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Social Media Marketing
Facebook antwortet auf #StopHateForProfit: „Wir profitieren nicht von Hass“
© Flickr / TechCrunch, CC BY 2.0

Facebook antwortet auf #StopHateForProfit: „Wir profitieren nicht von Hass“

Nadine von Piechowski | 02.07.20

Über 400 Advertiser wie VW oder Coca-Cola nehmen an der Aktion #StopHateForProfit teil und schalten im gesamten Juli keine Werbung auf Facebook. Jetzt reagiert der Konzern auf den Boykott.

Die von der Anti-Defamation League, der NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) und der Organisation The Color Of Change ins Leben gerufene Aktion #StopHateForProfit zieht mittlerweile weite Kreise. Über 400 Unternehmen – darunter auch Coca-Cola und Reebok – pausieren für den gesamten Juli ihre Ad-Kampagnen auf Facebook. Damit wollen die Unternehmen auf den in ihren Augen zu laxen Umgang mit Hate Speech auf der Plattform aufmerksam machen. Jetzt antwortet der Konzern auf die Kampagne und weist auf die bisherigen Maßnahmen Facebooks zum Umgang mit kritischem Content hin. Die Reaktion auf die Aktion seitens des Unternehmens ist nicht verwunderlich. Denn es ist zwar unwahrscheinlich, dass #StopHateForProfit selbst langfristige Auswirkungen auf den Gesamtumsatz von Facebook haben wird. Aber eine Beschädigung der Reputation und ein damit einhergehender, schleichender Rückgang der Ad Spendings könnte dem Konzern künftig erheblichen finanziellen Schaden zufügen. Die Facebook-Aktie fiel wenige Stunden nachdem die Aktion startete um ach Prozent.

Nick Clegg, Facebooks VP of Global Affairs: „Facebook does not profit from hate.“

Nick Clegg, Facebook VP of Global Affairs and Communications, veröffentlichte auf dem Blog des Unternehmens eine Stellungnahme zu der Aktion. In dieser antwortet er auf die Vorwürfe, die die Kampagnen-Betreiber erheben. Des Weiteren geht er auf die Forderungen ein, dass Facebook stärker gegen Hate Speech vorgehen soll. So schreibt Clegg:

I want to be unambiguous: Facebook does not profit from hate. Billions of people use Facebook and Instagram because they have good experiences – they don’t want to see hateful content, our advertisers don’t want to see it, and we don’t want to see it. There is no incentive for us to do anything but remove it.

Außerdem betont der ehemalige Politiker, dass Facebook in Zeiten der Coronakrise den Menschen dabei geholfen habe, in Kontakt zu bleiben. Auch dass die #BlackLivesMatter-Bewegung über Facebook einen erheblichen Push bekommen habe, bekräftigte Clegg in seinem Post:

It is worth remembering that when the darkest things are happening in our society, social media gives people a means to shine a light. To show the world what is happening, to organize against hate and come together, and for millions of people around the world to show their solidarity.

#StopHateForProfit: Ein Facebook Post von Trump brachte das Fass zum Überlaufen

Clegg beteuerte weiter, dass Facebook bereits zahlreiche Maßnahmen umsetze, um Hate Speech auf der Plattform keinen Raum zu geben. Trotzdem sei hasserfüllter Content bei einem Netzwerk mit Milliarden von Usern weltweit unvermeidbar. Den Initiatoren von #StopHateForProfit ist dies ebenfalls bewusst. Den Anstoß für die Aktion brachte aber Facebooks Umgang mit einem Post des US-Präsidenten Donald Trump.

Mark Zuckerberg entschied sich diesen Post von Trump weiterhin auf der Plattform stehen zu lassen, Screenshot Facebook

Das Staatsoberhaupt bediente sich in seinem Post an rassistisch konnotierten Redewendungen. Gleichzeitig bedrohte er damit Demonstranten, die im Rahmen der #BlackLivesMatter-Proteste auf die Straße gingen. Während Twitter die Posts mit einem Warn-Label markierte, lässt Facebook diese bis heute auf der Plattform bestehen. Den Umgang mit kritischem Content, der von Politikern stammt, kommentierte Clegg wie folgt:

When we find hateful posts on Facebook and Instagram, we take a zero tolerance approach and remove them. When content falls short of being classified as hate speech – or of our other policies aimed at preventing harm or voter suppression – we err on the side of free expression because, ultimately, the best way to counter hurtful, divisive, offensive speech, is more speech.

Cleggs Stellungnahme bekräftigt weiter die Haltung, die Facebook CEO Mark Zuckerberg bereits in der Debatte um den umstrittenen Post vertrat. Denn auf dem Unternehmens-Blog heißt es:

As a former politician myself, I know that the only way to hold the powerful to account is ultimately through the ballot box. That is why we want to use our platform to empower voters to make the ultimate decision themselves, on election day.

Die Posts des US-Präsidenten beeinflussen viele Menschen

Der Social-Media-Konzern rechtfertigt den bisherigen Umgang mit Trumps Posts damit, dass diese von öffentlichem Interesse seien. User sollten vorbehaltlos sehen können, welche Meinung und Interessen die von ihnen gewählten Politiker vertreten. Was im Prinzip richtig erscheint, kann schnell gefährlich werden. Denn während sich einige User kritisch mit den Posts von Politikern auseinandersetzen und sich so eine Position bilden, werden diese von anderen unreflektiert in ihr Meinungsbild übernommen. Besonders die Posts von Donald Trump beeinflussen die Meinung vieler Menschen und sind – da sie häufig Fake News verbreiten – eine potentielle Gefahrenquelle für die restliche Community. Ein konkretes Beispiel dafür liefert die anhaltende Pandemie. Denn während offizielle Gesundheitsorganisationen dazu raten, Mund-Nase-Masken zu tragen, sträubt sich der US-Präsident dagegen. Anhänger von Trump könnte dies dahingehend beeinflussen, dass sie in der Öffentlichkeit keine Schutzmasken tragen. Das wiederum könnte die Gesundheit vieler anderer Menschen gefährden.


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Hate Speech auf Facebook: Die Plattform hat ihre Maßnahmen bereits verbessert

Facebook kommt in der Debatte allerdings zugute, dass die Plattform im Allgemeinen die Maßnahmen zum Umgang mit Hate Speech über die vergangenen Jahre erheblich verbesserte. Eine Analyse der Europäischen Kommission ergab, dass Facebook 95,7 Prozent des gesamten gemeldeten Contents in weniger als 24 Stunden überprüft und gegebenenfalls löscht. Dieses Ergebnis kommt nicht von ungefähr. Tino Krause, Country Director DACH bei Facebook, betont, dass der Konzern ständig daran arbeite, den Umgang mit Hate Speech auf der Plattform zu verbessern:

Wir akzeptieren keine Hassrede auf unseren Plattformen und entfernen diese, sobald wir darauf aufmerksam werden. Unser Ansatz gegen Hassrede und andere unerwünschte Inhalte entwickelt sich stetig weiter und wir investieren jährlich mehrere Milliarden US-Dollar in die Sicherheit unserer Plattformen.

Dass Facebook aktiv gegen hasserfüllten Content vorgeht, zeigt ebenfalls, dass regelmäßig neue Features für Instagram und die Plattform selbst gelauncht werden, die dem entgegenwirken sollen. Im Allgemeinen verbessert sich das soziale Netzwerk in dieser Hinsicht also. Der Umgang mit Posts von Politikern bleibt allerdings weiterhin fraglich.

Immer mehr Unternehmen boykottieren Facebook: Zuckerberg will Initiatoren der Aktion treffen

Facebook scheint durch die #StopHateForProfit-Kampagne auf die Sorgen der Adversiter aufmerksam geworden zu sein. Das zeigen die Treffen, die zwischen den Unternehmen und dem Social-Media-Giganten laut dem Online-Portal Reuters stattfanden:

Facebook executives including Carolyn Everson, vice president of global business solutions, and Neil Potts, public policy director, held at least two meetings with advertisers on Tuesday, the eve of the planned one-month boycott.

Zusätzlich hat Facebook CEO Mark Zuckerberg zugestimmt, sich mit den Initiatoren von #StopHateForProfit zu treffen. In einem weiteren Blogpost geht Facebook ebenfalls auf die dem Unternehmen vorgeworfenen Punkte ein. Dass Facebook sich derart transparent und kooperativ zeigt, ist nicht verwunderlich. Schließlich wird die Liste der teilnehmenden Unternehmen immer länger. Zuletzt haben sich auch der Softwarekonzern SAP und der Auto-Hersteller VW der Aktion angeschlossen.

Welche Konsequenzen das soziale Netzwerk künftig aus der Aktion zieht, bleibt noch unklar. Auch die Debatte um den Umgang mit Posts von Politikern muss noch geführt werden. Klar ist allerdings, dass die Unternehmen mit ihrer Teilnahme an #StopHateForProfit ein Zeichen gegen Hate Speech gesetzt haben, das auch über Facebook hinaus nicht übersehen werden kann.

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