Social Media Marketing
Beratungen verkaufen und Videos monetarisieren: LinkedIn hat neue Features in petto

Beratungen verkaufen und Videos monetarisieren: LinkedIn hat neue Features in petto

Larissa Ceccio | 20.10.26

LinkedIn will berufliche Beziehungen stärker mit neuen Verdienstmöglichkeiten verbinden. Mit den neuen Advice Sessions lassen sich Beratungen verkaufen, In-Stream Ads ermöglichen Werbeeinnahmen mit Videos. Außerdem kommen ein Network Feed, digitale Visitenkarten und ein Creator Dashboard. Nutzer:innen in Deutschland müssen sich allerdings noch gedulden.

Immer mehr Menschen nutzen LinkedIn nicht nur für ihre berufliche Karriere, sondern auch für eigene Projekte und zusätzliche Einnahmequellen. Laut dem Business-Netzwerk ist die Zahl der Gründer:innen auf LinkedIn um 70 Prozent gestiegen. In welchem Zeitraum, ist aber unklar. Im Vergleich zu 2019 hat zudem der Anteil der Nutzer:innen, die mehr als eine berufliche Position angeben, um 26 Prozent zugenommen. Auch mehr als 80 Prozent der Creator veröffentlichen ihre Inhalte neben einer weiteren beruflichen Tätigkeit. Für die Gründer:innenzahl nennt LinkedIn allerdings keinen konkreten Vergleichszeitraum.

Mit den jetzt angekündigten Funktionen will LinkedIn diesen Entwicklungen Rechnung tragen und Nutzer:innen neue Möglichkeiten bieten, ihre beruflichen Kontakte zu pflegen und mit ihren Inhalten sowie ihrem Fachwissen Geld zu verdienen. Geplant sind unter anderem kostenpflichtige Beratungsgespräche über das eigene Profil, Werbeeinnahmen für Video-Creator und ein neues Creator Dashboard. Außerdem testet das Business-Netzwerk einen eigenen Network Feed und führt digitale Visitenkarten sowie persönliche Notizen für Kontakte ein.



Über eine 1 Million Klicks auf LinkedIns AI Slop Button:
Das passiert mit den gemeldeten Posts

LinkedIn zeigt im Drei-Punkte-Menü die neue Option „Seems like AI slop“, mit der Nutzer:innen generische KI-Inhalte kennzeichnen können.
© LinkedIn via Canva


Advice Sessions: Beratungen über das LinkedIn-Profil verkaufen

Mit dem neuen Feature Advice Sessions können Expert:innen kostenpflichtige Einzelberatungen über ihr LinkedIn-Profil anbieten. Interessierte können dort Termine buchen, bezahlen und die Beratung per Video wahrnehmen. LinkedIn übernimmt damit auch die Abwicklung von Beratungsleistungen, für die Berater:innen und andere Selbstständige bisher auf externe Buchungs- und Zahlungsdienste angewiesen waren.

Vorerst steht das Feature allerdings nur Business-Premium-Abonnent:innen in den USA zur Verfügung. Weitere Länder sollen folgen. Wann Advice Sessions in Deutschland startet und welche Gebühren anfallen, hat LinkedIn noch nicht mitgeteilt.

Mit In-Stream Ads auf LinkedIn Geld verdienen

Creator wiederum können mit ihren Videos auf LinkedIn Geld verdienen. Über das In-Stream-Ads-Programm erhalten ausgewählte Nutzer:innen Werbeeinnahmen, wenn vor ihren Videos sogenannte Pre-Roll Ads ausgespielt werden. Die Teilnahme am Programm soll künftig über das neue Creator Dashboard möglich sein.

Smartphone-Ansicht des neuen LinkedIn Creator Dashboards zur Verwaltung von Inhalten, Analyse der Performance und Übersicht über Verdienstmöglichkeiten.
Das neue Creator Dashboard von LinkedIn bündelt Content Performance, Beitragsverwaltung und Monetarisierungsmöglichkeiten, © LinkedIn

Mit der Monetarisierung von Videoinhalten beschäftigt sich LinkedIn bereits seit einiger Zeit. So führte das Unternehmen 2025 mit BrandLink neue Werbeformate für Videos ein. Nun sollen weitere Creator von den Werbeeinnahmen profitieren können. Vorerst testet LinkedIn das In-Stream-Ads-Programm allerdings nur mit ausgewählten Creatorn und Advertisern in den USA. Eine Ausweitung ist geplant.

Das neue Creator Dashboard soll außerdem die Verwaltung von Inhalten erleichtern und einen Überblick über die Content Performance sowie verfügbare Einnahmemöglichkeiten bieten. LinkedIn will es in den kommenden Wochen weltweit einführen. In der mobilen App ist es dann über das Profilbild oben links erreichbar. Welche Monetarisierungsfunktionen dort angezeigt werden, hängt allerdings von der jeweiligen Verfügbarkeit ab. So bleibt das In-Stream-Ads-Programm zunächst auf ausgewählte Teilnehmer:innen in den USA beschränkt.

LinkedIn testet neuen Network Feed und führt digitale Visitenkarten ein

Neben den Einnahmemöglichkeiten gibt es auch Neuerungen beim Networking. LinkedIn testet einen eigenen Network Feed, in dem Beiträge von Kontakten und abonnierten Profilen zusammengeführt werden. Nutzer:innen sollen so leichter verfolgen können, was Menschen aus ihrem beruflichen Umfeld veröffentlichen, statt sich ausschließlich auf die Auswahl des bisherigen Feeds verlassen zu müssen. Der Test startet zunächst in den USA, Indien, Großbritannien und Australien. Wann die neue Ansicht in Deutschland verfügbar sein wird, ist noch offen.

Außerdem führt LinkedIn personalisierbare digitale Visitenkarten ein, die sich im Smartphone Wallet speichern und bei persönlichen Treffen teilen lassen. Die Funktion soll in den kommenden Monaten weltweit verfügbar werden. Premiumabonnent:innen können bereits jetzt private Notizen zu anderen Profilen hinterlegen und beispielsweise festhalten, wo sie jemanden kennengelernt haben, worüber gesprochen wurde oder wann ein erneuter Austausch ansteht.

Autor:innen können zudem Kommentare künftig anpinnen und damit etwa besonders hilfreiche Ergänzungen oder Antworten hervorheben. LinkedIn reagiert mit den neuen Networking-Funktionen nach eigenen Angaben auch auf Unsicherheiten beim Aufbau beruflicher Beziehungen. Laut einer Untersuchung des Unternehmens weiß mehr als die Hälfte der befragten Angehörigen der Generation Z nicht genau, wie sie nach dem ersten Vernetzen eine berufliche Beziehung weiterentwickeln soll.

LinkedIn will mehr Geschäft über das eigene Netzwerk abwickeln

LinkedIn arbeitet schon länger daran, aus beruflicher Reichweite neue Einnahmemöglichkeiten zu schaffen. Im Juni 2026 führte das Unternehmen einen eigenen Creator Marketplace für Kooperationen zwischen Marken und B2B Influencern ein. Hinzu kommen Funktionen wie die Collaborative Posts, mit denen sich Inhalte gemeinsam veröffentlichen lassen. Mit Advice Sessions nimmt LinkedIn nun auch den Verkauf von Beratungsleistungen in den Blick und will neben der Kund:innengewinnung künftig deren Buchung, Bezahlung und Durchführung ermöglichen.

Für Selbstständige liegt der Vorteil vor allem darin, dass sie ihre Beratungsleistungen dort anbieten können, wo sie bereits Kontakte pflegen, Reichweite aufbauen und potenzielle Kund:innen erreichen. LinkedIn könnte damit einen Teil jener Geschäftsprozesse übernehmen, die bisher über externe Anbieter:innen abgewickelt werden. Das spart möglicherweise Aufwand, macht Selbstständige aber auch stärker von dem Business-Netzwerk abhängig, das nicht nur die Sichtbarkeit ihrer Angebote beeinflusst, sondern künftig auch Buchungen und Zahlungen verarbeitet.

Wie attraktiv die neuen Einnahmemöglichkeiten wirtschaftlich sind, lässt sich noch nicht beurteilen. LinkedIn hat weder mögliche Gebühren für Advice Sessions noch konkrete Verdienstmöglichkeiten durch In-Stream Ads genannt. Für Nutzer:innen in Deutschland bleibt die Frage vorerst ohnehin theoretisch, denn während das Creator Dashboard und die digitalen Visitenkarten weltweit eingeführt werden sollen, sind die beiden Monetarisierungsangebote zunächst auf die USA beschränkt.



Wie Instagram und YouTube:
LinkedIn startet eigenen Creator Marketplace

LinkedIn Creator Marketplace im Campaign Manager mit Funktionen zur Creator-Suche und Kampagnenverwaltung.
© LinkedIn via ChatGPT


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