Durch die Unruhen, die bei Twitter nach Musks Übernahme entstanden sind – ausgelöst durch Massenentlassungen, Unklarheit bezüglich der Verifizierung, der Preiserhöhung für Twitter Blue und das Hin und Her hinsichtlich der Pläne für Twitter 2.0 –, haben viele Advertiser Abstand von der Plattform als Werbeumfeld genommen. Musks Amnestie für zuvor gesperrte Twitter Accounts führte dazu, dass noch mehr Werbetreibende Werbekampagnen pausierten oder cancelten. Die Amnestie durch den neuen Inhaber der Social-Plattform könnte außerdem dazu führen, dass Coronafehlinformationen dort wieder prominent und darüber hinaus auch nicht verbannt werden. Des Weiteren erklärt der neue Twitter-Chef Apple, unter anderem aufgrund deren etwaigen Plan, die Twitter App aus dem App Store zu verbannen, den „Krieg“.
So gravierend ist der Einbruch der Twitter-Umsätze durch ausbleibende Werbeeinnahmen
Ein:e Umsatzanalyst:in bei Twitter teilte Information, die Aufschluss über die Werbeumsätze des Unternehmens geben – die Ergebnisse dürften wenig Hoffnung machen.
We are seeing a significant decline in bookings.
Postete sie:er in einem Slack Channel des Unternehmens ehe konkrete Zahlen veröffentlicht wurden. Laut der geteilten Screenshots, die Platformer vorliegen, sind die Werbeeinnahmen von Twitter in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (EMEA) im Jahresvergleich um 15 Prozent und die wöchentlichen Buchungen um 49 Prozent zurückgegangen. Auch der Social-Media-Experte Matt Navarra teilt die Informationen in einem Tweet.
Twitter needs ad revenue to keep the company afloat as it tries to pivot toward subscriptions.
— Casey Newton (@CaseyNewton) November 30, 2022
But ad revenue is down 49 percent or more week over week in key markets, we’ve learned. And plans to relaunch Blue today have been delayed@ZoeSchiffer + me:https://t.co/XDpJxL6OVG pic.twitter.com/KEjA4wjmJz
So hoch sind Twitters Werbeverluste
Am 31. Oktober stellten Analyst:innen im Zuge dieser Entwicklungen in einem Google Sheet, das dazu diente, nachzuverfolgen, welche Werbetreibende ihre Kampagnen pausiert hatten, dar, dass 15,7 Millionen US-Dollar an EMEA-Einnahmen bereits gefährdet waren. Darin enthalten sind außerdem erwartete Verluste in Höhe von zwölf Millionen US-Dollar im Vereinigten Königreich.
Das Werbefiasko kam für Twitter zu einer mehr als ungünstigen Zeit: Denn vom 25. November (Black Friday) bis zum 29. November (Cyber Monday) fand die Cyber Week und somit die für viele umsatzstärksten Zeit des Jahres statt. Auch die derzeit laufende Fußball-WM bietet starke Werbepotenziale und Möglichkeiten, die Quartalsumsätze in die Höhe zu treiben. „It’s catastrophic“ erklärte ein:e ehemalige:r Twitter-Mitarbeit:in gegenüber Platformer.
Musk erklärt Apple den „Krieg“
Doch nicht nur zwischen Twitter und vielen Werbetreibenden kriselt es; auch zwischen Musk und Apple herrscht seit kurzem eine frostige Stimmung. Musk selbst droht sogar, dass er gegen das Tech-Unternehmen „in den Krieg ziehen“ werde. Denn Apple wolle den Kurznachrichtendienst aus dem App Store entfernen. Solche Kämpfe ohne mediale Begleitung auszutragen, wäre für Musk untypisch. Stattdessen heizt der Twitter-Chef den Konflikt mit einer Reihe von Tweets an.
Auf seiner Plattform stellt der reichste Mann der Welt die Frage in den Raum, ob Apple die Redefreiheit im Amerika hasse – da das Unternehmen schließlich die Werbung auf der Social-Plattform nach seiner Übernahme weitestgehend eingestellt habe.
Apple has mostly stopped advertising on Twitter. Do they hate free speech in America?
— Elon Musk (@elonmusk) November 28, 2022
Er wirft dem iPhone-Konzern Zensur sowie den Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung vor. Konkret beklagte er sich über die 30 Prozent, die Apple von bestimmten Transaktionen im App Store als Gebühr einbehält.
Did you know Apple puts a secret 30% tax on everything you buy through their App Store? https://t.co/LGkPZ4EYcz
— Elon Musk (@elonmusk) November 28, 2022
Darüber hinaus behauptet er, Apple habe ohne Angabe von Gründen damit gedroht, die Twitter App aus dem App Store zu entfernen: „Sie weigern sich, uns zu sagen warum“, schrieb der selbsternannte Chief Twit auf seiner Plattform.
Apple has also threatened to withhold Twitter from its App Store, but won’t tell us why
— Elon Musk (@elonmusk) November 28, 2022
Um die Aussage zu stützen, fügte er seinem Tweet ein Meme hinzu, das ein Auto mit der Aufschrift „Elon“ zeigt, das eine Autobahnausfahrt in Richtung „den Krieg erklären“ nimmt. Den Beitrag hat er inzwischen wieder gelöscht. In einem anderen Post schreibt er, ohne Apple direkt zu benennen, „dies ist eine Schlacht um die Zukunft der Zivilisation“.
This is a battle for the future of civilization. If free speech is lost even in America, tyranny is all that lies ahead.
— Elon Musk (@elonmusk) November 29, 2022
Twitter könnte ein Ort für Covid-19-Fehlinformationen werden
Doch damit nicht genug – Twitter erregt das allgemeine Gemüt derweil mit einer weiteren Neuigkeit, die zu Kritik und Sorgen auf vielen Seiten führt. Denn unter Elon Musks Herrschaft hat der Kurznachrichtendienst aufgehört, Covid-19-Richtlinien zu Fehlinformationen durchzusetzen. Das bedeutet, dass das Unternehmen keine Maßnahmen mehr gegen Tweets oder Accounts ergreifen wird, die Corona-Fake-News enthalten beziehungsweise posten. Twitter fügte, statt sich die Mühe für eine offizielle Ankündigung zu machen, den Seiten, die Richtlinien zu Covid-Fehlinformationen umreißen, einen Hinweis hinzu, in dem es heißt:
Effective November 23, 2022, Twitter is no longer enforcing the COVID-19 misleading information policy.
Twitter führte diese Richtlinien erstmals im Jahr 2020 ein und kennzeichnete im Rahmen dieser Tweets mit umstrittenen Informationen über Covid-19. Die Moderator:innen entfernten auch Tweets, die „nachweislich falsche oder potenziell irreführende Inhalte“ enthielten, und sperrte Konten dauerhaft, wenn diese wiederholt gegen die Richtlinien verstießen. Nach Angaben von Twitter hat das Unternehmen seit Januar 2020 insgesamt 11.230 Konten gesperrt und fast 100.000 Inhalte entfernt. Doch weil Musk gesperrten Accounts nach einem User Voting Amnestie gewährt hat, dürfen eventuell auch Accounts, die aufgrund der Veröffentlichung von Covid-19-Fehlinformationen gesperrt wurden, wieder zwitschern.
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Kommentare aus der Community
Wenn er aufhört zu versuchen, sich die Welt nach seinen Wünschen umzuformen? Dieser lupenreine Demokrat… ROFL
Ernsthaft: Twitter spielt in Deutschland keinerlei Rolle – es wundert mich, dass noch immer so viele versuchen den Erfolg dieses Nischenproduktes hochzuloben.
Wann hört das Musk/Twitter-Gebashe hier eigentlich mal auf?
Hallo Joe,
wir bilden die Entwicklungen auf Twitter ab und weisen dabei auf – aus unserer Sicht – durchaus bedenkliche Entwicklungen hin. Wir intendieren nicht, das Unternehmen oder den CEO in ein schlechtes Licht zu rücken, das es nicht gibt.
Wenn wir aber inhaltliche Fehler gemacht haben sollten, kannst du uns gern darauf hinweisen.
Beste Grüße