Suchmaschinenmarketing

Search Trends: Warum Facebook wie Google sein möchte

Facebook baut zusehends auf seine verschiedenen Search-Funktionen. Damit steigt die Relevanz der Seite, vor allem aber öffnet das auch neue Wege für Werbeeinkünfte.

© Flickr / Esther Vargas, CC BY 2.0

Facebook richtet seine Aufmerksamkeit auf seine Search-Funktionen. Denn damit lässt sich die Userbindung an das soziale Netzwerk erhöhen und neue, benötigte Wege für Werbeeinnahmen werden eröffnet.

Facebook geht neue Wege

Für Facebook sind die Zeiten – bezogen auf Userzahlen und Werbeeinnahmen – nach wie vor rosig. Das belegt auch der Bericht zum dritten Quartal 2016. Die Werbeeinkünfte stiegen gegenüber dem Vorjahr um 59 Prozent an. Dabei wurden 84 Prozent dieser Einnahmen über Mobile Advertising generiert. Auch die Zahl der täglich aktiven User ist mit knapp 1,2 Milliarden im Herbst 2016 gegenüber dem Vorjahreszeitraum nochmal um 17 Prozent gestiegen.

Zahlen zu Facebooks Umsatz im dritten Quartal 2015 und 2016, © Facebook

Zahlen zu Facebooks Umsatz im dritten Quartal 2015 und 2016, © Facebook

Trotz der positiven Entwicklungen versucht Facebook weiterhin, seine Plattform zu optimieren. Es sollen noch mehr User herangezogen werden und diese sollen noch länger auf der Seite verweilen. Da passt eine gut ausgebaute Search-Funktion ins Bild. Denn: Noch immer ist das Suchen für den Internetnutzer eine der wichtigsten Aktionen im Netz. Das beweist Googles Dominanz wieder und wieder.

Aber auch Websites, die per se nicht als Suchmaschine fungieren, werden mehr und mehr in diesem Kontext verwendet. Amazon beispielsweise wird vermehrt als Suchmaschine für Produkte gebraucht, wie wir in unserem Artikel „Nicht im Sinne des Erfinders: Amazon wird zur Suchmaschine“ darlegen. Auch Facebook setzt nun zunehmend auf die Search-Funktion. Erstens bleiben User in diesem Moment der Website verhaftet und zweitens kann das Inventory in diesen Bereichen dann mit Ads besetzt werden.

Search und weitere Bereiche fürs Marketing stärken

Da sich ein großer Teil der Geschehnisse auf Facebook für User im News Feed abspielt, sind auch dort die meisten Ads platziert. Im Juli berichtete Recode allerdings, dass das Maximum an gezeigten Ads im News Feed so gut wie erreicht sei. Facebook wolle den User nicht mit zu viel Werbung konfrontieren, eine Balance müsse bestehen bleiben. Damit könnten sich die Wachstumsraten für Advertisingeinnahmen verringern.

Facebook besitzt mit Instagram, Whatsapp etc. auch ausgelagerte Produkte, die Inventory zu verkaufen haben. Dennoch sollen auch die internen Bereiche optimiert werden, um für den User eine umfassendere Experience auf Facebook zu gestalten und damit auch mehr Platz für Werbung zu schaffen. Während über Live-Videos bei Facebook auch vermehrt Werbeeinnahmen generiert werden sollen, ist für Facebook vor allem die Search-Funktion von Interesse. Die täglichen Suchaufträge bei Facebook sind allein in den letzten zwölf Monaten um 33 Prozent gestiegen, auf nunmehr zwei Milliarden Suchen.

Tägliche Suchaufträge bei Facebook, Quelle: socialmediatoday.com

Tägliche Suchaufträge bei Facebook, Quelle: socialmediatoday.com

Damit bestätigt sich, dass über die Search-Rubrik zunehmend User zu erreichen sind. Eine Möglichkeit hinter dem News Feed tut sich auf.

Ein bisschen wie Google, und doch anders

Ähnlich wie Google versucht Facebook über differente Search-Optionen User zu binden. Das schnelle und einfache Finden von Personen, Lokalitäten, Produkten etc. ist für den User bedeutend. Die erhöhten Suchanfragen bei Facebook lassen sich wohl auch auf die Optimierungen im Such-Bereich zurückführen. Denn es können mitnichten nur Personen oder Firmen gefunden werden. So testet Facebook ein Search Feature für Jobs, wie Nasdaq diesen Monat berichtete. Dabei sind Firmen in der Lage Jobanzeigen für Facebook zu kreieren und diese werden wiederum über die spezielle Suchfunktion von Usern gefunden. Bewerbungen können über einen Button eingereicht werden, während sie über den Facebook Messenger zu den Firmen gelangten. In diesem speziellen Fall könnte der User eine bis dato für Facebook untypische Aktivität komplett über das soziale Netzwerk abwickeln.

Die Bindung an die Seite und die Vielfalt der Such-Optionen erinnert an das Prinzip von Google. Da auch Facebooks Einfluss aufgrund der enormen Nutzerzahlen groß ist, ist eine verstärkte Konzentration auf den Search-Bereich nachvollziehbar.

Explore the world beyond your News Feed

ist das Motto bei Facebook Search. Es können nicht nur Posts, die einmal gesehen wurden wieder gefunden werden, sondern es werden auch Themensuchen mit aktuellen Userkommentaren versehen.

Suche nach beliebigem Post, dank Keywords, © Facebook

Suche nach beliebigem Post, dank Keywords, © Facebook

Die personalisierten Suchen mit direkten Kommentaren zum Suchbegriff sind für Facebook ein Alleinstellungsmerkmal. Die Suchergebnisse seien „personalized and unique to you“. Sie können so nur auf Facebook gefunden werden.

Personalisierte Themensuche bei Facebook, © Facebook

Personalisierte Themensuche bei Facebook, © Facebook

Weitere Optionen im Search-Bereich sind zum Beispiel ein Recommendation and Event-Tool, das Empfehlungen von befreundeten Usern angibt sowie anstehende Events vorschlägt und in einen zeitlichen Kontext einordnet.

Events and Recommendations-Tool, Quelle: socialmediatoday.com

Events and Recommendations-Tool, Quelle: socialmediatoday.com

Die Professional Services-Funktion bietet Usern wiederum die Möglichkeit, Dienstleister in der Nähe zu finden.

Dienstleitstungsuche über Facebook (für Hamburg), Quelle: facebook.com

Dienstleistungssuche über Facebook (für Hamburg), Quelle: facebook.com

Diese Vielfalt im Search-Bereich bedeutet für Facebook-User mehr Möglichkeiten, beim sozialen Netzwerk vielerlei Aktivitäten abzuwickeln.

Bedeutung des Search fürs Marketing

Die Relevanz der Search-Optionen für Facebook kann auch für das Marketing von Bedeutung sein. Sofern mehr User die Search-Rubriken nutzen, könnte Facebook – ähnlich wie Google – Suchergebnisse mit Ads versehen, mutmaßt Social Media Today. Ähnlich könnte mit Ergebnissen bei Suchen im Marketplace etc. verfahren werden. Damit eröffnen die unterschiedlichen Optionen bei Facebooks Search-Bereich neben der Flexibilität für User auch Wege zur Platzierung und Distribution von Werbung.

Somit könnte Facebook einen weiteren dominanten Schritt machen, der die Plattform thematisch und wettbewerbstechnisch näher an Google heranrückt. Auf neue Funktionen allgemein und gerade im Search-Bereich darf man gespannt sein. Facebooks Werbeeinnahmen sollten keinen Einbruch erleben. Im Gegenteil, gelingt es dem sozialen Netzwerk, funktionale und praktische Suchoptionen zu etablieren, sollten Adverstiser gerade auch diesen Bereich als Werbeplattform schätzen lernen.

 Quelle: Social Media Today

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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