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“Es gibt kein Recht auf gratis. AdBlock User zukünftig aussperren.” – Was die Experten sagen – Teil 2

Was Dr. Dominik Matyka, Jens Jokschat und Simon Schier zu AdBlockern und der aktuellen Anti-AdBlock Kampagne der Verlage sagen.

Was sagen eigentlich die Experten zur aktuellen Anti-AdBlock Kampagne der Verlage? Wie sind AdBlocker im Allgemeinen einzuschätzen und zu bewerten? Wir haben ausgewählte Experten aus der Online Marketing nach ihrer persönlichen Meinung befragt.

Jeder Experte erhielt die Frage:

Wie ist deine grundsätzliche Meinung AdBlockern gegenüber? Was hältst du von der aktuellen “Anti-AdBlocker-Kampagne” der Verlage wie Spiegel Online etc.?


Dominik-MatykaDr. Dominik Matyka, CEO plista GmbH:

Das Verhalten der Nutzer, die sich durch großformatige Werbeeinblendungen gestört fühlen, ist verständlich und auch die Reaktion der Verlage ist nachvollziehbar. Allerdings ist die Debatte um AdBlocker nicht zielführend. Tatsächlich helfen auf längere Sicht ausschließlich innovative Vermarktungskonzepte, wie leserfreundliche Formate und die nutzerindividuelle Auslieferung von Anzeigen, die auch die Interessen der Nutzer berücksichtigen.

 


jens_jokschatJens Jokschat, CEO d3media AG:

Ich halte es für unproblematisch, wenn überzeugte Werbehasser Aufwand betreiben, um Werbung zu vermeiden. Gefährlich wird es jedoch, wenn eine breite Masse den Content Anbietern die ohnehin oft dünnen Einnahmen entziehen, einfach weil es einfach ist. Anecdotal evidence (d.h. Bitte um Handzeichen) zeigt, dass in studentischen Kreisen der Werbeblocker Anteil mittlerweile bei 40% liegt. Auf die Frage nach dem Warum kommt schon mal “Warum nicht?”.

Es wäre legitim, sollten Content Anbieter AdBlocker User zukünftig aussperren. Es gibt kein Recht auf gratis. Jeder bezahlt, wenn auch nur mit ein wenig Aufmerksamkeit. Das ist im Privatfernsehen nicht anders. Wer dazu nicht bereit ist, hat jederzeit das Recht, seine News in werbefreien Plattformen zusammen zu suchen oder dort, wo man toleriert, dass der Gast einen Alles-Gratis-Anspruch erhebt.


simon-schierSimon Schier, CEO revcloud:

Die AdBlocker Kampagne finde ich vom Ansatz her sehr begrüßenswert, da den Internetnutzern hierdurch verdeutlicht wird, dass die angebotenen Inhalte auch einen Wert haben, hinter Inhalten menschliche Arbeitskraft steckt.

Das die Aktion der Medien gleichzeitig zu einer Zunahme der AdBlocker führte, weil andere User wiederum erst darauf aufmerksam wurden, dass es solche Tools überhaupt gibt ist natürlich bedauerlich und zeigt, wie wenig manch einer von wirtschaftlichen Zusammenhängen verstanden hat. Letzten Endes ist dies ein Eigentor und wird zur Zunahme von Bezahlmodellen führen.

Ich würde aber sogar eine weitergehende Regelung für gut befinden: Niemand kann erwarten, dass andere z.B Journalisten, umsonst arbeiten müssen. Daher würde ich als Portal den Zugriff für Nicht-Zahler einschränken und vielleicht nur noch die Headlines einsehen lassen, möglicherweise mit einem Teaser – oder aber den Zugriff sogar komplett sperren und als Alternative zur Werbung ein Bezahlmodell anbieten. Denn das ist die einzige realistische Alternative, was von vielen Nutzern in der Vielfalt der vermeintlich kostenlosen Angebote schlicht verdrängt wird. Eine Hobby-Website kann kostenlos sein, ein journalistisches Qualitätsmedium mit Personal aber nicht. Und das wird verwechselt – es gibt nicht “das” nicht-kommerzielle Internet.

Darüber hinaus ist es schlichtweg anmaßend Adblock Plus User darüber entscheiden zu lassen, ob eine Anzeige “gefällig” ist oder nicht. Danke für den Hinweis liebe Nutzerschaft, aber dies damit zu verbinden, unschöne Anzeigen komplett zu unterdrücken und den Verlagen Geld zu entziehen ist unangebracht. Dann darf der Inhalt auch nicht konsumiert werden, denn ich kann ja schließlich auch nicht eine Banane essen, aber dann nicht bezahlen weil mir die Anzeige oder Verpackung des Artikels nicht gefallen hat. Adblocking ist Diebstahl an der Inventarhoheit der Verlage.


Till Faida, Macher von AdBlock Plus, nimmt exklusiv Stellung.


Hier geht es zum ersten Teil der Expertenmeinungen: ““Adblocker-Nutzern den Content vorzuenthalten ist die einzig logische Konsequenz” – Was die Experten sagen – Teil 1”

Wir berichteten bereits ausführlich über die Aktion der Verlage “Im Kollektiv gegen den AdBlocker – Verlage mucken auf” und über die Folgen “Anti-AdBlocker Kampagne der Verlage geht nach hinten los”.

Über Marc Stahlmann

Marc Stahlmann

Marc Stahlmann ist Geschäftsführer von OnlineMarketing.de, dem größten Digitalportal zum Thema Online Marketing. Als studierter Betriebswirt, Startup-Fan und Online Marketer ist er vertraut mit dem aktuellen Marktgeschehen. Zudem ist er Mitgründer und Organisator vom Online-Karrieretag, der größten Karriereveranstaltung für die Digitalbranche.

9 Gedanken zu „“Es gibt kein Recht auf gratis. AdBlock User zukünftig aussperren.” – Was die Experten sagen – Teil 2

  1. Franz

    Eben , es gibt kein Recht auf gratis .
    Wieso bildet sich die ganze Werbeindustrie ein , jedermann ungefragt und gratis mit ihren Botschaften belästigen zu können ? Klagloses freiwilliges Konsumieren fragwürdigen Werbemülls war gestern . Langsam sollte mal umgedacht werden . Werbung konsumieren kostet Zeit ( und Nerven ) – die der unfreiwilligen Konsumenten .
    Also : jeder Klick/Blick auf eine unbestellte Werbung sollte auch honoriert werden – auf dem Konto des unfreiwilligen Konsumenten . Auch die Nutzung und der Handel mit ( meist unfreiwillig erlangten ) Konsumentendaten durch die Werbeindustrie sollte endlich nicht mehr kostenlos sein , zudem sollten Schäden durch lasch programmierte Werbeblocks auch zu Lasten dieser Anbieter gehen .

    Wo bleibt hier der Aufschrei der Werbeindustrie ?

    Werbung kommt von Umwerben , nicht von stalken . Langsam sollte die ganze Werbebranche ( und ihre Kunden ) mal umdenken . Dezente Information statt aufdringlichem wüsten Geflacker ist in .

    Unabhängiger Journalismus und Werbung ist sowieso ein recht fragwürdiger Zusammenhang . Wer online etwas frei anbietet hat doch seine Gründe . Ist es nicht auch indirekte Werbung für die jeweilige Zeitung ? Wem das nicht reicht , sollte eben ein Bezahlsystem einrichten . Ob sich das rechnet kommt auf die Qualität des Produktes an , nicht auf die Werbung im unfreiwilligen Beipack . Dann zeigt sich auch , ob der Kunde wirklich erwartungsgemäß bedient wurde .Ist er zufrieden , kauft er – wenn nicht geht er eben .

    Warum geht denn das Druckmediengeschäft immer mehr in den Keller ?
    Warum wurden Werbeblocker erst notwendig ?

    Weil es langsam reicht mit diesem unsäglichen gigantischen Werbemüll . Ob in Druck – oder Onlinemedien , man kauft immer mehr Werbung , garniert mit wenigen wirklich interessanten Informationen .

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  2. dasOimel

    Wieso gratis? Immerhin werden ohne Einverständnis, ohne Ansage (noch nicht mal Opt-Out-Variante) meine Daten via Tracker an den Werbedistributor weitergegeben. Selbst wenn ich meinen Adblocker ausschalte, bekomme ich das meiste nicht angezeigt, weil über die Werbung jede Menge nicht angefragter Quatsch (stellvertretend Nuggad) nachgeladen wird. Third-Party-Scripte in Websites sind leider schon so gang und gäbe, dass einfach keiner mehr drüber nachdenkt, ob man da nicht auch einen anderen Weg gehen kann. Mir Werbung anzeigen lassen ist die eine Sache, aber meine Daten ohne zusätzlichen Anreiz an Firmen weiterzuverteilen, die nichts mit dem Deal Content gegen Werbung zu tun haben, sehe ich nun wirklich nicht ein. Wer mich kennenlernen will, soll mich gefälligst fragen und nicht mit Scripts stalken. Und wenn diese dämlichen Tracker eingesetzt werden, muss es transparent passieren: Ich weiß davon, weil es mir mitgeteilt wird, nicht weil ich einem statistisch begründeten Generalverdacht folgend, entsprechende Blockertools einsetze. Wenn mit fallenden Werbepreisen argumentiert wird, in die die Verteilung meiner Internetdaten schon zu Ausverkaufspreisen hineingerechnet wird, frage ich mich, warum ich als “Lieferant” von Datensätzen nicht daran beteiligt werde. Werbung – ok. Aber der Preisverfall meiner Bewegungsdaten hat etwas damit zu tun, dass ich als Vertragspartner schlicht von vornherein nicht akzeptiert werde. Wenn man uns mittlerweile soweit hat, in einem Markt “moralische” Selbstkontrolle in der Preisgestaltung üben zu wollen und die Adblocker auszuschalten, dürfen wir nicht genau durch diesen eingeforderten Vertrauensbeweis Sicherheitsrisiken ausgesetzt werden. Vulgo: You don’t track, I don’t block. Ist doch ganz einfach.

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  3. Kleckerlabor Blog

    Mit Verlagen und “Journalisten” die über ihre Scheißsituation rumjammern, will kein Leser etwas zu tun haben. gebe ich dir absolut Recht,

    Krass finde ich das Spiegel und Co, user generated Content in Form von Kommentare haben wollen, ich meinen Kommentar aber nur ohne Backlink abgeben kann das finde ich leicht Asozial, schliesslich bekommt einen Artikel auch durch meinen Kommentar mehrwert. Es währe Fair auch einen von mir geleistete Beitrag zu belohnen, einen Backlink tut keinem (finanziell) weh.

    Zum Thema Werbung sage ich nur folgendes, es gibt eine Menge Blogs die Webefinanziert sind und deren Inhaber davon leben, wenn ich was kaufen möchte und ich daran denke versuche ich auch meinen Einkauf über deren Werbebanner zu machen weil leistung auch bezahlt werden sollte, allerdings setzen diesen Blogs auf die angepasster Zielgruppe Werbung ein und ist deren Blog nicht überladen mit Werbung.

    Bei Spiegel, Focus und Co wissen die anscheinend nicht was wohl dosiert bedeutet, wenn ich die Seite aufrufe wird schon um einen Like gebettelt und für das ich irgend was like möchte ich wenigstens wissen was ich meine Unterstutzung abgebe.

    Für ein paar Monate habe ich noch Windows auf meinen Laptop gehabt beim Aufrufen von z.B einen Spiegelartikel ist mir gleich den Browser kollabiert wegen die ganzen Banner in Flashformat und das dürfte eigentlich nicjt sein.

    Mittlerweile habe ich die Problematik nicht mehr da meinen Laptop mittlerweile mit Ubuntu läuft und ich die Artikel von Spiegel und Co gar nicht mehr lese da schliesslich die deutsche presse agentur auch im Netz vertreten sind, Twitter ein tolles Recherche Tools ist, Wikipedia und die mittlerweile viele Blogs eine sehr gute Quelle sind zum recherchieren.

    Die Verlagshäuser möchte ich an dieser Stelle mal sagen hättet mal die Zeit und Mühe genommen um z.B. Selbständig im Netz (Peer wandiger) oder auch Blogprofis (Michael Firnkes) zu lesen hättet ihr die Problematik wahrscheinlich nicht.

    Hochmut kommt vor dem fall, viel zu lange habt ihr euch sicher gefühlt mit eueren Monopol zur Zeit wird euch die Rechnung dafür presentiert.

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  4. Arbol01

    @Ich:

    “Also wenn ich Spiegel lesen will dann weiche ich sicherlich nicht auf shortnews.de aus, nur weils dann gratis ist. Das ist einfach eine ganz andere Qualität ;-)”

    Was ist Shortnews? Und was hat das mit meinem Kommentar zu tun?

    “Ausserdem muss bei einem zuviel / Überschuss an Inventar noch niemand der Arsch auf Grundeis gehen, die Adblocker Thematik existiert seit gut und gerne 10 Jahren, die Medien entscheiden sich letztlich nur dazu, sich dieses Verhalten der User nicht mehr gefallen zu lassen.”

    Ich habe nur meine Meinung geäussert, das ich das Gefühl habe, das den Online-Medien und der Werbewirtschaft “der Arsch auf Grundeis” geht, und von dieser Meinung lasse ich mich auch nicht abbringen.

    Ich lese im WWW, seit es existiert. Und das die Werbewirtschaft ein massives Problem mit den Adblockern hat, habe ich jetzt durch die Aktionen von Spiegel, Zeit, Sueddeutsche et. al. mitbekommen.

    “entscheiden sich letztlich nur dazu, sich dieses Verhalten der User nicht mehr gefallen zu lassen”

    Die Verlage haben gar keine andere Wahl, als sich das Verhalten der User gefallen zu lassen.
    Sperren sie diese aus, dann bekommen sie nicht einen cent mehr. Im Gegenteil, sie riskieren einen Rückgang ihrer Leser. Mit Verlagen und “Journalisten” die über ihre Scheißsituation rumjammern, will kein Leser etwas zu tun haben.

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  5. Ich

    Arbol01: Also wenn ich Spiegel lesen will dann weiche ich sicherlich nicht auf shortnews.de aus, nur weils dann gratis ist. Das ist einfach eine ganz andere Qualität ;-)

    Die Argumentation zerfällt damit auch, sorry das ist eine Milchmädchenrechnung die an der wirtschaftlichen Realität das – alle! – Top-Medien kommerziell betrieben werden, vorbei geht.

    Ausserdem muss bei einem zuviel / Überschuss an Inventar noch niemand der Arsch auf Grundeis gehen, die Adblocker Thematik existiert seit gut und gerne 10 Jahren, die Medien entscheiden sich letztlich nur dazu, sich dieses Verhalten der User nicht mehr gefallen zu lassen. Warum ist ausreichend dargelegt.

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  6. Arbol01

    Wenn die “Experten” so gefragt worden sind, das diese annehmen mußten, das ihre Antworten nicht im Web veröffentlicht werden, dann werden sich diese Leute wahrscheinlich “in die Eier beißen”, das sie diese Antworten gegeben haben.
    Im anderen Fall muß man eigentlich in deren Verstand zweifeln.

    Internet ist nicht wie Fernsehen oder Radio. Wenn die Online-Zeitungen und Blogger auf den Rat der Advertising-Firmen hören, und Adblock-Benutzer (ich zähle hier auch mal ghostery und noscript dazu) aussperren, dann passiert ihnen das gleiche, wie Restaurant- und Fastfood-Betreibern, die sich bei ihrer Kundschaft ausweinen, wie schlecht es ihnen denn geht – Sie verlieren auch ihre Leser, die keine Adblocker benutzen. Kein Leser interssiert es wirklich, wie schlecht es dem Verlag geht, und hören bzw. lesen will das auch keiner.
    Solche Online-Zeitungen und Blogger werden also langfristig in der Versenkung verschwinden. Wenn die Online-Zeitungen so verschwinden, dann verschwindet auch die Kundschaft der Advertising-Firmen. Konsequenz daraus dürfte eine Kanibalisierung der Advertising-Firmen sein, bei der nur ein paar übrigbleiben werden.

    Alleine, das mehrere Verlage eine Aktion gestartet haben, die das Gegenteil von dem erreicht hat, was sie sollte, und das hier bisher sieben leitende Angestellte den Kopf aus ihren Löchern gestreckt haben, und wenigstens vier davon sich für eine Totalblockade für Adblock-Benutzer ausgesprochen haben, läßt für mich den Schluß zu, das der Werbewirtschaft der “Arsch auf Grundeis” läuft. Zumindest dem Teil der Werbewirtschaft, die sich auf das Internet spezialisiert hat.

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  7. Alex

    Grundsätzlich habe ich ja nichts gegen sinnvolle Werbung, aber leider findet man auf zu vielen Seiten gleich 5 Popups und gigantische Flash-Animationen, die tatsächlich einfach nur aufdringlich sind. Wenn die Kreativität der Werbetreibenden nicht ausreicht, um auch kleinere Anzeigen zu Eyecatchern zu machen, dann sollte der Nutzer nicht darunter leiden.

    Ein Kompromiss wäre es, wenn einfach die wirklich störende Werbung abgeschafft wird. Dann wäre auch der AdBlocker überflüssig.

    Davon abgesehen ergeben Statistiken weiterhin, dass nicht jeder Nutzer die technischen Kapazitäten im PC hat, minutenlang darauf zu warten, dass die Seiten laden, nur um die o.g. Flash-Bilder zu laden. Technisch wie strategisch braucht die Werbung einfach mal ein Update.

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