Digitalpolitik
US-Hinrichtung im Livestream: Welche Plattformen ablehnen und welche schweigen

US-Hinrichtung im Livestream: Welche Plattformen ablehnen und welche schweigen

Larissa Ceccio | 12.10.26

In den Fängen der US-Machthaber:innen stehen die großen Social- und Streaming-Plattformen vor einer moralisch fragwürdigen Entscheidung: Sollen sie eine staatliche Hinrichtung live übertragen? Wer bereits abgelehnt hat und wer bislang schweigt.

Der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kündigte am 7. Oktober 2026 an, dass die für den 3. Dezember geplante Hinrichtung von Nidal Malik Hasan öffentlich stattfinden solle. Hasan wurde für den Angriff auf den Militärstützpunkt Fort Hood in Texas verurteilt, bei dem 2009 insgesamt 13 Menschen starben und 32 verletzt wurden. Am 8. Oktober bestätigte das Pentagon gegenüber der Associated Press, dass die Hinrichtung durch ein Erschießungskommando per Livestream übertragen werden solle.

Die Ankündigung löste international und selbst innerhalb der Republikanischen Partei Empörung aus. Der republikanische Abgeordnete Austin Scott verglich die geplante Übertragung mit den Praktiken extremistischer Gruppen, während Senator John Curtis davor warnte, Hinrichtungen zur Unterhaltung zu machen. Auch US-Vizepräsident JD Vance äußerte Zweifel an dem Vorhaben und erklärte, er selbst würde den Livestream nicht ansehen, wie die Tagesschau berichtete.

Das UN-Menschenrechtsbüro sieht in einer solchen Übertragung einen Verstoß gegen das Folterverbot. Auch Amnesty International und Vertreter:innen der katholischen Kirche in den USA kritisieren die Pläne.

TikTok und Kick lehnen ab – was machen Meta, YouTube und X?

Ob und auf welcher Plattform die Hinrichtung übertragen werden könnte, ist bislang offen. Wie The Verge berichtete, haben TikTok und Kick auf Anfrage erklärt, dass ein solcher Livestream gegen ihre Richtlinien verstoßen würde. Meta, YouTube, Twitch und X äußerten sich hingegen nicht. Dabei untersagen oder beschränken auch ihre Plattformregeln drastische Gewaltdarstellungen.

Ihr Schweigen bedeutet zwar keine Zustimmung, wirft aber Fragen zum Umgang mit staatlich organisierter Gewalt auf. Schließlich schränken auch ihre Plattformrichtlinien drastische Gewaltdarstellungen ein. Warum sollten für staatliche Übertragungen andere Maßstäbe gelten als für Inhalte gewöhnlicher Nutzer:innen?

Ob die für den 3. Dezember 2026 geplante Hinrichtung tatsächlich live übertragen wird, ist inzwischen unklar. US-Präsident Donald Trump erklärte am 10. Oktober, dass er über die Übertragung noch entscheiden wolle. Zuvor hatte er auf eine entsprechende Frage zunächst seine Zustimmung signalisiert.

Eine staatlich organisierte Hinrichtung sollte nicht allein aufgrund ihres offiziellen Ursprungs anders behandelt werden als andere extreme Gewaltinhalte. Sollten Plattformen hierfür Ausnahmen von ihren Richtlinien zulassen, müssten sie diese nachvollziehbar begründen. Denn die Debatte betrifft nicht nur die Glaubwürdigkeit ihrer Content-Moderation, sondern auch ihre Verantwortung bei der öffentlichen Verbreitung staatlicher Gewalt. Zumal die Content-Moderation einiger größerer Plattformen bereits seit Längerem in der Kritik steht, insbesondere die von X und Meta.

Anfang 2025 lockerte Meta die eigenen Moderationsregeln und orientierte sich dabei am Kurs von Elon Musks X: weniger Eingriffe bei kontroversen Inhalten und Community Notes statt unabhängiger Faktenchecks in den USA. Das rächte sich unter anderem wenig später auf Instagram, als Nutzer:innen aufgrund eines technischen Fehlers verstörende Gewaltvideos empfohlen wurden.



Meta:
Abschaffung der Faktenprüfung, Machtverschiebung und Anpassung an politische Strömungen
– was sich jetzt ändert

Mark Zuckerberg vor Meta-Logo, heller Hintergrund
© Meta, Dima Solomin – Unsplash


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