Technologie

Tim Cook sieht keinen anderen Weg: Technologie muss reguliert werden

Apples CEO gibt zu, dass der Technologie-Sektor reguliert werden muss und nennt die DSGVO einen Schritt in die richtige Richtung.

Tim Cook im Interview mit TIME, © TIME

Die schöne neue Welt der technologisierten Gesellschaft zeigt täglich mehr Risse. Die schier ungeahnten Möglichkeiten, die mit der Digitalisierung einhergehen, bieten gleichermaßen Raum für groß angelegte Manipulation und Verunglimpfung, für Betrug und Hassnachrichten und besonders auch für Datenschutzprobleme. Nicht zuletzt deshalb folgt Apples CEO Tim Cook nun Mark Zuckerberg mit seiner Forderung nach einer Regulierung für die Technologie.

„I do not see another path at this point“

Die Aussage Tim Cooks beim TIME 100 Summit in New York war eindeutig:

We are advocating strongly for regulation — I do not see another path.

Der Chef des mächtigen Tech-Unternehmens Apple fordert eine Regulierung der Technologie. Denn so wie es derzeit im Tech-Sektor läuft, könne es nicht weitergehen. Im Interview mit der früheren Chefredakteurin des TIME Magazines, Nancy Gibbs, erklärt Cook:

We all have to be intellectually honest, and we have to admit that what we’re doing isn’t working. Technology needs to be regulated. There are now too many examples where the no rails have resulted in a great damage to society.

Cook folgt damit gewissermaßen Facebooks CEO und Gründer Mark Zuckerberg, der vor wenigen Wochen für eine Regulierung des Internets plädiert hatte. Zuckerberg, neben Cook eine der mächtigsten Stimmen im Silicon Valley und der Tech-Szene, hatte sich für eine Überprüfung durch Dritte wie die Regierung ausgesprochen:

I believe we need a more active role for governments and regulators.

Er hatte diesbezüglich vier zentrale Aspekte in den Mittelpunkt gestellt:

  • gefährliche Inhalte
  • Integrität bei Wahlen
  • Datenschutz
  • Datenübertragbarkeit

Cook hingegen betonte in seinem Interview, dass er die DSGVO als einen Ansatz zur Regulierung zwar als „nicht ideal“ erachte, dass die Verordnung aber ein „Schritt in die richtige Richtung“ sei.

Apples Haltung zur Technologie-Nutzung

Hinsichtlich der eigenen Rolle oder der von Apple im digitalen Gefüge gab Tim Cook ebenfalls einige Aussagen zum Besten. Dabei betonte er:

We focus on policies, not politics.

Zudem sagte er, dass Apple als eines der wenigen großen Tech-Unternehmen kein Political Action Committee (PAC) hat. Er lehne es ab, denn es sollte nicht existieren. Dieser Ansatz ist in der Tech-Szene selten und darf ebenso honoriert werden wie das Ideal, dass es nicht im Sinne des Unternehmens ist, die Nutzerzeit immer weiter zu erhöhen.

We’ve never been about that. We’re not motivated to do that from a business point of view, and we’re certainly not motivated from a values point of view. If you’re looking at a phone more than someone’s eyes, you’re doing the wrong thing,

so Cook weiter. Hiervon glaubt der CEO, dass es das Richtige ist. Und seiner Meinung nach sollten die Führungskräfte großer Unternehmen das tun, was sie für richtig erachten, nicht, was am wenigsten kontrovers ist. Insofern dürften Mark Zuckerbergs Forderungen ganz mit Tim Cooks Anforderungen d’accord gehen.

Natürlich würde eine geringere Nutzung etwa der Technologie Apples dem Unternehmen auf lange Sicht schaden. Und das kann nicht das Ziel sein. Allerdings zeigt sich zusehends, dass der Einfluss von digitalen Medien, insbesondere Social Media, und moderner Technologien bei Smart Speakern und Smartphones auf die Gesellschaft enorm ist – und zuweilen schädlich. Daher ist der Gedanke einer Regulierung der Technologie und des Internets zunächst kontrovers, langfristig aber unbedingt nötig. Immerhin haben wir auch andere Lebensbereiche mit gesellschaftsfähigen Regeln versehen. Hier müssen Politik und Unternehmen „politics“ und „policies“ zusammendenken, um zu haltbaren Ergebnissen zu gelangen. Dass Größen wie Tim Cook und Mark Zuckerberg Ansätze liefern und den Diskurs befeuern, kann dabei nur helfen. Eine derartige Regulierung wird jedoch höchst komplex sein und langwierig. So braucht es kluge Köpfe und eine Branche, die sich dieser, ihrer vielleicht größten Aufgabe stellt. Die Aufgabe ist dabei für uns alle von Bedeutung.


Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas hat an der Uni Hamburg Deutsche Sprache und Literatur sowie Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert und schreibt als Redakteur über Social Media, SEO und innovative Themen im Kontext des digitalen Marketing. Wenn er sich nicht gerade dem Marketing zuwendet, dann womöglich den Entwicklungen im modernen Fußball oder dem einen oder anderen guten Buch.

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