SEO - Suchmaschinenoptimierung
Google goto URLs erschweren Site Tracking

Google goto URLs erschweren Site Tracking

Larissa Ceccio | 27.08.26

Neue goto URLs verändern, wie Google auf verlinkte Websites verweist. Für SEOs könnte das die Datenerfassung erschweren, während das Scraping der Suchergebnisse erschwert wird.

Google bestätigt den Roll-out sogenannter goto URLs in den Suchergebnissen. Search Engine Roundtable hatte die Änderung bereits Anfang Juli beobachtet. Inzwischen hat das Unternehmen den Roll-out gegenüber dem Fachmedium bestätigt. Ein:e Google-Sprecher:in erklärte:

We have a long history of deploying technical measures against evolving forms of abuse, and we regularly take steps to protect our services and users.

Welche Art von Missbrauch Google mit den goto URLs konkret adressieren möchte, ließ die Person offen. In der SEO-Branche wird deshalb vor allem diskutiert, ob Google damit das automatisierte Auslesen der eigenen Suchergebnisse erschweren möchte.



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© Google via Canva


Google schaltet eine Weiterleitung zwischen Suche und Zielseite

Bisher führte ein Google-Suchergebnis zur verlinkten Website. Wer mit der Maus über den Link fährt, kann unten im Browser sehen, welche URL beim Klick geöffnet wird.

Google-Suchergebnis von Search Engine Roundtable, bei dem die Statusleiste statt der direkten Ziel-URL eine google.com/goto Weiterleitungs-URL zeigt.
Google-Suchergebnis mit vorgeschalteter google.com/goto Weiterleitung, © Search Engine Roundtable

Mit den neuen goto URLs schaltet Google einen zusätzlichen Schritt dazwischen. Der Link verweist zunächst auf eine Google-Adresse nach dem Muster google.com/goto. Von dort werden Suchende anschließend auf die eigentliche Website weitergeleitet.

Google-Suchergebnis von Search Engine Roundtable, bei dem die Statusleiste die Ziel-URL auf seroundtable.com anzeigt.
Google-Suchergebnis mit Ziel-URL zur verlinkten Website, © Search Engine Roundtable

Für Suchende ändert sich beim Klick kaum etwas. Für Anbieter:innen, die Google-Suchergebnisse automatisiert auswerten, kann die Weiterleitung aber zum Problem werden, weil sich die eigentliche Ziel-URL nicht mehr ohne Weiteres erkennen lässt.

Googles Vorgehen könnte zugleich eine Maßnahme sein, um das Scraping von Suchergebnissen durch KI-Dienste wie Perplexity, ChatGPT und Co. zu erschweren. Das wäre auch deshalb relevant, weil Perplexity wie auch andere KI-Unternehmen wegen der Nutzung journalistischer Inhalte und mutmaßlicher Urheber:innenrechtsverstöße in der Kritik stehen. Perplexity selbst bietet Publishern mit Comet Plus zugleich ein Beteiligungsmodell an.

Nozzle sieht goto URLs bei fast allen getesteten Verbindungen

Derek Perkins vom SEO Rank Tracking Tool Nozzle berichtet auf X, dass Google die Änderung bei mehreren von ihm getesteten Residential IP Providern inzwischen nahezu vollständig ausgerollt habe.

Er erklärt, dass sich die goto Links nicht ohne Weiteres in die eigentliche Ziel-URL übersetzen lassen. Anbieter:innen müssen deshalb den Google Link aufrufen und der Weiterleitung folgen. Wer große Mengen von Suchergebnissen verarbeitet, erzeugt dadurch zusätzliche Anfragen an Google. Das erhöht den Aufwand und kann dazu führen, dass Google Abrufe drosselt oder blockiert.

Ein von Perkins veröffentlichtes Diagramm zeigt, dass der Anteil der von Nozzle erfassten SERPs mit ausschließlich goto URLs seit Anfang August stark schwankt. Zuvor lag der Wert meist nahe null, zuletzt bei 42 Prozent. Messwerte in einzelnen Analysebereichen erreichten sogar 100 Prozent.

Google spielt goto URLs je nach Client unterschiedlich aus

Auch Hanns Kronenberg, Head of SEO bei Chefkoch, hat untersucht, wie sich die goto URLs auf die Datenerfassung auswirken. In einem LinkedIn Post beschreibt er einen Test mit 1.040 Keywords auf google.de über die DataForSEO SERP API, die er anschließend mit normalen Browser Sessions verglich.

Bei dem Test erschienen im Browser weiterhin externe Links zur jeweiligen Zielseite, während sie im HTML fehlten, das DataForSEO von Google erhielt. Die eigentliche Ziel-URL war laut Kronenberg trotzdem vorhanden, allerdings an anderer Stelle in einem eingebetteten Datenblock der Seite.

Organische Google Treffer bleiben bislang auslesbar

Bei organischen Suchergebnissen und Videos konnte Kronenberg die tatsächlichen Ziel-URLs weiterhin vollständig auslesen. Probleme traten dagegen bei einzelnen Google Features auf. Vergleichsboxen lieferten nur noch die maskierte Google-Adresse, bei mobilen Rezeptgalerien und Teilen des Local Packs zeigte sich ein ähnliches Bild.

Wenn dabei lediglich die goto URL erfasst wird, kann ein Treffer der Domain google.com statt der verlinkten Website zugeordnet werden. Werden die Daten anschließend nach Domains gefiltert, können solche Treffer unbemerkt herausfallen. Für SEO-Anbieter:innen liegt das Risiko deshalb weniger in einem vollständigen Ausfall als in einer schleichenden Verschlechterung der Datenqualität.

Google-Weiterleitungen verursachen zusätzliche Abrufe

Kronenberg konnte die 15 getesteten goto URLs jeweils nach zwei Weiterleitungen bis zur eigentlichen Zielseite auflösen. Bei großen Mengen von Suchergebnissen steigt dadurch der Aufwand, weil zusätzliche Anfragen an Google nötig werden. Offen ist außerdem, ob Google solche Abrufe dauerhaft zulässt oder stärker begrenzt.

Seine Tests zeigen zudem, dass Google die Weiterleitungen je nach Client, Gerät und Suchfunktion unterschiedlich ausspielt. Unterschiede gab es zwischen Browsern und API-basierten Abrufen, teilweise auch zwischen Desktop und Mobile sowie einzelnen Elementen der Suchergebnisse.

SEO-Branche beobachtet den Roll-out mit Sorge

Die Sorge in der SEO-Branche wächst, dass sich Suchergebnisse künftig schwerer und weniger zuverlässig auswerten lassen. Wenn die Datengrundlage schlechter wird, verlieren auch Marktanalysen an Aussagekraft. Das kann für Unternehmen und Publisher negative Folgen haben, wenn sie ihre SEO-Entscheidungen auf solche Daten stützen. SEO-Expertin Lily Ray nennt den bestätigten Roll-out im Post von Barry Schwartz deshalb einen „very big deal“.



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© Google via Canva

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