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Claude markiert jeglichen KI-Content – doch die Lösung hat einen Haken

Claude markiert jeglichen KI-Content – doch die Lösung hat einen Haken

Larissa Ceccio | 12.08.26

Unsichtbare Wasserzeichen und Metadaten halten Einzug bei Claude: Sie kennzeichnen KI-Content weltweit und könnten zum Standard für die Branche werden. Allerdings können auch ursprünglich von Menschen erstellte Inhalte die Markierung tragen.

Der EU AI Act bringt neue Transparenzregeln für KI-generierte Inhalte und Anthropic setzt sie bei Claude direkt auf Modellebene um. Anthropic hat den Code of Practice zu Artikel 50(2) unterzeichnet und sich damit zu entsprechenden Maßnahmen zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte verpflichtet. Neue Claude-Modelle, die seit dem 2. August 2026 in der EU veröffentlicht werden, markieren ihre Outputs von Beginn an maschinenlesbar. Und das nicht nur in Europa: Wie Anthropic in der offiziellen Dokumentation erklärt, kommt die Kennzeichnung weltweit zum Einsatz.

Seit dem 2. August gelten in der EU umfassende Transparenzpflichten für KI-Inhalte. Bestimmte KI-generierte oder mit KI veränderte Audios, Bilder, Videos und Texte müssen als solche erkennbar sein, wobei für Texte Ausnahmen gelten. Was Unternehmen und Creator jetzt beachten müssen, haben wir in unserem Überblick zu den neuen Regeln zur KI-Kennzeichnung zusammengefasst. Anthropic geht mit Claude damit voran und könnte zeigen, wie die Kennzeichnung von KI-Inhalten künftig auch bei anderen großen Anbieter:innen generativer KI aussehen wird.



KI-Kennzeichnung jetzt Gesetz:
Diese Regeln gelten für dich

Hand mit grüner Karte, AI Labels zur KI-Kennzeichnung, Textzug, beigefarbener Hintergrund
© European Commission via Canva


Wasserzeichen direkt im Text: So kennzeichnet Claude KI-Content

Die neue Kennzeichnung betrifft nahezu das gesamte Claude-Ökosystem. Anthropic führt sie für unterstützte Modelle in Claude, über die Claude Platform beziehungsweise API sowie in Claude Code, Claude Cowork und Claude Tag ein. Bei unterstützten Modellen sollen sämtliche generierten Texte ein Wasserzeichen erhalten – unabhängig davon, über welches Claude-Produkt sie ausgegeben werden.

Auch wer Claude über Cloud-Anbieter:innen wie AWS, Google Cloud oder Microsoft Foundry nutzt, soll die eingebetteten Wasserzeichen erhalten. Bei den signierten Herkunftsmetadaten für Dateien gibt es allerdings Einschränkungen: Diese werden laut Anthropic je nach Funktionsumfang nicht von jeder Cloud-Plattform unterstützt.

Bei Texten setzt Anthropic auf eine Markierung, die für Nutzer:innen nicht sichtbar ist und direkt in den generierten Output eingebettet wird. Laut Anthropic hat das Wasserzeichen keinen Einfluss auf Bedeutung, Qualität oder Lesbarkeit des Textes.

Interessant wird es, sobald der Text Claude verlässt. Wird ein Output kopiert und beispielsweise in ein CMS, eine E-Mail oder ein Dokument eingefügt, kann die Markierung mitwandern. Selbst manche nachträglichen Bearbeitungen soll sie überstehen. Anthropic erklärt:

Because the watermark is part of the text, it will travel with the text when it’s copied and pasted elsewhere, and may persist through some editing.

Auch ältere Claude-Modelle sollen die Kennzeichnung erhalten. Wie Golem berichtet, arbeitet Anthropic daran, Modelle nachzurüsten, die vor dem 2. August 2026 veröffentlicht wurden. Wann die Nachrüstung abgeschlossen sein soll, ist bislang offen.

Für Bilder und andere unterstützte Dateien nutzt Anthropic eine andere Technik. Formate wie PNG, JPG oder SVG erhalten digital signierte Herkunftsmetadaten nach dem C2PA-Standard. Der offene Industriestandard dient dazu, Informationen zur Herkunft und Bearbeitung digitaler Inhalte festzuhalten. Bei Claude signalisiert eine entsprechende Signatur, dass die Datei von dem KI-System verarbeitet wurde. Zudem lässt sich prüfen, ob die signierten Metadaten anschließend verändert wurden.

Wer kann Claudes Wasserzeichen erkennen?

Anthropic möchte Nutzer:innen und Dritten ermöglichen, die Wasserzeichen und Herkunftsmetadaten selbst auszulesen. Diese Möglichkeit gehört ausdrücklich zu Anthropics Verpflichtungen im Rahmen des EU Code of Practice zur Transparenz KI-generierter Inhalte. Wie die Detection konkret funktionieren wird und welche Tools dafür bereitstehen, ist allerdings noch offen. Weitere technische Details sollen folgen.

Für Publisher könnte dabei vor allem interessant werden, welche Dritten die Markierungen künftig auslesen können. SEO-Experte Chris Long bringt auf LinkedIn etwa Google ins Spiel. Sollte die Suchmaschine Zugriff auf eine zuverlässige Detection erhalten oder die Wasserzeichen selbst erkennen können, könnte es für Google deutlich einfacher werden, mit Claude erstellte oder bearbeitete Inhalte zu identifizieren. Belegt ist ein solcher Einsatz bislang allerdings nicht. Anthropic nennt Google in diesem Zusammenhang nicht.

Auch Unternehmen, die Claude über die API in eigene Produkte integrieren, nimmt Anthropic in die Pflicht. Sie sollen selbst prüfen, welche Anforderungen aus Artikel 50 für ihre Produkte und Services gelten. Anthropic will dafür weitere technische Hilfestellungen zur Kennzeichnung und Detection bereitstellen.

Von Claude markiert heißt nicht von Claude geschrieben

Ein Claude-Wasserzeichen bedeutet nicht automatisch, dass ein Text auch von Claude geschrieben wurde. Die Markierung zeigt zunächst nur, dass Claude an der Verarbeitung eines Inhalts beteiligt war. Anthropic warnt deshalb selbst davor, das Wasserzeichen als eindeutigen KI-Nachweis zu verstehen.

A detected mark provides a signal that content was processed by Claude, but is not fully conclusive.

Entscheidend ist hier das Wort „processed“. Viele Nutzer:innen lassen eigene Texte von Claude korrigieren, übersetzen, zusammenfassen oder umformatieren. Auch der daraus entstehende Output kann ein Wasserzeichen tragen, obwohl der ursprüngliche Inhalt von einem Menschen stammt. Die Markierung verrät also nicht, wer einen Text geschrieben hat und auch nicht, wie groß der Anteil von Claude daran war.

Das Wasserzeichen kann dabei sowohl zu viel als auch zu wenig verraten. Ein menschlich geschriebener Text kann markiert sein, wenn Claude ihn überarbeitet hat. Gleichzeitig kann ein KI-generierter Text ohne erkennbares Signal auftauchen. Das kann etwa passieren, wenn er stark überarbeitet, paraphrasiert, übersetzt oder mit anderen Inhalten kombiniert wurde. Bei sehr kurzen Passagen kann zudem schlicht zu wenig Text für eine zuverlässige Erkennung vorhanden sein.

Bei Dateien gibt es vergleichbare Grenzen. Die Herkunftsmetadaten können durch eine Formatkonvertierung, erneutes Speichern oder einen Screenshot verloren gehen. Zudem unterstützt nicht jede Plattform, Funktion und jeder Dateityp sämtliche Markierungsverfahren.

So kann am Ende ein vollständig von Claude geschriebener und anschließend stark überarbeiteter Text ohne erkennbare Markierung auftauchen. Ein selbst geschriebener Artikel, den Claude lediglich korrigiert oder übersetzt hat, kann dagegen markiert sein.

Für alle, die mit solchen Markierungen KI-generierte Inhalte erkennen wollen, ist deshalb Vorsicht geboten. Das gilt für Publisher und Unternehmen genauso wie für Hochschulen, Plattformen oder einzelne User. Eine Claude-Markierung beweist keine KI-Autor:innenschaft und ihr Fehlen auch nicht, dass ein Text rein menschlich erstellt wurde.

Neben Anthropic versieht beispielsweise Google KI-Inhalte aus den eigenen Diensten mit der SynthID genannten Technologie. Einen Verhaltenskodex zur Markierung von KI-Inhalten haben in der EU neben Google und Anthropic etwa Aleph Alpha, Mistral, Microsoft, Meta und OpenAI unterschrieben. Sie alle könnten wie Anthropic und Google künftig unmittelbare KI-Marker in die Elemente integrieren, die über ihre Dienste erstellt oder bearbeitet werden.



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