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Voice Search war gestern: Wie Visual Search E-Commerce und Social Media revolutioniert

Visual Search beschränkt sich nicht nur auf Google Lens. Auch Retailer können von dieser futuristischen Entwicklung profitieren. Wohin die Reise geht.

Screenshot, © Netflix

Mit Visual Search bieten sich Usern bisher ungeahnte Möglichkeiten. Über Bilder kannst du in Sekundenschnelle Informationen zu fotografierten Orten oder Gegenständen erhalten. Das ist nicht nur für die Nutzer sehr hilfreich, sondern auch für Onlineshops und Plattformen ein wahrer Sales- und Engagementtreiber.

Visual Search: Pinterest legt vor, Google Lens macht’s groß

Die visuelle Suche war bei Usern ein lang gehegter Traum. Einfach etwas abfotografieren und direkt im Anschluss erfahren, um was es sich dabei genau handelt. Oder, für Kaufinteressierte noch besser, das Bild bei einer Plattform hochladen und entsprechende Ideen oder Angebote dazu vorgeschlagen bekommen.

Pinterest war schon früh bei der Visual Search dabei. Denn mit der Pinterest Lens kannst du ein Objekt mit deinem Smartphone einscannen und dann bekommst du bei Pinterest verwandte Pins vorgeschlagen.

Pinterest Lens: Objekte scannen und verwandte Pins im Kontext sehen, © Pinterest

Während Pinterest vorweg ging, folgte Google kurze Zeit später mit Google Lens. Allerdings baut dieses Konzept auf dem bereits 2009 vorgestellten Google Goggles auf, bei dem ebenfalls mit Bildern gesucht werden sollte. Hierbei wurden noch Suchresultate zum Bild geliefert, sofern es erkannt wurde. Bei Google Lens hingegen kann die Kamera deines Smartphones all das, was du siehst, kontextualisieren.

Dabei geht das Lens-Modell Googles deutlich über die Funktionalität der Pinterest Lens hinaus. Vor Monaten bildete Google Lens einen ersten Blick in die Zukunft; inzwischen ist es ein Tool, das Ergebnisse zeigt.

Google Lens im Test

Search Engine Lands Greg Sterling hat Google Lens auf Herz und Nieren getestet. Die Ergebnisse, die das Tool zur visuellen Suche liefert, sind dabei durchwachsen. So erklärt Sterling, dass Lens, als Barcodescanner verwendet, prinzipiell immer das richtige Resultat aufweist.

Google Lens als Barcodescanner, © Greg Sterling

Probleme hat Lens wiederum, wenn Objekte ohne jegliche Beschriftung zu ermitteln sind. So hielt das System einen Apple Laptop aufgrund des Logos scheinbar für einen tatsächlichen Apfel.

Google Lens mit Problemen bei Objekten ohne Schriftzug, © Greg Sterling

Auch bei Gebäuden, sofern diese nicht sehr bekannt sind, hat das Tool Probleme. Dagegen funktioniert es bei beschrifteten Artikeln oder bekannten Objekten wie Bestsellern im Buchbereich sehr gut.

Google Lens liegt bei beschrifteten Objekten fast immer richtig, © Greg Sterling

So zeigt sich in Sterlings Test, dass Google Lens bis jetzt noch kein Match für die traditionelle Suche oder Voice Search ist. Aber mit etwas mehr Investment und Entwicklung dürfte die Google Lens künftig ein großartiges Tool für die Suche sein; und den Status der Visual Search als Suchoption der (nahen) Zukunft weiter festigen.

Visual Search wird fürs Onlineshopping relevant

Natürlich bietet es sich für Onlineshops an, die Vorteile der visuellen Suche auch für die eigenen Zwecke fruchtbar zu machen. Ganz besonders im Fashion-Bereich funktioniert das sehr gut. Immerhin suchen viele User online nach der Kleidung, den Schuhen oder Accessoires, die sie auf Bildern oder an Personen gesehen haben. Das wird durch Visual Search vereinfacht. Und zusätzlich werden Optionen geschaffen, die gesuchten Artikel direkt beim passenden Onlineshop angeboten zu bekommen.

Zum einen arbeitet der australische Retailer THE ICONIC mit einer Visual Search-Technologie, die wie ein Shazam für Kleidung funktioniert.

Hierbei kannst du deine Snaps von besonders tollen Outfits hochladen und die Website liefert dir die besten und ähnlichsten Treffer. Davon berichtet Stephanie Panecasio bei Finder.

 

THE ICONIC nutzt Visual Search als Retailer, © THE ICONIC

Über 50.000 Produkte von mehr als 800 Marken helfen dabei, den passenden Style auf Grundlage von Bildern zu finden. THE ICONICS Technologie-Chef Zoe Ghani erläutert bei Finder:

As a retailer who strives to be at the forefront when creating seamless shopping experiences, Snap to Shop means that Australian customers will be able to discover and receive their favourite products faster than ever. Visual search is just the beginning of what we’re working on at THE ICONIC to ensure our customers have the latest shopping tech at their fingertips.

Die Snap to Shop-App ist für Android und iOS User zumindest in Australien schon verfügbar. Dabei können auch ganz inspirierende Bilder von Instagram als Vorbild für die Artikelsuche bei Fashionshops genommen werden.

Eine API macht Visual Search mehr Onlineshops zugänglich

Ein Hersteller für Visual Search-Technologie, Syte.ai, hat inzwischen eine API eröffnet, die das Konzept für weitere Onlineshops öffnen soll. Das Feature Visual Search for All kann von Retailern innerhalb von 24 Stunden im Webshop integriert werden, so Catherine Shu bei TechCrunch. Dort funktioniert es ähnlich wie bei THE ICONIC: User können Fotos oder Screenshots hochladen, die für sie interessante Kleidung oder ähnliches zeigen, um dann die gleichen oder ähnliche Produkte zu finden.

Syte.ai hat hierfür eine Technologie angewandt, die genauso bei einem anderen Tool genutzt wird. Bei diesem können User relevante (Fashion)Artikel sehen, wenn sie mit dem Cursor über Teile eines Fotos streichen. Das Implementieren von Visual Search for All lässt sich laut Syte.ai’s Marketing Chef Lihi Pinto Fryman an einem Tag und über das Einbauen einer HTML-Zeile bewerkstelligen. Die Nutzer wie Retailer müssten dann monatlich einen Lizenzabtrag zahlen, der sich nach der geschätzten Zahl der Bild-Übereinstimmungen errechnet.

Das Spannende bei dieser Technologie: du kannst sie beispielsweise im Facebook Messenger testen. Wir haben ein zufällig ausgewähltes, stylisches Bild vom Instagrammer thegennextdoor gewählt und dem Chat Bot von Syte.ai im Messenger gesendet.

Instagram-Bild mit Mann in modischer Kleidung, © thegennextdoor, Screenshot Instagram

Der Bot reagiert erstaunlich schnell und recht präzise. Zunächst wirst du, wenn das obige Bild gesendet wird, gefragt, ob du auf die Hose, die Jacke oder das Shirt abzielst (die Schuhe wären evtl. bei einem weiteren Versuch zu ermitteln).

Die Frage des Bots: geht es dir um die Hose, das Shirt oder die Jacke, Screenshot Facebook Messenger

Daraufhin werden dir ziemlich gut übereinstimmende Produkte samt Hersteller und Preis angezeigt.

Die Hosenvorschläge zum Instagram-Bild, Screenshot Facebook Messenger

Auch die für den Trenchcoat liefert der Bot Ergebnisse.

Passende Jacken bei der Suche, Screenshot Facebook Messenger

Klickst du nun auf Get it for …, dann wirst du auf je verschiedene Shops weitergeleitet, etwa Macy’s oder den herstellereigenen Onlineshop.

Das Feature funktioniert also tatsächlich ganz gut und dürfte für die Fashion-Shopper einen Vorteil bringen, da so ganze Outfits leichter zusammenzustellen sind. Für Onlineshops bietet diese Funktion der Visual Search ebenso große Vorteile.

Dabei achtet das Feature von Syte.ai jedoch nur auf Mode. Sendest du dem Bot ein Bild einer Berühmtheit, kommen als Antwort Vorschläge mit Beispielen für die von ihm oder ihr getragene Kleidung (wir haben es einmal ausprobiert). Allerdings kannst du so herausfinden, was deine favorisierten Stars oder vielleicht Fashion-Vorbilder womöglich tragen.

Ist Visual Search in Zukunft gang und gäbe?

Da schon jetzt die Potentiale der visuellen Suche offenbar werden und das Internet, gerade Social Media, ohnehin stark bildbasiert ist, wird es eher eine Frage des Wann denn des Ob sein, bis Visual Search alltäglich wird. In diesem Kontext tun Marken gut daran, sich auf Visual Search einzustellen, zugleich aber auch auf ausführliches Visual Listening zu setzen.

Wie sich Google Lens und weitere Tools oder Plattformen, die die visuelle Suche vorantreiben, entwickeln, bleibt abzuwarten. Doch es sieht so aus, als würde die Technologie dir bald zu sehr viel von dem, was du siehst, datenbasierte Erklärungen oder gar Angebote liefern.

Einen an Science Fiction erinnernden, etwas gruseligen, aber doch nicht allzu weit entfernten Ausblick auf die Zukunft der Verschmelzung von Technologie und Visualität zeigt Mashable bei Twitter.

Mit dieser Form von Visual Search siehst du wirklich mehr, als vor deinen Augen erscheint.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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