Programmatic Advertising

“Deutsche AGOF-Publisher werden ihre Zurückhaltung aufgeben” – Christoph Schäfer, Geschäftsführer Performance Media

Christoph Schäfer, Geschäftsführer Performance Media, spricht im Interview über Trends und Entwicklungen im RTA.

Als Medienpartner der d3con im März 2015 in Hamburg stellen wir euch in den kommenden Wochen die Speaker der größten RTA-Veranstaltung Deutschlands vor. Auf dem Weg entlocken wir ihnen vorab schon viele interessante Aussagen über aktuelle Trends und Entwicklungen rund um das Thema Real-Time-Advertising.

Christoph Schäfer ist studierter Diplom-Kaufmann und gründete nach einem Zwischenstopp als Berater bei McKinsey mehrere Unternehmen. Das Ticketportal Getgo.de verkaufte er erfolgreich an Eventim und die SEM-Agentur Unique Digital ging an die Syzygy AG. Als Geschäftsführer und Founder der Performance Media Deutschland GmbH ist er mittlerweile für eine der führenden Online-Mediaagenturen hierzulande verantwortlich. Zuletzt sorgte Schäfer für Schlagzeilen, als sich Performance Media im Frühjahr dieses Jahres neu formierte und sich vier Online-Marketing-Agenturen unter dem Dach von Equistone Partners Europe zu der Performance Interactive Alliance (PIA) zusammenschlossen.

Interview mit Christoph Schäfer, Geschäftsführer Performance Media

OnlineMarketing.de: Was bringt das Jahr 2015 für die RTA-Branche in Deutschland und Europa?

Christoph Schäfer: Bislang stand der Arbeitsaufwand im RTA-Bereich häufig in keiner Relation zur Menge des gelieferten Inventars. Speziell Facebook zeigt, dass man über den Bidding-Ansatz auch bei großem Inventarvolumen angemessene TKPs erzielen kann. Weitere US-Anbieter werden in Zukunft sehr ähnliche Modelle verfolgen. Daher werden deutsche AGOF-Publisher langsam ihre Zurückhaltung aufgeben, da sie Gefahr laufen, ohne relevantes RTA-Engagement Budgetvolumen zu verlieren. 2015 wird in der Entwicklung den entscheidenden Schritt nach vorne bringen.

Wo sehen Sie in Ihrem Geschäft die größten Chancen und Herausforderungen?

Im Display Advertising wird das Geschäftsmodell für Agenturen zunehmend softwarebasiert. Dies liegt vor allem an einer zunehmenden Detailtiefe in der Mediaplanung, die durch eine Vielzahl von Teilzielgruppen entsteht. Bei Mediaplänen mit z.T. mehreren Tausend Mediapositionen und Steuerung auf Basis von Microconversions rückt die Automatisierung der Arbeitsprozesse extrem stark in den Mittelpunkt. Weiterhin sind zunehmend Spezialsysteme erforderlich, die auf individuelle Publisher-APIs zugeschnitten sind. So werden wir bereits im nächsten Jahr über 100 Entwickler beschäftigen, die sich ausschließlich mit der Weiterentwicklung unserer Agentursysteme auseinander setzen werden.

Kürzlich haben Sie mit Performance Media einen der größten Exits bzw. Merger-Deals der deutschen Online-Branche hingelegt. Können Sie dazu etwas mehr sagen, was aus der neu entstandenen Firmengruppe werden soll?

Wir freuen uns, dass deutsche Unternehmen im digitalen Marketing zunehmend internationale Beachtung finden. Nach Zanox vor einigen Jahren gab es in diesem Jahr mit Performance Media und Sociomantic erstmals wieder zwei größere Transaktionen. Wir glauben, dass wir zunehmend gute Möglichkeiten haben, technologieorientierte Geschäftsmodelle im digitalen Marketing aus Deutschland heraus international zu entwickeln. Mit Performance Interactive verfolgen wir einen integrierten SaaS-Ansatz, in dem wir großen Unternehmen anbieten wollen eine zentrale Software für alle Marketing-Anwendungen einzusetzen. Die Komponenten reichen von Tracking/Analyse über Media-Bidding in unterschiedlichen Bereich bis zu CRM-Anwendungen. Unsere integrierte Marketing-Suite werden wir Mitte 2015 erstmals vorstellen.

Sie sind auf dem Unternehmer-Panel auf der d3con 2015 eingeplant, da wird natürlich Ad-Tech Made in Germany auch eine wichtige Rolle spielen. Was ist Ihre Meinung oder Erfahrung zum Thema innovative Online-Technologien, die in Deutschland gebaut werden? Würden Sie selbst das wieder machen, lohnt sich das als Agentur oder ist es sinnvoller, Produkte von Drittanbietern zu nutzen?

Anders als bei US-Startups fehlte uns in Deutschland im Ad-Tech-Bereich bislang häufig der Mut Geschäftsmodelle mit einer internationalen Perspektive anzugehen. Das lag bislang vielfach am Zugang zu Kapital in relevanter Höhe, was sich in letzter Zeit aber spürbar verbessert hat. In Zukunft wird eine größere Perspektive auch deshalb erforderlich sein, da die Entwicklungskosten eine Refinanzierung über den deutschen Ländermarkt hinaus zwingend erforderlich machen.

Vielen Dank für das Interview!


OnlineMarketing.de ist offizieller Medienpartner der d3con 2015. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mit den Event-Organisatoren entstanden. Interessierte können sich hier für die d3con anmelden. Außerdem organisiert OnlineMarketing.de die Aftershow-Veranstaltung des Events.

onlinemarketing_v2

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.