Social Media Marketing

Facebook statt Fernsehen: Streamen und Werben in Social Media

Facebook möchte hochqualitativen Video Content, der zum Zurücklehnen einlädt. Advertiser sollen über verschiedene Videoformate werben können.

Facebook statt Fernsehen, Screenshot YouTube, © Facebook

Facebook möchte YouTube Konkurrenz machen und TV-ähnliche Videoinhalte auf seiner Plattform etablieren. Mit diesem Content sollen User dazu angehalten werden, Videos auf Facebook länger zu betrachten. Während die User inhaltlich überzeugt werden sollen, sollen Advertiser mit dieser Form des Streamings zu Facebook gelockt werden.

Zurücklehnen statt mal kurz reinklicken

Bei Facebook konsumieren die User etliche Videos, zum großen Teil auch Werbevideos. Allerdings werden diese Inhalte meistens überflogen oder man klickt mal kurz rein in so ein Video. Dieses Verhalten gegenüber Video Content wird mit on the go umschrieben. Facebook möchte jedoch, um User wie Advertiser zugleich anzulocken, zwei weitere Umschreibungen für die Video Rezeption stark machen. Und zwar lean forward und, vor allem, lean back. Dabei bezeichnet ersteres Verhalten den Moment, in dem ein User den Inhalt eines Videos so ansprechend (oder vielleicht auch verstörend) findet, dass er sich interessiert vorlehnt, um das Video näher und länger zu betrachten.

Advertiser haben folglich versucht, im Umfeld solcher Videos ihre Werbung zu platzieren. Doch nun möchte Facebook vielmehr Inhalte etablieren, die den User dazu einladen, sich zurückzulehnen und Videos – quasi wie TV-Inhalte – anzuschauen. Facebook arbeitet zu diesem Zweck mit Publishern und Medienpartnern zusammen, erklärt Ad Age. So bringt die Social Media Plattform inzwischen auch originären Content wie die Reality Wettbewerbsserie Last State Standing. Das berichtet der Hollywood Reporter. Dem Bericht zufolge sollen künftig in Facebooks Video Sektion kurze Serien etwa von Buzzfeed oder Vox Media erscheinen oder auch Serien von TV-Qualität.

Damit hofft der Social Media Riese darauf, dass User länger auf Facebook verweilen, da sie sich diese Serien ansehen. Somit mutiert Facebook quasi auch zu einem Streamingdienst. Und folgt damit unter anderem dem Beispiel von Snapchat, die durch Deals mit BT Sport oder auch Time Warner auf mehr User und längere Nutzungszeiten hoffen. Auch Twitter kooperiert inzwischen mit Bloomberg und zeigt Shows von Buzzfeed, wie Ad Age weiß.

Advertiser wollen das junge Publikum erreichen

Für Advertiser bieten sich bei den Social Media Plattformen und deren Eintritt in den Streaming Bereich Möglichkeiten, das Publikum zu erreichen, das sie über TV-Sendungen nicht mehr anzusprechen vermögen. Dazu gehören vor allem auch Personen der Generationen Y und Z. Neben Google, Facebook und Co. sind natürlich auch Streaming Anbieter wie Netflix unheimlich beliebt. Gerade in Social Media und bei diesen Anbietern verbringen User enorm viel Zeit, wobei sie den Inhalten bei Netflix, Hulu, Amazon Prime etc. auch ihre Aufmerksamkeit schenken.

Diese Aspekte möchten die sozialen Netzwerke verbinden. Das Social Media Entertainment ist für Advertiser der perfekte Ort, um das Zielpublikum abzuholen. Werben im Umfeld von hochqualitativem Streaming auf Facebook könnte sich als äußerst profitabel erweisen.

Schafft Facebook es, wirklich publikumswirksame Serien für seine User bereitzustellen, werden diese künftig sicher mehr Zeit dort verbringen, in der sie sich auch zurücklehnen. Dabei möchte sich die Plattform mit der Qualität der Serien und Videos auch von Ängsten der Advertiser distanzieren, ihre Werbung könnte im Umfeld unseriöser Videos auftauchen. Mit ähnlichen Vorwürfen hatte YouTube in diesem Jahr zu kämpfen. Das Videoportal erfreut sich jedoch größter Beliebtheit und bietet eine große Bandbreite an Video Content.

Die Marschrichtung wird klar, wenn man den Ausspruch eines Agenturchefs zur Thematik verinnerlicht:

Social is not snackable any more

heißt es bei Ad Age. Daraus lernen wir, dass das Social Media Entertainment ein weiterer lukrativer Weg für Social Media Größen wie Facebook ist, die Advertiser für sich zu gewinnen. Das Potential ist noch nicht ausgereizt. Doch wenn die User beginnen, sich bei Facebook Videos zurückzulehnen, wird es zumindest einige Marketer nicht auf ihren Stühlen halten. Und ein guter Teil der Werbebudgets für das TV-Marketing dürfte künftig in diesen Bereich fließen.

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