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YouTube sagt Pädophilie den Kampf an: Kommentare bei Millionen Videos gelöscht

YouTube reagiert auf die Aufdeckung pädophiler Kommentare, löscht hunderte Kanäle, deaktiviert Millionen Kommentare und informiert die zuständigen Behörden.

© Christian Wiediger - Unsplash

YouTube wird von einem kleinen Skandal erschüttert. Matt Watson deckte in einem Video auf, dass bei zahlreichen Kindervideos sexualisierende, ja pädophile Kommentare aufgetaucht und dort geblieben sind. Doch schockiert sind nicht nur die Nutzer. Erste große Advertiser stoppen ihre Werbung auf der Plattform und der Hashtag #YouTubeWakeUp geht viral. Daher greift das Unternehmen nun konsequent durch; eine andere Wahl bleibt ohnehin nicht.

Sexuelle Ausbeutung von Kindern schreckt immer mehr Werbetreibende ab

Die Entdeckung von Matt Watson (alias MattsWhatItIs) ist erschreckend und hat die Medienbranche in Aufruhr versetzt. In den Kommentaren zu Millionen Videos haben Nutzer die harmlosen Handlungen von Kindern auf verwerfliche Weise sexualisiert, wobei eindeutige pädophile Neigungen offenbart wurden. Allerdings, und das bemängelt Watson in seinem Video, hat YouTubes Algorithmus diese kontextuellen schweren Verstöße – nicht nur gegen YouTube-Richtlinien, sondern gegen geltende Gesetze – oft nicht erkannt. Und selbst wenn Kommentare für Videos deaktiviert wurden, blieben die fraglichen Kommentatoren meist unbestraft.

Diese ungeheuerliche Manipulation des Inhalts bei YouTube hat nun bereits dazu geführt, dass Advertiser ihre Werbung auf der Plattform einstellen, weil sie ihre Ads nicht in einem solchen Kontext ausgespielt wissen möchten. Die Walt Disney Corporation, Nestlé, Dr. Oetker und Epic Games waren darunter, nach Angaben von Ad Age zählen nun auch AT&T und Hasbro dazu.

Für YouTube erinnert das an den Werbeboykott, den die Plattform vor knapp zwei Jahren erlebte, als zahlreiche Werbetreibende ihr Advertising bei YouTube einfroren, weil es in höchst unseriösen Kontexten aufgetaucht war. Deshalb, und da die illegale Unterwanderung der Inhalte mit Hochdruck unterbunden werden soll, reagiert die Videoplattform nun eindeutig und hart.

YouTubes Gegenmaßnahmen

Die erste Reaktion vonseiten des Portals war eine Anpassung der Richtlinien zur Verwarnung und Bestrafung von Nutzern. Während diese Veränderungen gut nachvollziehbar sind, sind sie zugleich kaum drastisch. Im Hilfebereich YouTubes heißt es jedoch:

Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik bei sexuell missbräuchlichem Verhalten auf YouTube.

Explizit verboten sind auf der Plattform, ganz selbstverständlich:

Sexuell explizite Inhalte mit Minderjährigen und Inhalte, in denen Minderjährige sexuell ausgebeutet werden.

Problematisch bei der Erkennung der Inhalte war für YouTube sicher, dass es sich nicht um die Videos per se handelt, die gegen die Richtlinien verstoßen, sondern um die kontextuellen Kommentare. Allerdings ist das Problem nicht völlig neuartig und zahlreiche Nutzer fordern von YouTube eine klare Positionierung mit Maßnahmen.

Der Hashtag #YouTubeWakeUp hat sich in Social Media bereits etabliert und stellt YouTube nun medial noch mehr in die Pflicht. Und man reagiert, wie Mashable berichtet. In den letzten Tagen hat das Unternehmen nach eigenen Angaben über 400 Kanäle gelöscht, die Kommentare von mehreren Millionen Videos deaktiviert und als pädophil erkannte Kommentare sowie deren Urheber an die zuständigen Ermittlungsbehörden gemeldet. Twitter User Philip DeFranco teilte eine entsprechende Mitteilung für die YouTube Creators.

All das bewerkstelligte YouTube binnen 48 Stunden; und wir dürfen davon ausgehen, dass die Plattform weiter mit Hochdruck an einer Behebung des Problems arbeiten wird. Immerhin verliert nicht nur das Unternehmen Werbeeinnahmen, auch die YouTuber müssen auf Monetarisierung verzichten – zumindest zeitweise. YouTube hatte Entschädigungen für Advertiser angekündigt, deren Ads in den unangemessenen Kontexten ausgespielt worden waren.

In der Mitteilung kündigt die Plattform an, dass es noch mehr zu tun gibt und dass weitere Kräfte eingestellt werden sollen, die sich um die Prüfung derartig gelagerter Fälle kümmern können. Es bleibt zu hoffen, dass mit einer groß angelegten Analyse der Inhalte und Kontexte bei den Videos – wie kostspielig und komplex diese sich auch gestalten mag – solch irreguläres und illegales Verhalten aufgedeckt und beendet werden kann. Social Media bieten genauso viel Raum für böswillige Handlungen und Inhalte wie für bereichernden Content. Die einflussreichen und milliardenschweren Unternehmen sind aufgefordert, die Nutzer bestmöglich zu schützen und verwerfliche Inhalte auszuschließen. Dass das gerade bei einer Verlagerung der Illegalität in den Kontext der verschiedenen Inhaltsebenen extrem schwierig ist, darf nicht außer Acht gelassen werden. Daher sind alle Nutzer der Plattform angehalten, jeden Verstoß direkt zu melden. Für das Wohl aller Parteien – insbesondere aber der Minderjährigen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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