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KI muss endlich wirken: DMEXCO Host Verena Gründel legt den Finger in die Wunde

KI muss endlich wirken: DMEXCO Host Verena Gründel legt den Finger in die Wunde

Niklas Lewanczik | 17.08.26

Der strategische Einsatz von KI bringt nicht genug Zählbares, bemängelt Verena Gründel im Interview, nennt Säulen für die KI-Transformation und erklärt, warum die DMEXCO als Event für mehr Unternehmensumsatz, ein offeneres Internet und sogar mehr KI-Kontrolle in den USA sorgen könnte.

Die ganze Digitalwelt wird mit KI konfrontiert, ChatGPT, Gemini und Claude erfreuen sich an Milliarden Usern, die Einsatzszenarien erstrecken sich ins scheinbar Unendliche und die Arbeit mit Agents wird vielerorts zum Alltag. Doch obwohl das KI-Zeitalter seine Schatten in jeden Winkel des Digitalraums wirft, bleiben echte Fortschritte bei der Wertschöpfung allzu oft auf der Strecke. Dabei gilt laut Verena Gründel, Host und Brand & Communications Director der DMEXCO:

Wer jetzt nicht skaliert, verliert.

Die Marketing-Expertin weiß, dass gerade noch viel Geld verbrannt wird, wenn es um den Einsatz von KI-Technologien geht. Und das, obwohl das Angebot an Modellen, Diensten und Tools größer denn je ist. Deshalb ist die diesjährige DMEXCO mit ihrem Motto Scaling Intelligence am 23. und 24. September eine zentrale Anlaufstelle für alle, die die Digitalwelt nachhaltig verändern wollen. Nach dem Appell an alle aus dem vergangenen Jahr – „Be Bold. Move Forward.“ – kommt jetzt die Aufforderung, mit Technologie messbaren Mehrwert zu schaffen. Wie das gelingen kann, warum Europa in der Tech-Welt Vorbildcharakter erlangen kann, warum ein offenes Internet den Diskurs mehr denn je anheizt und welche vier Kernbereiche die Digitalbranche in Europa jetzt mithilfe von KI optimieren muss, erklärt Verena Gründel im Interview. Erfahre, warum sie unter anderem der Meinung ist:

[…] Die Tech-Branche hat ihren Teil getan. Jetzt sind die Unternehmen am Zuge.



DMEXCO 2026:

Jetzt wird skaliert

DMEXCO 2026-Motto als Schriftzug mit Logo-Icon, rot-violetter Verlauf im Hintergrund
© Koelnmesse, angepasst via Canva


4 Kernbereiche, die AI-Transformationen benötigen: Noch viel zu wenig Zählbares

Scaling Intelligence ist ein Motto, das sich sehr global betrachten lässt. Laut DMEXCO meint die Intelligence nicht zuletzt „auch die menschliche Fähigkeit, Systeme sinnvoll zu steuern, Resultate kritisch einzuordnen und Einsatzfelder weiterzuentwickeln“. Denn genau wie die GEO nicht allein die weiterentwickelte SEO-Strategie sein sollte, ist der Einsatz von KI im Business-Kontext kein isoliertes Phänomen. Vielmehr sollte dieser als verbindendes Element in einem Digitalzeitalter gelten, das auf neue Rezeptionsmuster reagieren muss, die eine immer engere Verzahnung diverser Disziplinen fordern – von Content Teams über Marketer und Social Media Manager bis hin zu Sales-Abteilungen, Tech Teams und SEOs sowie vor allem den Entscheidungsträger:innen in Unternehmen. Diese sind dafür verantwortlich, KI als Sprungbrett für neue Höhen zu begreifen und einzusetzen.

Die Realität sieht indes anders aus. Nur zwölf Prozent der Unternehmen schaffen es, mit KI gleichzeitig den Umsatz zu steigern und Kosten zu senken, zeigte eine PwC-Studie Anfang des Jahres. Pionier:innen ziehen davon, das Gros aber verharrt im Experimentierstadium. Für Verena Gründel ist das ein Problem:

Das ist angesichts der Milliardeninvestitionen, die gerade getätigt werden, eine sehr kleine Zahl. Das heißt, noch wird sehr viel Geld verbrannt. Das kann natürlich nicht so bleiben. Deswegen sind wir davon überzeugt, dass jetzt, im vierten Jahr nach dem Launch von ChatGPT, die Experimentierphase vorbei ist. Aber der Beweis, dass KI auch wirklich die Wertschöpfung steigert und wir damit mehr Geld verdienen können, steht noch aus.

Ihre Einschätzung wird zum Beispiel von Commercial Growth Advisorin Jenny Gruner sekundiert, die uns gegenüber erklärt:

Viele Unternehmen leben ‚Scaling Intelligence‘ bereits in ersten Ansätzen: KI unterstützt Recherche, Content-Erstellung, Kundenservice oder interne Wissensarbeit. Skalierung beginnt jedoch erst, wenn aus einzelnen Anwendungen verlässliche, bereichsübergreifende Prozesse werden. Dafür müssen Unternehmen KI in ihr Operating Model integrieren und Strategie, Daten, Prozesse, Rollen, Kompetenzen und Governance zusammendenken […].

In Bezug auf einzelne Anwendungsfälle und Wachstumschancen gibt es hunderte, ja tausende Beispiele und Ansätze. ChatGPT hat erst vor einiger Zeit ChatGPT Work eingeführt, Meta bringt ein offenes KI-Modell mit 30 Milliarden Parametern namens Muse Glimmer und Anthropic lässt dich Claude via Slack als agentisches Team-Mitglied einsetzen.



Claude Tag als Claude Code-Fortschritt:

Einfach Claude bei Slack beauftragen

@-Zeichen und Claude-Schriftzug vor verschwommenem Hintergrund
© Anthropic via Canva


An Technologie mangelt es uns nicht, an der Implementierung mangelt es uns. Man könnte sagen, die Tech-Branche hat ihren Teil getan. Jetzt sind die Unternehmen am Zuge,

meint Gründel. Für viele Unternehmen startet die KI-Transformation aber auf einer Ebene hinter der Modell- oder Tool-Nutzung. Deshalb erklärt unsere Interview-Partnerin, welche vier Säulen die Transformation jetzt betreffen sollte.

  1. Effizienz
  2. Entscheidungen
  3. Umsatzpotentiale
  4. Geschäftsmodelle

In diesen Kernbereichen kann KI nachhaltig messbare Vorteile liefern, so Verena Gründel; wobei viele Unternehmen zumindest bei der Effizienzsteigerung schon gute Fortschritte machen. Umsatzpotentiale und (neue) Geschäftsmodelle aber werden aus ihrer Sicht noch zu wenig ausgeschöpft und erarbeitet. Ein Problem ist dabei auch, dass Privatpersonen beim Einsatz von KI oft weiter sind als ihre jeweilige Unternehmensstruktur, wie eine Indeed-Studie von vor wenigen Monaten darlegt.

Branchen-Events wie die DMEXCO können indes Abhilfe schaffen, um die innovative Tech-Branche – international und insbesondere im EU-Raum –, Unternehmensleitungen, einzelne Mitarbeiter:innen und Creator zusammenzubringen.

Die DMEXCO kann diesen Transfer [der KI-Transformation, Anmerkung der Redaktion] beschleunigen, indem sie Unternehmen nicht nur neue Technologien und Use Cases zeigt, sondern auch sichtbar macht, welche organisatorischen Voraussetzungen, Erfahrungen und konkreten Schritte für den Weg vom Pilotprojekt zur Wertschöpfung notwendig sind,

ergänzt Jenny Gruner. Für Verena Gründel ist unterdessen klar, dass Führungskräfte befähigt werden müssen, Prozesse mit echtem Mehrwert anzustoßen. Dafür ist die DMEXCO als eines der führenden Business Events für Digital Marketing & Tech überhaupt ein so wichtiger Kommunikationsraum, der seinen Einfluss in den Medien weit über die Event-Tage hinaus zeigt.

Hier können wir Führungskräfte stärker befähigen, die Themen intern zu transportieren und das Narrativ zu unterstützen – sie mitzunehmen, sie zu begeistern, damit sie wiederum ihre Teams und Unternehmen für dieses Thema gewinnen.

Menschen laufen in Kölnmesse in Gängen herum, Plakate des BVDW mit Schriftzügen im Hintergrund
Mit der DMEXCO wird Köln Deutz wieder zum Zentrum der digitalen Innovation, © Koelnmesse

Auf insgesamt 17 DMEXCO STAGES können DMEXCO-Besucher:innen internationale Vordenker:innen aus Marketing, Tech und Innovation mit zukunftsweisenden Keynotes, inspirierenden Panels und praxisnahen Masterclasses treffen. Zudem gibt es in diesem Jahr elf verschiedene Summits und dedizierte DMEXCO Worlds mit den Themenschwerpunkten Agencies, Commerce, Media und Tech. In allen Bereichen wird indes über KI gesprochen werden.

Köln Deutz als Nährboden für KI-Kultur

Wir brauchen noch mehr Best Practices. Denn wenn wir sehen, dass etwas bei anderen funktioniert, verstehen wir erst richtig, was möglich und sinnvoll ist.

Verena Gründel weiß, wie wichtig die Vorbildfunktion von Early Movern ist, fürchtet aber auch, dass es noch zu wenig nahbare Best Practices für KI-Transformationen gibt.

Wenn wir auf Bühnen nur die besten, erfolgreichsten Projekte sehen, glauben wir schnell, man müsse nur das richtige Tool kaufen und schon spart oder verdient man automatisch viel Geld. So einfach ist es natürlich nicht.

Verena Gründel auf der DMEXCO-Bühne, © Koelnmesse
Verena Gründel auf der DMEXCO-Bühne, © Koelnmesse

Deshalb soll die DMEXCO Interessierte an die Hand nehmen, ob in Masterclasses oder dedizierten Worlds mit Networking-Chancen, ob im direkten Austausch am Stand oder im Rahmen der Informationen auf diversen Bühnen. Dabei werden auch brandaktuelle und heiß diskutierte Themen auf der Agenda vieler Diskussionen stehen. So beunruhigen derzeit einige agentisch gestützte Cyberangriffe auf Unternehmen die Tech-Welt. Modelle von Google, Meta, OpenAI und Anthropic waren zuletzt betroffen, wenngleich durch die Testumgebungen kaum echte Schadensfälle auftraten.

Ich glaube ehrlich gesagt schon, dass daraus eine Angst entsteht und auch eine Zurückhaltung, weil das natürlich ein wirklich wichtiges sicherheitstechnisches Problem darstellen kann, wenn so was passiert,

meint Verena Gründel, betont aber ebenso, dass der agentische Einsatz für viele Unternehmen noch gar nicht an der Tagesordnung steht. Und dass die Notwendigkeit zur Anpassung von Sicherheitsstandards bei einer so rasanten KI-Entwicklung nichts Neues ist. Gerade im Hinblick auf lauter werdende Forderungen nach mehr Kontrolle und Regulation im KI-Kontext spielt Europa eine Vorreiter:innenrolle.

Wir in Europa sind ja sehr, sehr sicherheitsbedacht. Man könnte sogar so weit gehen zu sagen, dass unsere Sicherheitsvorkehrungen hier eine Blaupause sein können und genau das liefern, was es braucht, um mit solchen Technologien langfristig sicher und gefahrlos umzugehen.

Probleme und Potentiale klar zu benennen, das ist eine Stärke des Events im Herzen von Köln.

Die DMEXCO ist eine ganz wichtige Plattform, um aus europäischer Sicht solche Themen zu diskutieren. Denn wo sonst kommen so viele Unternehmen zusammen und tauschen sich zu so vielen Bereichen aus, in denen KI relevant ist? Von der Kennzeichnungen von Creator Posts über Programmatic Advertising bis hin zu Textgenerierung im journalistischen Umfeld. Es kommen viele US-amerikanische Unternehmen zur DMEXCO, die dadurch lernen, wie wir hier über KI diskutieren und damit umgehen. Also was denken die Deutschen, die Österreicher, Schweizer, die Niederländer über KI? Diese Plattform zu haben, um der Welt unsere hiesigen Gedanken zu zeigen, ist nicht zu unterschätzen.

So bietet Köln Deutz im September wieder einen echten Nährboden für KI-Kultur.



Zu Besuch in der AI-Zukunft

– DMEXCO 2025 x Digital Bash

Marc Stahlmann und Luca Caracciolo auf der Tech Stage der DMEXCO, © Fabian Brennecke
Marc Stahlmann und Luca Caracciolo auf der Tech Stage der DMEXCO, © Fabian Brennecke


KI-Sichtbarkeit, offenes Internet und Trust als Schlüssel

Der Umgang mit KI-Modellen und -Tools, mit Hürden und Chancen im Einsatz derselben ist derweil nur ein Teilbereich dessen, was die DMEXCO thematisieren wird und kann. Für viele Unternehmen, Publisher und Seitenbetreiber:innen wird zum Beispiel das Thema Sichtbarkeit im KI-Zeitalter eine zentrale Rolle spielen. Darüber werden zahlreiche Expert:innen diskutieren, etwa beim Panel „Sichtbarkeit in AI Search: So landet Ihre Marke in der KI-Suche“, unter anderem mit Google und SISTRIX. In diesem Kontext verweist Verena Gründel auf die Kernelemente „wahrgenommene Qualität und Vertrauen“. Marken dürfen dabei aber nicht nur in SEO Clustern denken, sondern sollten ihre Präsenz in den sozialen Medien stärken, die von KI-Such-Tools vielfach zitiert werden. Sie sollten User Generated Content und PR-geförderte Inhalte fokussieren und:

Wenn wir nicht nur online denken, hat [Sichtbarkeit] auch damit zu tun: Empfehle ich es persönlich weiter? Ob im Gespräch oder in den sozialen Medien. Das heißt, Vertrauen und Zufriedenheit der Menschen immer mitzudenken, statt nur auf den schnellen Abverkauf aus zu sein.

Klassische Marketing-Disziplinen der Markenführung und Markenstärkung gewinnen an Gewicht. Dazu kann auch der Aspekt der Haltung gehören. Auf welchen Plattformen präsentiert sich eine Marke, wie geht sie mit kritischen Richtlinien um, kann sie echte Konsequenz für sich beanspruchen? Mehr Konsequenz und Sicherheit wünschen sich viele User zum Beispiel beim Thema Plattformsicherheit; Meta, Google, TikTok und Co. müssen sich nicht nur in der EU vor Gericht für ihre Fahrlässigkeit in diesem Bereich verantworten. In Europa formieren sich bereits Alternativlösungen wie W Social, während ein europäischer TikTok-Ableger zuletzt bei Kulturstaatsminister Wolfram Weimer im Gespräch war.

Ein offeneres Internet könnte sich laut Verena Gründel zu einem noch größeren Diskussionsthema entwickeln als bisher schon.

Ich beobachte, dass die Diskussionen rund um dieses Thema lauter werden und dass wir auch mehr Initiativen sehen, um das Open Internet zu stärken. Der OVK im BVDW hat sich zusammengesetzt und ein ID-basiertes Leitsystem zur plattformübergreifenden Kampagnensteuerung getestet. Der European Media Marketplace ist gelauncht worden. Ich war dieses Jahr beim Open Internet Summit von The Trade Desk. Das heißt, da tut sich was. Auch aus Sicht der Werbungtreibenden.

Zugleich wachsen die Werbeumsätze der Mega-Player wie Google und Meta oder Amazon beständig. Und populäre KI-Umgebungen wie der AI Mode und ChatGPT locken Advertiser mit innovativen Ad-Formaten, die die Sichtbarkeit im KI-Zeitalter pushen sollen. Ein starker USP kann aber ebenso in der Differenzierungsstrategie stecken, zumindest meint Gründel:

Ich glaube, dass der ein oder andere vielleicht manchmal über seinen Schatten springen und die Individualinteressen ein Stück weit hintanstellen muss, um die Gesamtinteressen des offenen Internets oder der europäischen Player zu stärken.

Ein hehres Ziel, dem die Branche sich vielleicht durch den Austausch mitten in Europa auf der DMEXCO etwas weiter annähern kann. Bis dahin gibt es jedoch gerade im Klammergriff der KI-Kompetenzförderung noch einiges zu tun.

Wir wollen bewusst den Finger in die Wunde legen und sagen: So, Leute, jetzt müsst ihr aber wirklich Gas geben, sonst fliegt uns das Thema um die Ohren […].

Wir dürfen auf tiefgreifende Diskussionen, aussagekräftige Talks und Vorträge beim Event gespannt sein. Und auf zahlreiche Impulse, die die Zukunft unserer Branche mitbestimmen. Wir haben viel Kontrolle, die wir nutzen müssen. Für messbaren Output, für mehr Autonomie, für mehr echte digitale Intelligence.



Auch OnlineMarketing.de und t3n haben 2026 wieder ein eigenes DMEXCO-Spezialprogramm: An beiden Tagen läuft der Livestream an unserem Stand und in der Übertragung für alle, die nicht vor Ort sind.

Digital Bash 

– DMEXCO SPECIAL



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