Marketing Strategie

Einzigartige Marketingstrategie im Porno-Business: Pornhub glänzt mit Einfallsreichtum

Linkbuilding, Social Media Marketing, Linkbaiting und vieles mehr: Pornhub ist breit aufgestellt und das trotz gewisser Porno-Blockaden.

© Kristin Gründler - Fotolia.com

Pornhub fiel in der Vergangenheit schon öfter mit äußerst spektakulären Marketing-Aktionen auf, mit denen sie – außerhalb der „Schmuddelecke“ – auf sich aufmerksam machten. So startete die Porno-Plattform beispielsweise eine Aktion, bei der Mindgeeks, das Unternehmen hinter der Marke Pornhub, für jedes hundertste Video, was geschaut wurde, einen Baum in den USA pflanzen wollte. Diese Aktion sorgte für enormen Traffic. Innerhalb kürzester Zeit mussten über 12.000 Bäume gepflanzt werden – das heißt über 1.200.000 mal wurden Videos geschaut. Der Marketing-Fachmann Javier Sanz spricht in Bezug auf die Online Marketing Strategie von Pornhub von „einem Schritt zu einem höheren Level für Pornoseiten“. Er hat die Marketingstrategie von Pornhub näher untersucht, wir zeigen euch die Ergebnisse.

Pornhub wird 2014 schätzungsweise 1,4 Millionen Terabytes Mobile-Traffic verbuchen

Nicht nur im Online Marketing boomt der mobile Bereich. Auch für die Pornoindustrie wird dieses Segment immer wichtiger. Im Vergleich zum Vorjahr (knapp 800.000 Terabyte Mobile-Traffic pro Monate) wird sich diese Zahl 2014 auf 1,4 Millionen Terabytes beinahe verdoppeln:

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Pornhub reagierte auf die Entwicklung innerhalb der Bevölkerung und ließ sich Folgendes einfallen: Lange Zeit zuvor konnten „lediglich“ fünf Pornovideos pro Tag angeschaut werden. Pornhub hob ausschließlich für Mobile diese Begrenzung auf, auf Desktop blieb sie weiterhin bestehen:

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Pornhub hat seitdem seine TV-Werbung für Erwachsenen-Unterhaltung und auch die Anzeigenschaltung im Desktop-Bereich eingeschränkt und konzentriert sich primär auf Mobile.

Social Media – insbesondere Twitter – dient als Marketing-Grundbaustein

Pornhub hat sich auch für seinen Twitter-Account etwas Spezielles ausgedacht. Anstatt, wie die meisten wohl vermutete hätten, ihn schlichtweg „Pornhub“ zu nennen, tauften sie ihn „Pornhub Katie“ – und das aus einem ganz bestimmten Grund. Katie ist nämlich der Name ihrer Community Managerin. Im Marketing kommt es immer mehr darauf an, seine Kunden persönlich anzusprechen. Je authentischer du auftrittst, desto beliebter wirst du auch bei deinen Followern/Fans sein. Dieser Auffassung ist zumindest Pornhub. Ob es ebenfalls Katie ist, die das Twitter-Titelbild schmückt, sei dahingestellt. Eine nette Marketing-Strategie wäre es allemal.

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Im weltweiten Vergleich rankt Pornhub in der Kategorie „Erwachsene“ am drittbesten. xVideos ist auf Platz eins, xHamster auf dem zweiten. Wenn man sich die Twitter-Performance anschaut, dann können diese Portale allerdings nicht ansatzweise mit Pornhub mithalten. Lediglich Youporn kommt auf ähnlich gute Statistiken.

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Würdest du ein höchst erotisches Foto retweeten?

Pornhub hat sich in Bezug auf seine Social-Media-Strategie die Frage gestellt, wie es abgesehen von erotischen und wollüstigen Bildern Content kreieren kann, der gerne geteilt wird. Die Lösung: Mit einem Schuss Selbstironie und Humor Bilder erstellen, die zweideutige Anspielungen machen, aber vollkommen jugendfrei sind. Hier sind einige der Bilder, die ihr sehen könnt, wenn ihr Pornhub auf Twitter folgt:

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Pornhub versucht stets kreativ zu sein. Dafür schrieb das Unternehmen sogar Ende letzten Jahres eine Stelle aus. Es wurde ein Creative Director gesucht, der sich der Aufgabe widmen sollte, eine Werbekampagne zu entwickeln, die auch in allen Mainstream-Medien gezeigt werden dürfe. Falls du also gern zweideutige Anspielungen machst und ein kreativer Kopf bist, wäre dies möglicherweise der ideale Job für dich.

Es gab einige Bewerbungen und die Bewerber wurden bereits dabei äußerst kreativ. Hier ein paar Beispiele:

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Wie hat Pornhub seine Community aufgebaut?

Großunternehmen wie Apple, Microsoft oder Sony haben es nicht schwer, eine Community aufzubauen, die über ihre Produkte schwärmen und sie im Internet teilen. Pornhub produziert beziehungsweise veröffentlicht im Gegensatz zu beispielsweise Apple aber keine neuen Smartphones oder Tablets, sondern oft obszöne Inhalte, die sehr auf die Privatsphäre des Menschen abzielen. Jedoch ist unsere Gesellschaft mittlerweile schon so offen, dass der Austausch von Bildern nackter Haut über Dienste wie WhatsApp oder Snapchat keine Seltenheit mehr sind. Sex wird thematisiert, sei es in den sozialen Netzwerken oder in so gut wie jeder TV-Sendung. Dennoch könnte es bei einigen Usern ein Schamgefühl auslösen, Pornoinhalte zu teilen. Deshalb denkt sich Pornhub für fleißige Teilende immer wieder kleine Geschenk-Aktionen aus. Wie beispielsweise: „Gewinne ein Pornhub-T-Shirt! Schreibe Pornhub auf deinen Körper. Die besten Bilder gewinnen.“

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Linkbuilding: Clevere Marketing Aktionen generieren Backlinks, auch von nicht-Porno-Seiten

Solche eingangs angesprochenen Aktionen wie das Pflanzen von Bäumen für jedes hunderteste Video, das in der Kategorie „Big Dick“ betrachtet wurde, bescheren Pornhub viele Verlinkungen – in diesem Fall rund 2.300 externe Backlinks. Eine weitere nennenswerte Aktion für das Linkbuilding war das ins Leben rufen des Blogs „PornHub Insights“. Auf diesem veröffentlichte das Unternehmen einige wissenswerte und interessante Insiderinformationen, Studien und Fakten über das Liebesleben:

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Linkbaiting: Pornhub weiß, wie es funktioniert

Nicht nur aufgrund vieler Spekulationen von Pornovergangenheiten prominenter Persönlichkeiten wie Paris Hilton oder auch der deutschen Gina Lisa kommt Pornhub mit oft über Suchmaschinen gesuchten Namen in Verbindung. Das Unternehmen versteht es gut, zu polarisieren. Zum Beispiel, indem Pornhubs Vice President Corey Price Stellung zum Skandal-Verhalten von Justin Bieber nimmt. Laut ihm würde Pornhub niemals die Lizenzen für ein Porno-Video von Justin Bieber mit seiner Freundin Selena Gomez kaufen. Dies dürfe Selena Gomez nicht persönlich nehmen, aber er könne das trottelige Verhalten von Bieber nicht unterstützen:

If and when a Justin Bieber/Selena Gomez sex tape is leaked, Pornhub will not buy or license the video. It’s nothing against Selena Gomez, we just don’t approve of all of Bieber’s gross behavior – spitting on fans, driving dangerously and endangering people, and just being a real jerk. If you’re into celebrity sex tapes, you can check out Kim Kardashian’s, Pamela Anderson’s and Paris Hilton’s all on Pornhub, but you won’t find a Bieber’s.

Dieses Interview kam bei den Millionen Justin Bieber Fans natürlich nicht gut an, führte aber zu einigen Verlinkungen. Auch auf Twitter nutzt „Pornhub Katie“ oft provozierende Aussagen, die für hohe Aufmerksamkeit sorgen:

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Video Marketing – auch außerhalb von pornhub.com und ohne Pornos

Pornhub hat sich für die Neugewinnung von Kunden etwas Schlaues ausgedacht. Diejenigen, die sich auf YouTube öfter Videos anschauen, sind auch potentielle Pornhub-Konsumenten. Wieso nicht also auch auf YouTube Präsenz zeigen? Dazu hat sich Pornhub einen starken Partner an seine Seite geholt. Der Kanal „Machinima“, der auf die Kernzielgruppe Gamer abzielt, veröffentlicht regelmäßig Videos über Pornhub, natürlich ohne Schmuddel-Zeugs zu präsentieren, das ist schließlich auf der Plattform von Google verboten. Aber beispielsweise hat das Team von Machinima einen durchaus amüsanten Spot zur Baum-Pflanzen-Aktion gedreht:

Mit 170 Millionen Unique Visitors pro Monat, 1,4 Millionen Facebook-Fans sowie 2,9 Millionen Google+ Abonnenten generiert Pornhub mithife von Machinima also auch außerhalb seines Porno-Portals mit Videos eine Menge an Aufmerksamkeit:

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Pornhub überzeugt mit Kreativität und das in vielen Marketing-Bereichen

Alles in allem zeigen die angeführten Beispiele, dass Mindgeeks, das Unternehmen hinter Pornhub, so einiges von Marketing versteht. Es kennt seine Zielgruppe, weiß zu polarisieren, spart nicht an den falschen Ecken und zieht mit kreativen, oft zweideutigen Aktionen immer wieder die Aufmerksamkeit auf seine Website. „Pornomäßiges Marketing“ – falls es so einen Begriff irgendwann mal geben sollte, Pornhub könnte ein Grund dafür sein.

Quelle: Moz

Über Heiko Sellin

Heiko Sellin

Heiko Sellin hat an der Hochschule Mittweida seinen Bachelor in Sportjournalistik und -management absolviert. Bevor er zu OnlineMarketing.de gestoßen ist, war er für das Hamburger Abendblatt als freier Mitarbeiter tätig und hospitierte beim NDR-Fernsehen und Sport1.

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