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Content Commerce Camp: Content ROIs von bis zu 750 Prozent, Textroboter und spannende Diskussionen

Events, die sich nur um Content drehen, gibt es wenige. Das Content Commerce Camp in Leipzig hat eine Lücke geschlossen – und erhielt positives Fazit.

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Content wird so lebhaft diskutiert, braucht es da noch eine Veranstaltung, die sich ausschließlich mit diesem Thema beschäftigt? Oh ja! Es ist sogar mehr als gerechtfertigt, der Integration von Content ins digitale Geschäft im Rahmen einer Veranstaltung die volle Aufmerksamkeit zu widmen. Und wie sich beim ersten Content Commerce Camp in Leipzig zeigte, ergeben sich im Content Marketing spannende Gesprächsthemen, wenn aus dem üblichen Schema des Frontalunterrichts ausgebrochen und Barcamp-Sessions ohne strikte Vorgaben durchgeführt werden. Mit dem Konzept eines Barcamps waren allerdings wenige Teilnehmer vertraut, wie Veranstalter Udo Butschinek vom Düsseldorfer Softwaredienstleister ZIMMER 19 feststellte: „Gefühlte 90 Prozent aller Teilnehmer war vorher noch nie auf einem Barcamp. Das gab mir anfänglich doch zu denken. Werden die Sessions voll?“

Trotz Bahnstreiks und einer Nischenthematik (eine Search oder Display Conference würde vermutlich ein Vielfaches an Teilnehmern locken) wurde es voll. Eine Vielzahl von Experten, sowohl E-Commerce Anbieter als auch Dienstleister, hielten Sessions ab. Unter den Teilnehmern befanden sich Saim Alkan von der Stuttgarter Agentur aexea, Danny Nauth von der Web Arts AG (der aufzeigte, dass durch hochwertigen Content Conversion-Uplifts von bis zu 750 Prozent ROI möglich sind!), Philipp Winkelhofer von Sheego / Schwab, Markus Kämmerer von storEmotion und Jörg Schäffer, Senior Director Product Management bei CoreMedia aus Hamburg. Es konnte zudem eine in amerikanischen Content-Kreisen hoch angesehene Expertin gewonnen werden: Content Strategin Karen McGrane, die unter anderem regelmäßig für die Harvard Business Review schreibt. Sie wurde virtuell zugeschaltet und sprach zum Thema “Adapting ourselves to adaptive Content”. Sogar Content zum Anfassen gab es von St. Eilen, die Brillen personalisiert in Deutschland herstellen.

Für Barcamp-Organisator Udo Butschinek war es wichtig, nicht den Hype um Content Marketing zu fördern, sondern eine lebhafte Diskussion rund um Content auszulösen, denn: „Content Marketing ist sicherlich bei Dienstleistern ‚en vogue‘, der durchschnittliche Mittelständler wird davon allerdings bestenfalls mal was gehört haben. Es wird noch eine Zeit dauern, bis Content Strategy und Content Marketing ihren Weg in den Marketing-Mix der mittelständischen Unternehmen finden, denn [Content Marketing] setzt ein anderes Mindset und außerdem auch eine Menge Mut voraus“. Um Euch einen Eindruck vom ersten Content Commerce Camp 2014 zu vermitteln, haben wir mit einigen der Session-Veranstalter und Teilnehmer gesprochen.

aexea betrachtet Textroboter als Helfer in Redaktionen

Dienstleister, die nicht nur redaktionelle Dienstleistungen anbieten, sondern die Content Produktion mithilfe von Software automatisieren, haben es schwer. Können Systeme die Feinheiten der Sprache abbilden? Gefährden „Text-Roboter“ gar Arbeitsplätze in Redaktionen? Diese Fragen und Zweifel zu zerstreuen ist eine der Hauptherausforderungen im Bereich Content Generation. Saim Alkan, Geschäftsführer von aexea und einer der Sponsoren des Content Commerce Camp gab in seiner Session Einblicke in den so genannten „Roboterjournalismus“. „Ein gesundes Level an Skepsis gegenüber den Ergebnissen, die wir aktuell am Markt ausliefern und was diese konkret für Konsequenzen nach sich ziehen können“, könne Alkan verstehen. Daher sei Aufklärung nötig.

aexea betreut als Agentur mit ihrer Software-as-a-Service-Lösung „AX Semantics (by aexea)“ Kunden im Bereich der Textgenerierung. Unter dem Motto „LET US DO THE WRITING FOR YOU. BETTER. FASTER. AUTOMATIC“ hilft die SaaS-Lösung „angefangen bei der Lesbarkeit der Texte, die sich kaum noch von einem händisch geschriebenen Texten unterscheidet, bis hin zur 100 Prozent genauen Ausgabe der Texte nach Zielvorgaben wie Keyworddichte, Zeichenanzahl, Struktur“, erläuterte Alkan im Gespräch mit uns. Das Ergebnis überraschte die Teilnehmer. Oliver Kraft von der sociologics aus Siegen, fand „hochinteressant wie menschlich ein automatisierter Text klingen kann, selbst Rechtschreibfehler lassen sich genau granuliert einbringen“. Für ihn sind die Einsatzszenarien spannend „und Produkttexte sicher nur ein kleiner Teil, vom Newsletter über persönliche Ansprache des Kunden bis hin zu automatischen Rezensionen“.

Auf die Frage, ob Technologien Redaktionen gefährden, hat Agenturchef Saim Alkan eine Antwort: „Unsere Erfahrungswerte sind, dass Roboterjournalismus die tägliche Arbeit von Redaktionen effizienter macht. Es geht schlussendlich nicht darum, bestehende Konzepte zu ersetzen, sondern das Angebot am Markt sinnvoll zu erweitern und der redaktionellen Arbeit mehr Relevanz zu verleihen“.

Abschließend fragte ich Saim Alkan, wie aexea zur derzeit beschworenen Content Revolution steht. „Es geht darum, dem Content Marketing mehr Möglichkeiten zu bieten und diese in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen umzusetzen“, stellte der Agenturchef seine Sicht auf die Wirkung der Content Revolution dar. Und fügt hinzu: „Für uns ist jedoch der Konsument ein viel entscheidenderes Element, das nach einer Revolution schreit. Der Mensch ist ein von Grund auf emotionaler und informationsbedürftiger Empfänger, der Texte als Interpretations- & Entscheidungshilfen nutzt. Je individualisierter und somit auf die Bedürfnisse des Lesers angepasster ein Text formuliert ist, desto eher wird ihn der Leser als wertvoll erachten“.

CoreMedia stellt eine digitale „Sterneküche für das Web“ vor

Ein alleiniges Erfolgsrezept für guten Content gibt es sicherlich nicht. Vielmehr können sich die unzähligen Content-Köche im Markt helfen, Inhalte-Einheitsbrei zu verhindern. Auf diese Lerneffekte baut CoreMedia bei der Konzeption von „The Perfect Chef – Sterneküche für das Web„. Dies ist eine Art „digitaler Showküche“ für digitale Inhalte. In seiner Session ging Jörg Schäffer die Entstehungsgeschichte von „Perfect Chef“ von der initialen Idee bis zur fertigen Umsetzung sowie CoreMedias Erfahrungen bei der Umsetzung eines erlebnisorientierten Shops ein: „‚Perfect Chef‘ vereint Lifestyle-Magazin und Demo-Shop rund um gutes Essen und schöne Dinge“. Ziel sei die „Verbindung von relevanten, visuell anspruchsvollen und emotionalen Inhalten und Shopping in Echtzeit“, erklärte der Leiter des Produktmanagements bei CoreMedia.

CoreMedia sieht noch einige Lernkurven im Geschäft mit Online-Inhalten: „Ich persönlich wünsche mir mehr kontextuellen, relevanten und unterhaltsamen Content, der ein Einkaufserlebnis mit echtem Mehrwert für mich als Kunden schafft – und mich mit einer Marke emotional verbindet. Einige Onlines-Shops haben diesen Trend bereits umgesetzt, aber es gibt noch viel zu tun“. CoreMedia habe die Content-Revolution nich nur als „Trend gespürt“, sondern bereits Antworten darauf. Das Unternehmen setzt auf Produkte wie LiveContent 2.0 „zur intuitiven Erstellung von erlebnisorientierten Online-Shops, die Content und Commerce verbinden“, um Marketing-Spezialisten zu unterstützen.

Auch Jörg Schäffer zieht eine positive Bilanz der Premiere des Content Commerce Camps:

Klein, aber fein – im Gegensatz zu anderen Barcamps mit mehreren hunderten Teilnehmern war die Zielgruppe in Leipzig sehr fokussiert, sowohl von Anwender- als auch von Anbieterseite. Dennoch fanden an beiden Tagen sehr anregende Diskussionen mit den fachlich hoch qualifizierten Teilnehmern statt. Schöne Location, gute Organisation, nettes Abendprogramm, viel Neues gelernt. So wie man sich das von einem Barcamp wünscht.

storEmotion: Emotionen und Content sind untrennbar verbunden

Markus Kämmerer von storEmotion beleuchtete in seiner Session die „sieben Gebote des Emotional Commerce“. Er beobachtet: „Das Thema Emotionen und Content sind einfach untrennbar miteinander verbunden, allerdings fällt es den meisten Teilnehmern noch schwer, das in eine passende Strategie zu packen“. Was zeichnet Emotional Commerce aus? „Schon eine Überschrift oder ein Produktname kann entsprechend emotional sein. Der Fahrradpflegehersteller r.s.p. hat einen Kettenreiniger Jacky Chain, einen Fahrradreiniger Muddy Buddy und Glamour Hammer und noch Produkte wie Slick Kick und Bearing Buster – da erzählen schon die Namen eine Geschichte“.

Für Kämmerer ist „Content vor allem einmal Mittel zum Zweck“. Seiner Meinung nach werde es nicht zum Erfolg führen, „überall ein wenig Content einzustreuen“:“ Wenn ich Content erstellen kann, der emotional auf meine Zielgruppe beziehungsweise Wunschkunden passt und dieser den Menschen einen wirklichen Nutzen schafft, habe ich die Revolution: aus meinen Kunden werden Fans“.

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