Social Media Marketing

Twitter hört auf die Nutzer: Kontrolle über Timeline und spezifische Meldung von Tweets möglich

User forderten vom Medium eine optimierte Timeline und mehr Optionen, um unangemessene Tweets zu melden. Und Twitter reagiert nun mit entsprechenden Updates.

Twitter bringt neue Features, Screenshot YouTube, © Twitter

Trotz viel Kritik und zwischenzeitlichen Problemen bleibt Twitter für Nutzer, Marken und Persönlichkeiten ein zentraler Bestandteil im Social Media-Kosmos. Nun hat der Kurznachrichtendienst Updates bekannt gegeben, die auf die Ansprüche der Nutzer eingehen. Ein vereinfachtes Feature zum Switchen zwischen chronologischer und Top Tweets Timeline wird gestestet, während dank eines Updates Spam bei Tweets näher klassifiziert werden kann.

Das Wechselspiel mit der Timeline

Vor einigen Jahren hatte Twitter seine Timeline so verändert, dass manche aktuellen Tweets besonders relevanten weichen mussten. Allerdings wurde auf diese Weise gewissermaßen mit dem für Twitter charakteristischen Aktualitätsprinzip gebrochen und viele User waren verärgert. Tatsächlich sind die Neigungen bei einer Vielzahl von Nutzern natürlich unterschiedlich. Twitter hat aber auf das Feedback gehört und schon im September angekündigt den Wechsel zwischen den Optionen von chronologischer und Top Tweets Timeline einfacher zu gestalten.

Dieses Feature ist nun im Test und für vereinzelte Nutzer bei iOS einsehbar. Über einen Button im Home Screen lässt sich unmittelbar zwischen den jüngsten und den Top Tweets hin- und herwechseln; ohne dass groß in den Einstellungen etwas modifiziert werden muss.

Die meisten User nehmen den Test sehr positiv auf. Auch wenn manche noch auf andere Problemstellen verweisen.

Doch ein Update bei Twitter sorgt dafür, dass die Plattform und der Diskurs künftig womöglich besser von unangemessenen Inhalten befreit werden könnten.

Mehr Möglichkeiten, um Spam, Bots und Co. bei Twitter zu melden

Das Update des Mediums betrifft den Prozess des Meldens von Tweets. Hierfür werden umfassende Optionen bereitgestellt. Mit diesen lassen sich Verdachtsmomente gegen den Post näher definieren, sodass besser auf Bots oder betrügerische Seiten und Praktiken sowie Fake Accounts allgemein hingewiesen werden kann. Klickt ein Nutzer nun unter Tweet melden etwa auf die Option „Verdächtig oder Spam“, erlauben weitere Auswahlmöglichkeiten eine Spezifizierung der Gründe für die Meldung.

Der Prozess, um einen Tweet zu melden bei Twitter, Screenshot Twitter

Darunter finden sich die Optionen „Dieser Tweet stammt von einem gefälschten Account“ oder „Enthält einen Link zu einer potenziell schädlichen oder böswilligen Webseite oder einer Phishing-Seite“. Es kann außerdem auf irrelevante Hashtags oder Spam über die Antwortfunktion hingewiesen werden.

Das Melden von Tweets unter bestimmten Aspekten wird konkreter, Screenshot Twitter

Die Änderungen sind inzwischen in der Web-Version und mobil verfügbar.

Ein besseres Umfeld schaffen?

Zwar können Nutzer nun darauf hoffen, dass Twitter dank dieser granularer gestalteten Angaben zu unangemessenen Tweets das Umfeld insofern optimieren kann, dass Hasskommentare, Accounts von Nazis oder ähnlichen extremistischen Gruppen und fragwürdige Bots entschiedener verbannt werden. Was genau geschieht, sobald ein Tweet gemeldet wurde, bleibt jedoch unklar.

Allerdings scheint Twitter nicht nur oberflächlich auf die Nutzer zu hören, sondern ernsthaft daran interessiert zu sein die Integrität und das Diskurs-Klima der Plattform zu stärken. Dafür spricht, dass im Mai und Juni dieses Jahres laut Washington Post gut 70 Millionen Accounts wegen fragwürdiger Praktiken bei Twitter entfernt wurden. Des Weiteren hatte Twitter-Gründer Jack Dorsey vor Kurzem anscheinend zur Debatte gestellt den Like Button bei der Plattform zu entfernen, um von oberflächlichem Engagement zu einem tieferen Diskurs zu gelangen. Seine Worte waren:

We have a big like button with a heart on it and we’re incentivizing people to want it to go up. Is that the right thing? Versus contributing to the public conversation or a healthy conversation? How do we incentivize healthy conversation?

Während es sich hier eher um Spekulation und Zukunftsmusik handelt, hat Twitters Entscheidung die Zeichenanzahl pro Tweet auf 280 zu verdoppeln nicht nur dazu geführt, dass manche Wörter nun vermehrt ausgeschrieben werden.

Die Erwähnungen von „bitte“ (54 Prozent) und „danke“ (22 Prozent) haben sich erhöht, zudem ist die Zahl der Fragezeichen und Antworten auf Tweets gewachsen. Diese Erkenntnisse sind Indikatoren dafür, dass die Konversationskultur bereits optimiert werden konnte.

Mit den neuen Features könnte diese Entwicklung verstärkt werden, während der Test zum Timeline-Switch viele User positiv stimmen dürfte.

Nichtsdestotrotz hat Twitter mit dem Kampf gegen extremistische User oder Bots noch eine große Aufgabe vor der Brust. Solange ein Donald Trump oder jeder andere User die Plattform für ausgrenzende, irreführende und eine Demokratie zersetzende Äußerungen unbeeinträchtigt nutzen kann, wird diese Aufgabe nicht leichter; und die Kritik nicht abreißen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.