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Human Resources
Company Catfishing: So lügen Unternehmen ihre Bewerber:innen an

Company Catfishing: So lügen Unternehmen ihre Bewerber:innen an

Marié Detlefsen | 12.12.23

Entlarvende Enthüllungen im Bewerbungsdschungel: Wie weit gehen Unternehmen, um Bewerber:innen zu locken? Eine neue Studie offenbart, wie häufig Firmen im Catfishing-Modus agieren und welche Folgen das für die Arbeitswelt haben kann.

Unternehmen suchen derzeit händeringend nach qualifizierten Mitarbeiter:innen, doch der Fachkräftemangel breitet sich weiter aus und macht den Wettbewerb um Talente und passendes Personal umso anspruchsvoller. Aus diesem Grund greifen einige Arbeitgeber:innen immer häufiger zu zweifelhaften Mitteln, um Bewerber:innen für sich zu gewinnen. Ein solches Phänomen, das vermehrt auf dem Arbeitsmarkt auftritt, ist das „Company Catfishing“. Dabei machen Arbeitgeber:innen falsche Versprechungen, zum Beispiel bezüglich der Unternehmenskultur oder der Stellenbeschreibung. Wir zeigen dir, welche Unwahrheiten im Bewerbungsprozess am häufigsten erzählt werden und wie die Betroffenen darauf reagieren.

Was genau ist Company Catfishing?

Wahrscheinlich hat sich jede:r schon mal der einen oder anderen Notlüge bedient. Vor allem in Lebensläufen werden eigene Fähigkeiten oder Kenntnisse häufig etwas aufgehübscht. Dieser Flunkerei bedienen sich allerdings nicht nur Bewerber:innen, sondern auch Arbeitgeber:innen. Immer wieder kommt es vor, dass potenzielle neue Mitarbeitende im Vorstellungsgespräch nicht die ganze Wahrheit über die neue Arbeitsstelle oder die Unternehmenskultur erfahren. Laut einer repräsentativen Umfrage der Jobplattform Monster in Zusammenarbeit mit YouGov Deutschland gibt es immer mehr Unternehmen, die im Bewerbungsgespräch lügen: Etwa 32 Prozent der befragten Beschäftigten gaben an, schon einmal von einem Unternehmen bei der Bewerbung „gecatfished“ worden zu sein.

Der Begriff Catfishing stammt ursprünglich aus dem Bereich der Fischerei und findet heutzutage vor allem im Kontext des Online Datings und sozialer Netzwerke Verwendung. Es beschreibt das Vortäuschen einer falschen Identität. In der Arbeitswelt bezieht es sich auf die Praktik der Täuschung, bei der beispielsweise die tatsächliche Unternehmenskultur nicht den Versprechungen der Arbeitgeber:innen entspricht. Unternehmen versuchen auf diese Weise, sich als Arbeitgeber:in besser darzustellen, um Bewerber:innen zu gewinnen.

Die meisten Lügen gibt es bei der Stellenbeschreibung

Doch bei welchen Aspekten bedienen sich Unternehmen gerne mal der einen oder anderen Lüge? Die Umfrage ergab, dass Arbeitgeber:innen am häufigsten im Bewerbungsverfahren bezüglich Überstunden und der Work-Life-Balance (elf Prozent) sowie der Stellenbeschreibung (elf Prozent) flunkern. Auch über die Teamkultur und den Führungsstil im Unternehmen (elf Prozent) werden häufiger Unwahrheiten verbreitet. Des Weiteren gaben die Befragten an, dass auch in Bezug auf Karriere- beziehungsweise Aufstiegschancen (neun Prozent) und Gehaltsschritte (neun Prozent) die Versprechen seitens der Unternehmen nicht immer eingehalten wurden.

Neben diesen Aspekten werden auch die räumliche und technische Ausstattung (fünf Prozent) sowie die möglichen Arbeitsmodelle im Unternehmen (sieben Prozent) oft verschleiert. Ein aktuellen Umfrageergebnis von Fiverr, nach dem 44 Prozent der in Deutschland befragten Unternehmen 2024 eine 4-Tage-Woche bei vollem Gehalt einführen könnten, mag auch ein Hinweis darauf sein, wie sehr Unternehmen an Überzeugungsarbeit interessiert sind; ob alle diese Unternehmen tatsächlich das Modell einführen, bleibt fraglich.

Zudem berichten sechs Prozent der Befragten von unwahren Angaben zu Benefits, Boni und Provisionen. Für sieben Prozent stimmten die im Bewerbungsverfahren versprochenen Unternehmenswerte nicht mit der tatsächlichen Arbeitskultur überein, etwa in Bezug auf Diversität, Inklusion und Nachhaltigkeit.

Männer werden häufiger angelogen als Frauen

Bei den Lügen gegenüber Bewerber:innen scheint es laut Umfrage Unterschiede zwischen den Geschlechtern zu geben. Somit gaben überraschenderweise 36 Prozent der männlichen Befragten an, schon einmal von einem Unternehmen falsche Angaben zur Stelle oder der Unternehmenskultur erhalten zu haben, im Vergleich zu 29 Prozent bei den Frauen. Regionale Unterschiede zeigen sich ebenfalls, wobei insbesondere Arbeitgeber:innen in Berlin häufiger dazu neigen zu flunkern. Mehr als die Hälfte der Berliner Befragten berichtete davon, im Bewerbungsprozess bereits irreführende Angaben erhalten zu haben. Im Gegensatz dazu sind es in Bayern lediglich 31 Prozent.

Die Reaktionen auf Catfishing sind dabei gemischt: Die Mehrheit (27 Prozent) betrachtet irreführende Aussagen im Bewerbungsverfahren als absolutes No-Go und würde das Arbeitsverhältnis nicht annehmen oder nach einer anderen Stelle suchen, falls die gemachten Angaben nicht der Realität entsprechen. Weitere 32 Prozent sehen Unwahrheiten allerdings als weniger gravierend an, solange der Job an sich ihren Erwartungen entspricht. Etwa 19 Prozent würden dem Unternehmen sogar noch eine Chance geben und das Gespräch mit der Personalabteilung oder dem Management suchen, um etwaige Falschdarstellungen aufzuklären.

Catfishing schadet Vertrauen und Reputation

Doch auch wenn einige Angestellte über die Notlügen hinwegsehen würden, können Unwahrheiten im Bewerbungsprozess die Reputation eines Unternehmens stark beeinträchtigen. Laetitia Boidevaix, Head of Marketing DACH bei Monster Germany, sagt hierzu:

Unternehmen, die Catfishing betreiben, stellen sich selbst ein Bein. Ungenaue Darstellungen können schnell zu Frustration und Unzufriedenheit bei den Mitarbeitenden führen. Das wirkt sich negativ auf die Mitarbeiterbindung und das Image des Unternehmens aus. Wenn Unternehmen stattdessen transparent und ehrlich Informationen über die Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten kommunizieren, fördert dies nicht nur eine positive Unternehmenskultur, sondern hilft auch dabei, talentierte Fachkräfte anzuziehen und Mitarbeiterbeziehungen langfristig zu pflegen.

Die Ergebnisse der Studie verdeutlichen somit die Notwendigkeit für Unternehmen, von solchen Praktiken Abstand zu nehmen, um Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu wahren sowie langfristig erfolgreiche Arbeitsbeziehungen aufzubauen.


4 Merkmale, an denen du Unehrlichkeit und Lügen im Gespräch erkennst

Ein Bewerber erkennt Catfishing im Unternehmen.
© iPrice Group | Pexels

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