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SEO - Suchmaschinenoptimierung
Fluch und Segen? Googles KI-generierte Stichpunkte für Artikel und Seiten

Fluch und Segen? Googles KI-generierte Stichpunkte für Artikel und Seiten

Niklas Lewanczik | 22.01.24

Auch in der iOS App von Google werden inzwischen direkt AI-Zusammenfassungen von Artikeln angeboten. Dabei handelt es sich um ein schon 2023 vorgestelltes Feature, das Publishern Probleme bereiten könnte.

Im August 2023 launchte Google eine ganze Reihe von Updates für die neue KI-gestützte Suche, die Search Generative Experience. Dabei wurde eine Funktion vorgestellt, die Usern langfristig Zeit und Mühe sparen soll: SGE while browsing. Bei dieser handelt es sich um eine AI-Zusammenfassungsoption für Websites, die Usern langes Lesen und Scrollen ersparen könnte.

Das Feature SGE while Browsing auf dem Smartphone (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Google
Das Feature SGE while Browsing auf dem Smartphone (mit einem Klick aufs Bild gelangst du zur größeren Ansicht), © Google

Doch genau das beunruhigt Seitenbetreiber:innen und SEOs. Jetzt taucht diese Funktion immer öfter auf, auch in der iOS App von Google. Davon berichtet Chris Messina – Erfinder des Hashtags – auf Threads.

Beitrag von @chris
Auf Threads ansehen

Für User der Search Generative Experience und Search Labs ist die Funktion inzwischen vielfach verfügbar, in der App und im Chrome Browser. Teilweise ist das Feature auch nativ integriert, etwa auf modernen Google Pixel Smartphones.

Beitrag von @durrellb.r
Auf Threads ansehen

Es vereinfacht die Rezeption von Artikeln oder einzelnen Seiten für viele Menschen – stellt aber für Seitenbetreiber:innen und Journalist:innen auch Probleme dar.


Google SGE Updates:

Automatische Seitenzusammenfassung könnte Verweildauer auf Websites minimieren

© Google, Test des SGE while Browsing Features auf dem Smartphone
© Google


Das ist SGE while browsing: Wer profitiert, wer sieht Probleme?

Obwohl Google die Verfügbarkeit der SGE vor wenigen Monaten auf über 120 Länder ausgeweitet hat ist der Zugriff in Deutschland noch nicht möglich (außer über VPN-Maßnahmen). Die Funktion SGE while browsing ergänzt weitere Features wie Snapshot Answers und ein Follow-up Button in der Suche, um Nutzer:innen die Recherche möglichst einfach zu machen. Schon im Frühjahr 2023 erklärte Google zur SGE:

The new Search experience helps you quickly find and make sense of information. As you search, you can get the gist of a topic with AI-powered overviews, pointers to explore more, and ways to naturally follow up.

Das SGE while browsing Feature soll Usern dabei helfen, zum Beispiel aus langen und komplexen Texten auf Websites die Kernpunkte auf einen Blick herausfiltern zu können. So können diese mithilfe von SGE while browsing auf manchen Seiten jetzt mit einem Tippen eine KI-generierte Liste mit den Kernaussagen der Seite einsehen. Links in der Liste führen dann zu den Bereichen auf der Website, die die KI in der Übersicht verkürzt darstellt. Die AI-Zusammenfassung klärt auch darüber auf, welche Fragen der Content auf der Seite beantwortet. Dabei werden die Kernaspekte von Googles neuer Funktion nur auf Seiten zusammengefasst, die frei verfügbar sind. Content hinter Paywalls bleibt davon unberührt und Publisher behalten die Kontrolle. Informationen zur Quelle liefert Google ebenfalls mit. Die SEO-Expertin Lily Ray hat vor einigen Monaten auf YouTube ein Video bereitgestellt, das den Einsatz der Funktion darstellt.

Wer bereits per Opt-in auf die Search Labs zugreift, kann das Experiment live sehen und das Feature nutzen. Doch während es für Suchende einen Vorteil und womöglich Zeitersparnis bedeutet, wird es für Website-Betreiber:innen eventuell zu einem Problem. Denn bei einem häufigen Einsatz dieser Funktion würden User möglicherweise viel weniger Zeit auf Websites verbringen, was sich auch negativ auf die Monetarisierung durch Ads auswirken könnte. Davor warnte auf X unter anderem der SEO-Experte Kevin Indig. Er schrieb:

Google promises to respect paywalls, but publisher ad revenue could significantly shrink because users don’t need to scroll and search for key pieces of information anymore.Big picture: SGE already answers lots of informational questions. Now, it goes from Search to browser.

Journalist:innen und Redakteur:innen wiederum dürften dem Feature ebenfalls Skepsis entgegenbringen, weil es zumindest die Möglichkeit eröffnet, dass viele Menschen ihre Beiträge nicht mehr ganz lesen und gegebenenfalls relevante Querverbindungen, Nuancen und gar Zusammenhänge übergehen, die für die Aussage von Belang sein können. Das könnte sich langfristig auch zu einem Problem der Medienrezeption und -wiedergabe entwickeln.

Neue Rezeptionsmuster entwickeln sich

Website-Betreiber:innen, SEOs und Journalist:innen müssen sich künftig aber auf ein verändertes Such- und Seitenrezeptionsverhalten einstellen. Denn neben Google setzt beispielsweise auch Microsoft mit der umfassenden KI-Assistenz Copilot auf eine KI-gestützte Lösung, die Menschen möglichst viel Arbeit – Recherche, Textproduktion, Lesearbeit und dergleichen mehr – abnehmen können soll. Auch über Copilot kannst du dir Seiten zusammenfassen lassen.

Der Copilot ermöglicht dir Zusammenfassungen im Edge Browser, Screenshot Copilot
Der Copilot ermöglicht dir Zusammenfassungen im Edge Browser, Screenshot Copilot

Generative KI wird die Web-Suche und die Content-Rezeption nachhaltig beeinflussen. Deshalb sollten Medien ihre Kernpunkte klar formulieren und zugleich auf verschiedenen Plattformen – etwa über Social Media – transparent kommunizieren, warum sich auch die eingehende Rezeption ihrer Inhalte lohnt. Der Vorteil für Publisher kann sein, dass Nutzer:innen schnell erkennen können, ob Medienhäuser ihnen hilfreiche Inhalte präsentieren können – und dann ist ein Folgeklick ebenfalls nicht unwahrscheinlich. Für viele User werden Zusammenfassungsoptionen à la SGE while browsing aber zu einem hilfreichen Feature, das nur eine Facette einer veränderten Kommunikationsstruktur im Digitalraum darstellt.


Google weitet die Search Generative Experience auf 120 neue Länder aus

© BoliviaInteligente - Unsplash, Google-Schriftzug vor leuchtendem blauen Hintergrund
© BoliviaInteligente – Unsplash

Kommentare aus der Community

Jack am 24.02.2024 um 13:14 Uhr

Hallo Niklas, danke für Deinen Artikel.

Dass es einen Vorteil haben sollte, sehe ich nicht so. Mehrere Gründe sprechen und halten dagegen. Ich habe diese Tools bereits ausführlich getestet im Arc Browser Desktop mit 5 Seconds Previews und Summarizer sowie Arc Search iOS sowie Edge.

Es werden irgendwann Präzedenzfälle kommen, in verschiedenen Anwendungsfällen.

1. Betreffend Shops wie Amazon, Ebay, Kleinanzeigen etc. Die Summarizer geben oft, zu oft nicht den korrekten Inhalt und Beschreibung des verkauften Artikels wieder und Käufer*inen erhalten einen falschen Eindruck der verkauften Ware. In einem Rechtsstreit wird der Fall ganz klar aussehen. Die Käufer*innen müssen sich definitiv die originale Beschreibung vom Verkäufer*in durchlesen und können sich rechtlich nicht auf die KI Zusammenfassung stützen. Sorgfaltspflicht und Informationspflicht.

Betrüger werden hier schnell eine Masche finden und die KI Schwäche in der Short Wiedergabe sowie die menschliche Schwäche (sich alles angeblich einfacher machen) ausnutzen. Fallbeispiel: Wenn man einen großen Block Beschreibung einstellt ohne Absatz etc. ist meisten User zu faul es sich durchzulesen oder es ist für ihn zu anstrengend. Die KI kann vom Betrüger vorher getestet werden anhand der Beschreibung und diese geben unterschiedliche Ergebnisse heraus. User bekommt also nur einen Macbook Karton leer zugesandt, welches in der Beschreibung stand. Aber so geschickt beschrieben, für jeden, der es lesen würde klar ist, aber die KI oft eine Fehlinterpretation leitet. Rechtlich recht einfach. Käufer trägt die alleinige Schuld und der Anwendungsfall hier für KI so nicht mehr gegeben.

2. Für News, Blogs etc. ist es auch keine Erweiterung. Sie müssen noch mehr Kanäle als jetzt schon eröffnen, um User zu bekommen? Die meisten haben diese bereits und es ist auch eine Frage der Zeit. Zeit kostet dann Geld. Wenn meine Einnahmen auf 500 oder 1000 Dollar fallen, werde ich den Blog einstellen. Paywalls werden die Informationen weiter einschränken und das Internet ist dann dank der KI-Anwendung weniger frei. Es wird findige Programmierer geben, die einen KI Blocker für Webseiten Betreiber herausbringen wie eine Art Block Ad Blocker. Nur wird das Web zunächst in seinen Informationen eingeschränkter.

Ich bin selbst an der Börse und lasse mittlerweile von diesen Tools ab und nutze sie effizienter. Verlässt man sich nur auf die Shorties, werden die Leute richtig Geld verlieren. Da keine fundierten Entscheidungen mehr getroffen werden können. Es ist wichtig selbst bei Koch / Rezeptbeschreibungen oftmals den Background vom Ersteller*in zu erfahren. Das Warum und das Wieso.

Wofür nutze ich jetzt KI? Ich nutze Brave, ohne Adblock nur um Tracking zu verhindern. Da ich nichts gegen Werbung habe oder bezahlte Abos. Aber ich habe etwas dagegen, wenn man trotz Bezahlung weiter fröhlich trackt. Man bezahlt also zweimal. Mir reicht aber in Brave der Leo, halbwegs datenschutzkonform und für das was wichtig ist genau richtig. Ich kann ihn für einen Gedankenaustausch oder Analyse ohne Artikelkontext verwenden oder ich lese einen Artikel und kann ihn dann für weitere Analyse und Fragen bezüglich des Artikels hinzufügen. Also Erweiterung ist das Zauberwort.

Außerdem, glaube ich, ist es für die menschliche Basis wichtig, Artikel von anderen Menschen zu lesen und verschiedenen Eigenheiten von Erklärungen, Sprache, Aussprache zu erfahren. KI muss eine Erweiterung sein und keine Abhilfe. Sonst hat man letztlich das Hirn nur, damit die Schädeldecke nicht einfällt! Der allgemeine Denkprozess findet einfach nicht statt. Brave ist hier auf dem richtigen Weg mit seinen KIs und ich hoffe, Firefox folgt diesem Beispiel. So müssten früher oder später alle KI Erbringer den Inhalt selbst erstellen und ganze Teams dafür anstellen, die den Inhalt erstellen. Was auf der einen Seite fehlt, muss auf der anderen Seite gestellt werden. Das wird dann verdammt viel Geld kosten. Sonst müssten diese KI Erbringer ja die Ersteller (Blog, News etc.) für Ihre Dienste bezahlen. Also die fehlenden Werbeeinnahmen ersetzen. Das wird wohl kaum passieren, es sei denn, sie verlangen vom Endverbraucher ordentlich Geld. Also neue Abhängigkeiten werden entstehen.

Ansonsten driftet alle Browser zu einer Art X (Twitter) in Shorties dahin und sägen am eigenen Ast. Ohne ein reichhaltiges Internet mit reichhaltigen Informationen ist jeder Browser nur noch eine KI Maschine. Dann benötige ich keine Browser mehr und kann gleich zu einfach KI Maschinen greifen wie Gpt etc. Wenn KI weiterhin von so vielen aufgebaut wird, sollten sie alle überlegen, wo in Zukunft die Informationen herkommen sollen. Wahrscheinlich aus sämtlichen Netzwerken wie jetzt Google – Reddit und Chat Analyse. Dann würde es DAS Internet so gar nicht mehr geben. Es würde nur noch Dinge wie Discord, Meta, Insta, YouTube, andere Chatdienste geben und die User teilen sich dort Informationen. Diese werden für KI ausgelesen und an anderer Stelle einfach ausgespuckt. Wir werden sehen. Cheers

Antworten
Niklas Lewanczik am 26.02.2024 um 09:16 Uhr

Hallo Jack,

danke für deine Ausführungen. Ich sehe es ähnlich, die Nutzer:innen sollten Artikel, Beschreibungen und dergleichen im Idealfall komplett lesen und sich nicht auf AI-Ableitungen stützen. Das kann, wie du erläuterst, viele Nachteile mit sich bringen, für User und für die Branche.

Ein Vorteil kann es für User aus meiner Sicht dennoch sein, sofern sie bestimmte Informationen nur kurz ermitteln möchten (Elemente aus Rezepten, eine Kernaussage aus einem Boulevardkontext etc.) und sich das Querlesen abnehmen lassen. Eine ähnliche Entwicklung betreibt Google mit einigen neuen Features in den SERPs ja ebenfalls. Wie gut das für ein umfassendes Verständnis ist, sei dahingestellt, als Vorteil kann hier die Zeitersparnis gelten.

Als Autor von Texten sehe ich das persönlich ebenfalls kritisch. Ich beobachte gespannt, wie sich die Informationsweitergabe durch diverse KI-Anwendungen und -Tools weiterentwickelt (ebenso wie die Suche).

Liebe Grüße

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