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Brave soll Artikel an KI-Unternehmen verkaufen: New York Times klagt

Brave soll Artikel an KI-Unternehmen verkaufen: New York Times klagt

Larissa Ceccio | 03.11.26

Vier US-Zeitungen, darunter die New York Times, verklagen Brave wegen mutmaßlicher Verletzungen des Urheber:innenrechts. Der Vorwurf: Das Unternehmen soll Artikel ohne Genehmigung an KI-Unternehmen weitergegeben und mit Paywall-Umgehung sowie Werbeblockierung Einnahmen der Verlage gefährdet haben.

Die New York Times geht erneut rechtlich gegen die mutmaßlich unerlaubte Nutzung journalistischer Inhalte für KI-Dienste vor. Diesmal verklagt der US-amerikanische Verlag das auf Datenschutz spezialisierte Unternehmen Brave, das hinter dem gleichnamigen Browser und einer eigenen Suchmaschine steht. Brave wurde 2015 von Brendan Eich, dem Erfinder von JavaScript und Mitbegründer von Mozilla, sowie Brian Bondy gegründet. Das Unternehmen ist insbesondere für den Fokus auf Datenschutz und das Blockieren von Werbung und Trackern bekannt.

Wie unter anderem Reuters, The Verge und TechCrunch berichten, soll Brave urheber:innenrechtlich geschützte Artikel ohne Genehmigung kopiert und unter anderem KI-Unternehmen wie Anthropic, Perplexity, Mistral, xAI und Cohere über eine kostenpflichtige Schnittstelle zugänglich gemacht haben. Die New York Times wirft Brave damit vor, als Lieferant:in und Händler:in mutmaßlich gestohlener urheber:innenrechtlich geschützter Inhalte für die KI-Branche zu agieren.

Am 2. November 2026 reichte der Verlag deshalb Klage vor einem Bundesgericht in Manhattan ein. Unabhängig davon verklagten auch die New York Daily News, die Chicago Tribune und der Orlando Sentinel das Unternehmen in einem separaten Verfahren mit ähnlichen Vorwürfen. Neben der kommerziellen Nutzung journalistischer Inhalte geht es in den Klagen auch um die mutmaßliche Umgehung von Paywalls und das Blockieren von Werbeanzeigen.

Brave soll journalistische Inhalte an KI-Unternehmen weitergegeben haben

Neben dem Browser betreibt Brave eine eigene Suchmaschine, deren Daten über die kostenpflichtige Brave Search API auch anderen Unternehmen zur Verfügung stehen. KI-Dienste können darüber aktuelle Web-Informationen abrufen und für ihre Antworten nutzen.

Laut der Klage der New York Times soll Brave dafür urheber:innenrechtlich geschützte Artikel ohne Genehmigung automatisiert erfasst und in einem Suchindex mit mehr als 30 Milliarden Webseiten gespeichert haben. Der verwendete Crawler sei nicht eindeutig identifizierbar gewesen, sodass Publisher den Zugriff nicht hätten blockieren können. Die Kläger:innen werfen Brave zudem vor, die betroffenen Verlage weder um Erlaubnis für die Nutzung ihrer Inhalte gebeten noch für deren Vervielfältigung und Weitergabe bezahlt zu haben. In der Klageschrift, aus der unter anderem TechCrunch zitiert, heißt es:

„In this way, Brave acts both like a burglar that misappropriates the content of publishers, and an AI ‘fence’ that sells stolen content to third parties.“

Über die Schnittstelle soll Brave die Inhalte unter anderem KI-Unternehmen wie Anthropic, Perplexity, Mistral, xAI und Cohere gegen Bezahlung zugänglich gemacht haben. Die Daten könnten laut den Kläger:innen sowohl für das KI-Training als auch für die Generierung aktueller Antworten genutzt werden. Die genannten Unternehmen sind selbst nicht Beklagte. Ob und in welchem Umfang sie die beanstandeten Inhalte tatsächlich verwendet haben, ist nicht geklärt.

Ganze Artikel in KI-Antworten und Zugriff trotz Paywall

Auch Braves KI-Suche Ask Brave ist Gegenstand der Klagen. Sie beantwortet Fragen anhand von Web-Inhalten und soll dabei laut den Kläger:innen teilweise umfangreiche Passagen urheber:innengeschützter Artikel wiedergegeben haben. Bei einem Test habe Ask Brave beispielsweise mehr als 1.200 Wörter aus einem Artikel der Chicago Tribune ausgegeben. Über die Brave Search API sollen zudem nahezu vollständige Zeitungsartikel abrufbar gewesen sein.

Ein weiterer Vorwurf betrifft den Paywall Blocker des Browsers, über den User Nachrichtenartikel auch ohne Abonnement aufrufen können sollen. Laut The Verge bewirbt Brave die Funktion sogar mit dem Zugang zu Hunderten führenden Medienangeboten. Dass der Zugriff auf kostenpflichtige Inhalte tatsächlich möglich sein kann, schildert ein User in einem Reddit Post vom April 2026. Nach Aktivierung des Filters in der Android-Testversion Brave Nightly habe er Artikel der New York Times ohne Anmeldung lesen können.

Paywall Blocker in Brave
by u/WelderOk2829 in browsers

Darüber hinaus werfen die Kläger:innen Brave vor, Werbeanzeigen auf den Websites der Publisher zu blockieren, während das Unternehmen selbst Werbung vermarktet. Aus Sicht der Verlage gefährden diese Praktiken damit gleich zwei wichtige Einnahmequellen: Abonnements und Werbeeinnahmen.

New York Times fordert Schadensersatz und Unterlassung

Mit der Klage will die New York Times erreichen, dass Brave die mutmaßlich unerlaubte Nutzung und Weitergabe journalistischer Inhalte einstellt. Neben einer gerichtlichen Unterlassungsanordnung fordert der Verlag Schadensersatz für die behaupteten Urheber:innen und die Umgehung technischer Schutzmaßnahmen sowie die Herausgabe unrechtmäßig erzielter Gewinne. Eine konkrete Schadensersatzsumme wurde bislang nicht genannt.

Gegenüber The Verge erklärte Graham James, Sprecher der New York Times, Brave habe wiederholte Aufforderungen ignoriert, die beanstandete Nutzung der Inhalte einzustellen. Das Unternehmen, das 2015 gegründet wurde und laut Sacra bislang rund 250 Millionen US-Dollar an Kapital eingesammelt hat, äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen.

KI-Scraping und Vergütung: Publisher kämpfen um ihre Inhalte

Für Publisher steht bei der Nutzung journalistischer Inhalte durch KI-Dienste neben dem Urheber:innenrecht auch die wirtschaftliche Grundlage ihrer Arbeit auf dem Spiel. Denn wenn KI-Dienste Fragen direkt beantworten, besuchen weniger User die ursprünglichen Websites. Laut einer Analyse von Ahrefs liegt die durchschnittliche Klickrate für topplatzierte Suchergebnisse bei Google-Suchen mit AI Overviews um 58 Prozent niedriger. Sinkende Besuchszahlen können die Werbeeinnahmen der Publisher schmälern. Werden darüber hinaus Paywalls umgangen, sind auch Einnahmen aus Abonnements betroffen.

Entsprechend wächst der juristische Widerstand gegen die mutmaßlich unerlaubte Nutzung journalistischer Inhalte durch KI-Unternehmen. Die New York Times geht bereits seit Dezember 2023 gerichtlich gegen OpenAI und Microsoft wegen mutmaßlicher Verletzungen des Urheber:innen vor. Das Verfahren läuft weiterhin. Im Dezember 2025 verklagte der Verlag auch Perplexity wegen ähnlicher Vorwürfe. Bei Brave richtet sich der Vorwurf nun zusätzlich gegen die kommerzielle Weitergabe urheber:innengeschützter Inhalte an andere KI-Unternehmen.

Immerhin entstehen inzwischen erste Vergütungsmodelle, mit denen Tech-Unternehmen Publisher an der Nutzung ihrer Inhalte beteiligen wollen. Google testet mit dem AI Contribution Pilot beispielsweise Zahlungen an ausgewählte Publisher, deren Inhalte maßgeblich zu KI-Antworten beitragen. Allerdings entscheidet Google selbst, welche Inhalte vergütet werden und wie hoch die Zahlungen ausfallen. Publisher erhalten damit eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit, bleiben bei der Bewertung ihrer Inhalte aber vom Konzern abhängig. Microsoft arbeitet an einem Publisher Marketplace, über den Medienunternehmen Inhalte für KI-Dienste lizenzieren können sollen. Auch Amazon prüft ein ähnliches Modell.



Neben der Vergütung geht es auch darum, die Nutzung journalistischer Inhalte überhaupt kontrollieren zu können. Google, OpenAI und Microsoft wollen deshalb einen gemeinsamen KI-Opt-out unterstützen, mit dem Publisher dem KI-Training künftig einfacher widersprechen können. Allerdings verhindert das geplante Signal weder den technischen Zugriff auf ihre Websites noch automatisch die Nutzung ihrer Inhalte für KI-Antworten.

KI-Training stoppen:
Google, OpenAI und Microsoft unterstützen gemeinsamen KI-Opt-out nach Anthropic-Entwurf

Gemini Interface mit Frage von Google, Gemini-Logo, dunkler Hintergrund
© Planet Volumes – Unsplash


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