Digitalpolitik
Deutschland wählt – und Social Media bestimmt die Debatte

Deutschland wählt – und Social Media bestimmt die Debatte

Larissa Ceccio | 21.02.25

Die Bundestagswahl 2025 spielt sich online ab – und Social Media lenkt die Debatte. Warum deine Stimme jetzt wichtiger denn je ist. Alle Infos im Artikel.

Am 23. Februar entscheidet sich die Bundestagswahl 2025 – doch die politische Auseinandersetzung wird längst nicht mehr nur auf Plakaten und in TV-Debatten geführt. Die wahre Arena liegt im digitalen Raum. TikTok, Facebook, Instagram und X bestimmen, welche Themen im Mittelpunkt stehen, während Influencer Trends setzen und selbst Elon Musk mit provokanten Statements die Debatte befeuert. Gleichzeitig treten große Unternehmen mit Kampagnen für Demokratie in den Wahlkampf ein und Social-Media-Akteur:innen nutzen ihre Reichweite, um aufzuklären. Welche Partei nutzt diese Strömungen am effektivsten – und wie beeinflusst Social Media das Wahlverhalten? Lies jetzt den Artikel!


State of German Influencer Marketing 2025:
Authentizität, KI und langfristige Kooperationen
– das sind die Trends

Junge Frau mit Kaffeebecher in Hand und Sonnenbrille auf vor Eisentor
© Christine slay – Unsplash


Themenfokus: Migration und Sicherheit als politischer Brennpunkt

Der aktuelle Medienreport von Onclusive zeigt, dass Migration und Sicherheit die mit Abstand dominierenden Themen im Wahlkampf sind. Besonders die AfD setzt die Agenda, auf die CDU, FDP und SPD häufig nur noch reagieren. Parallel dazu haben sicherheitspolitische Diskussionen nach den Vorfällen in Aschaffenburg und Magdeburg an Bedeutung gewonnen, was dazu führt, dass Parteien wie CDU und SPD ihre Positionen zu Kriminalität und Terrorismus verschärfen.

Währenddessen geraten andere drängende Themen in den Hintergrund. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit, einst zentrale Bestandteile der politischen Debatte, verlieren an Sichtbarkeit. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den sozialen Netzwerken wider: Während das Engagement für die Grünen sinkt, erzielen migrationskritische Inhalte überdurchschnittlich hohe Interaktionen. Besonders alarmierend ist, dass die Herausforderungen des Klimawandels – wie zunehmende Extremwetterereignisse – zwar real sind, politisch aber immer weniger Beachtung finden.

Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen empfiehlt sich der 11KM-Podcast der Tagesschau, der sich mit der Rolle von Migration im Wahlkampf befasst.

Migration als Wahlkampfthema, © 11KM – der tagesschau-Podcast / ARD

Social Media bestimmt den Wahlkampf – und die AfD profitiert

Die Analyse von Metricool zur Bundestagswahl 2025 vom 11. Januar bis 9. Februar zeigt, dass rechte Parteien wie die AfD den digitalen Diskurs klar dominieren, während etablierte Parteien wie SPD und CDU große Reichweiten haben, aber bei der Mobilisierung kaum mithalten können. Besonders alarmierend ist die hohe Interaktionsrate rechtsradikaler und polarisierender Inhalte auf Plattformen wie Instagram, Facebook und X.

Die Mechanismen hinter der Social-Media-Dominanz der AfD auf Facebook, TikTok und X

Mit 1,32 Millionen Followern auf Facebook führt die AfD das Ranking an, während das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) mit 124.600 Followern vergleichsweise klein bleibt. Doch entscheidender als bloße Zahlen ist die Engagement Rate: Die AfD erzielt durchschnittlich 5.098 Reaktionen pro Post auf Facebook – deutlich mehr als SPD und CDU.

Besonders auf TikTok und X profitiert die Partei von den Algorithmen, die emotionale Inhalte bevorzugen. Angst, Wut und Empörung steigern die Reichweite – ein Muster, das sich bereits in vergangenen Wahlkämpfen gezeigt hat. Die AfD setzt gezielt auf migrationskritische Botschaften, klare Feindbilder und populistische Schlagzeilen, die algorithmisch verstärkt und Nutzer:innen vorgeschlagen werden, selbst wenn diese nicht aktiv nach politischem Content suchen. Währenddessen kämpfen etablierte Parteien mit klassischen Kommunikationsstrategien, die online nur begrenzt wirken.

Laut einer Untersuchung der NGO Global Witness zeigt sich zudem eine deutliche rechtslastige Tendenz in den algorithmisch kuratierten Feeds von TikTok und X.

Die Studie ergab, dass 78 Prozent der politischen Inhalte, die TikTok neuen Nutzer:innen vorschlägt, pro-AfD sind – weit mehr als die rund 20 Prozent, die die Partei in aktuellen Umfragen erreicht. Auch X zeigt eine ähnliche Verzerrung: 64 Prozent der algorithmisch ausgespielten politischen Inhalte waren AfD-freundlich. Selbst Instagram neigt leicht nach rechts, wenn auch weniger stark.

Linke Stimmen mit weniger Reichweite auf Instagram und Facebook – aber höherer Beteiligung

Die Grünen und die Linke erreichen deutlich weniger Menschen, haben aber die höchsten Engagement-Raten. Während die CDU zwar 343 Erwähnungen auf Instagram verbucht, bleibt die Interaktionsrate mit 5,09 Prozent überschaubar. Die Linke hingegen schafft mit 11,87 Prozent fast das Doppelte – trotz weniger Postings.

Auch Einzelpersonen profitieren von dieser Dynamik: Alice Weidel (AfD) führt mit zwei Millionen Followern auf Facebook die Politiker:innenliste an, aber in den Engagement-Raten schlägt Jan van Aken (Die Linke) Weidel mit 24,09 Prozent auf Facebook deutlich. Heißt: Linke Inhalte sprechen zwar weniger Menschen an, diese sind aber aktiver und debattieren mehr.

Etablierte Parteien verlieren auf Social Media an Einfluss (X und Instagram)

Während die AfD und das BSW online strategisch stark auftreten, bleibt die SPD hinter ihren Möglichkeiten zurück. Kanzler Olaf Scholz hat zwar fast eine Million Follower auf X, doch mit einer Engagement Rate von nur 0,09 Prozent bleibt sein Einfluss begrenzt. Auch die CDU ist auf Instagram präsent, doch fehlt es ihr an viralen Inhalten.

Ein Beispiel für den digitalen Kontrollverlust: Die Debatte um die CDU/AfD-Abstimmung zur Asylpolitik sorgte für das höchste Engagement aller analysierten Beiträge. Besonders ein Post von Heidi Reichinnek (Die Linke) erzielte auf X eine Engagement Rate von 37,16 Prozent.

Das zeigt, dass sich die Empörung über rechte Mehrheiten digital stark verbreitet – dennoch scheint es den linken Parteien schwerzufallen, daraus strategisch Kapital zu schlagen.

Einer der meistdiskutierten Facebook Posts kam von der CSU: Der offizielle Wahlwerbespot „Wir wollen Deutschland wieder in Ordnung bringen“ erreichte 9.035 Kommentare. Alice Weidels Wahlwerbespot „Zeit für eine Kanzlerin, die sich an den Eid erinnert!“ erzielte 72.274 Reaktionen und 7.759 Kommentare auf der Meta-Plattform. Damit erzielte sie jedoch nur die zweithöchste Engagement Rate (16,39 Prozent) unter den Politiker:innen dort. Die anteilsmäßig stärkste Reaktion bei einem Post erzielte Jan van Aken (17,17 Prozent), der soziale Ungleichheit thematisierte.

Ein Instagram-Beitrag der Linken, der CDU-Kanzlerkandidat Friedrich Merz scharf für die CDU-Abstimmung mit der AfD kritisierte, erzielte 259.973 Likes und eine Engagement Rate von 118 Prozent.

Digitale Dominanz der Rechten: Warum progressive Parteien umdenken müssen

Die Bundestagswahl 2025 wird im Netz entschieden – und rechte Parteien haben die Mechanismen längst besser verstanden als die etablierten Kräfte. Die AfD setzt auf einfache Botschaften, emotionale Mobilisierung und algorithmische Verstärkung, während SPD und CDU weitgehend an ihren klassischen Kommunikationsmustern festhalten.

Um der rechten Social-Media-Dominanz etwas entgegenzusetzen, brauchen progressive Parteien eine bessere Strategie. Emotionale, direkte Botschaften statt bürokratische Statements, mehr mutige Kampagnen und eine entschlossenere Auseinandersetzung mit der Algorithmus-Logik – nur so kann verhindert werden, dass die Wahlkampfdebatte im Netz bereits verloren ist, bevor die Stimmen überhaupt abgegeben werden.

Influencer im Wahlkampf: Wie Parteien auf Social Media um Stimmen kämpfen

Parteien haben längst erkannt, dass sie auf Social Media präsent sein müssen – und das am besten mit Unterstützung von Influencern. Eine Analyse der Influencer-Marketing-Plattform Kolsquare zeigt, wie sich die Parteien auf Instagram und TikTok schlagen. Erhoben wurden alle Erwähnungen der Partei-Accounts durch Content Creator auf Instagram und TikTok ab einer Follower-Zahl von 5.000 Followern für den Zeitraum vom 1. November 2024 bis zum 10. Februar 2025. 

Während Die Linke mit nur 203 Kooperationen seltener in Influencer Postings auftaucht, erzielt sie mit 11,87 Prozent die höchste Engagement Rate. Erfolgreiche Kampagnen setzen auf direkte, emotionale Botschaften – etwa progressive Slogans zu sozialer Gerechtigkeit und Klimaschutz. TikTok hingegen wird von der AfD dominiert: 79 Influencer haben 176 Videos zur Partei erstellt, was eine Engagement Rate von 8,77 Prozent generierte.

SPD und FDP hinken hinterher: Die SPD wurde 214 Mal von Influencern erwähnt (6,11 Prozent Engagement Rate), die FDP 171 Mal (4,01 Prozent). Beide Parteien setzen auf sachliche Inhalte, die jedoch auf Social Media wenig Resonanz finden. Ohne starke emotionale Reize bleibt virale Verbreitung aus.

Die webnetz-Analyse zur Bundestagswahl 2025 zeigt die digitalen Strategien der Parteien

Welche Parteien investieren am meisten?

Eine Analyse von webnetz zeigt deutliche Unterschiede in den Werbeausgaben der Parteien für digitale Kampagnen. Besonders aktiv ist hier die Partei Die Grünen, die mit 376.000 Euro die höchsten Investitionen in Google Ads tätigt – 97 Prozent davon auf YouTube. Im Gegensatz dazu belegt die CDU mit lediglich 14.000 Euro den letzten Platz.

„Ein kleines Zeichen“-Video, @ BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Die Videokampagne Ein kleines Zeichen auf YouTube setzt auf einen starken emotionalen Appell. Begleitet von Marlo Großhardts Lied Oma wird die politische Botschaft durch Werte und Gefühle verstärkt.

Der auf digitale Wahlkämpfe spezialisierte Berater Friedhelm Mienert kommentiert die Zurückhaltung der CDU mit einer humorvollen Spitze: „Was kostet die (WW)Welt?“ und hebt hervor, dass sie den digitalen Raum weitgehend ungenutzt lässt. Während auch die FDP und Volt verstärkt auf Online-Werbung setzen, verfolgt die AfD eine andere Strategie: Sie investiert gezielt in Social Media und verzichtet weitgehend auf klassische Anzeigenkampagnen.

Die von Mienert gezeigte grafische Analyse der Google-Ads-Werbeausgaben zwischen dem 1. Januar und 2. Februar 2025 bestätigt diesen Trend. Die Grünen dominieren mit Abstand die digitalen Investitionen, gefolgt von FDP und Volt, während die CDU kaum in Online-Werbung investiert. Besonders auffällig ist der Fokus der Grünen auf YouTube als strategischen Reichweitenkanal, während die AfD ihre Mittel breiter streut und nur 40 Prozent ihrer digitalen Werbeausgaben auf YouTube konzentriert.

Passend zur Debatte empfiehlt Mienert eine satirische Analyse von Wolfram Weimer mit dem Titel „Wenn Merz ein Möbelstück wäre“, erschienen bei Business Punk. Die Kombination aus datenbasierten Fakten und humorvollen Seitenhieben mache den Beitrag besonders lesenswert.

Werbeausgaben und Interaktionen: Warum Strategie wichtiger ist als Budget

Die Analyse der digitalen Wahlkampfstrategien zeigt, dass hohe Werbeausgaben nicht automatisch zu hoher Reichweite oder starkem Engagement führen. Während Die Grünen die höchsten Summen in Facebook- und Instagram-Werbung investieren, gelingt es ihnen nicht, überproportionale Interaktionsraten zu erzielen. Im Gegensatz dazu erreicht die AfD mit einem vergleichsweise geringen Budget auf Facebook außergewöhnlich hohe Engagement-Zahlen. Auch Die Linke sticht heraus: Trotz niedriger Werbeausgaben verzeichnet sie auf Instagram eine bemerkenswerte organische Reichweite.

Die CDU/CSU verfolgt eine moderate Budgetstrategie und erzielt solide Interaktionszahlen, während Parteien wie SPD, FDP, Volt und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) sich im Mittelfeld bewegen. Obwohl einige von ihnen größere Werbeetats haben, bleiben ihre Engagement-Werte hinter den Erwartungen zurück.

Entscheidend für den Erfolg ist daher nicht das Budget allein, sondern eine durchdachte Strategie. Parteien mit einer aktiven Community erreichen oft bessere Reichweiten, selbst mit geringeren Investitionen. Zudem spielt die Plattformwahl eine entscheidende Rolle: Während Facebook und Instagram unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, profitieren Parteien, die gezielt das passende Netzwerk für ihre Botschaften nutzen. Auch die inhaltliche Gestaltung der Kampagnen beeinflusst maßgeblich, ob eine Botschaft viral geht oder nicht. Letztlich zeigt sich: Wer die Dynamik sozialer Netzwerke versteht und gezielt einsetzt, kann mit vergleichsweise wenig Budget große Wirkung erzielen.

Die AfD ist Social-Media-König, bleibt aber in Google unsichtbar

Zahlenmäßig liegt laut webnetz die AfD unangefochten vorn: Mit 508.000 bzw. 315.000 Followern und 15,7 Millionen bzw. 3,1 Millionen Aufrufen auf YouTube erreicht die Partei eine Reichweite, die keine andere übertrifft. Doch das allein erzählt nicht die ganze Geschichte. Während die AfD stark auf kurze, aufmerksamkeitsstarke Formate setzt, um gezielt eine junge Zielgruppe anzusprechen, nutzen Parteien wie die Grünen emotionale Erzählweisen, um nachhaltige Wirkung zu erzielen.

Auf YouTube hat die AfD die Nase vorne, @ webnetz

Während die AfD auf Social Media überdurchschnittlich erfolgreich ist, zeigt sie bei der Google-Sichtbarkeit Schwächen. Laut SEO-Experte Oliver Wieben liegt das daran, dass ihre Website thematisch stark zugespitzt ist. Die AfD rankt bei Google beispielsweise nicht für das Keyword „Rente“, wohl aber für Begriffe wie „Schlägerei Berlin“, mit eigens erstellten Landing Pages.

Die SPD erreicht den höchsten Sichtbarkeitswert; die AfD rangiert auf dem letzten Platz, @ webnetz

TikTok als Wahlkampfarena: SPD-Strategie zeigt Wirkung

Auf TikTok sah es lange so aus, als würde die AfD alle anderen Parteien dominieren. Nun verzeichnet die SPD das stärkste Follower-Wachstum mit 263 Prozent und überholt die AfD in Impressionen. Die Partei setzt auf unterhaltsame Formate und nutzt gezielt Influencer-Kooperationen.

Follower-Wachstum der Parteien auf TikTok, © webnetz


Ein TikTok-Video mit Influencer Brooklyn, in dem Olaf Scholz auf ein Meme reagiert, das ihn seit Monaten begleitet, erreicht 8,3 Millionen Aufrufe (Stand 21. Februar 2025).

@brooklyn_oy

Wir haben das Original❗️

♬ Originalton – Brooklyn🍉

Digitales Momentum entscheidet den Wahlkampf

Die digitalen Kampagnen zur Bundestagswahl 2025 offenbaren deutliche Unterschiede in der Herangehensweise der Parteien. Während Die Grünen massiv in Google und YouTube investieren, nutzt die AfD Social Media gezielt für Polarisierung und algorithmische Verstärkung. Die SPD setzt zunehmend auf TikTok und verzeichnet dort ein starkes Follower-Wachstum. Die CDU hingegen bleibt sowohl in der digitalen Werbung als auch auf Social Media weit hinter den Erwartungen zurück. Wir haben die wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst:

  1. Hohes Budget bedeutet nicht automatisch hohe Reichweite – strategische Inhalte und Community-Bindung sind entscheidend.
  2. Effizienz trotz geringen Budgets – Die Linke zeigt, dass mit einer gezielten Instagram-Strategie beachtliche organische Reichweiten möglich sind.
  3. AfD auf Facebook erfolgreich trotz geringster Werbeausgaben – ein Hinweis darauf, wie Social-Media-Algorithmen bestimmte Inhalte bevorzugen.
  4. Die Grünen investieren am meisten, bleiben aber in den Interaktions-Rankings zurück – ein Zeichen dafür, dass Werbebudget allein nicht ausreicht.
  5. Mittelmaß für SPD, FDP, Volt und BSW – trotz höherer Ausgaben erzielen sie oft geringere Interaktionen.

Diese Entwicklungen verdeutlichen, dass Investitionen zwar eine wichtige Grundlage bilden, aber ohne eine starke strategische Ausrichtung das digitale Potenzial ungenutzt bleibt. Der Wahlkampf 2025 wird nicht durch bloße Präsenz entschieden, sondern durch den gezielten Einsatz von Emotionen, Plattformmechanismen und aktiver Community-Bindung.

Elon Musk, die AfD und das Social-Media-Problem

Neben den Parteien selbst beeinflussen auch mächtige Einzelpersonen die digitale Wahlkampfdebatte. Einer der aktivsten Akteure ist Elon Musk. Seine Unterstützung für die AfD sorgt für Millionen von Interaktionen und verstärkt die Debatte über die Rolle von Social Media in der politischen Meinungsbildung.

Seine öffentliche Unterstützung wurde von Alice Weidel in einem Live Interview auf der Plattform X weiter aufgegriffen, das über 200.000 Zuschauer:innen verfolgten. Diese Entwicklungen werfen die Frage auf, wie groß der Einfluss von Tech-Milliardären auf demokratische Prozesse tatsächlich ist.

Wie Social-Media-Algorithmen politische Meinungen formen – Ein Selbstexperiment

Soziale Medien sind längst nicht nur Plattformen für den Austausch von Meinungen, sondern selbst aktive Akteur:innen in der politischen Meinungsbildung. Ihr Einfluss reicht weiter, als viele vermuten, da Algorithmen Inhalte gezielt kuratieren und verstärken, die starke emotionale Reaktionen hervorrufen. Besonders Parteien mit polarisierenden Botschaften profitieren davon, weil ihre Inhalte von den Mechanismen der Plattformen bevorzugt verbreitet werden.

Ein Selbstexperiment von JONAS (@jonas_ems) zeigt, wie schnell Social-Media-Algorithmen Nutzer:innen in eine ideologische Filterblase lenken, politische Ansichten verzerren und potenziell sogar Wahlentscheidungen beeinflussen. Besonders rechte Parteien wie die AfD nutzen diese Dynamik strategisch für ihre digitale Mobilisierung.

Bereits nach wenigen Experimenttagen zeigte sich ein klares Muster:

  • Die Plattformen empfahlen ihm fast ausschließlich AfD-nahe oder rechtspopulistische Inhalte.
  • Algorithmen verstärkten gezielt Emotionen wie Wut und Angst, indem sie immer mehr polarisierende Inhalte vorschlugen.
  • Abweichende politische Meinungen wurden zunehmend ausgeblendet, sodass eine geschlossene Filterblase entstand.
  • Besonders auf TikTok und YouTube war dieser Effekt stark ausgeprägt, während X eine weniger drastische, aber dennoch merkliche Verschiebung zeigte.
  • Die Wiederholung dieser Narrative beeinflusste unbewusst seine Wahrnehmung – selbst als er sich bewusst war, dass er in einer künstlich geschaffenen Filterblase steckte.

Das Experiment zeigt eindrücklich, dass Social-Media-Plattformen keine neutralen Informationskanäle sind. Algorithmen priorisieren nicht objektive Berichterstattung, sondern Inhalte, die maximale Interaktionen auslösen – unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild der politischen Realität, das nicht nur die individuelle Meinungsbildung, sondern auch den gesellschaftlichen Diskurs langfristig beeinflussen kann.

Besonders im Wahlkampf sind diese Mechanismen von entscheidender Bedeutung. Während manche Parteien viel Geld in digitale Werbung investieren, zeigt sich, dass es nicht allein das Budget ist, das über Reichweite entscheidet. Vielmehr spielen algorithmische Verstärkung, gezielte Mobilisierung und die emotionale Aufladung von Inhalten eine wesentliche Rolle. Hier setzen insbesondere rechtspopulistische Akteur:innen an, die soziale Netzwerke strategisch für ihre Zwecke nutzen.

Digitale Wahlkämpfe: Die Macht der Algorithmen und ihre Profiteure

Das Selbstexperiment zeigt, wie stark Social-Media-Plattformen politische Meinungen beeinflussen. Algorithmen bevorzugen Inhalte, die Emotionen wie Wut oder Angst auslösen. Parteien mit polarisierenden Botschaften profitieren davon besonders. Trotz geringerer Werbeausgaben erzielt die AfD hohe Reichweiten, während gemäßigte oder sachliche Inhalte algorithmisch benachteiligt werden. Digitale Wahlkämpfe werden damit nicht allein durch Budgets entschieden, sondern durch die Mechanismen sozialer Netzwerke.

Während etablierte Parteien auf klassische Wahlkampfstrategien setzen, haben rechtspopulistische Akteur:innen Social Media gezielt für sich optimiert. Erfolgreiche Methoden sind:

  • kurze, einprägsame Slogans wie „Grenzen dicht!“ oder „GEZ abschaffen!“, die leicht teilbar sind und viral gehen
  • klare Feindbild-Narrative, die ein „Wir gegen die“-Gefühl verstärken
  • Memes und emotionale Inhalte, die besonders auf TikTok eine junge Zielgruppe erreichen

Diese Strategien sind nicht auf Deutschland beschränkt. In den USA setzte Donald Trump gezielt Facebook-Werbung ein, um wahlentscheidende Gruppen anzusprechen. In Frankreich nutzt Marine Le Pen TikTok, um junge Wähler:innen zu mobilisieren. Matteo Salvini in Italien verstärkt Ängste rund um Migration, um sich als „Stimme des Volkes“ zu inszenieren.

Neben gezielten Social-Media-Strategien spielt auch Künstliche Intelligenz eine wachsende Rolle im Wahlkampf. Besonders verbreitet sind:

  • Deepfake-Videos und KI-generierte Inhalte, die manipulierte oder erfundene Aussagen verbreiten
  • KI-generierte Reden von AfD-Politikerinnen und Politikern, die so nie gehalten wurden, aber auf TikTok kursieren
  • automatisierte Bot-Netzwerke, die einseitige Meinungen verstärken
  • Deepfake-Memes, die gezielt Aussagen verfälschen und alternative Fakten suggerieren

Social Media ist längst kein neutraler Raum mehr. Algorithmen bestimmen, welche Inhalte sichtbar sind, und begünstigen polarisierende Narrative. Die Folgen sind:

  • Filterblasen, die politische Perspektiven verengen und gesellschaftliche Spaltungen verstärken
  • eine verstärkte Emotionalisierung des politischen Diskurses
  • eine wachsende Bedeutung sozialer Netzwerke für Wahlergebnisse

Um dem entgegenzuwirken, braucht es eine stärkere Medienkompetenz, effektive Faktenchecks und eine Regulierung von KI-generierten Inhalten, um Deepfakes und gezielte Manipulation zu kennzeichnen.

Auch demokratische Parteien müssen sich anpassen. Klassische Wahlkampfstrategien reichen nicht aus. Wer online erfolgreich sein will, muss die Funktionsweise sozialer Netzwerke verstehen und gezielt nutzen. Emotional ansprechende Inhalte, durchdachte Kampagnen und eine gezielte Interaktion mit der Community sind entscheidend. Social Media ist kein neutraler Informationskanal mehr, sondern der zentrale Schauplatz moderner Wahlkämpfe.

#ZusammenFürDemokratie: Unternehmen rufen zum Wählen auf

Während Social Media den Wahlkampf polarisiert, setzen große Unternehmen ein Zeichen für demokratische Werte. Die Kampagne #ZusammenFürDemokratie, initiiert von der Kreativagentur antoni, wird von über 100 Unternehmen unterstützt – darunter Mercedes-Benz, Katjes, Otto und Rossmann.

Über 100 Unternehmen rufen mit kreativen Slogans zur Bundestagswahl 2025 auf, © antoni mit der Kampagne #ZusammenFürDemokratie

Ihre Botschaften sind kreativ: „Zähne zeigen für Vielfalt“ (Leibniz), „Wählen? jes jes jes“ (Katjes) oder „Wirf deine Stimme nicht weg“ (BSR). Diese Kampagne erreicht Millionen Menschen über Social Media und Außenwerbung.

Der Startschuss für #ZusammenFürDemokratie ist gefallen – jetzt liegt es an uns allen, die Reichweite der Wirtschaft und der Medien zu nutzen, um für eine hohe Wahlbeteiligung zu sorgen. Jede einzelne Stimme ist wertvoll, um unsere Demokratie zu stärken! Danke für dieses Engagement, 

sagt Sven Dörrenbächer, CEO von antoni und Initiator der Aktion. Medienhäuser wie BILD, BCN und WallDecaux stellen zudem Reichweite zur Verfügung, um die Kampagne bis zur Wahl zu verstärken. Laut aktuellen Umfragen des ZDF-Politbarometers ist noch immer ein Drittel der Wahlberechtigten unentschlossen, ob sie wählen gehen. Die Kampagne soll helfen, diese Lücke zu schließen und die Wahlbeteiligung zu erhöhen.

Und jetzt? Wählen gehen.

Die Bundestagswahl 2025 zeigt, wie sehr sich politische Kommunikation verändert hat. Digitale Plattformen und Influencer bestimmen, welche Themen die Debatte prägen, während Unternehmen zunehmend gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Letztlich liegt es jedoch an den Wähler:innen, welche Richtung das Land einschlägt. Die digitale Arena ist entschieden – nun geht es darum, ob sich diese Trends auch an der Wahlurne widerspiegeln. Also: Ab an die Wahlurne oder per Brief entscheiden! Am Sonntag, den 23. Februar 2025 ist Wahltag!


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© Solen Feyissa – Unsplash

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