Social Media Marketing
Social Media außer Kontrolle? Bei der Generation Z verdoppelt sich das Suchtrisiko

Social Media außer Kontrolle? Bei der Generation Z verdoppelt sich das Suchtrisiko

Marié Detlefsen | 09.09.26

Social Media wird für die Generation Z offenbar zunehmend zum Problem: Innerhalb nur eines Jahres ist der Anteil des Suchtrisikos junger Menschen von 25 auf 51 Prozent gestiegen. Besonders junge Männer fallen dabei auf – doch was steckt hinter diesem überraschend starken Anstieg?

Was vor einem Jahr noch jedes vierte Mitglied der Generation Z betraf, trifft inzwischen mehr als die Hälfte: Der Anteil junger Erwachsener mit problematischen oder pathologischen Social-Media-Nutzungsmustern hat sich innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von YouGov und der Macromedia University of Applied Sciences.

Die Entwicklung ist auffällig – und sie trifft nicht alle Altersgruppen gleichermaßen. Während sich die Werte bei Millennials, Generation X und Babyboomern kaum verändern, schießt der Anteil in der Generation Z nach oben. Besonders stark ist der Anstieg bei jungen Männern.

51 Prozent haben ein hohes Risiko für Social-Media-Sucht

2025 wiesen laut der Studie 25 Prozent der Generation Z ein hohes Risiko für Social-Media-Sucht oder Anzeichen einer pathologischen Nutzung auf. 2026 sind es bereits 51 Prozent. Damit hat sich der Anteil innerhalb eines Jahres mehr als verdoppelt. In absoluten Zahlen entspricht das einem Plus von 26 Prozentpunkten. Relativ betrachtet bedeutet es einen Anstieg von rund 104 Prozent.

Abbildung einer Grafik: Gefahr für Social Media Sucht unterteilt nach Generationen: Das Risiko für Social-Media-Sucht stieg in der Gen Z von 25 auf 51 Prozent binnen eines Jahres an, © YouGov
Das Risiko für Social-Media-Sucht stieg in der Gen Z von 25 auf 51 Prozent binnen eines Jahres an, © YouGov

Trotzdem sollte man bei der Interpretation einen Schritt zurückgehen. Die Untersuchung diagnostiziert nicht bei jedem zweiten jungen Erwachsenen eine Social-Media-Sucht. Gemessen wurden problematische beziehungsweise pathologische Nutzungsmuster und ein damit verbundenes hohes Risiko. Die Studienautor:innen weisen zudem ausdrücklich darauf hin, dass zwei Querschnittsbefragungen noch keinen langfristigen Entwicklungstrend beweisen.

Social-Media-Sucht bei anderen Generationen unverändert

In der erwachsenen Gesamtbevölkerung lag der Anteil der Menschen mit hohem Risiko oder Anzeichen pathologischer Social-Media-Nutzung 2025 bei 15 Prozent. 2026 sind es 16 Prozent. Unterm Strich verändert sich der Wert damit kaum. Das klingt zunächst widersprüchlich: Wenn sich das Risiko bei jungen Erwachsenen derart stark erhöht, warum schlägt sich das nicht deutlicher im Gesamtergebnis nieder?

Die Antwort liegt in den großen Unterschieden zwischen den Generationen. Bei den Millennials geht der Anteil sogar zurück, von 26 Prozent im Jahr 2025 auf 22 Prozent im Jahr 2026. In der Generation X fällt er von zwölf auf elf Prozent. Bei den Babyboomern bleibt der Wert mit rund vier Prozent in beiden Jahren praktisch unverändert. Der große Sprung findet also vor allem dort statt, wo Menschen zur Generation Z gehören.


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© Pavel Danilyuk – Pexels


Junge Männer sind besonders anfällig

Besonders auffällig ist der Suchtanstieg bei Männern in der Generation Z. Dort zeigen 58 Prozent problematische oder pathologische Social-Media-Nutzungsmuster. Bei Frauen derselben Generation sind es 40 Prozent. Der Unterschied beträgt damit 18 Prozentpunkte. Auch dieser Befund ist bemerkenswert, weil problematische Social-Media-Nutzung laut der Studie häufig vor allem mit Jugendlichen oder jungen Frauen in Verbindung gebracht wird. Die aktuelle Analyse zeichnet ein anderes Bild: Gerade junge Männer gehören zu der Gruppe, bei der die problematische Nutzung besonders stark ausgeprägt ist.

Grafik Abbildung verschiedener Generationen, unterteilt nach Geschlechtern: 58 Prozent der Männer zeigen problematische oder pathologische Social-Media-Nutzungsmuster, © YouGov
58 Prozent der Männer zeigen problematische oder pathologische Social-Media-Nutzungsmuster, © YouGov

In der erwachsenen Gesamtbevölkerung fällt der Geschlechterunterschied kleiner aus. Dort liegen die entsprechenden Werte bei 19 Prozent für Männer und zwölf Prozent für Frauen.

Dennoch liefert die Studie lediglich ein Warnsignal und keine medizinische Diagnose für Millionen junger Menschen. Prof. Dr. René Arnold, Studienleiter und Professor für Management an der Macromedia University, betont deshalb, dass aus den Ergebnissen nicht geschlossen werden könne, jeder zweite junge Mann sei süchtig:

Wir sehen hier keine Diagnose für jeden zweiten jungen Mann und können aus zwei Querschnittsbefragungen noch keinen langfristigen Trend ableiten. Aber wir sehen ein ungewöhnlich starkes und robustes Signal in genau dieser Gruppe. Die entscheidende Frage ist jetzt, was sich bei jungen Erwachsenen und insbesondere bei jungen Männern verändert hat.

Ebenso lässt sich aus zwei Untersuchungen mit unterschiedlichen Erhebungszeitpunkten bislang nicht ableiten, dass sich die Entwicklung zwangsläufig in diesem Tempo fortsetzen wird. Ob der Wert im kommenden Jahr erneut steigt, wieder sinkt oder sich stabilisiert, bleibt offen.


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© Karolina Grabowska via Canva


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