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Contentsperre und Bezahloptionen: Eine mögliche Antwort auf Adblocker

Wie können Publisher auf Adblocker reagieren? Eine mögliche Antwort könnte darin liegen, bei den Lesern ein Bewusstsein für den Wert von Inhalten zu schaffen.

© Flickr / Holly Victoria Norval, CC BY 2.0

Der richtige Umgang mit Adblockern wird derzeit kontrovers diskutiert. Keine Konferenz der Verlags- und Digital-Branche kommt ohne das Thema aus. Verlage ziehen gegen Anbieter von Adblockern vor Gericht. Kürzlich schaltete sich nun die Bund-Länder-Kommission zur Medienkonvergenz ein und diskutiert in einem aktuellen Bericht, ob Medien im Umgang mit Adblockern gesetzlich zur Seite gesprungen werden soll. So geht es in einem aktuellen Bericht um die Frage nach einer „zeitnahe(n) Prüfung durch Bund und Länder…, ob im Hinblick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen und damit verbundenen medienpolitischen Risiken gegebenenfalls eine gesetzliche Flankierung geboten ist“. Egal wie in der „Causa Adblocker“ entschieden wird, eines ist sicher: Für Verlage und Inhalteanbieter besteht mehr denn je akuter Handlungsbedarf, denn das Thema Adblocker – bzw. die Unzufriedenheit der Nutzer mit von Werbung überfrachteten Inhaltsangeboten und die darauf basierenden Geschäftsmodelle von Adblock-Unternehmen – werden den Markt noch lange begleiten. Vor dem Hintergrund, dass viele digitale Verlagsangebote nicht profitabel arbeiten und die datenbasierten Geschäftsmodelle der Gatekeeper Google, Facebook & Co. es den Verlagen immer schwerer machen, eigenständig und vor allem wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten, stellen neue, smarte Paid Content-Strategien eine Alternative dar.

Adblocker kosteten die Werbebranche 2015 21,8 Milliarden Dollar

Einige dazu passende, leider unerfreuliche Fakten: Klickraten auf Banner und damit die Werbeerlöse kennen seit Jahren nur eine Richtung: nach unten. Gemäß einer Solve Media Auswertung ist die Wahrscheinlichkeit den Mount Everest erfolgreich zu besteigen, 279-mal höher als die Wahrscheinlichkeit auf einen Banner zu klicken. Adblocker verstärken diesen Trend zusätzlich. Nach einer Erhebung von Adobe & Pagefair haben Adblocker im Jahr 2015 einen Schaden in Höhe von 21,8 Milliarden US Dollar entgangener Werbeumsätze verursacht. Für 2016 wird eine Verdopplung dieser Zahl erwartet. Nach neuesten Zahlen des „Reuters Institute for the Study of Journalism“ benutzen 25 Prozent der deutschen Internetnutzer über 18 Jahren einen Adblocker. Ähnlich sieht es bei unseren europäischen Nachbarn aus, wobei Adblocker in Polen mit 38 Prozent die größte Verbreitung haben.

Bleiben wir in Deutschland. Bei einem Verlag, der in seiner Digital-Strategie einzig auf Anzeigenerlöse setzt, fällt demnach durchschnittlich ein Viertel der Nutzer komplett aus der Monetarisierung. Was also tun? Vor dieser Frage stand auch Gruner + Jahr und entschied sich im November 2015 für diese Lösung: Surft ein Nutzer mit aktiviertem Adblocker auf die Website www.geo.de oder  www.schoener-wohnen.de öffnet sich ein nicht schließbares Dialogfenster.

GruneruJahr LaterPay

Contentblocker bei eingeschaltetem Adblocker.

Der Nutzer kann nun wählen, ob er seinen Adblocker deaktiviert oder einen kostenpflichtigen Zeitpass erwirbt, um die Website mit aktiviertem Adblocker zu besuchen. Gruner + Jahr hat eine hohe Akzeptanz bei den Nutzern festgestellt, ihren Adblocker zu deaktivieren oder sich alternativ für einen kostenpflichtigen Zeitpass zu entscheiden. Auf einem reichweitenstarken Sportportal konnte mit der gleichen Lösung die  Adblocker-Quote innerhalb von wenigen Monaten um über 80 Prozent gesenkt werden – zugleich wurden die Nutzer auf eine überraschende und faire Weise damit konfrontiert, dass der genutzte Inhalt einen Wert hat. Dieser niedrigschwellige Dialog mit den eigenen Nutzern über den inhaltlichen Wert der journalistischen Produkte und die für die Erzeugung dieses Wertes aufgebrachte Arbeit der Journalisten ist ein guter Ausgangspunkt, um weitere Paid Angebote zu testen.

Monetarisierung des Angebotes – User sind bereit für Inhalte zu zahlen

Denn: Leser sind bereit, für Qualitätsinhalte im Web Geld zu bezahlen, wenn sie dies unkompliziert tun können. Das zeigt auch eine aktuelle Bitkom Studie. Demnach haben „36 Prozent der Internetnutzer (…) in den vergangenen 12 Monaten für Nachrichten oder andere journalistische Inhalte im Internet Geld ausgegeben.“ Bei den Nutzern, die Online-Nachrichten lesen, lag der Anteil sogar bei 48 Prozent. Dies bestätigen die Erfahrungen unserer Kunden. So konnte einem Kunden, der eine Website mit Analysen zur Wirtschaft betreibt und etwa 40.000 Unique Users im Monat verzeichnet, innerhalb von einem Jahr 20.657 Euro für den Verkauf einzelner Artikel oder für Zeitpässe ausgeschüttet werden. Mit einem Blick auf die Nutzerzahlen bekannter Medienmarken zeigt dieses Beispiel das enorme Potenzial von „user-zentrischem“ Paid Content – eine Nachrichten-Website hat binnen des gleichen Zeitraums mehrere hunderttausend Mal Artikel für geringe Centbeträge verkauft. Oder, um es mit den Worten des Bitkom-Vizepräsident Achim Berg zu sagen: „Ein gutes journalistisches Angebot lassen sich die Nutzer auch im Internet etwas kosten. Medienunternehmen brauchen zusätzliche Erlösquellen, um die digitale Transformation vorantreiben zu können.“ Das sehen wir genauso.

Über Cosmin Ene

https://www.laterpay.net

Cosmin Ene ist ein Entrepreneur und Gründer mit ausgezeichnetem unternehmerischen Verständnis, das er sich in über 18 Jahren angeeignet hat: In diesem Zeitraum führte er Start-ups durch alle Phasen der Entwicklung von der ersten Idee bis zur Vermarktung und Vertrieb, einschließlich Business Development und Finanzierung. Im Jahr 2010 gründete Ene den Micropayment Enabler LaterPay. Zwischen 2005 und 2009 baute Ene als Mitgründer und Geschäftsführer den Musik-Sender DELUXE Television auf. Vor dieser Zeit war er Analyst bei TecVenture Partners, einem Venture-Capital-Investor aus München für die Bereiche IT, Internet und Telekommunikation.

6 Gedanken zu „Contentsperre und Bezahloptionen: Eine mögliche Antwort auf Adblocker

  1. Michael

    Es sind ja nicht nur die Pop-ups. Spiegel und Kicker haben einen Banner der den ganzen Hintergrund belegt. Einmal neben den Inhalt geklickt und plötzlich ist man auf der Werbeseite.
    Bei der mobil Ansicht soll es sogar sein, dass man zum scrollen natürlich auch mal neben den Inhalt klickt und dies dann eben auch als Klick gewertet wird. Wieder weg vom Artikel.
    Hier schütz der AdBlocker nicht nur den Nutzer sondern auch den der die Werbung gekauft hat, da er weniger unqualitativen Traffic bekommt, den er zahlen muss.

    Das heißt der Verlust der Werbewirtschaft ist teilweise der Gewinn der Werbeschaltenden!

    Ähnlich nervig sind die neuen Pop-ups wie auch hier die mich während ich schreibe zur Newsletteranmeldung befragen.
    Es muss doch möglich sein dies erst zu aktivieren, wenn ich meinen Kommentar abgeschickt habe. Dann bin ich auch nicht mehr auf das Schreiben fokusiert und es stört dann nicht.
    Das ist als wenn die Zeitungsverkäufer durch das Büro laufen würde und die Angestellten am Schreibtisch, die konzentriert tippen, anspricht um ihn eine Zeitung zu verkaufen. Klappt sicher super!

    Kurz gesagt ist, dass die Leute die was Verkaufen wollen, Newsletter oder Werbefläche, einfach nicht an die Nutzer denken und wie die Werbung für sie ist. Als ob die Ihre Seite selbst nur mit Blocker benutzen oder Sie blind dafür sind.

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  2. Kapaun

    Für mich ist das primär ein Sicherheitsproblem. Wenn kompromittierte Werbung immer wieder Trojaner und Viren streut (vor einigen Monaten erst in den USA den berüchtigten Locky-Virus), dann ist das ein Problem, das die Werbewirtschaft zunächst beseitigen muss, bevor ich mich darauf einlasse, den Adblocker abzuschalten.

    Sekundär liegt das Problem auch bei immer aggressiver werdender Werbung, die beispielsweise den Screen verdeckt und manchmal nicht mal mehr abgeschaltet werden kann (bzw. nur dann verschwindet, wenn man mit ihr interagiert wie kürzlich bei einer Zahnpasta). Auch da muss sich die Werbewirtschaft zunächst mal an die eigene Nase fassen. Ich bin bereit, Werbung zu tolerieren (= zu ignorieren), wenn sie sich denn tolerieren/ignorieren lässt …

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  3. freucom

    Ein Beitrag, den ich sehr zwiespältig finde. Da ist die subjektive Aussage „… haben Adblocker im Jahr 2015 einen Schaden in Höhe von 21,8 Milliarden US Dollar entgangener Werbeumsätze verursacht…“. Die Anwender dafür verantwortlich zu machen, dass aufdringliche und nervige Werbung nicht angenommen wird, ist schon eine putzige Sichtweise. Da hat Herr Ene wohl die Zielgruppe nicht verstanden, was verwundert, denn laut seiner Vita ist „der Autor ein Entrepreneur und Gründer mit ausgezeichnetem unternehmerischen Verständnis…“ Autsch!

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  4. Bernhard Schulze

    Genau darum geht es. Seite öffnen – zack, irgend ein zusätzliches Fenster mit Werbung. Werbung schliessen, weiter scrollen – zack, poppt irgend ein anderer Blödsinn auf. Schliessen, weiterlesen/-scrollen … nanu, was ist das denn für ein themenfremder Text mitten im Artikel. …. Das ist mir zu blöd – Seite schliessen, gesuchte Information woanders her holen.
    Was soll ich denn mit einer Seite, wo es oben, unten, links und rechts zippelt und zappelt und ich Mühe habe, den gesuchten Content zu finden?
    Dass dieser Anbieter kein Geld mit der Werbung macht, ist doch nur logisch. Wer will sich denn durch einen Wust von Popupseiten klicken, um einen einseitigen Artikel zu lesen? Gedruckte Magazine leben auch von der abgebildeten Werbung. Aber wenns nicht interessiert, wird die überblättert und ignoriert, Werbebeilagen einfach zur Seite gelegt. Ein analoger Adblocker, sozusagen ;-)
    Und das mit den Klicks auf Banner ist so schon richtig. Banner werden mit Klickraten bezahlt. Je mehr Klicks, desto mehr kostet es. Und halt andersrum. Ein ausgeblendetes Banner wird halt zu 0% geklickt – gibt auch 0% Knete dann für den Werbenden.
    Aber der momentane Irrsinn mit den zig automatischen Seiten, die teilweise nicht mal eine Schließmöglichkeit bieten, sondern bei Klick auf die Site mit dem Angebot weiterleiten, verlangt nach einem Adblocker. Und wer seinen Inhalt nicht mit vernünftig eingebundener Werbung präsentieren kann, ist selbst Schuld. Jm2C.

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  5. Mr.AL

    Mal Meine Meinung zu dem ganzen Adblocker-Ban-Quatsch:
    ICH bin bereit, Werbung anzusehen und wenn das Angebot gut ist auch darauf zu klicken. ICh bin NICHT bereit, mit mit overlays, popups und solchem Mist mir mein Surferlebnis und meinen Rechner zu versauen und dafür auch noch meine Daten herzugeben.
    Böser, böser Kunde!
    Vielleicht wärs auch mal an der Zeit drüber nachzudenken, ob die Werber mit Ihren Mitteln über das Ziel hinausschießen?
    Übrigens: Danke Bild und Konsorten – wegen dem Adblocker-Ban bleibe ich Euren Seiten jetzt ganz fern! Jetzt bekommt ihr von mir gar keine Reichweite mehr und alle sind zufrieden: ICH muss mich nicht mehr mit Bans herumschlagen und ihr habt keinen bösen, ablocker-nutzenden Kunden mehr! Nehme mal an, dass das das Ziel war … LOL

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  6. Tom

    In welcher Parallelwelt lebt der Autor? Schaden durch nicht angeklickte Banner wegen Adblock?
    Selten so gelacht. Also sind alle, die „keine Werbung“ auf dem Briefkasten stehen haben also potentielle Minuskunden, die Schaden verursachen?
    Welchen Schaden verursacht denn Werbung im Netz? Sicherheit meines Systems wird beeinträchtigt. Akkulaufzeit wird beeinträchtigt. Meine Zeit wird beansprucht. Meine Daten werden ausgespäht und nicht selten missbraucht. Und es nervt einfach.
    Wer ein totes Geschäftsmodell betreibt ist daran selbst schuld. Lösungen gibt es genug, aber anscheinend sind fast alle zu dumm dafür. Werbung weniger aufdringlich machen und selbst hosten, ggf. einfach statisch einbauen. Und Kunden als Könige behandeln, nicht als Klickvieh.
    Ich bin ja Seiten dankbar, die mich aussperren. Denn das zeigt, dass dort noch im Gestern gedacht wird, was wohl auch auf die Qualität des Inhalts abfärbt. Ein Popup nervt zudem, dann soll ich noch was umstellen, was nur Nachteile für mich hat? lel

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