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Linkentwertung: Googles Disavow Tool und das Penguin Update

Google redet nur selten über das Linkentwertungstool. Die SEO-Gemeinde seit dem Penguin-Update dafür umso mehr.

Bild: nzks / stock.xchng

Bereits im Vorfeld des jüngsten Penguin 2.0 – Update wurde Googles Disavow Tool wieder ins Rampenlicht gerückt. Das im Oktober 2012 eingeführte Tool ermöglicht es Webmastern, Links von bestimmten Websites für ungültig zu erklären und somit das eigene Linkprofil von unnatürlichen und schädlichen Links zu befreien. Über die Funktionen berichteten wir nach dem Launch. Die spärliche Menge an Informationen, die Google zu den Hintergründen des Tools veröffentlicht wird immer wieder kritisiert und bietet viel Raum für Spekulationen. Dieser Artikel beschäftigt sich mit den drei Fragen: „Wie gefährlich ist das Tool?“,  „Hilft es denn gegen Penguin?“ und „Wie gehe ich richtig vor?“

Wie gefährlich ist das Tool?

Von der Warnung in den Google Webmaster Tools dürften sich einige abschrecken lassen:

“Es handelt sich hierbei um eine erweiterte Funktion, die nur mit Vorsicht eingesetzt werden sollte. Bei unsachgemäßer Verwendung kann sie sich nachteilig auf das Abschneiden Ihrer Website in den Suchergebnissen von Google auswirken. Sie sollten Rückverweise nur für ungültig erklären, wenn Ihrer Ansicht nach eine erhebliche Anzahl von Spam-Links, künstlichen Links oder minderwertigen Links auf Ihre Website verweisen und Sie sich sicher sind, dass diese Ihnen Probleme verursachen.”

Cyrus Shepard berichtet auf SEOmoz von einem Experiment, um herauszufinden, wie viel Schaden man mit dem Tool anrichten kann. Dazu hat er alle Links seiner Website in das Disavow Tool eingespeist und keine zusätzliche Reconsideration Request gestellt. Das Ergebnis:

disavowshepardskKeine Änderungen im organischen Traffic über die letzten zwei Monate nach dem Disavow. Dafür bieten sich für Shepard drei mögliche Erklärungen an:

  1. Es muss eine Reconsideration Request gestellt werden
  2. Das Disavow Tool bietet integrierte Mechanismen, die Webmaster davor schützen, positive Links zu entwerten
  3. Google braucht mehr als 2 Monate für die Bearbeitung aller Links

Ob das Tool erst nach einer Reconsideration Request Auswirkungen zeigt, wird von manchen SEOs bestritten. Im Webmaster-Video zum Tool sprach Matt Cutts bereits von einer Bearbeitungszeiten von mehreren Wochen:

Trotz der möglichen Selbstschutzmaßnahmen sollte das Tool, wie von Google betont, nicht überstürzt oder ohne die nötige Kenntnis des Linkprofils einer Website eingesetzt werden. Bedroht sein können schweißtreibende Jahre des Linkaufbaus.

Hilft es denn gegen Penguin?

Stimmen aus Webmaster-Foren berichten von fruchtlosen Bemühungen, sich schon Wochen vor dem aktuellen Penguin-Update mit der Entwertung von Links schützen zu wollen. Lohnt es sich denn, das Tool gezielt gegen jüngste, algorithmusbedingte Abstrafungen und Verluste einzusetzen? Matt Cutts betonte im Oktober im Interview mit Search Engine Land, dass von Penguin betroffene Webmaster das Tool nutzen sollten.

Da Algorithmusupdates wie Penguin keine manuelle Abstrafung darstellen, helfen kurzfristig auch keine Reconsideration Requests. Bekräftigt wurde dies bereits nach dem ersten Penguin-Update in einer Antwortmail von Google:

Wir haben Ihre Seite überprüft. Es gab keine manuelle Abstrafung durch das Webspam-Team, die das Google-Ranking Ihrer Seite beeinflussen könnte. Eine Reconsideration Request ist nicht notwendig, da die von Ihnen geschilderten Probleme mit dem Ranking in keiner Verbindung stehen mit einer manuellen Abstrafung durch das Webspam-Team.

Bedeutet für betroffene Webmaster nach der Entwertungsanfrage: Abwarten und Tee trinken, bis zuerst Anfrage bearbeitet  und danach Googles Daten aktualisiert werden, was bis zur nächsten Version des Penguin-Updates dauern könnte.

Wie gehe ich richtig vor?

Diese Anleitung bezieht sich auf manuelle Abstrafungen, kann aber auch bei algorithmusbedingten Katastrophen hilfreich sein:

  1. Linkabbau vor der Entwertung: Webmaster können es sich einfach machen und statt dem zeitaufwendigen Linkabbau einfach das Tool benutzen, was von Google nicht gerne gesehen wird. Zuerst sollten Bemühungen unternommen werden, schlechte Links zu entfernen. Die Entwertung gilt als letzte Maßnahme, was anhand einer Historie des Linkprofils überprüft wird.
  2. Liste deine Links auf: Google bietet die Möglichkeit, eingehende Links mit den Webmaster Tools zu sammeln. Externe Tools bieten sich ebenfalls an.
  3. Identifiziere schädliche Links: Hier empfiehlt es sich, sowohl eine manuelle Überprüfung durchzuführen, als auch darauf ausgerichtete Tools einzusetzen.
  4. Sende Mails: Wende dich direkt und wiederholt an die betroffenen anderen Webmaster, um die unerwünschten Links loszuwerden. Ein Anruf kann Wunder bewirken.
  5. Dokumentiere deine Bemühungen: Um dem Webspam-Team zu zeigen, dass du wirklich etwas für dein Linkprofil und die Webmaster-Richtlinien tust, solltest du deine Bemühungen schriftlich festhalten und mit dem Reviewer teilen. Für letzteres bietet sich Google Drive an.
  6. Entwerte ganze Domains: Viele Reconsideration Requests werden abgelehnt, weil zu viele Links bei der Überprüfung, Entfernung oder Entwertung verpasst wurden. Dafür bietet das Disavow-Tool die Möglichkeit, eine ganze Domain zu entwerten. Die entsprechende Eingabe lautet etwa: „domain:shadyseo.com“.
  7. Achte auf die Formatierung: Das Dateiformat deiner Entwertungsanfrage muss .txt sein und codiert in UTF-8 oder 7-bit ASCII.

4 Gedanken zu „Linkentwertung: Googles Disavow Tool und das Penguin Update

  1. Markus

    Habe gerade von weg.de eine Email bekommen,dass ich einen Link entfernen soll. Andernfalls wird das Disalow Tool von Google verwendet um den Link zu entwerten. Ach ja das bei einem natürlichen Backlink den ich freiwillig gemacht habe. Finde ich eine Frechheit…..

    Antworten
  2. Tufan

    Hallo Bernhard,

    wie verhält es sich mit Links, für die ich keine Anfrage zu Beseitigung stellen kann, weil es entweder die Seite nicht gibt, oder der Betreiber kein Impressum hat?

    Kann ich diese trotzdem sofort an Google senden?

    Danke und Gruß
    Tufan

    Antworten
  3. Klaus

    Hi, wie soll Google denn merken, ob ich mich bemüht habe Links abzubauen und wieso sollte das Disavow Tool nur die letzte Maßnahme sein?

    Antworten
    1. Bernhard KochBernhard Koch Artikelautor

      Hallo Klaus,

      aus der Historie deines Linkprofils und der manuellen Überprüfung deiner Dokumentation während einer Reconsideration kann abgeleitet werden, ob schlechte Links entfernt wurden.

      In der Webmaster-Tools Sektion steht deutlich:

      „Am wichtigsten ist es, dass Sie so viele Spam-Links oder Links von geringer Qualität aus dem Web entfernen wie möglich.

      Wenn Sie in dieser Hinsicht bereits alles Mögliche unternommen haben und keine weiteren Link-Entfernungen mehr erwirken können, können Sie die verbleibenden Links für ungültig erklären.“

      Diese „Empfehlung“ sollte eingehalten werden, wie Matt Cutts sowohl im Ankündigungsvideo, als auch in oben verlinktem Interview vom Oktober 2012 betonte.

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