Social Media Marketing
Instagram lockt mit bis zu 500.000 Dollar: Creator sollen 90-Minuten-Videos pushen

Instagram lockt mit bis zu 500.000 Dollar: Creator sollen 90-Minuten-Videos pushen

Marié Detlefsen | 03.11.26

Instagram will längere Videos attraktiver machen – und greift dafür offenbar tief in die Tasche. Wie Business Insider berichtet, bietet die Meta-Plattform ausgewählten Creatorn bis zu 500.000 US-Dollar, damit sie Inhalte für das neue Videofomat Features veröffentlichen. Doch kann Instagram damit tatsächlich YouTube Konkurrenz machen?

Mit der neuen Funktion Features testet Instagram derzeit in Brasilien und den USA eine Möglichkeit, Videos mit einer Länge von bis zu 90 Minuten hochzuladen. Damit verabschiedet sich die Plattform zumindest ein Stück weit von ihrem bisherigen Image als Zuhause für kurze Reels und schnelle Unterhaltung. Stattdessen sollen künftig auch ausführlichere Formate, längere Geschichten und aufwendiger produzierte Videos ihren Platz finden. Lange Zeit war Instagram-Chef Adam Mosseri gegen die Integration von Longform-Videos auf Instagram, doch kürzlich stellte er das neue Format Features vor, in dessen Rahmen Creator jetzt Videos im Querformat mit bis zu 90 Minuten Länge posten können.

Während YouTube bereits über ein etabliertes Werbeumsatzmodell für längere Creator-Videos verfügt, fehlt Instagram bislang ein vergleichbar attraktives Vergütungssystem für längere Inhalte. Um diesen Nachteil auszugleichen und Creator für das neue Format zu gewinnen, setzt Meta auf hohe finanzielle Anreize. Laut Business Insider sollen ausgewählte Creator Angebote zwischen 50.000 und 500.000 US-Dollar erhalten haben. Voraussetzung: Sie veröffentlichen längere Videos über das neue Feature.

Auch Mosseri äußerte sich auf Threads zur Monetarisierung längerer Videos. Er betonte, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Creator eine entscheidende Rolle spielen und sein Team verschiedene Möglichkeiten prüfe, um längere Videoinhalte künftig besser zu vergüten.

Auf Threads ansehen

Meta bestätigte gegenüber Business Insider zumindest grundsätzlich, dass ausgewählte Creator direkt für Inhalte im Rahmen von Features bezahlt werden. Zu den konkreten Summen äußerte sich der Konzern allerdings nicht.

Lohnt sich das Angebot für Creator überhaupt?

Auf den ersten Blick klingt das Angebot durchaus verlockend. Wer mehrere Hunderttausend Dollar für ein paar Videoproduktionen erhält, dürfte wenig Grund zur Beschwerde haben. Doch das eigentliche Problem liegt nicht bei den angebotenen Zahlungen, sondern bei der langfristigen Perspektive.

Wie unterschiedlich Creator auf YouTube und Instagram Geld verdienen können, zeigt eine Analyse von VidIQ. Auf YouTube verdienen Creator mit längeren Videos typischerweise zwischen einem und zehn US-Dollar oder mehr pro 1.000 Aufrufen. Instagram bietet dagegen keine vergleichbare standardmäßige Vergütung pro Aufruf. Hier sind vor allem Markenkooperationen eine wichtige Einnahmequelle. Während Creator auf YouTube somit direkt an der Monetarisierung ihrer Videos beteiligt werden können, hängen die Einnahmen auf Instagram stärker von zusätzlichen Kooperationen und individuellen Vereinbarungen ab. Besonders deutlich wird der Unterschied bei großen Accounts: Creator mit mehr als einer Million Abonnent:innen erzielen laut VidIQ auf YouTube durchschnittlich rund 50.000 US-Dollar monatlich. Bei Instagram sind es dagegen lediglich 5.000 bis 15.000 Dollar.

Während YouTube neben Kurzvideos auch längere Formate etabliert hat und durch Werbung, Mitgliedschaften und Affiliate Links vielfältige Einnahmequellen bietet, liegt der Schwerpunkt bei Instagram stärker auf Reels, kurzlebigen Trends und Markenkooperationen. Insgesamt bietet YouTube Creatorn damit eine besser planbare Monetarisierung und ein langfristigeres Verdienstpotenzial.

Tabelle, welche YouTube und Instagram im Vergleich zeigt: YouTube bietet Creatorn durch lange Videos ein langfristiges Verdienstpotenzial, während Instagram stärker von Sponsoring und bezahlten Kooperationen abhängig ist, © VidIQ
YouTube und Instagram im Vergleich: YouTube bietet Creatorn durch lange Videos ein langfristiges Verdienstpotenzial, während Instagram stärker von Sponsoring und bezahlten Kooperationen abhängig ist, © VidIQ

Die hohen Einstiegszahlungen könnten sich für ausgewählte Stars also durchaus rechnen. Für die breite Masse der Creator dürfte das neue Format hingegen wenig attraktiv sein, solange eine verlässliche Einnahmequelle fehlt.

Bereits 2018 versuchte Instagram mit der Einführung von IGTV, längere Videos auf der Plattform zu etablieren und YouTube Konkurrenz zu machen. 2021 testete Instagram auch in Deutschland ein Modell, bei dem ausgewählte Creator an den Werbeeinnahmen ihrer IGTV-Videos beteiligt wurden. Der große Durchbruch blieb jedoch aus. Im Februar 2022 kündigte Instagram schließlich an, die eigenständige IGTV App einzustellen und die Monetarisierung über In-Stream-Video-Ads zu beenden.

Entscheidend für den Erfolg von Features dürfte deshalb weniger die Höhe der aktuellen Angebote sein als die Frage, ob Instagram ein dauerhaft attraktives Vergütungsmodell etablieren kann. Denn solange Creator mit längeren Videos auf YouTube verlässlicher Einnahmen erzielen können, fehlt ihnen ein wirtschaftlicher Anreiz, solche Inhalte gezielt für Instagram zu produzieren.


Reels auf dem Big Screen:

Instagram startet eigene App für Apple TV

Verweis auf eine  weiteren Artikel: Reels auf dem Big Screen: Instagram startet eigene App für Apple TV
© Instagram/Apple


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