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Human Resources
Fehlende Perspektiven und Isolation: So können Unternehmen junge Talente unterstützen

Fehlende Perspektiven und Isolation: So können Unternehmen junge Talente unterstützen

Michelle Winner | 10.06.21

Junge Menschen wurden während der Pandemie oft vergessen - das macht sich jetzt bemerkbar. Doch Unternehmen können Maßnahmen ergreifen, um Jobeinsteiger:innen Perspektiven zu schenken.

Die Coronakrise hat uns alle schwer getroffen und auch vor den jungen Menschen nicht Halt gemacht. Bereits Anfang des Jahres berichteten wir darüber, wie es der „Generation Lockdown“ geht und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hat. Ein aktueller Report von JobTeaser zeigt nun, dass junge Talente immer noch Schwierigkeiten beim Jobeinsteig haben und sich neben sozialer Isolation auch mit Perspektivlosigkeit herumschlagen müssen. Doch Unternehmen können hier eingreifen und die neue Generation von Arbeitskräften auffangen.

War for Talents: Was hat sich durch Corona verändert?

Im Rahmen des Reports befragte JobTeaser 100 Personalverantwortliche und 3.000 Studierende. Dabei zeichnet sich auf Recruiter-Seite ein eindeutiges Bild ab: 40 Prozent der Personalverantwortlichen geben an, dass Corona ihre Arbeit nicht negativ beeinflusst. Und 79 Prozent stellen immer noch akademische Nachwuchskräfte ein. Was jedoch bemerkbar ist, sind die veränderten Werte und Erwartungen der jungen Talente. Laut den Beobachtungen der befragten Personaler:innen achten die Jobeinsteiger:innen vermehrt auf die Unternehmenskultur (58 Prozent) und das soziale und gesellschaftliche Engagement des Unternehmens (44 Prozent). Gleichzeitig haben 44 Prozent auch eine größere Kompromissbereitschaft was Aufgabenbereich und Arbeitsumfeld angeht.

© JobTeaser

Auch wenn die jungen Talente ihre eigenen Werte nicht über Bord werfen, ist die wachsende Kompromissbereitschaft höchstwahrscheinlich ein Resultat der unsteten Coronazeit. Die Jobeinsteiger:innen sehnen sich nach beruflicher Sicherheit. Dennoch wünschen sie sich von den Unternehmen klare Angaben und Informationen zur ausgeschriebenen Position (86 Prozent), zum Gehalt (54 Prozent) und zum Team (36 Prozent). Auch die Unternehmenskultur soll im Bewerbungsgespräch thematisiert werden (35 Prozent).

So schlecht schätzen junge Talente ihre Situation ein

13 Prozent der befragten Studierenden beklagen pandemiebedingte Probleme auf dem Arbeitsmarkt. Bei sieben Prozent wurden Stellenangebote verschoben oder abgesagt, sechs Prozent haben ihren Job direkt wieder verloren. Zudem finden 48 Prozent der jungen Talente, die gerade ihren Abschluss in der Tasche haben, durch die anhaltende Pandemie keinen Job. Es ist also wenig verwunderlich, dass sich Frust, Sorge und Perspektivlosigkeit steigern. Svenja Rausch, Head of Communications & Marketing DACH bei JobTeaser erklärt dazu:

Die Sorge um den Berufseinstieg korrespondiert mit den Schwierigkeiten, bereits im Studium praktische Berufserfahrungen sammeln zu können. Die Studierenden befürchten natürlich durch wegfallende Praktika, Werkstudentenstellen und Auslandsaufenthalte, wichtige Qualifikationen und Orientierungsmöglichkeiten zu verpassen.

Rausch spricht damit ein wichtiges Problem an: Viele Studierende konnten kaum praktische Erfahrungen neben dem Studium sammeln. Der Wegfall der Pflichtpraktika, die zum Studienabschluss benötigt werden, bedeutet für viele zudem die Zwangsverlängerung des Studiums, was wiederum zu finanziellen Engpässen führen kann.

© JobTeaser

Lockdown und Isolation als große Belastung

Auch die Orientierungslosigkeit bei jungen Talenten wächst. Im September 2020 haben erst 32 Prozent ihre Berufschancen durch die Pandemie beeinträchtigt gesehen. Inzwischen sind es ganze 80 Prozent, die keine klaren Perspektiven mehr haben. Hier macht sich bemerkbar, dass die jungen Menschen während der Coronakrise von offizieller Seite oft vergessen wurden. Hinzu kommt, dass viele Studierende seit über einem Jahr ihre Universität nicht mehr von innen gesehen haben. Neue Kontakte zu knüpfen wurde nicht nur wegen der Kontaktbeschränkungen zur Herausforderung, gerade für jene, die erst kurz vor dem Pandemieausbruch neu ins Studium gestartet sind.

© JobTeaser

Laut JobTeaser sorgen sich 43 Prozent der Jobeinsteiger:innen und 53 Prozent der Studierenden um Vereinsamung und soziale Isolation. Das klassische Campusleben, das neben der Lehre auch soziale Interaktionen mit den Kommiliton:innen beinhaltet, findet nicht statt. Hinzu kommen wie bereits erwähnt finanzielle Ängste (53 Prozent).

So können Unternehmen den jungen Talenten helfen

Die Ergebnisse von JobTeaser zeigen ein Ungleichgewicht: Während die Unternehmen angeben, weiterhin akademische Berufseinsteiger:innen einzustellen, haben eben diese das Gefühl, dass es weniger Jobangebote gibt. Bereits hier können Arbeitgeber:innen eingreifen und unterstützen: Es muss eine klare Kommunikation und Orientierung geschaffen werden. Das heißt, den jungen Talenten muss verdeutlicht werden, dass sie gesucht werden. Und auch Werkstudentenjobs und das Angebot von Praktika sind wichtige Wegweiser für Studierende, wie Rausch erklärt:

Neben konkreten Stellenangeboten geht es hier vor allem auch darum, den Berufseinstieg vorzubereiten. Auf Unternehmensseite sind es vor allem Praktika und Werkstudierendenstellen, die bei Studierenden für Ein- und Durchblick in puncto Erwartungen an das Berufsleben sorgen.

Zudem sollten Unternehmen dort auf Recruiting-Maßnahmen setzen, wo sich die jungen Menschen befinden: An den Hochschulen und in den sozialen Medien. Wie Social Media Recruiting funktioniert, haben wir dir in unserem Digital Recruiting 101 erklärt. Darüber hinaus empfiehlt Rausch die Zusammenarbeit zwischen den Career Centers der Universitäten und Unternehmen. So oder so, es müssen Perspektiven und Hilfestellungen für junge Talente geleistet werden, denn diese wurden während der Pandemie zu oft vernachlässigt. Jetzt wird es Zeit zu handeln und dafür zu sorgen, dass die „Generation Lockdown“ nicht zur verlorenen Generation wird, sondern Unterstützung und Chancen beim Jobeinstieg bekommt.

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