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Technologie
TikTok schlägt Instagram und Facebook: Kurzvideo-App toppt weltweite Download Charts im ersten Quartal 2020
© Kon Karampelas- Unsplash

TikTok schlägt Instagram und Facebook: Kurzvideo-App toppt weltweite Download Charts im ersten Quartal 2020

Niklas Lewanczik | 06.04.20

In Q1 2020 konnte TikTok laut App Annies Analyse mehr Downloads generieren als WhatsApp, Instagram und Co. Insgesamt nähert sich die Download-Zahl den zwei Milliarden.

Der Siegeszug der Video App TikTok geht weiter; trotz oder vielleicht auch gerade wegen der Coronakrise. Aktuelle Daten zeigen, dass die schon in den vergangenen eineinhalb Jahren extrem populäre App 2020 zur Nummer eins unter den (Non-Gaming) Dowloads aufgestiegen ist. Allein im Februar konnte der App-Anbieter ByteDance den Rekordwert von 113 Millionen Downloads für TikTok verzeichnen.

Enorme Download-Zahlen für TikTok: Stärker als die Facebook-Gruppe

Eine Analyse der Mobile-App-Analytics-Plattform App Annie offenbart, dass TikTok im ersten Quartal 2020 der globale Download Champion im App Store und dem Google Play Store war. Demnach war TikTok in diesem Zeitraum erfolgreicher als WhatsApp, Facebook, Instagram und der Messenger, die vier großen Facebook Apps, die auf den weiteren Plätzen folgen.

Tabelle: Meistheruntergeladene Apps weltweit in Q1 2020 (im Vergleich zu Q4 2019)
Meistheruntergeladene Apps weltweit in Q1 2020 (im Vergleich zu Q4 2019), © App Annie

Beim Aspekt Consumer Spend machte TikTok gegenüber dem vierten Quartal 2019 auch einen Sprung nach oben, bleibt aber hinter den Apps Tinder, YouTube, Netflix, iQIYI und Tencent Video zurück, auf Platz sechs. Die gleiche Position nimmt die App hinsichtlich der monatlich aktiven User ein. In diesem Kontext ist Facebook knapp vor WhatsApp die Nummer eins.

Januar und Februar 2020 waren TikToks stärkste Download-Monate bisher

Sowohl im Januar als auch im Februar dieses Jahres konnte TikTok weltweit mehr als 100 Millionen Downloads verbuchen. Das geht aus Zahlen des Analyse-Unternehmens Sensor Tower hervor. Demnach wurden im Januar knapp 105, im Februar sogar rund 113 Millionen Downloads verzeichnet – ein neuer Rekordwert für den App-Anbieter ByteDance.

Balkendiagramm: TikToks globale Download-Zahlen nach Monaten, von Februar 2019 bis Februar 2020,
TikToks globale Download-Zahlen nach Monaten, von Februar 2019 bis Februar 2020, © Sensor Tower

Damit war TikTok im Februar die Non-Gaming App, die weltweit am meisten heruntergeladen wurde, öfter als WhatsApp oder Facebook; wobei sehr viele User diese Apps schon lange installiert haben dürften. TikTok hingegen existiert zwar seit 2016, in der aktuellen Form und als Nachfolger der beliebten App Musical.ly allerdings erst seit Sommer 2018.

Umsatzwachstum und Konkurrenzbestrebungen

Die größten Wachstumsmärkte für TikTok waren Indien und Brasilien. In Indien wurden im Februar ganze 46,6 Millionen Downloads verzeichnet, in Brasilien 9,7 Millionen. Mit über 50 Millionen US-Dollar User Spend konnte die App außerdem im vergangenen Monat den bislang besten Wert in Bezug auf die App-Einkünfte verbuchen. Zum Vergleich: Im Februar 2019 lag der Wert für die User-Ausgaben in der App noch bei 5,7 Millionen US-Dollar.

Da TikTok bereits im November 2019 die 1,5 Milliarden Downloads insgesamt erreicht hatte und seither knapp 300 Millionen weitere generieren konnte, dürfte die Marke von zwei Milliarden Downloads in den kommenden Monaten geknackt werden. Für die großen sozialen Medien mag das eine Warnung sein. Facebook dürfte sich von TikTok nur wenig bedroht sehen, wird sich aber fragen müssen, warum der Bereich der Kurzvideos im eigenen App-Kosmos eher vernachlässigt wurde. Die Videoplattform YouTube wiederum scheint sich aktiv zu wappnen, indem mit Shorts, einem Kurzvideo-Feature für die eigene App, womöglich eine Konkurrenz-Variante zur App geschaffen wird. Angesichts der jüngsten Zahlen dürfte TikTok aber in 2020 weiterhin eine sehr positive Zukunft bevorstehen; trotz kleinerer Skandale scheint die Faszination vieler User ungebrochen.

Adil Sbai am 12.04.2020 um 12:39 Uhr

TikTok macht in Punkten Marketing und PR einen extrem sehr guten Job: Während es 2019 noch diverse Skandale gab, reiht sich nun Erfolgsmeldung nach der nächsten, hier ein paar Beispiele:

1. Der unfassbare Hype um das #HypeHouse in L.A. – Creator werden selbst zum Medium – das neue „Big Brother“ findet nicht mehr im TV statt, sondern auf Social Media.

2. Anders als Instagram berät TikTok Unternehmen überwiegend erfolgreich, wie sie InfluencerMarketing umsetzen können. Das geht oft gut (wie bei BMW Group oder auch congstar), manchmal aber auch schief wie diese Woche bei Kentucky Fried Chicken Germany, das mit seiner eher unkreativen #dothecolonel-Kampagne einen kleinen Shitstorm erntete – und dennoch beeindruckende >100 Mio. Views generierte.

3. Allein in D strömten in den letzten Wochen und Monaten nicht nur zahlreiche Promis (Lena Mayer Landrut, Lena Gercke, Mario Götze), sondern auch eher durch Instagram bekannte Influencer auf TikTok wie z.B. Caro Daur oder Pamela Reif. Das vermutliche Tauschgeschäft hierbei: TikTok bietet Reichweite und bewirbt die neuen Kanäle z.B. im Rahmen von Challenges oder wie hier gar über Werbung, im Gegenzug gewinnt TikTok besseren Content – und noch mehr Aufmerksamkeit in den Medien. Entgegen zahlreicher Gerüchte versorgt TikTok die Kanäle mMn NICHT mit automatischer Reichweite. Sonst wären z.B. die Videos von CaroDaur (Link in Kommentaren) erfolgreicher: Caro Daur nutzt TikTok teilweise aktuell wie IG-Stories und das kommt eher nicht so gut an.

Man darf gespannt sein, wie sehr TikTok Instagram den Rang ablaufen wird in den kommenden Jahren, schließlich bezweifle ich, dass User insgesamt mehr Zeit in Social Media verbringen: Wenn also weniger Zeit auf Instagram verbracht wird, sinkt auch das Werbepotential dort. Zudem ist Content Creation auf TT anstrengender als auf Instagram und auch Influencer haben nur 24 Std. am Tag.

Es kann durchaus sein, dass hier eine Dynamik und Abwärtsspirale entstehen könnte (weniger Content Creation, weniger guter Content und weniger verbrachte Zeit im Medium), die sehr gefährlich ist für das Businessmodel von Instagram.

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