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EU-App zum Alters-Check ist da: Nützlich oder gefährlich?

EU-App zum Alters-Check ist da: Nützlich oder gefährlich?

Selina Beck | 21.04.26

Die EU bietet jetzt eine App zum digitalen Altersnachweis, die in sozialen Medien genutzt werden kann. Somit sollen Kinder und Jugendliche vor schädlichen und problematischen Inhalten geschützt werden. Doch die App wurde bereits gehackt.

Hass, Mobbing, Beleidigungen – die problematischen Seiten der sozialen Medien sind schon lange bekannt. Neulich zeigte eine BBC-Studie, dass toxische Inhalte von TikTok und Meta sogar systematisch verstärkt wurden.

Falsehoods are 70 percent more likely to be retweeted on Twitter than the truth, researchers found. And false news reached 1,500 people about six times faster than the truth[,]

ergab beispielsweise eine MIT-Studie von 2018. Die EU-Kommission hat nun die Veröffentlichung einer App verkündet, mit der User anonym und geschützt ihr Alter digital nachweisen können. Damit sollen Minderjährige im Netz besser geschützt werden. Allerdings haben Expert:innen die App bereits nach wenigen Minuten gehackt.

So funktioniert die Alters-Check-App

Die App folgt dem Modell der Covid-App. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte dazu:

Europa bietet eine kostenlose und benutzerfreundliche Lösung, die die Kinder vor schädlichen und illegalen Inhalten schützen kann. Es ist unsere Pflicht, unsere Kinder in der Online-Welt zu schützen, genauso wie wir es in der Offline-Welt machen […].

Mit einem Reisepass oder Personalausweis können User in der App ihr Alter für soziale Netzwerke nachweisen. Anonymität und Datenschutz sollen hierbei gewährleistet werden. So sollen Nutzer:innen nicht zurückverfolgt werden können. Die Nutzung der App wird für die Staaten und die Online-Plattformen freiwillig sein. Allerdings müssen die EU-Staaten generell dem Digital Service Act folgen und dadurch auch junge User im Netz besser schützen.

Frankreich, Dänemark, Griechenland, Italien, Spanien, Zypern und Irland haben bereits angekündigt, die App zukünftig zu nutzen.

Experte hackte App in wenigen Minuten

IT-Sicherheitsexpert:innen attestieren der App allerdings bereits jetzt gravierende Sicherheitslücken. Sicherheitsberater Paul Moore analysierte den Code und kam zu der Feststellung, dass die App sensible Daten ungeschützt auf dem Smartphone speichert. In weniger als zwei Minuten habe er das System deshalb hacken können:

Die Schwachstelle liegt laut Moore in der Identitätsprüfung. Ein Hacker könne die PIN-Datei verändern und so eine neue PIN-Nummer festlegen. Baptiste Robert, bekannter IT-Sicherheitsexperte, sieht ebenfalls viele Probleme, wie er Politico gegenüber erklärte. So könnten Hacker etwa die Authentifizierungsfunktionen der App umgehen. Der Kryptografieforscher Olivier Blazy bemängelt die Cybersicherheitsstandards und mahnt:

We were worried that the Commission would launch its app in a hurry, no matter its security issues, and now we can see it wants to launch something that is not technically ready. Such a rushed launch could undermine trust in future digital identity wallets.

Wie reagiert die EU-Kommission auf die Kritik?

Obwohl die kritischen Stimmen lauter werden, bleibt die EU-Kommission bei ihrer Alters-Check-App. Das Hacken sei bei einer älteren Version der App möglich gewesen und die Lücke sei mittlerweile geschlossen worden.

Die Expert:innen widersprechen jedoch, sie hätten mit der aktuellsten Version gearbeitet, die sie dank Open Source einsehen konnten. Der Digitalpolitiksprecher Thomas Regnier erklärte hierzu jedoch, dass es keine endgültige Version der App gebe, da sie stets überarbeitet werde.

Die Diskussion wird weiter laufen, da Politiker:innen Kinder und Jugendliche im Netz besser schützen wollen, während IT-Expert:innen immer wieder darauf hinweisen, dass solche Systeme bezüglich der Sicherheit noch nicht weit genug entwickelt sind.

Wird es ein Social-Media-Verbot für Minderjährige in Deutschland geben?

In Deutschland haben sich SPD und CDU ebenfalls für ein Verbot von Social Media unter 14 Jahren ausgesprochen. Doch der Koalitionspartner CSU ist dagegen, sodass noch unklar ist, ob und wann in Deutschland die Social-Media-Nutzung eingeschränkt wird. Auf eine Anfrage der Fraktion Die Linke erklärte die Bundesregierung, dass der Meinungsbildungsprozess noch nicht abgeschlossen sei.

Bildungsministerin Prien lässt zurzeit Expert:innen die Regelung prüfen, da das Vorhaben umstritten ist. So kritisiert etwa der niedersächsische Landesjugendring, dass solche Verbote die Lebensrealität junger Menschen verkenne und stattdessen mehr Medienbildung und bessere Schutzkonzepte nötig seien. In einem Statement schreibt der Verband:

Junge Menschen müssten befähigt werden, digitale Räume selbstbestimmt und sicher zu nutzen. Sie haben ein Recht darauf, auch am digitalen Leben teilhaben zu können.

So sieht es in anderen Ländern aus

Als Vorreiter:in in puncto Altersbeschränkungen in den sozialen Medien gilt Australien. Hier wurden weltweit die ersten User unter 16 Jahren aus den sozialen Netzwerken ausgeschlossen. Eine repräsentative Umfrage von YouGov zeigte vor zwei Jahren, dass ein ähnliches Gesetz auch in Deutschland große Zustimmung gefunden hätte. Laut eines Berichts des Spiegels befürworteten damals 77 Prozent der Befragten ein solches Verbot.

Auch andere Länder folgten Australiens Beispiel: Spanien erarbeitet ebenfalls ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren. Griechenland will die Nutzung von sozialen Netzwerken unter 15 Jahren verbieten. In Dänemark gilt die gleiche Regelung wie in Griechenland –allerdings dürfen Eltern ihren Kindern ab 13 Jahren die Nutzung bestimmter Plattformen erlauben. In Frankreich und Großbritannien werden zurzeit ähnliche Gesetze ausgearbeitet.

Bist du für eine Altersbeschränkung in den sozialen Medien? Lass es uns gerne in den Kommentaren wissen!


BBC-Studie:

Meta und TikTok pushten toxische Inhalte systematisch

Eine junge Frau mit Kopfhörern und Smartphone geht an einem U-Bahn-Plakat vorbei, auf dem in einfacher Schrift „Less social media.“ steht.
© Jon Tyson – Unsplash

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