Big Data

Facebook wehrt sich gegen die von Mitgründer Chris Hughes geforderte Zerschlagung

Chris Hughes ist nicht der erste, der sich gegen Facebooks immense Marktmacht ausspricht und einen Einschnitt fordert – doch seine Stimme sorgt für Furore.

Chris Hughes im Interview mit der New York Times, © New York Times

Chris Hughes gründete Facebook mit Mark Zuckerberg und empfindet Verantwortung, obwohl er nicht mehr für das Unternehmen arbeitet. Jetzt erklärt er öffentlich, dass eine Zerschlagung desselben notwendig sei. Facebook hingegen möchte nicht als Opfer des eigenen Erfolgs stilisiert werden und lehnt die Gedankenspiele ab.

„It’s time to break it up“

Chris Hughes war vor 15 Jahren an der Gründung des längst größten und finanzstärksten sozialen Mediums überhaupt beteiligt. Bereits 2007 verließ er das Unternehmen und unterstützte Barack Obama im US-Präsidentschaftswahlkampf. So ist Hughes keineswegs die Person, die Facebook noch immer in- und auswendig kennt. Doch mit einem Rückblick auf die Anfänge gibt er nun an, dass das Unternehmen zu groß und zu mächtig geworden sei. In einem Bericht der New York Times wird deutlich, dass Hughes die Idee, dass Industrien von wenigen Megaunternehmen kontrolliert werden, ablehnt.

In Bezug auf Facebook prangert er an, dass das Unternehmen Wettbewerber kauft, ehe sie zu groß werden – WhatsApp und Instagram sind inzwischen extrem wichtig für das Unternehmen. Außerdem kopiere man zahlreiche Features wie die Stories von Snapchat. Doch vor allem fürchtet der Mitgründer des Unternehmens eine Gefahr für die Demokratie:

When companies become empires, people are stripped of power.

Und so glaubt Hughes nicht, dass Mark Zuckerberg diese Problematik allein lösen kann. Deshalb fordert er Interventionen vonseiten der Regierung. Eine Zerschlagung von Facebook sei ein guter Schritt, um den Wettbewerb neu zu beleben, etwa wenn die Federal Trade Commission (FTC) sich dafür einsetze, dass die Zukäufe von WhatsApp und Instagram quasi rückgängig gemacht werden. Zusätzlich fordert Hughes eine neue Regierungsabteilung, die die Überwachung der Tech-Unternehmen bewerkstelligt. Eine Regulierung der Unternehmen durch sich selbst sei nicht angemessen. Er wolle in einem Land leben, wo David es mit Goliath aufnehmen kann. Doch das funktioniert nur, wenn den Megaunternehmen Einhalt geboten wird.

Der immense Einfluss Facebooks

Mit 2,1 Milliarden täglich aktiven Nutzern ist das Soziale Netzwerk die unübertroffene Nummer eins der Social Media. Facebook hat in den vergangenen Jahren massive Kritik einstecken müssen, hat Datenskandale erlebt und ist immer wieder wegen eines Ungleichgewichts von Marktmacht und Verantwortungsbewusstsein medial angegangen worden. Außerdem hat die große Macht der Plattform einen Einfluss auf so manche Wahl oder politische Entwicklung gehabt, der im Nachhinein für Negativschlagzeilen sorgte.

Doch trotz immer wieder auftretender Probleme wächst das Unternehmen: mehr Nutzer, mehr Umsatz, mehr Macht. Seit Monaten schon fordert auch die US-Senatorin Elizabeth Warren eine Zerschlagung Facebooks, aber auch Amazons und Googles:

Today’s big tech companies have too much power – too much power over our economy, our society, and our democracy. They’ve bulldozed competition, used our private information for profit, and tilted the playing field against everyone else. And in the process, they have hurt small businesses and stifled innovation. That’s why my Administration will make big, structural changes to the tech sector to promote more competition—including breaking up Amazon, Facebook, and Google.

Die Marktdominanz Facebooks wird von Chris Hughes auch in seinem Bericht in der New York Times ausführlich untermauert; sie ist nicht von der Hand zu weisen. Hughes weist aber auch darauf hin, dass Mark Zuckerberg selbst sehr mächtig ist; er wird im Unternehmen nicht reguliert und kann nicht gefeuert werden. Man kann Zahlen über Zahlen anführen, aber allein die Tatsache, dass die meisten von uns Facebook nutzen, obwohl wir unsere Daten womöglich preisgeben und damit eine Supermacht der Tech-Branche weiter stärken – und den Wettbewerb eingrenzen –, spricht Bände.

Hughes führt an, dass eine Zerschlagung von großen Unternehmen keineswegs Neuland ist. Er übernimmt Verantwortung dafür, nicht früher eine Warnung verlautbart zu haben. Aber jetzt zeichnet er eine düstere Alternative, sollte es keine Bemühungen geben, das Social Network zu zerschlagen:

The alternative is bleak. If we do not take action, Facebook’s monopoly will become even more entrenched. With much of the world’s personal communications in hand, it can mine that data for patterns and trends, giving it an advantage over competitors for decades to come.

Facebook wehrt sich gegen die Idee

Das Unternehmen selbst bezog recht schnell Stellung zu den Aussagen seines ehemaligen Mitarbeiters und Mitgründers. Man begrüße mehr Verantwortung, die Abkopplung von WhatsApp und Instagram ginge aber zu weit. So wird Facebooks Nick Clegg, VP Global Affairs and Communication, bei The Verge zitiert:

Facebook accepts that with success comes accountability. But you don’t enforce accountability by calling for the breakup of a successful American company. Accountability of tech companies can only be achieved through the painstaking introduction of new rules for the internet. That is exactly what [CEO] Mark Zuckerberg has called for. Indeed, he is meeting government leaders this week to further that work.

Demnach möchte Facebook ebenso mehr Regularien, die von der Regierungseite kommen. Die Frage ist jedoch, welche Macht Zuckerberg und Facebook bereits haben, um auch auf derlei etwaige Regularien einen Einfluss zu nehmen. Immerhin hatte Zuckerberg dieses Jahr bereits erklärt, dass eine Regulierung des Internets unumgänglich sei. Regulatoren und Regierungen sollten demzufolge aktiver die Entwicklungen im Internet überwachen und einschränken, falls nötig. Auch Apples Tim Cook hatte zuletzt verlauten lassen, dass er keinen anderen Weg sehe als Technologie zu regulieren.

Die Stimmen, die für eine Zerschlagung der größten Tech Player sprechen, mehren sich. Dass die betroffenen Unternehmen eine solche ablehnen, ist nur zu gut nachvollziehbar. Doch wer sollte die Verantwortung übernehmen? Chris Hughes hofft auf eine Intervention der FTC und eine neue Regulierungseinheit der Regierung. Eine Form der Regulierung von außen sieht auch Zuckerberg als nötig an. Wann aber kommt der Punkt, an dem diese Möglichkeit unweigerlich eintreten muss? Sind wir als Nutzer schon in einer so großen Abhängigkeit, dass tatsächlich die Demokratie in Gefahr ist? Klar ist, dass Daten und die Algorithmen, die mit ihnen arbeiten, in der Lage sind, die Leben der Menschen auf digitaler Ebene nachzuzeichnen und zu beeinflussen. Diese Macht sollte in naher Zukunft nicht bei einigen wenigen Unternehmen liegen. Facebook beispielsweise kontrolliert den Messaging-Markt sowie soziale Plattformen bereits in unerhörtem Maße. Die auch politische Macht, die Facebook, Google, Amazon, Apple und Co. erlangen könnten, wenn sie ihre Monopolstellungen weiter ausbauen, ist dystopisch. Vielleicht ist die Zeit für eine Zerschlagung gekommen; denn vielleicht ist die Chance dazu irgendwann vertan.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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