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Büroalltag
Tag des Workaholics: Bist du betroffen und wie viel Verantwortung trägt dein Unternehmen dabei?
© Gift Habeshaw - Unsplash

Tag des Workaholics: Bist du betroffen und wie viel Verantwortung trägt dein Unternehmen dabei?

Michelle Winner | 05.07.21

Wenn du vermutest ein Workaholic zu sein, dann ist das kein Grund zum Feiern, sondern zur Sorge. Arbeitssucht wirkt sich nicht nur schlecht auf deine Leistung aus, sondern bringt auch gesundheitliche Konsequenzen mit sich. Erfahre mehr zum Thema im Artikel und teste im Quiz, ob auch du ein Workaholic bist.

Bist du ein Workaholic? Nicht allen fällt es leicht, diese Frage zu beantworten, denn oft wissen die Betroffenen selbst gar nicht, dass sie an einer Arbeitssucht leiden. Hilfe dabei kann zum Beispiel unser Workaholic Check bieten. Denn wir möchten den heutigen Tag des Workaholics dazu nutzen, auf die Problematik aufmerksam zu machen, Expert:innen zu Wort kommen lassen und auch aufzeigen, wie viel Verantwortung Arbeitgeber:innen für ihre Angestellten tragen.

Mehrarbeit trotz Coronakrise

Im Jahr 2020 haben die Arbeitnehmer:innen in Deutschland insgesamt 1,67 Milliarden Überstunden geleistet, was nur einen kleinen Rückgang zum Vorjahr darstellt – trotz Coronakrise. Hinzu kommt, dass etwa die Hälfte dieser Überstunden unbezahlt blieb. Aufgrund der veralteten Arbeitsmentalität „Nur wer viel und lange arbeitet, leistet auch etwas“, gehören Überstunden in vielen Unternehmen zum guten Ton. Ein Risiko für Mitarbeiter:innen, denn die Arbeitssucht kann dadurch gefördert werden.

Doch wieso hat die Coronakrise nicht dazu beigetragen, dass die Zahl der Überstunden abnimmt? Vermutlich, weil der Wechsel vom Büro ins Home Office zu abrupt war. Mitarbeiter:innen hatten keine Zeit, sich auf die neue Arbeitssituation vorzubereiten und sich tiefer mit dem Konzept auseinanderzusetzen. Darunter litt die Work-Life-Balance bei vielen. Jessica Haltenhof, Chief Client Officer bei Buzzbird, erklärt dazu in einem Statement:

Die Work-Life Balance hat sich innerhalb des letzten Jahres so massiv verändert, wie wahrscheinlich im Arbeitsalltag nie zuvor.[…] Während die gewonnene Zeit zuhause am Anfang der Pandemie häufig genutzt wurde für Sport, Ausmisten und Netflix schauen, habe ich vor allem im Winter 2020 sehr viel mehr gearbeitet. Die Work-Life-Balance ist allein schon aus dem Gleichgewicht geraten, weil kein Leben wie vorher möglich war. Oft habe ich mich quasi morgens vom Bett an den Schreibtisch gesetzt und den Tag abends mit dem Laptop auf dem Sofa geendet. Die Arbeit und die Kolleg:innen wurden zum sozialen Ankerpunkt, sich aktiv von der Arbeit zu lösen fiel mir schwer, besonders wenn man zuhause nicht den Luxus eines separaten Büroraumes hat. Umso sichtbarer wurde durch die Pandemie gleichzeitig, was meine Batterien wieder auflädt und wie wichtig es ist, sich Auszeiten zu nehmen und Aktivitäten regelmäßig nachzugehen.

Haltenhof spricht einen wichtigen Punkt in Sachen Workaholic-Prävention an: Arbeitende müssen einen Ausgleich zwischen Beruf und Freizeit finden, sie müssen abschalten und wirklich in den Feierabend gehen können.

Anzeichen für Arbeitssucht

Verschwimmt die Grenze, gerät die Work-Life-Balance aus den Fugen und irgendwann können Betroffene nicht einmal mehr den Unterschied zwischen Arbeitszeit und Freizeit erkennen. Die Arbeitssucht kann sich durch folgende „Symptome“ bemerkbar machen:

  • Starkes Arbeitsverlangen auch in der Freizeit
  • Arbeitsabstinenz bereitet Unwohlsein
  • Toleranzbildung, durch die Arbeitssüchtige mit der Zeit mehr und mehr leisten müssen
  • Kontrollverlust über das eigene Arbeitspensum
  • Rückzug und Leugnung, wenn das exzessive Arbeitsverhalten angesprochen wird
  • Körperliche Beschwerden wie Herz-Kreislauf-Probleme, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung, Geschwüre, Blackouts
  • Team-Verhalten: Wutausbrüche, ständige Kritik an anderen
  • Sozialverhalten: Arbeit an freien Tagen, Vernachlässigung sozialer Kontakte, zwanghaftes Verhalten
  • Arbeitsverhalten: Hinauszögern von Abgaben, übertriebener Perfektionismus, Kontrollsucht

Teilweise scheint es auch so, als wenn Workaholics sich öffentlich für ihr ungesundes Arbeitsverhalten feiern lassen (möchten). Ein Beispiel dafür ist der folgende Tweet:

Arbeitssucht im Home Office

Kerstin Pape, Managing Director bei Customer Excellence GmbH, sieht Risiken für Mehrarbeit und Arbeitssucht vor allem für Familien im Home Office. So erklärt sie:

Für die Paare zuhause war das eine Herausforderung, sich maximal gut untereinander zu organisieren, so dass beide in der Lage waren, die Work-Life-Balance zu halten. In meinem alten Jobumfeld als Bereichsleiterin habe ich gemerkt, dass das bei dem/der einen Mitarbeiter:in gut und bei dem/der anderen weniger gut funktioniert hat. Als Führungskraft ist man daher gefragt gewesen, mit den einzelnen Mitarbeitern zu sprechen, wie die Home Office Situation funktioniert und wie es den Mitarbeitern damit geht. Generell glaube ich, dass im Home Office sogar unterm Strich mehr als vorher gearbeitet wurde, weil man morgens durch wegfallende Anfahrzeit früher gestartet ist, manchmal auch anders als früher in die Mittagspause Termine gelegt wurden oder auch mal abends noch gemailt wurde. Job und Freizeit sind durch das 100%-ige Home Office mehr verschwommen. Jeder Mitarbeiter ist daher auch selbst gefragt gewesen, diese ‚Linie für die Balance‘ zu ziehen, auch ggü. dem Vorgesetzten.

Pape betont, dass Mitarbeiter:innen für sich selbst verantwortlich sein und die Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ziehen müssen. Gleichzeitig betont sie aber auch, dass auch Führungskräfte gefragt sind. Diese sollten ihren Angestellten vermitteln, dass die Arbeit nicht über allem steht und Pausen und Feierabend wichtig sind für die eigene Leistung und vor allem auch Gesundheit. Außerdem sind das private Umfeld und Kolleg:innen angehalten, Verhaltensänderungen zu bemerken. Außenstehende sollten versuchen, das Gespräch mit den Betroffenen zu suchen. Werden sie jedoch abgewiesen, kann es auch helfen, die Vorgesetzten mit ins Boot zu holen.

Mehr arbeiten, wenn es einen Purpose gibt?

Einen interessanten Gedanken zum Thema Workaholismus und Mehrarbeit äußert David Gabriel, CEO von Smarketer:

Ich bin ein Mensch, der gerne viel arbeitet und denke, dass Arbeit immer nur dann belastet oder krank macht, wenn man keinen Sinn darin sieht. Im Vordergrund steht für mich daher der Sinn und Spaß an der Arbeit. […] Dabei lässt sich die Sinnhaftigkeit unserer Arbeit über die Unternehmensgrenzen hinaus weiterführen. Wenn Unternehmen wachsen, können sie viel stärker gesellschaftlichen Pflichten nachkommen. […] Es geht also am ‚Tag des Workaholics‘ nicht nur um die reine Überarbeitung und die daraus resultierende Frustration, sondern vielmehr um die Suche nach der Nachhaltigkeit des eigenen Schaffens.

Wer Spaß im Job hat und den Purpose der eigenen Arbeit sieht, ist Gabriels Ansicht nach weniger anfällig dafür, in die krankhafte Arbeitssucht zu verfallen. Und damit scheint er nicht ganz falsch zu liegen. Denn eine der Hauptursachen für den krankhaften Workaholismus ist Leistungsdruck und Zwang bei der Arbeit. Arbeitgeber:innen sind daher angehalten, so viel Druck wie möglich von den Schultern ihrer Angestellten zu nehmen. Das klappt zum Beispiel, indem Mikromanagement und ständige Kontrolle vermieden, Konkurrenzkampf unterbunden und ungesundes Arbeitsverhalten – wie ständige Überstunden – angesprochen und getadelt werden. Der Arbeit der Angestellten einen Sinn zu geben und ihnen zu zeigen, welche Rolle ihre Tätigkeit spielt, kann zusätzlich als Prävention wirken.

Ziehe rechtzeitig die Notbremse

Der Tag des Workaholics soll die Arbeitssucht nicht feiern, sondern auf die damit einhergehenden Risiken aufmerksam machen. Zu viele Betroffene wissen gar nicht, dass sie bereits Workaholics sind oder kurz davor stehen. Besonders die Verschmelzung von Freizeit und Berufsleben durch das Corona-Home-Office haben Arbeitende in die Bredouille gebracht. Deshalb ist es wichtig, sich des Problems schnell bewusst zu werden und rechtzeitig die Notbremse zu ziehen. Hilfe bietet beispielsweise der Verein für Anonyme Arbeitssüchtige (AAS), der mit einem 12-Punkte-Plan Lösungswege anbietet. Wer noch an der Schwelle zur Sucht steht, kann sich eventuell noch selbst helfen, indem bestimmte Maßnahmen ergriffen werden:

  • Freizeittermine wie Geschäftstermine planen und in den Kalender eintragen, anstatt diese abzusagen
  • Handy und Laptop am Abend abschalten, damit keine Mails beantwortet oder Projekte weiter geplant werden
  • Delegieren von Aufgaben an die Kolleg:innen – einer der schwierigsten Schritte, der viel Vertrauen erfordert
  • Freund:innen und Familie einweihen, sodass diese ein Veto einlegen, sobald man in „süchtige“ Verhaltensmuster fällt
  • Das Selbstwertgefühl nicht nur von der Arbeit abhängig machen, sondern andere Wege wie Hobbys finden

Mehr zu dem Thema und weitere Maßnahmen, die auch von Arbeitgeber:innen ergriffen werden können, findest du in unserem Workaholic Check. Doch jetzt mal Butter bei die Fische: Siehst du dich selbst als Workaholic? Kennst du welche in deinem Kolleg:innenkreis? Ergreifen deine Vorgesetzten Präventionsmaßnahmen? Und wie viele Überstunden sind bei dir die Regel? Lass es uns gern in den Kommentaren wissen.

Bist du ein Workaholic?

Workaholismus kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Doch oftmals wissen Betroffene gar nicht, dass sie an einer Arbeitssucht leiden. Teste jetzt im Quiz, ob auch du ein Workaholic sein könntest. Achte darauf, dass du alle Fragen ehrlich beantwortest. Wenn du mehrere der Anzeichen bei dir wiedererkennst, ist es sinnvoll, dich mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen oder deinen Hausarzt anzusprechen.


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