Marketingstrategie

Lieber jetzt als nie aufhören: Facebook Werbung wird immer ineffektiver

Wer bei Facebook wirbt, will Reichweite erlangen. Doch die verringert sich immer weiter. Warum und wie man mit Facebook abschließen sollte.

© xurzon - Fotolia.com

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Reichweite bei Facebook verringert sich immer weiter

Weil sich die Reichweite von Posts bei Facebook von 2012 auf 2013 massiv verringert hat, plädiert Jeff Bullas, ein Social-Media-Marketing-Experte, in seinem aktuellen Blogpost für das Aufgeben der Werbung im sozialen Netzwerk und der Verlagerung des Budgets in andere Marketing Maßnahmen.

Verglichen mit 2012 hat sich die Reichweite verschiedener Formen von Posts bei Facebook massiv verringert. Die Reichweite von Videos brach um rund zwei Drittel ein, die von Fotos ebenfalls und die von Links sogar um fast drei Viertel. Lediglich die Reichweite von Status Updates erhöhte sich – mit einer knappen Verdoppelung jedoch nicht mehr als eine Ausnahme. Das zeigt auch die Grafik von JeffBullas.com in dem angesprochenem Blogpost.

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Massiv verringerte Reichweiten - Quelle: JeffBullas.com

Massiv verringerte Reichweiten – Quelle: JeffBullas.com

Das Paradoxe daran: Unternehmen betreiben enormen Aufwand und stecken viel Geld in die Akquise von Fans sowie das Erstellen von Social Media Beiträgen. Jeff Bullas:

Are you chasing likes for your brand page?  Paying for fans? Maybe it’s time to stop. 

Jeder, der sein Social Media Budget anhand des Nutzens rechtfertigen muss, bekommt damit also ein Problem: Ein Link, der von 100 Nutzern 2012 noch knapp 15 erreichte, wird heute nicht einmal mehr von fünf Nutzern wahrgenommen.

Die Konsequenz für alle, bei denen Geld nur eine untergeordnete Rolle spielt, die Reichweite allerdings mindestens gleich bleiben soll, lautet ganz einfach: Noch mehr Geld in Richtung des sozialen Netzwerks aus den Vereinigten Staaten pumpen. Kein Wunder, meint auch Jeff Bullas, vor dem Hintergrund, dass das Unternehmen Mitte 2012 an die Börse ging:

It became a public company and the shareholders demanded a return. The pressure was on.

Kurz gesagt: Wer nicht unnötig viel Geld herausschleudern möchte, der sollte sich nach Alternativen zu Facebook umsehen, um online zum einen überhaupt auch weiterhin und zum anderen auch nachhaltig erfolgreich zu sein.

Alternativen zu Facebook bieten viele Vorteile

Dass es auch anders geht, berichtet digiday.com mit Verweis auf die Spirituosenmarken Jack Daniel’s und Southern comfort. Beide Marken sind dazu übergegangen, wieder mehr Arbeit (und damit Budget) in ihre eigenen Kanäle wie die Website plus die dazugehörigen Blogs und das Email Marketing zu investieren. Dabei liegen die Vorteile dieser Kanäle auf der Hand:

  1. Der Erfolg ist durch den Aufbau eigener Kanäle nachhaltiger als die Bindung an ein Unternehmen, welches seine Spielregeln und seinen Algorithmus jederzeit ändern kann.
  2. Es bestehen deutlich mehr Freiheiten, was die Inhalte und die Aufmachung dieser (etwa in puncto Format und Design) angeht.
  3. Bei der Erfolgskontrolle kann man sich auf eigene Metriken und Key Performance Indikatoren verlassen und weiß genau, wie diese erhoben werden und ob sie tatsächlich auch das messen, was gewünscht wird.

Weiterhin Traffic bekommen – neue alte Möglichkeiten

Alternativen zu finden, um auch weiterhin Traffic zu bekommen, gibt es reichlich. Das Gute: Eigentlich alle sind schon lange bekannt.

  1. Suchmaschinen: Mal ab von der ganzen SEO-Thematik und der großen Marktmacht von Google. Wie funktioniert SEO? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Wer etwas Vernünftiges passend aufbereitet anbietet, wird auch gefunden.
  2. Email Marketing: Über lange Listen mit Mail Adressen von Nutzern, Kunden und Ex Kunden verfügt eigentlich jeder Unternehmen. Sie zu nutzen, kann ganz einfach sein und bietet enormes Potenzial, meint auch Stefan Petersen von Web-Ideas.de.
  3. Social Media: Ja, kein Witz. Es gibt auch andere soziale Netzwerke als Facebook. Das geht los bei Twitter, weiter über Instagram, Pinterest, Xing oder LinkedIn und hört auf bei ganz klassischen, aber immer noch viel genutzten Foren zu einzelnen Themen.

Welche Traffic Quellen nutzt ihr hauptsächlich? Spielt Facebook da überhaupt eine Rolle und wenn ja: zu welchem Preis?

Über Atilla Wohllebe

Atilla Wohllebe

Atilla Wohllebe berichtet für OnlineMarketing.de über aktuelle Entwicklungen der Branche mit Fokus auf Webanalyse, SEO und Datenschutz. Parallel zu seinem Studium zum Master of Science in E-Commerce an der FH Wedel ist er im Bereich E-Mail Marketing Consulting tätig.

11 Gedanken zu „Lieber jetzt als nie aufhören: Facebook Werbung wird immer ineffektiver

  1. Alex

    Die ganzen Seiten wie heftic.co usw. müllen die ganze Timeline voll. Außerdem liken immer mehr Personen zig Dienste, Shops & Co. – da ist es doch abzusehen, dass man irgendwann seine Zielgruppe nicht mehr so einfach erreichen kann.
    Facebook muss irgendwann den Dislike Button bringen, damit sie wissen was die User nicht sehen möchten – anders geht es doch nicht, wenn sie den Nutzern immer relevante Inhalte bieten möchten.

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  2. Gordon Ecco

    Ich finde die Entwicklung auch sehr schlecht, insb. für Blogger. Ich merke es selbst, dass ich sogut wie niemanden mehr über meine Facebook-Seite erreiche. Selbst bei meinem eigenen Nutzerprofil, bei dem ich regelmäßig auf meine Facebook-Seite klicke und somit das Interesse daran an Facebook signalisiere, erhält keine Statusmeldungen mehr über meinen Blog. Das kann es doch nicht sein. Naklar versucht Facebook Geld mit den Facebook-Seiten zu verdienen aber das es mittlerweile ohne Geld gar nicht mehr geht, kann doch auch keine Lösung sein. Meine Beiträge werden immer weniger gesehen, wodurch ich auch immer mehr Klicks auf meinem Blog verliere.
    Ich schaue mich deshalb auch schon vermehrt nach anderen Alternativen um. Die anderen genannten Social-Media-Plattformen sind da ja schonmal ein Anfang.

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  3. Almedin

    1. „Wer bei Facebook wirbt, will Reichweite erlangen.“ Komplett falsch. Reichweite ist auf Facebook nicht von großer Bedeutung. Hier will man Interaktion generieren, Aufmerksamkeit dank spitzem Targeting.
    2. „Weil sich die Reichweite von Posts bei Facebook von 2012 auf 2013 massiv verringert hat…“ Die Verringerung organischer Posts hat nichts, gar nichts mit Werbung zu tun. Werbung auf Facebook hat nach wie vor Klickraten jenseits der 2 – 3%. Die Interaktionsraten sind gleich hoch geblieben.

    Dieser Artikel ist das bis dato leuchtendste Beispiel uninformierten Kampagnenjournalismus.

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  4. Hans Genthe

    Die Überschrift ist ziemlich irreführend. Tatsächlich erreichen Facebook-Posts weniger Fans. Aber Werbung bei Facebook, also bezahlte Werbeformen erreichen genauer die gewünschte Zielgruppe als früher.
    Wer will denn ständig mit Werbe-Posts zugefüllt werden? Sind die Beiträge der Konzerne wertvoller als die meiner Freunde? Wer von Euch möchte denn ständig zugefüllt werden? Ich wage zu bezweifeln, dass die meisten der Like-Sammler-Seiten so viele wirkliche echte Fans oder Freunde haben.

    Tatsächlich kann man mit ehrlicher Kommunikation und glaubwürdigen Einblicken ins Unternehmen eine wertvolle Fangemeinde aufbauen, die sich dann weniger an der Fanzahl der Seite orientiert, als an den tatsächlichen Interaktionen und vor allem an den Kommentaren zu den Beiträgen.

    Es ist sicher ein Fehler, Facebook überzubewerten. Aber im Kommunikationsmix ist das Netzwerk ein wichtiges Tool für Seeding und bietet immer noch große Chancen für kleine Unternehmen mit tollen Produkten und Dienstleistungen.

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  5. Hill of C T

    Ich mag weder Facebook, noch die Leute dahinter.

    Das dieser Hype irgendwann endet war denke ich jeden klar, weil auch Facebook ist nicht mehr als die Summe seiner Teile.

    Jetzt Facebook zu verdammen und mit ner eigenen Webseite zu vergleichen ist aber mehr Kindisch…

    Eine eigene Webseite kann auch nur dann dauerhaft leben, wenn sie Interessant und intuitiv bedienbar ist. Und die Werbeausgabe wenn man mal Design, Advertise und den Arbeitsaufwand zusammen rechnet den man hat, wenn man nun von dem bisherigen Monopol Facebook weg will ist auch nicht wirklich klein.

    Der Vorteil des Social Networks war nicht einfach nur die Soziale Vernetzung sondern auch, das Ordnungsschema was sie den Usern bieten, da jede Site bei Facebook gleich funktioniert konnten auch leute die Schwierigkeiten hatten im Internet zu Navigieren sich dort zurecht finden.

    Mit sicherheit, sollte man das Budget bei Facebook nun vorsichtiger festlegen, aufhören sollte man aber nicht, auch dieser Anti Hype der nun aufkommt wird wieder vergehen.

    Ach so, die fallenden Zahlen sind natürlich auch den ganzen Scam Nachrichten die Usern abgewöhnen auf Links zu klicken sowie der Tatsache das Facebook’s Chat zum grossen teil von Whats App abgelöst wurde.

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  6. Moritz Conjé

    Ich muss mich Mael Roth anschließen. In der Infographik ist von Postings eines SocialMedia Profils die Rede. Das hat nicht wirklich etwas mit „Werbung“ auf Facebook zu tun.
    Zumal es dort gerade viel Bewegung gibt. Facebook räumt und stockt auf. Einkauf von AdNetworks, Optimierung der Zielgruppendefinition (WCA).

    Und ein grundlegender Kritikpunkt bleibt immer noch. Nur weil ich weniger User erreiche (Reichweite verliere) ist das nischt pauschal etwas schlechtes. Wenn ich 1000 User erreiche und davon 5 mein Angebot mögen und der Rest Streuverlust ist, dann erreiche ich lieber nur 20 User und überzeuge davon dann 15. Das Rumgeschmeiße mit User-Zahlen ist absolut nichtssagend.

    Zumal hier eben FacebookAds und das Update des EdgeRank zum Neswfeed Algorithmus durcheinander geworfen wird. Letzteres ist hier beschrieben.

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  7. Mo

    Das nenn ich mal Qualität: Von der Entwicklung in Amerika den selben Status Quo für Deutschland ableiten. Ist das hier ne Übersetzungswebseite? Gibt es auch echte eigene Gedanken zu dem Thema die tatsächlich den Deutschen Social Media Markt betreffen? Wo ist die Legitimation für diesen Post?

    Wenn likes das einzige Ziel wären, dann könnte ich Ihnen oder besser Jeff Bullas ja irgendwie in der Argumentation folgen aber wer das tut der hat seine Zeit bzw. sein Geld auch vorher zum Fenster rausgeschmissen und es hat sich nicht viel geändert.

    VG

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  8. Andreas

    Die Entwicklung finde ich eigentlich gar nicht einmal so schlecht. Das viele ihre Webseiten vernachlässigt haben und nur mehr die Facebook Page gepflegt wurde, fand ich schon länger schade. Und wenn die Leute einsehen dass das Potential von Facebook erschöpft ist wird vielleicht dort auch wieder der Werbe-Spam etwas weniger. Also eine Win-Win Situation – zumindest aus meiner Sicht.

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