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Nur 4 Tage pro Woche arbeiten? Island zeigt, dass es ohne Einbußen möglich ist
© Ross Findon - Unsplash

Nur 4 Tage pro Woche arbeiten? Island zeigt, dass es ohne Einbußen möglich ist

Michelle Winner | 06.07.21

In zwei mehrjährigen Testphasen hat Island die Vier-Tage-Woche auf den Prüfstand gestellt – mit eindeutigem Ergebnis. Während die Produktivität gleich blieb, stieg das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen.

Neue Arbeitsmodelle, die sich positiv auf die Work-Life-Balance sowie die Gesundheit von Mitarbeiter:innen auswirken, werden immer wieder gesucht. Doch viele Unternehmen stehen den Konzepten skeptisch gegenüber, besonders hier in Deutschland, wo der Präsenzfetisch fest in der Arbeitskultur verankert ist. Doch was, wenn nicht ein Konzern, sondern eine Regierung beschließt, neuen Arbeitsmodellen eine Chance zu geben? Das ist bereits zwei Mal in Island passiert, wie Insider berichtet. Dort wurden zwei große Testreihen durchgeführt, in denen Teile der arbeitstätigen Bevölkerung das Modell Vier-Tage-Woche ausprobierten. Dabei wurden überwiegend positive Ergebnisse erzielt.

Größter Testlauf der Welt

An dem Test der Vier-Tage-Woche nahmen insgesamt 2.500 Beschäftigte aus über 100 Unternehmen teil, was etwa einem Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung entspricht. Damit ist es das weltweit größte Experiment dieser Art. Initiiert wurde der Test vom Stadtrat von Reykjavik und der Regierung. In der ersten Testphase von 2014 bis 2019 durften zunächst Arbeitnehmer:innen im Bereich Kinderbetreuung sowie Mitarbeiter:innen aus Servicezentren ihre Arbeitsstunden reduzieren; im Schnitt von 40 auf 35 Stunden pro Woche. Später wurde das Ganze auf Mitarbeiter:innen im Bürgermeisteramt und in Pflegeheimen ausgeweitet.

Die zweite Testphase ging von 2017 bis 2021. In dieser stiegen 440 Beamte auf die Vier-Tage-Woche um, wobei einige von ihnen klassisch nine-to-five arbeiteten, andere aber auch in Schichtarbeit. Das Gehalt wurde in keiner der beiden Testphasen gekürzt. Damit hat Island es geschafft, ein repräsentatives Experiment durchzuführen, dessen Ergebnisse sich nicht nur auf die klassische Büroarbeit beschränken, sondern auf diverse Branchen übertragbar sind.

Durchweg positive Ergebnisse

Aufgrund veralteter Einstellungen zur Arbeit glauben viele, dass eine Reduzierung der Arbeitszeit automatisch auch einen Leistungseinbruch bedeutet oder zu Überstunden an den vier Arbeitstagen führt. Das konnte bei Islands Experiment nicht bestätigt werden, im Gegenteil: Die Produktivität sowie Qualität blieb gleich, was suggeriert, dass die Aufgaben von fünf Tagen auch in vier erledigt werden können. Denn durch die geänderten Zeiten arbeiteten viele Mitarbeiter:innen effektiver. Es gab weniger Ablenkungen und Teams verschwendeten weniger Zeit in Meetings. Außerdem wurden Terminpläne optimiert und die Kommunikation zwischen den Abteilungen verbessert.

Am wichtigsten zu benennen ist jedoch, dass Wohlbefinden der Testpersonen gesteigert hat. Der Stresspegel sank bei vielen und es gab weniger Fälle von Burnout. Stattdessen betonten viele Arbeitnehmer:innen, dass sie sich seit Beginn des Experiments positiver und glücklicher fühlten. Außerdem hatten viele so mehr Zeit für Sport und soziale Aktivitäten, was sich wiederum im guten Sinne auf die Arbeitsleistung übertrug. In ein paar Unternehmen blieb das Wohlbefinden der Testpersonen gleich, was bedeutet, es gab keine Verschlechterungen durch eine Vier-Tage-Woche.

Island als Vorbild für andere Länder

Immer wieder testen einzelne Unternehmen das Konzept Vier-Tage-Woche. Eine landesweite, von der Regierung geförderte Initiative wie in Island könnte hingegen flächendeckend positiven Einfluss auf die Arbeitskultur des jeweiligen Landes nehmen. Doch während es in Deutschland noch keine konkreten Pläne dazu gibt, will Spaniens Regierung ein dreijähriges Pilotprojekt starten. Und auch Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern befürwortet das Konzept und sieht in ihm eine Hilfestellung für den Neustart nach der Coronakrise.

Wenn die Ergebnisse aus Island eines zeigen, dann, dass sich unsere Einstellung zur Arbeit ändern muss. Anstatt die ständige Anwesenheit am Arbeitsplatz sowie Überstunden zu loben, sollten wir den Fokus auf Ergebnisse und Leistung setzen. Anhand dessen sollte unsere Arbeit bewertet und entlohnt werden. Eine Reduzierung der Arbeitszeit hat in den seltensten Fällen negativen Einfluss auf die Leistung, sondern verbessert hingegen das Wohlbefinden der Mitarbeiter:innen und kann außerdem positive Auswirkungen auf die Umwelt haben. Die Vier-Tage-Woche verdient eine Chance, warum den Versuch also nicht wagen?

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