SEO - Suchmaschinenoptimierung
Poisoned Google SERPs beeinträchtigen Tracking: Stark veränderte Ergebnisseiten tauchen öfter auf

Poisoned Google SERPs beeinträchtigen Tracking: Stark veränderte Ergebnisseiten tauchen öfter auf

Niklas Lewanczik | 20.10.26

Über 27 Millionen Google SERPs hat Nozzle analysiert und herausgefunden, dass acht Prozent davon seit September als Poisoned SERPs zu erkennen waren – im Vergleich zu 0,17 Prozent zuvor. Viele Ergebnisseiten sehen zeitweise ganz anders aus, ohne dass es markiert ist. Für Tracking-Dienste wird das zum Problem.

Das Google Reporting funktioniert bei vielen Usern seit Wochen nicht richtig. Denn Rank Tracking Tools haben einige Probleme mit Googles Maßnahmen zur Blockierung von Scrapern.

Während Google im August und September 2026 jeweils ein großes Spam Update durchführte, das zu Ranking-Schwankungen bei einigen Seiten geführt haben dürfte, war vor allem der Start der goto URLs im Sommer ein Faktor, der das Rank Tracking stark beeinflusst haben mag. Google bestätigte im August:

We have a long history of deploying technical measures against evolving forms of abuse, and we regularly take steps to protect our services and users.

Für Suchende ändert sich beim Klick durch die goto URLs kaum etwas. Für Anbieter:innen, die Google-Suchergebnisse automatisiert auswerten, kann die Weiterleitung aber zum Problem werden, weil sich die eigentliche Ziel-URL nicht mehr ohne Weiteres erkennen lässt. Grundsätzlich möchte Google damit womöglich vor allem AI Scraper abschrecken, die die SERPs für ihre eigenen Ergebnisse in KI-Diensten nutzen könnten.

Zusätzlich setzt Google aktuell vermehrt auf Verifizierungselemente bei Suchanfragen, um zu prüfen, ob Anfragen von Menschen kommen. Inmitten all dieser Entwicklungen können bei Rank Tracking Tools nun Probleme auftreten. Denn eine umfassende Analyse von Nozzle zeigt, dass Google den Trackern oft veränderte Ergebnisse ausspielt. Nozzle CEO Derek Perkins nennt sie Poisoned SERPs und legt dar, dass sie seit dem 13. September in über acht Prozent der analysierten Fälle auftraten, zu Spitzenzeiten sogar in über 28 Prozent. Auch in Deutschland kommt es zu diesen Poisoned SERPs. Allerdings gibt es für Tracking-Analyst:innen gute Nachrichten trotz dieser Verwirrung.



Google goto URLs erschweren Site Tracking

Google-Schriftzug blurred
© Mitchell Luo – Unsplash


Was Poisoned SERPs sind: So viele Ergebnisseiten von Google werden verändert ausgegeben

Derek Perkins und Nozzle beschreiben SERPs als „poisoned“, sofern weniger als die Hälfte der Seiten, die im Normalfall bei einer Keyword-Anfrage auf den Ergebnisseiten auftauchen, auf der Seite zu finden ist. Für die eigene Analyse in 52 Ländern und mit bis heute über 27 Millionen SERPs, die seit dem 13. September bewertet wurden, hat Nozzle eine Definition für die „üblichen Seiten“ bei Keyword-Anfragen vorgelegt: Es sind Seiten, die vom 20. August bis zum 9. September 2026 in mindestens 60 Prozent der SERPs in die Top 10 auf diesen gelangt sind. Bei Poisoned SERPs kommt es schließlich zu Abweichungen, die an Rank Tracker weitergegeben werden, obwohl die Rankings der Seiten nicht wirklich verändert sind. Derek Perkins kommt zu dem Schluss:

Since September 2026, Google has been poisoning the SERPs it serves rank trackers: complete, normal-looking pages whose results have been swapped out. Nothing on the page gives it away. Each keyword’s own history does.

In der Analyse zeigte sich, dass im Schnitt 8,4 Prozent der SERPs als Poisoned SERPs ausgegeben wurde. In Deutschland gab es laut Nozzle in der Analysezeit einen Wert von 5,6 Prozent der Poisoned SERPs.

Im Ländervergleich ist der Wert für Poisoned SERPs in Deutschland nicht ganz so hoch, trotzdem aber deutlich über der vorherigen Norm, © Nozzle, Weltkarte mit Daten und Farben
Im Ländervergleich ist der Wert für Poisoned SERPs in Deutschland nicht ganz so hoch, trotzdem aber deutlich über der vorherigen Norm, © Nozzle

Am 29. September maß Nozzle im Spitzenwert sogar 28,6 Prozent. Vor dem 13. September, seit dem Google maßgeblich mehr Blocking in der Suche betreibt, lag der Wert der sogenannten Poisoned SERPs bei durchschnittlich 0,17 Prozent. Aktuell liegt der Wert bei sieben Prozent (am 18. Oktober).

Das Problem bei Poisoned SERPs ist laut Nozzle, dass die veränderten Ergebnisseiten normal aussehen, nicht aber die Ergebnisse selbst. Laut der Nozzle-Analyse ersetzen vor allem Inhalte von Plattformen wie Facebook, Instagram, Reddit, YouTube, Quora und LinkedIn die Links von anderen Seiten. Nur 22 Prozent der organischen Ergebnisse bleiben in diesen Fällen gleich; zuvor waren es im Schnitt 88,1 Prozent. Bemerkenswert ist dabei, dass auch AI Overview-Quellen im Vergleich zur Baseline deutlich seltener die gleichen bleiben (nur 38,7 statt 68,1 Prozent), dass aber Ads auf Poisoned SERPs häufiger die übereinstimmen (83,7 statt 70,5 Prozent).

Nozzle zeigt auf der eigenen Seite diverse Beispiele für die Poisoned SERPs zu bestimmten Keyword-Anfragen, © Nozzle, zwei Suchergebnisseiten gegenübergestellt
Nozzle zeigt auf der eigenen Seite diverse Beispiele für die Poisoned SERPs zu bestimmten Keyword-Anfragen, © Nozzle

Und zum tatsächlichen Problem für SEOs wird, dass bei den Poisoned SERPs Websites in der Analyse aus dem Top 10 Ranking fallen. Bei Nozzles Erhebung verpassten eigene Seiten in 60,2 Prozent der Fälle die Top 10 bei Poisoned SERPs. Im Normalfall liegt der Wert bei 2,7 Prozent.

Tracking Tools erkennen Problem an

Über die Poisoned SERPs haben inzwischen viele SEO-Expert:innen berichtet. Brodie Clark etwa fasst zusammen:

[…] The poisoned search results appear as a set of results that seem normal on the surface, but are vastly different from the standard results for a query. 

Auch SEO-Experte Barry Schwartz berichtete für Search Engine Roundtable und zitierte ein Statement von Semrush, das die Problematik auch beim Tracking-Tool-Unternehmen anerkennt:

We can confirm we’ve been seeing the ‘poisoned SERPs‘ issue with Google returning inaccurate results since late summer. As soon as we noticed it, our team put additional checks in place to filter and double-check the results we return, and we keep adjusting and extending them as Google’s behavior evolves.

The impact on the rankings our users track has been limited, and we have seen no interruptions to the service. There can still be individual cases, most often beyond the first page of results, and we encourage users to report any inconsistencies to our support team so we can look into each one.

Accurate data is our priority, and we’re making sure we adapt quickly as the search landscape changes.

Verschiedene Unternehmen haben inzwischen reagiert, darunter SE Ranking, und versuchen zugleich, User zu beruhigen.

Immerhin verschwinden die Poisoned SERPs binnen Tagen wieder. Laut Nozzle sind bei den analysierten Fällen 68,9 Prozent aller Basis-SERPs nach drei Tagen wieder vorhanden, nach zwei Wochen liegt der Wert bei 92,7 Prozent. Die höchsten Poison-SERP-Werte maß das Unternehmen im September, doch auch im Oktober ist noch immer etwas davon zu spüren. Derek Perkins schreibt:

It is lower than the first half of October and far below the late-September peak, but it is thirty times the baseline and rising again, so it is too early to call it over.

Dabei ist für SEOs entscheidend, dass diese Poisoned SERPs von tatsächlichen Ranking-Veränderungen zu differenzieren sind, weil sie eben mit den „falschen“ Ergebnissen angezeigt werden. Diese tauchen zum Beispiel als Faktor nicht in der Search Console auf, Nozzle hat einen Widerspruch entdeckt.

Lösungsansätze: Search Console nutzen und Workarounds testen

Laut Nozzle widerspricht die Google Search Console den Poisoned SERPs insofern, als Seiten auch dann noch Klicks und Impressions im Leistungsbericht erhalten, wenn sie im Kontext von Poisoned SERPs „verschwunden“ sind und gegebenenfalls im Tracking Tool nicht auftauchen. Der Blick auf die Search Console kann also dabei helfen, zu verstehen, ob es wirklich zu Ranking-Veränderungen gekommen ist. Außerdem rät Perkins:

Comparing against yesterday alone is fragile, because yesterday may have been poisoned too. Comparing against the keyword’s usual page-1 sites over the previous weeks separates a data problem from a ranking drop.

Als Alternative und Workaround, um das Problem der Poisoned SERPs zu umgehen, zeigen Brodie Clark und Suganthan Mohanadasan einen Weg auf, mit dem SEOs auch im Rank Tracker keine Poisoned SERPs erhalten sollen. In einem ausführlichen Blog Post erklärt Brodie Clark Mohanadasans Idee, SERP Lens MCP, Claude Desktop und Notion zu verknüpfen, um schließlich mithilfe einer Extraction-Methode aus dem Browser der SERP Lens Desktop App Googles fehlerhafte Poisoned SERPs auszuschließen. Dafür sind allerdings kostenpflichtige Abonnements für die genannten Dienste notwendig. Im Beitrag von Brodie Clark kannst du die Anleitung Schritt für Schritt nachvollziehen.

Es ist nur ein Beispiel dafür, wie SEOs und Co. mit technischen Workarounds Probleme wie Poisoned SERPs umgehen können. Nichtsdestoweniger sollten Website-Betreiber:innen und SEOs ihre Ranking-Entwicklungen gerade dieser Tage über verschiedene Quellen beobachten und evaluieren, ob Handlungsbedarfe bestehen oder lediglich das Tracking selbst Probleme bereitet. Das ist für den Analyseprozess Problem genug.

Noch mehr Details sowie granulare Informationen zur Methodologie und Erhebung von Nozzle findest du auf der dedizierten Seite und im Bericht, über den auch der SEO-Experte Cyrus Shepard auf X berichtet. Die Auswirkungen von Googles Maßnahmen sind umfassend; und Nozzle liefert einen konkreten Einblick, wie weit sie greifen.



Google schließt September 2026 Spam Update ab:

Das sollten SEOs wissen

Abstrakte Grafik mit Graphenwerten, Mauerwerk und geraden bunten Linien
© Google DeepMind – Unsplash


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