie gesondert über die Teilnahme an Spotifys Remix-Funktion entscheiden.

Gerade bei bekannten aktuellen Stars stößt Spotify laut Financial Times bislang auf Vorbehalte. Zu den prominenten Kritiker:innen von KI in der Musik gehört etwa Olivia Rodrigo, die Anfang Oktober in einem Interview mit The Hollywood Reporter erklärte, niemals KI für ihre eigene Musik einsetzen zu wollen. Auch aus Deutschland kommt Kritik. So bemängelte DJ Felix Jaehn Ende Oktober, dass KI-Modelle mit bestehenden Songs trainiert würden, ohne die Musikschaffenden um Zustimmung zu bitten oder angemessen zu vergüten. Rapperin Sabrina Setlur berichtete wiederum von einem KI-generierten Song, der ihre Stimme imitierte.

KI-Remixe als zusätzliche Einnahmequelle für Spotify

Artists und Rechteinhaber:innen, die ihre Musik für KI-Remixe freigeben, sollen entsprechend an den Einnahmen beteiligt werden. Wie hoch die Vergütung ausfallen wird, hat Spotify allerdings noch nicht bekannt gegeben. Fest steht, dass jede neue Version mit dem Originalsong verknüpft werden soll. Zudem sollen die Remixe künftig auch in Playlists erscheinen können, wobei ihre Streams in den Spotify Charts den ursprünglichen Titeln zugerechnet werden.

Für Spotify eröffnet das kostenpflichtige Angebot eine weitere Möglichkeit, die Einnahmen pro User zu erhöhen. Beim Investor Day im Mai stellte das Unternehmen eine Wachstumsstrategie vor, die bis 2030 ein durchschnittliches jährliches Umsatzplus im mittleren zweistelligen Prozentbereich vorsieht. Zusätzliche Bezahlangebote spielen dabei eine Rolle. Bernstein-Analyst Ian Moore rechnet laut Financial Times damit, dass bis Ende 2028 rund sieben bis acht Prozent der zahlenden Spotify User in den USA das Remix-Angebot zusätzlich buchen könnten. Voraussetzung bleibt jedoch, dass genügend Artists ihre Musik zur Verfügung stellen und das Angebot für Fans den zusätzlichen Preis rechtfertigt.

KI-Musik auf dem Vormarsch: Die Rechtefrage bleibt

Mit den geplanten Remixen erweitert Spotify den Einsatz von KI auf die Bearbeitung bestehender Songs. Mit Talk to Spotify können User bereits per Sprache oder Texteingabe nach Musik und Podcasts suchen, während neue KI-Kennzeichnungen für mehr Transparenz bei künstlich erzeugten Artist-Identitäten sorgen sollen. Auch andere Tech-Unternehmen bauen entsprechende Funktionen aus. Google ermöglicht mit Lyria 3 Pro die Erstellung bis zu drei Minuten langer KI-Songs, während Apple Playlists anhand von Texteingaben generieren lässt.

Mit den neuen Möglichkeiten wächst allerdings auch die Kritik aus der Musikbranche. Die US-amerikanische Musikergewerkschaft American Federation of Musicians wirft großen Labels vor, Einnahmen aus KI-Lizenzvereinbarungen nicht angemessen mit beteiligten Musiker:innen zu teilen. Der britische Council of Music Makers warnt wiederum davor, durch weitreichende Lizenzvereinbarungen die Kontrolle über Musik und Stimmen zu verlieren.

Auch der deutsche Verband PRO MUSIK hatte bereits im Dezember 2025 die mangelnde Transparenz bei KI-Vereinbarungen zwischen Streaming-Diensten, Labels und Technologieunternehmen kritisiert. Der Verband fordert nachvollziehbare Lizenzbedingungen, freiwillige Zustimmungen und eine faire Vergütung für alle beteiligten Musikschaffenden.

Für Spotify dürfte deshalb nicht nur entscheidend sein, wie viele bekannte Artists ihre Songs für KI-Remixe freigeben. Auch die konkreten Lizenzbedingungen und die Verteilung der Einnahmen werden darüber mitentscheiden, ob das Angebot in der Musikbranche Akzeptanz findet. Hinzu kommt die Frage, wie viele Fans tatsächlich bereit sind, für selbst erstellte KI-Versionen ihrer Lieblingssongs zusätzlich zu bezahlen.



AI Music in Overdrive:
Googles KI-Songs mit Lyria 3 Pro und Prompted Playlists für Apple Music

Google Gemini mit KI-generierter Musik-Playlist als Beispiel für Lyria 3 Songerstellung und AI Music Features
© Google via Canva


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