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Sensationen und Skandale – der zweite Tag der dmexco

Ob es sie gab? Ralf Scharnhorst konnte sie jedenfalls nicht entdecken. Aber ohne reißerische Überschriften geht es seit „Heftig“ einfach nicht mehr. Und dann gibt es da noch die AdBlocker.

Diese Modeerscheinung Internet, die geht auch wieder weg. Lange hatten die Verlage und TV-Vermarkter darauf gewartet, nun scheint es soweit. Sicher? Nein, aber die Online-Werbeausgaben sollen in 2014 nur noch um 6,8% wachsen. Vor der dmexco ging der OVK noch von 8% aus.

Die Schuldfrage

Wer ist schuld? Der OVK führt die Themen Branding-orientierte Leistungsnachweise, Mobile und Real-Time-Advertising an.

Anzeige:

Hinter vorgehaltener Hand spricht man über einen weiteren Grund: AdBlocker. Im gesamtdeutschen Durchschnitt würde bereits ca. ein viertel der Banner nicht mehr ausgeliefert.

Um die Werbungtreibenden zu beruhigen: die meisten dieser Banner bezahlen sie nicht, der Schaden liegt hauptsächlich beim Publisher.

Um andere zu beunruhigen: einzelne Sites wie z.B. spezielle IT-Umfelder sollen so schon über 80% ihrer Einnahmen verlieren.

Die Techblogger von Mobilegeeks (auf der IFA, nicht auf der dmexco) reagieren heute und verzichten ab 2015 auf jegliche Banner – nachdem sie derzeit ca. 50% Verlust von AdImpressions verzeichnen.

Der OVK konnte sich bislang nicht zu einer konzertierten Aktion durchringen. Die Idee ist so einfach: einen Tag den Usern mit AdBlockern den Zugang verwehren und darüber aufklären, dass aller Content werbefinanziert ist.

Spannend ist die Frage, welchen Marktanteil bei der Online-Werbung der OVK noch hat – und wie er in den letzten Jahren gesunken ist. Offizielle Zahlen zu diesem Thema gibt es nur vom OVK selbst, denn die größten digitalen Vermarkter in Deutschland – Google und Facebook – veröffentlichen keine Zahlen für den deutschen Markt.

Die Trendthemen

Es blieb kompliziert
Es blieb kompliziert

Sowohl die Online-Marketing-Branche als auch die dmexco haben einen erstaunlichen Reifegrad erreicht – alles funktioniert bestens.

Aber was gibt es nun wirklich neues?

Die fünf aktuell größten Trends sind nicht neu, aber werden die Branche noch lange beschäftigen. Terence Kawaja, Investment Banker von Luma brachte sie auf den Punkt:

Programmatic, Mobile, Native/Content Marketing, Omni-Channel, Convergent TV.

Dementsprechend gab es hier nur marginale Fortschritte zu erkennen.

Die Messe war beispielsweise durchgehend mit Mobile Beacons ausgestattet. Damit der Besucher das erfahren hätte, hätte er allerdings die dmexco-App installieren müssen und Bluetooth einschalten.

Werbung kommt überall hin. Auf das Smartphone, die Armbanduhr und den Kühlschrank. Noch nicht, aber bald. Nur an den User hat dabei noch niemand gedacht: den nervt Werbung um so mehr, um so näher sie ihm kommt.

Ich bin's doch nur, Deine Online-Werbung!
Ich bin’s doch nur, Deine Online-Werbung!

Das einzige Unternehmen, was dafür Verständnis demonstrierte, war Mozilla mit dem Statement „The user should determine what happens to their data.“

Hat die Branche vielleicht ihre Rechnung ohne den User gemacht, der nun Widerstand entwickelt? Ist es das, was die AdBlocker-User uns sagen wollen?

Diese Diskussion kam auf der Konferenz zu kurz, wollen wir sie hier in den Kommentaren führen?

Hier geht es zum Bericht über den ersten Tag der Messe.

Über Ralf Scharnhorst

Ralf Scharnhorst

Scharnhorst Media entwickelt Marketing-Strategien und setzt sie um. Schwerpunkt ist die datengetriebene Mediaplanung. Seit 1996 hat Ralf Scharnhorst fast jeden Fehler miterlebt, den man im Online-Marketing machen kann - und hilft seinen Kunden dagegen. Er lehrt an der Macromedia Hochschule. Mit dem neuen Online-Marketing-Check erfährt jeder Werbungtreibende sofort, wo sein Optimierungspotential liegt.

2 Gedanken zu „Sensationen und Skandale – der zweite Tag der dmexco

  1. Martin Bahls

    Auch auf die Gefahr hin, in den „ich habs ja gesagt-Modus“ zu verfallen, aber auf den Gedanken, dass „die Branche vielleicht ihre Rechnung ohne den User gemacht (hat), der nun Widerstand entwickelt? Ist es das, was die AdBlocker-User uns sagen wollen?“ sind andere, inkl. mir, schon vor längerer Zeit gekommen – Februar letzten Jahres, um genau zu sein (siehe Fazit) http://blog.100partnerprogramme.de/2013/07/02/adblock-plus-mafiose-strukturen-oder-groses-missverstandnis-abp/
    Gruß

    Antworten
  2. Milan Dolinar

    Adblocker sind doch eine natürliche Reaktion auf die mangelnde Datensicherheit im Netz. Auf fast allen Seiten (hier sind es mind. 10 Anbieter Pinterest, Linedin, Meetrics, Doubleclick, Google, Turn, Adrixs, Facebook, Twitter, Plista) wird getrackt. Warum? Was passiert mit meinen Daten? Muss das alles sein um eine Anzeige zu schalten? Wie hat es die klassiche Werbewirtschaft nur geschafft, ihre Anzeigen, Radio und TV Spots ohne individuelles Tracking zu verkaufen und trotzdem Werbeeffekte und Abverkäufe zu erzielen?

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Ich liebe Werbung! Sie zeigt uns tolle neue Produkte, Ideen und Möglichkeiten unser Leben zu bereichern. Sie ist im Idealfall wie ein Flirt (nur eben mit einem Produkt oder Unternehmen). Leicht, ungezwungen und inspirierend. Ich möchte nicht darauf verzichten!

    Leider hat die „Online“ und „Mobile“ Industrie die technischen Möglichkeiten vor das Recht auf persönliche Selbstbestimmung und Privatsphäre gesetzt.
    Welche Konsequenzen hat das für den Markt und die Beziehung zwischen Werbetreibenden und Konsumenten? Wie fühlt es sich an, wenn schon beim Flirt der eine als „Stoker“ herausstellt ? Wer will nicht vor so einem Partner lieber gleich davonlaufen?

    Und mal ganz ehrlich…tut sich die europäische Online und Mobil Industrie wirklich einen gefallen, wenn sie dem Allmachtsanspruch (alltracking) weiter folgt? Oder sind am Ende nur die 5 Firmen: Apple, Amazon, Ebay, Google und Facebook die Gewinner?

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