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Technologie
Nach TikTok-Vorbild: KI-basierte News App Artifact der Instagram-Gründer ist live

Nach TikTok-Vorbild: KI-basierte News App Artifact der Instagram-Gründer ist live

Niklas Lewanczik | 27.02.23

Kevin Systrom und Mike Krieger gründeten einst Instagram und verließen die Plattform später. Jetzt kehren sie mit einer neuen App zurück, die News im Stil von TikTok und dank KI-Unterstützung an die User ausspielt. Die App ist online und wir haben sie getestet.

UPDATE

Die neue News App der einstigen Instagram-Chefs und Gründer der Plattform, Artifact, ist jetzt für alle verfügbar. Das erklärt auch Schöpfer Kevin Systrom auf Twitter. Alle Interessierten können sich die App für Android und iOS herunterladen.

Artifact hat für die Live-Version der App neue Tools bereitgestellt, die die personalisierte Leseerfahrung optimieren und die Lesehistorie visualisieren sollen. User können nun beispielsweise in der App sehen, welche News in ihrem Netzwerk von Kontakten populär sind. Ein Badge zeigt an, wenn ein Artikel von mehreren Kontakten gelesen wurde.

Artifact zeigt populäre Artikel im Netzwerk an (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Artifact
Artifact zeigt populäre Artikel im Netzwerk an (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Artifact

Des Weiteren können die Nutzer:innen ihre Lesehistorie in Diagrammen visualisiert sehen – sobald sie mindestens zehn Artikel gelesen haben. Dabei werden Publisher und Kategorien hervorgehoben, die die Leser:innen bevorzugen.

Visualisierung der Lesehoistorie in der App (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Artifact
Visualisierung der Lesehoistorie in der App (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Artifact

Hinsichtlich der Publisher und Artikel können die User mit Downvotes anzeigen, dass ihnen bestimmte Beiträge nicht gefallen haben. Für den Zugang zur App ist jetzt keine Angabe einer Telefonnummer mehr notwendig. Wer aber eine hinterlegt, kann über verschiedene Smartphones und Geräte Neuanmeldungen vornehmen und auf gespeicherte Präferenzen und Historien zurückgreifen.

Die App der Instagram-Gründer im ersten Test

Wir selbst haben die App auch schon heruntergeladen. Als User lassen sich zuerst Interessengebiete auswählen, zu denen dann diverse Beiträge angezeigt werden. Auch vorhandene Bezahlabonnements können hinzugefügt werden. Es gibt einen Profilbereich sowie eine Rubrik für Headlines und einen Home-Bereich. Die Headlines-Rubrik zeigt aktuelle Themen an und subsumiert relevante Artikel dazu. Dabei sind die Themen zunächst US-bezogen und englischsprachig. Im Home-Bereich gibt es einen „For You“ genannten Feed mit gesammelten Artikeln zu den Interessengebieten, während auch zwischen Reitern gewechselt werden kann, die nur Beiträge zu den einzelnen Gebieten – wie etwa Books – anzeigen.

Der For You Feed bei Artifact, eigener Screenshot
Der For You Feed bei Artifact, eigener Screenshot
Beispiel für einen Themen-Feed bei Artifact, eigener Screenshot
Beispiel für einen Themen-Feed bei Artifact, eigener Screenshot

Wer binnen zwei Wochen 25 Artikel über Artifact liest, soll die App noch besser personalisieren können, wer 50 Artikel liest, erhält das Super Reader Badge; so werden die User zum Lesen und Nutzen der App animiert. Als Read zählt allerdings auch das kurze Laden eines in der App angezeigten Artikels. Während unseres Tests traten noch einige Fehler beim Laden des Feeds auf.

Die App funktioniert bereits als gute News-Übersicht, es wird sich hinsichtlich der Personalisierung und der Option, Inhalte auf verschiedenen Sprachen zu rezipieren, aber noch zeigen müssen, welche Relevanz Artifact für News-Leser:innen weltweit entwickeln kann.

Dieser Beitrag erschien erstmals am 1. Februar 2023.


Kevin Systrom und Mike Krieger sind vor allem für eines bekannt: Sie sind die Gründer von Instagram, einer der größten und einflussreichsten Digitalplattformen der Welt. Bis 2018 arbeiteten sie als CEO und CTO für die Social App, dann verließen sie Instagram aufgrund von Meinungsverschiedenheiten mit dem Mutterkonzern Meta (zu jener Zeit Facebook). 2018 erklärte Kevin Systrom:

We’re planning on taking some time off to explore our curiosity and creativity again. Building new things requires that we step back, understand what inspires us and match that with what the world needs; that’s what we plan to do.

Jetzt verkünden sie, dass sie tatsächlich etwas Neues geschaffen haben. Die News App Artifact ist KI-basiert, soll einen Algorithmus im Stile TikToks nutzen und personalisierte News für die User bereitstellen. Hat die App das Potential, zum nächsten Hit der Gründer zu werden?

Neue App der Instagram-Gründer: Das steckt hinter Artifact

Noch befindet sich die News App Artifact in einer privaten Betaphase. Daher können wir uns noch kein Bild davon machen, wozu die Applikation imstande ist. Interessierte können jedoch ihre Mobilnummer eingeben und sich auf eine Warteliste setzen lassen. Inzwischen ist auch die Eingabe von internationalen Nummern möglich.

Bei der App Artifact fokussieren sich Krieger und Systrom auf einen KI-basierten und personalisierten News Feed. Das erinnert zunächst an die Idee hinter Google Discover. Doch die News App soll eher wie TikTok funktionieren; die Erfolgs-Entertainment-App setzt auf einen KI-Algorithmus, um Usern Inhalte auszuspielen, die ihren Sehgewohnheiten gemäß und aufgrund ihrer allgemeinen Popularität auf der Plattform von Interesse sein könnten. Dabei stehen Inhalte, die aufgrund von Follow-Beziehungen vorgeschlagen werden, weniger im Fokus. Letzteres wird auf Instagram in diesem Jahr wieder mehr Gewicht erhalten, wie der Plattformchef-Adam Mosseri kürzlich ankündigte.

Tech-Experte Josh Constine geht davon aus, dass sich Artifact an der Grundidee TikToks orientieren wird. User sollen nach dem Ansehen von und Interagieren mit bestimmten Beiträgen auf ähnliche Inhalte freuen können. Damit könnten die einzelnen Artikel und Inhalte deutlich mehr Gewicht erhalten als die Publisher selbst. Das wiederum könnte auch kleinen Publishern erlauben, schneller mit gutem Content viral zu gehen, geteilt zu werden etc. Constine schreibt:

Making the article the atomic unit, not the publisher, could be a leap forward.

Erste Eindrücke für Betatester:innen und auf sozialen Netzwerken

Artifact setzt laut Kevin Systrom auf die modernsten KI-Technologien. Welche das sind, ist allerdings noch nicht angegeben worden. Mike Krieger teilt unterdessen auf Twitter einen Post, in dem er auch die Mitwirkenden Gunnar Ray und Adam Ho lobt und erste Eindrücke der Artifact Brand vermittelt.

Laut Rolling Stone können erste Betatester:innen bereits zwei Funktionen ausprobieren: Einen Feed mit Artikeln, die von Personen gepostet wurden, denen sie folgen, zusammen mit ihren Kommentaren zu jedem Beitrag und eine Inbox für Direktnachrichten, in denen Artikel privat diskutiert werden können. Wir dürfen gespannt sein, was die App zu bieten hat, sobald die Testversion verfügbar ist. Sollte sie auch nur annähernd so erfolgreich werden wie TikTok und Instagram, wird sich die mobile News-Rezeption deutlich verändern. Gerade Publisher sollte diese Entwicklung also im Auge behalten und das Potential erkennen. Für eine belastbare Einschätzung der App ist es derzeit aber noch zu früh.


Mithilfe eines neuen Features erklärt TikTok inzwischen, warum dir bestimmte Inhalte auf der For You Page empfohlen werden.

TikTok erklärt dir ab sofort den For You Feed

© Jonathan Kemper - Unsplash, TikTok-Logo
© Jonathan Kemper – Unsplash

Kommentare aus der Community

Theo am 01.02.2023 um 14:04 Uhr

An sich ja alles eine schöne und gute Idee. Aber dadurch werden die Newsbubbles noch mehr verstärkt. Jeder bekommt nur noch die Nachrichten, die in sein Weltbild passen, weil er sonst frustriert ist und die App verlässt. Wie soll man den in so einer App sich über verschiedene Meinungen ein Bild machen?

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