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AI Music in Overdrive: Google macht Gemini zum Musik-Tool und Prompted Playlists kommen zu Apple Music

AI Music in Overdrive: Google macht Gemini zum Musik-Tool und Prompted Playlists kommen zu Apple Music

Larissa Ceccio | 19.02.26

Google bringt mit Lyria 3 Song-Generierung direkt in Gemini. Apple testet Playlists, die aus Prompts entstehen. Creator profitieren von einer schnellen Möglichkeit, eigene Sounds zu erstellen, für die früher lizenzfreie Musik oder deutlich mehr Aufwand nötig war. Die Entwicklungen treiben die Branche weiter in eine Debatte über Sichtbarkeit und Kontrolle und darüber, wie kreativ KI eigentlich sein soll.

KI-generierte Musik polarisiert. Während einige sie als kreatives Werkzeug oder neue Form von Kunst begreifen, sehen andere darin einen Angriff auf künstlerische Arbeit und bestehende Geschäftsmodelle. Ein häufiger Kritikpunkt ist der fehlende menschliche Ausdruck oder die Sorge, dass Musik ihren kulturellen Wert verliert, wenn sie nur noch algorithmisch entsteht. Der Konflikt dreht sich damit weniger um Technologie allein, sondern um Vertrauen, Transparenz und die Frage, welche Rolle menschliche Kreativität künftig in der Musikwirtschaft spielt. Klar ist jedoch, dass Künstliche Intelligenz verändert und weiter verändern wird, wie Musik entsteht, kuratiert und gehört wird.

Ein besonders radikales Beispiel für diese Entwicklung liefert derzeit Claw FM. Der Radiosender aus dem Umfeld des Openclaw-Projekts sendet rund um die Uhr Tracks, die vollständig von KI-Agents erzeugt werden. Wer einschaltet, hört Musik, die nicht mehr von Bands oder Produzent:innen stammt, sondern von Software berechnet wird. Das wirkt wie ein Vorgeschmack auf eine Musiklandschaft, in der Songs nicht erst im Studio entstehen, sondern direkt aus Daten, Prompts und automatisierten Prozessen hervorgehen.

Parallel treiben neben neuen Playern wie Claw FM oder auch ElevenLabs und Suno AI zunehmend auch die großen Tech-Konzerne die Entwicklung voran und katalpultieren KI-generative Musik immer stärker aus der Experimentierphase. Google integriert jetzt mit Lyria 3 erstmals ein Musikmodell direkt in Gemini und macht Songerstellung zum Prompt Feature. Apple testet aktuell mit dem Playlist Playground eine KI-gestützte Kuratierung, bei der Playlists aus Textideen entstehen.



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© Apple via Canva


Google Lyria 3 generiert Songs Lyrics und Soundtracks direkt in Gemini

Mit Lyria 3 bringt Google Musik-KI direkt in die Gemini-Oberfläche. Statt professioneller Musik-Software reicht ein kurzer Text wie „lofi Beat für Regenstimmung“ und die KI erstellt einen bis zu 30 Sekunden langen Track. Auf Wunsch schreibt sie sogar passende Lyrics. Nutzer:innen können Tempo, Stil oder Gesang beschreiben und auch Bilder oder Videos hochladen, damit die KI einen passenden Soundtrack generiert.

Das Feature wird aktuell weltweit für alle volljährigen Gemini User ausgerollt und unterstützt mehrere Sprachen, darunter Deutsch und Englisch. Um es zu nutzen, reicht es, die Gemini App zu öffnen und im Tools-Menü die Option „Create music“ auszuwählen. Dort lässt sich die gewünschte Musik einfach beschreiben oder aus einer Vorlage starten. Damit wird Musikproduktion deutlich zugänglicher. Creator können etwa zu einem Reel oder Short sofort eine eigene Musikspur erstellen, ohne nach lizenzfreien Songs suchen zu müssen. Für Marken könnte Audio damit stärker Teil schneller Content Workflows werden.

Genau hier beginnt aber auch die Kritik aus der Musikbranche. Laut einem Beitrag von SWR Kultur basieren viele generative Musikmodelle auf bestehenden Songs als Trainingsmaterial. Viele Künstler:innen sehen darin ein Problem, weil ihre Werke genutzt werden, ohne dass sie daran verdienen. Gleichzeitig steigt die Qualität KI-generierter Musik stark. Umfragen zeigen, dass viele Hörer:innen kaum noch unterscheiden können, ob ein Song von Menschen oder Maschinen stammt. Streaming-Plattformen berichten bereits von zehntausenden neuen KI-Songs pro Tag. Allein Deezer spricht von rund 60.000 täglich hochgeladenen Tracks. Kritiker:innen befürchten deshalb, dass Plattformen künftig verstärkt auf günstige KI-Musik setzen könnten.

Google verweist auf Wasserzeichen über SynthID und betont, dass Lyria 3 keine bestehenden Artists imitieren soll. Trotzdem bleibt offen, wie kreative Arbeit geschützt wird, wenn Trainingsdaten weiterhin schwer nachvollziehbar sind. Gleichzeitig erweitert Google die Prüfmechanismen: Über Gemini lassen sich Audiosateien jetzt aktiv daraufhin überprüfen, ob sie mit Google-KI erstellt wurden – ein Schritt, der mehr Transparenz bei generierter Musik schaffen soll.

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Apple testet Playlist Playground und macht Playlists zu einem KI Feature

Auch Apple übersetzt die Entwicklung in eigene KI-Funktionen innerhalb von Apple Music. Wie ein Post von Lindsey Gamble zeigt, testet der Konzern mit Playlist Playground in iOS 26.4 ein Feature, bei dem Nutzer:innen nur eine Idee eingeben müssen. Die KI erstellt daraus automatisch eine Playlist mit rund 25 Songs inklusive Titelvorschlag sowie auswählbarem Cover und Beschreibung – ein Ansatz, den Spotify bereits seit Dezember 2025 mit Prompt-basierten Playlists verfolgt, bei denen sich Musiklisten aus kurzen Texteingaben generieren lassen.

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Die Funktion ist aktuell Teil der Entwickler:innenbeta von iOS 26.4 und wird voraussichtlich im Frühjahr breiter ausgerollt. In Apple Music geben Nutzer:innen beim Erstellen einer neuen Playlist einfach eine Idee oder Stimmung ein. Apple schlägt dafür Beispiel-Prompts wie „Morning Coffee Music“ oder „Hip-Hop-Party-Songs“ vor, erlaubt aber auch freie Eingaben. Was früher meist von Plattformen kuratiert oder von Nutzer:innen selbst zusammengestellt wurde, übernimmt damit zunehmend die KI. Statt Songs einzeln auszuwählen, reicht eine Beschreibung wie „Sommerabend am Wasser“ oder „Workout mit viel Energie“, um automatisch eine passende Playlist zu generieren.

An dieser Stelle werden jedoch auch Risiken sichtbar. Einige Branchenvertreter:innen befürchten, dass KI-gesteuerte Empfehlungen bekannte Songs noch stärker bevorzugen und unabhängige Artists weniger sichtbar werden. Gleichzeitig wächst die Abhängigkeit von Plattformalgorithmen, die entscheiden, welche Musik überhaupt noch gefunden wird.

Zusammen zeigen Lyria 3 und Playlist Playground, worauf sich die Musikbranche jetzt einstellen muss. Google automatisiert die Erstellung von Audio. Apple automatisiert die Auswahl. Für Creator entstehen neue Möglichkeiten, schneller Inhalte zu produzieren. Für die Musikbranche stellt sich gleichzeitig die Frage, wie menschliche Kreativität, Vergütung und Sichtbarkeit geschützt bleiben, wenn KI immer stärker in die Musikwelt eingreift.



Wettstreit der KI-Modelle:
Hinweis auf Googles Gemini 3.1 ist da

Gemini-Schriftzug, dunkler Hintergrund, bunte Symbole wie ein Stern
© Google via Canva


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