Social Media Marketing

TikTok testet jetzt Ads

Die zusehends populärere App TikTok gewinnt immer mehr Nutzer. Nun wird sie wohl auch zur Werbeplattform und könnte den Erfolg monetarisieren.

TikTok hat nun auch Ads in der App zu bieten, Screenshot YouTube, © TikTok

Instagram wird Facebooks Zugpferd, Snapchat ist schon etabliert und YouTube bleibt das Maß aller Dinge bei Video Content. Doch inmitten der Social Media-Landschaft hat sich das Videoportal TikTok zum aufstrebenden Player entwickelt. Daher beginnt man nun auch mit der Monetarisierung: eine Ad Unit wurde eingeführt.

Werbung bei TikTok: Neue Wege für Marketer

Die App TikTok setzt auf Kurzvideos wie einst Vine. Dabei können Nutzer etwa ihre Playback-Fähigkeiten zu ihren Lieblingssongs zeigen und diese mit Freunden teilen. Man möchte die User zu kreativem Content animieren. Und das kommt an. Bisher hat die App aus China – dort auch als Douyin bekannt – 150 Millionen aktive Nutzer täglich, im Monat gar 500 Millionen, Tendenz steigend. Im August 2018 hatte man die beliebte App Musical.ly quasi direkt beerbt.

TikTok bietet ganz andere Features als die anderen populären Social Media und scheint damit seine Nische gefunden zu haben. Die gute Annahme des Videoportals soll nun mithilfe von Werbung auch zu Geld gemacht werden. Wie Digiday UK unter Berufung auf den Twitter-Nutzer Chris Harihar berichtet, sind inzwischen Ads in der App aufgetaucht. Eine Ad Unit soll bereits integriert worden sein. Harihar hatte einen Screenshot von einer Werbeanzeige für den Download der App von Essenslieferant GrubHub bereitgestellt.

Seinen Angaben zufolge tauchte die Ad direkt vor User Content auf und blieb gut fünf Sekunden zu sehen. Mit einem Klick hätte der Nutzer die Anzeige jedoch direkt überspringen können. Auch der Chief Product Officer der Beratungsfirma Everett Advisors, Sean Everett, wurde auf die Werbung aufmerksam. Er kommentiert bei Digiday UK:

My first reaction was surprised that the product team was doing an app launch pre-roll ad. I’m guessing they have some tagging and attribution for tracking engagement metrics, but the creative was well done and seemed native to the platform.

Während TikTok sich zu der Werbeoption noch bedeckt hält, erklärte GrubHub, dass man derzeit eine Testkampagne ausspielt – und dafür auch TikTok als Plattform nutzt:

We’re always looking at new ways to engage with and attract new diners, and you likely saw an ad run as part of a test campaign we’ve recently executed.

Social Media-Experte Matt Navarra zeigt Insights zur Kreation der In-App Ads bei TikTok auf Twitter:

Engagement ist verlockend, doch die Ads müssen nativ sein

Everett weist schon darauf hin, dass die erkannte Ad nativ war und auch deshalb funktioniert. Wer auf TikTok werben möchte, kann also nicht einfach Visuals oder Creatives übernehmen, die bei Instagram, Facebook und Co. eingesetzt worden sind. Denn das Videoportal ist so populär, weil es ganz andere Voraussetzungen als diese Plattformen hat. An diese gilt es sich anzupassen. Harihar, selbst Nutzer und bei Crenshaw Communications tätigt, erklärt:

The content on TikTok is so insanely creative and user-driven. It’s not like Snapchat or Instagram. People go all out to create these videos. It’s more of a performance platform. So the bar is high to stand-out.

Marketer haben also neue Optionen, aber ebenso neue Herausforderungen vor sich, wenn es ums Social Media Marketing geht. Immerhin ist das Engagement bei TikTok oft hoch. Selbst bei Instagram hat die App schon 17,5 Millionen Follower. Die kreativen Inhalte sprechen dabei oftmals für sich.

Um im Kontext solchen Contents effektiv zu werben, müssen Kampagnen mit vergleichbaren Ansätzen kreiert werden. Wirken sie wie eine werbliche Erweiterung des Angebots der Inhalte, könnten sie die User zum Engagement mit der Marke motivieren. Das wäre für die Advertiser eine wertvolle Entwicklung, insbesondere aber für TikTok.

Der Aufstieg der App wird sich mit Sicherheit fortsetzen. Allerdings hängt der weitere Erfolg auch davon ab, wie gut die Werbelösungen integriert werden. Dass sich eine Finanzierung durch Ads etablieren wird, ist nur natürlich. Mit TikTok könnten Snapchat und sogar der Facebook-Kosmos künftig mehr Konkurrenz bekommen. Dabei ist das Portal eine Ausnahme unter den Social Media-Größen, weil es in chinesischer Hand, aber auch in der westlichen Welt extrem populär ist. WeChat, Sina Weibo und Co. haben zwar in in Asien kombiniert mehr als eine Milliarde Nutzer, sind in den USA oder Europa jedoch kaum relevant.

Durch die künftigen Einkünfte aus der Werbung wird TikTok womöglich noch schneller wachsen. Man darf gespannt sein, wie die Ads dort aussehen und ob sie es schaffen zur Originalität der App beizutragen; oder der Erfahrung der Nutzer einen Dämpfer verpassen.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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