Human Resources
Der unterschätzte Erfolgsfaktor im Büro: Humor – was die Forschung über Lachen im Job sagt

Der unterschätzte Erfolgsfaktor im Büro: Humor – was die Forschung über Lachen im Job sagt

Selina Beck | 23.09.26

Lachen kann im Job mehr bewirken als gute Stimmung: Forschung zeigt Effekte auf Zusammenarbeit, Kreativität und Leistung. Entscheidend ist, wann Humor verbindet – und wann die Pointe kippt.

Die Universität Leipzig verweist darauf, dass Kinder etwa 400-mal pro Tag lachen – Erwachsene dagegen nur noch etwa 20-mal. Vor allem am Arbeitsplatz kommt für viele das Lachen zu kurz, obwohl es Stress reduzieren und sich positiv auf das Wohlbefinden auswirken kann. Forschende beschäftigen sich deshalb schon länger mit der Frage, was Humor im Job bewirken kann. Dabei zeigt sich: Eine gut platzierte Pointe kann mehr als nur die Mittagspause auflockern.

So kann Humor etwa die Produktivität und Kreativität fördern sowie die Zusammenarbeit in Teams verbessern. Forscherin Marina Pletscher von der Universität Luzern hat dazu untersucht, wie sich unterschiedliche Humorstile von Führungskräften und Beschäftigten auf ihre Beziehung auswirken. Dafür wertete sie Daten von 128 Beziehungen zwischen insgesamt 53 Führungskräften und 128 Beschäftigten in einem internationalen Unternehmen aus. Ähnliche Humorstile gingen dabei mit einer besseren Beziehung zwischen Führungskraft und Beschäftigten einher. Die Pointe muss also nicht nur sitzen – sie sollte im besten Fall auch zum Gegenüber passen.

Gute Witze können sogar den eigenen Status im Unternehmen beeinflussen. Forschende der Wharton School und der Harvard Business School untersuchten den Zusammenhang in acht Experimenten. Erfolgreicher Humor ließ die erzählende Person kompetenter und selbstsicherer wirken und konnte dadurch ihren Status erhöhen. Geht der Witz dagegen daneben oder wird als unangemessen wahrgenommen, kann sich der Effekt umkehren.

Auch viele Beschäftigte hätten im Job offenbar gerne mehr zu lachen. Das österreichische Online-Marktforschungsinstitut Marketagent befragte 2022 für den Humor-Report 1.000 Menschen zwischen 14 und 75 Jahren. Die Hälfte der Befragten gab an, sich im Berufsleben mehr Humor zu wünschen. Dass dort generell mehr gelacht werden sollte, fanden sogar 93 Prozent. Für Deutschland liefert die Erhebung zwar keine Vergleichszahlen – zumindest in Österreich scheint im Arbeitsalltag also noch Luft nach oben für den ein oder anderen Lacher zu sein.


So lachen Menschen rund um die Welt online

Drei Personen sitzen lachend an einem Tisch
© Brooke Cagle – Unsplash


Wie Humor am Arbeitsplatz gelebt werden kann

Wie Humor im Arbeitsalltag wirkt, haben Forschende der Lancaster University anhand von 23 qualitativen Studien untersucht. Demnach kann Humor soziale Beziehungen und den Zusammenhalt stärken, Spannungen abbauen, aber auch Einfluss innerhalb einer Gruppe ausüben.

Damit diese positiven Effekte entstehen, braucht es allerdings eine respektvolle Kommunikationskultur. Witze sollten niemanden ausschließen oder auf Kosten anderer gehen. Denn Humor kann verbinden – aber wenn andere zur Zielscheibe werden, hört der Spaß schnell auf.

Humor braucht Vertrauen und Fingerspitzengefühl

Besonders wichtig ist der passende Ton bei Führungskräften. Die Untersuchung der Universität Luzern zeigt, dass Humor nicht nach dem Prinzip „ein Witz passt für alle“ funktioniert. Entscheidend ist unter anderem, ob der Humorstil einer Führungskraft zu den Beschäftigten passt. Wer neu ein Team übernimmt, muss deshalb nicht gleich zur Stand-up Comedy ansetzen. Ein lockerer Einstieg oder eine humorvolle Bemerkung kann jedoch Nähe schaffen – solange sie zur Situation und zu den Menschen passt.

Gleichzeitig kann Humor helfen, belastende Situationen besser zu bewältigen. Die von den Forschenden der Lancaster University ausgewerteten Studien beschreiben ihn unter anderem als eine Art Ventil, über das Spannungen oder Unzufriedenheit ausgedrückt werden können. Selbstironie kann ähnlich funktionieren: Über sich selbst lachen zu können, kann schwierige Situationen entschärfen und sympathisch wirken. Wer sich allerdings permanent selbst zur Pointe macht, kann auch übers Ziel hinausschießen.

Damit Humor diese Wirkung entfalten kann, braucht es ein Umfeld, in dem sich Beschäftigte sicher und frei fühlen. Auch der Wissenschaftsjournalist und Fernsehmoderator Eckart von Hirschhausen betont in einem Interview mit Karriere.de, dass Unternehmen profitieren können, wenn sie sich um das Glück ihrer Beschäftigten kümmern. Darin liege ihm zufolge eine große Präventionskraft gegen Burn-out, Depression und andere Krankheiten. Unternehmen könnten Rahmenbedingungen schaffen, in denen sich Beschäftigte wohler und freier fühlten. Dafür brauche es vor allem Vertrauen. Denn verordnetes Lachen dürfte spätestens dann seinen Reiz verlieren, wenn es im nächsten Team Meeting als Tagesordnungspunkt auftaucht.

Gemeinsam lachen verbindet

Besonders verbindend kann Humor sein, wenn alle über dieselbe Situation lachen können. Gemeinsame Erlebnisse oder Schwierigkeiten im Arbeitsalltag liefern dafür oft genug Stoff und können das Gemeinschaftsgefühl stärken. Im Home Office reichen manchmal schon ein streikendes Mikrofon, eine unerwartete Katze vor der Kamera oder der Nachwuchs im Video Call. Wie nachhaltig solche Pannen für einen Lacher sorgen können, zeigt das viral gegangene BBC Interview:

Diese Späße sind am Arbeitsplatz tabu

Wo Witze auf Kosten anderer gehen, wird aus Humor schnell Ausgrenzung. Forschende unter anderem der Vrije Universiteit Brussel und der Leuphana Universität Lüneburg untersuchten, wie sexistischer Humor die Zusammenarbeit beeinflusst. In einem Experiment mit 255 Personen und einer weiteren Feldstudie mit 170 Teilnehmenden zeigte sich: Menschen, die mit sexistischen Witzen konfrontiert wurden, waren weniger bereit, mit der erzählenden Person zusammenzuarbeiten, und hielten sie für weniger kompetent. Besonders deutlich waren die negativen Effekte, wenn ein Mann einen sexistischen Witz gegenüber einer Frau machte.

Auch abwertender oder diskriminierender Humor kann deshalb schnell zum Eigentor werden. Bei sensiblen Themen wie Religion, Sexualität oder persönlichen Eigenschaften ist besondere Vorsicht angebracht. Sarkasmus kann ebenfalls heikel sein, weil Tonfall und Intention nicht immer so beim Gegenüber ankommen, wie sie gemeint waren. Im Zweifel gilt daher: Lieber eine Pointe liegen lassen, als Kolleg:innen damit unabsichtlich vor den Kopf zu stoßen.

Achtung auch bei Emojis: Eine internationale Umfrage von Slack und Duolingo untersuchte, wie Beschäftigte die kleinen Bildzeichen im Arbeitsalltag verstehen. Befragt wurden 9.400 Menschen mit hybridem Arbeitsmodell in elf Ländern. 58 Prozent wussten nach eigenen Angaben nicht, dass bestimmte Emojis mehrere Bedeutungen haben können. Gerade jüngere Beschäftigte berichteten häufiger davon, dass von ihnen verschickte Zeichen schon einmal falsch verstanden wurden.

Besonders missverständlich sind unter anderem der Kuss-Smiley, das Zwinker-Emoji und die Aubergine. Auch das Totenkopf-Emoji polarisiert. Verwechselt werden außerdem häufiger das schluchzende Emoji und das „Weinen vor Lachen“-Emoji. Die nächste Pointe im Team Chat will also vielleicht nicht nur sprachlich, sondern auch bildlich gut gewählt sein.



Gen Z und Emojis am Arbeitsplatz

Emojis
© Denis Cherkashin – Unsplash


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