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Instagram Reposts im Feed: zwischen Reichweitenoptimierung und Content-Aneignung
Instagram Reposts im Feed, © Sarah Roizman via Canva

Instagram Reposts im Feed: zwischen Reichweitenoptimierung und Content-Aneignung

Larissa Ceccio | 27.03.25

Die Social-Plattform Instagram testet Reposts im Feed – und öffnet damit neue Türen für Reichweite und Content-Kuration. Doch das Feature birgt auch Risiken: von Content-Klau bis zum ungewollten Kontext.

Mit dem neuen Instagram Reposts Feature für den Feed landet fremder Content erstmals direkt im Haupt-Feed – und das sorgt bereits vorm offiziellen Roll-out für Diskussionen. „So it’s becoming TikTok“ and „the tiktokification continues“ – so kommentieren erste User auf Threads das neue Instagram Feature, das aktuell getestet wird: Reposts, die direkt im Haupt-Feed auftauchen.

Die Reaktionen zeigen jedoch: Das Feature polarisiert. Während einige Creator es als überfälligen Schritt in Richtung mehr Sichtbarkeit und Kuration feiern, kritisieren andere, dass Instagram sich damit weiter von seiner ursprünglichen Identität entfernt, Plattformen wie TikTok und X immer ähnlicher wird  – und die Content-Aneignung durch Dritte fördert.

Und genau darin liegt die strategische Dimension: Denn nicht nur TikTok lebt längst von Remix und Reuse. Auch X setzt seit dem Rebrand verstärkt auf kuratierte Inhalte, Shared Posts und News Snippets statt klassischer Eigen-Posts. Instagram folgt nun dieser Logik – und verändert damit mehr als nur seine UX. Es verschiebt den Fokus: weg von reinem Eigen-Content, hin zu einem sozialen Netzwerk, in dem auch das Teilen zählt.

Reposts, aber mit Feed Power

Bisher war das Teilen fremder Inhalte auf Instagram eher eine Randerscheinung – eine Funktion für die Story, nicht für die große Bühne des Feeds. Mit dem neuen Feature ändert sich das. Wie die Instagram-Expertin Sarah Roizman in einem Threads Post berichtet, können erste Nutzer:innen jetzt Reels und Beiträge anderer direkt in ihrem eigenen Feed teilen. Das funktioniert über ein neues Repost Icon unter dem jeweiligen Post.

Auf Threads ansehen

Ein Blick in Instagrams Help Centre bestätigt: Die neue Funktion erlaubt es, öffentliche Reels und Posts zu reposten. Follower sehen diese Reposts dann im eigenen Feed – und sie erscheinen zusätzlich in einem eigenen Tab auf dem Profil der repostenden Person. Über ein „Add a thought…“-Feld lässt sich außerdem ein individueller Text ergänzen, ähnlich wie ein Kommentar oder eine Caption.

Content curation is the new creation?

Für Creator ist das neue Repost Feature ein echter Gamechanger: Statt sich ausschließlich auf eigenen Content zu konzentrieren, eröffnen sich neue Wege, Reichweite aufzubauen – durch gezielte Kuratierung und das Teilen relevanter Inhalte aus der Community, von Brands oder zu aktuellen Themen. Besonders in Bereichen wie Bildung, Aktivismus oder Trendkommentierung entstehen so neue Formen der Sichtbarkeit und Interaktion, die über klassische Content Creation hinausgehen.

Auch Publisher wie wir, funk oder ZEIT ONLINE könnten vom neuen Repost Feature profitieren – etwa, indem sie komprimierte News Snippets oder edukative Inhalte veröffentlichen, die von Creatorn aus dem Bildungs- oder Politikbereich aufgegriffen und weiterverbreitet werden. So entsteht eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen journalistischen Formaten und kuratierender Creator Community, die auf Reichweite durch Relevanz setzt statt auf reine Promotion.

Doch der neue Kurationsfokus wirft auch Fragen auf – insbesondere in Bezug auf Urheber:innenschaft, Kontrolle und Kontext. Denn mit wachsender Reichweite steigt auch das Risiko, dass Inhalte ohne explizite Zustimmung in einem neuen Rahmen erscheinen – etwa auf Accounts, die nicht den ethischen, politischen oder stilistischen Vorstellungen der ursprünglichen Urheber:innen entsprechen. Die Grenze zwischen inspirierter Kuration und problematischer Aneignung verschwimmt – besonders, wenn sich Posts im Feed kaum noch vom Original unterscheiden lassen. Auch die Sorge um Content-Klau und die ungewollte Verknüpfung mit problematischen Absender:innen begleitet den Roll-out dieses Features.

Reposts im Feed befinden sich noch Roll-out, sind aber schon jetzt Teil einer größeren Entwicklung

Die neue Repost-Funktion ist derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. Im Help Centre heißt es, dass das Feature möglicherweise nicht für alle Nutzer:innen freigeschaltet ist – Instagram rollt es anscheinend schrittweise aus. Doch der Test zeigt, wohin die Reise geht: weg von der Plattform als reiner Content Host, hin zu einem Netzwerk, in dem Sharing, Remix und Curation eine größere Rolle spielen.

Dazu passt, dass Instagram zuletzt auch an neuen Suchfunktionen gearbeitet hat. Instagram bietet Usern im Rahmen dieser Entwicklung die Möglichkeit, nicht nur nach Profilen, sondern gezielt nach Themen oder Inhalten zu suchen. Meta positioniert Instagram somit zunehmend als Discovery-Plattform – und das Repost Feature könnte der nächste Schritt sein, um gefundene Inhalte prominenter teilen zu können.


Instagram arbeitet an Search Features:
Endlich nach Content und im Profil suchen

© warat42, Meta via Canva


Instagram als Content Hub: Zwischen Plattform-Shift und Kontrollverlust

Die neue Repost-Funktion ist derzeit noch nicht flächendeckend verfügbar. Im Help Centre heißt es, dass das Feature möglicherweise nicht für alle Nutzer:innen freigeschaltet ist – Instagram rollt es anscheinend schrittweise aus. Doch schon jetzt zeigt sich, wohin die Reise geht: weg von der Plattform als reiner Content Host, hin zu einem Netzwerk, in dem Sharing, Remix und Curation zentrale Rollen spielen.

Passend dazu treibt Instagram aktuell auch die Entwicklung neuer Suchfunktionen voran, die es ermöglichen, nicht nur nach Profilen, sondern gezielt nach Inhalten, Themen oder Interessen zu suchen. Damit rückt die Plattform noch stärker in Richtung einer Discovery-first-Logik. Der Reposts Feed ist dabei kein isoliertes Feature, sondern ein strategischer Baustein in diesem Wandel. Für Creator, Marken und Publisher entsteht so eine neue digitale Öffentlichkeit – eine, die mehr Sichtbarkeit verspricht, aber auch neue Verantwortung fordert. Gleichzeitig stellte Instagram bereits im vergangenen Jahr klar, dass originärer Content Vorrang hat und gezielt gefördert wird – eine Strategie, die auch im Kontext des neuen Repost Features Bestand haben sollte.


Instagram:
Algorithmus-Update belohnt kleinere Creator und Original-Content

Instagram-Farbverlauf
© Luke Chesser – Unsplash

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