Social Media Marketing

Nach 400-Millionen-Kauf von Giphy: Facebook plant stärkere Integration bei Instagram

User sollen künftig noch leichter das passende GIF bei Instagram finden können. Die Übernahme der Plattform durch Facebook schürt jedoch kartellrechtliche Bedenken.

Giphy wird Teil der Facebook-Familie

© Facebook

Facebook zahlt 400 Millionen US-Dollar, um während der Coronapandemie und einer der schlimmsten wirtschaftlichen Krisen die größte GIF-Plattform, Giphy, zu übernehmen. Damit demonstriert der Konzern seine extreme Machtstellung im Digitalraum und vor allem als eine Art Kontrollinstanz über diverse Social Media. Denn mit WhatsApp und Instagram wurden in der Vergangenheit bereits Medien übernommen, die Facebooks Vormachtstellung inzwischen zementiert haben. Daher wird nun Kritik an der Übernahme von Giphy geübt; Politiker wollen Facebooks Monopolstatus nicht noch weiter ausgebaut sehen. Dabei dürfte sich bei der Nutzung von Giphy zunächst gar nicht so viel ändern.

Facebook gibt sich gönnerhaft

Wie groß Facebooks Einfluss im Kontext von Social Media längst ist, lässt sich auch an den Zahlen ablesen, die das Unternehmen bei der Meldung zur Übernahme der GIF-Plattform einstreut. 50 Prozent des Giphy Traffics kämen bereits über die Apps der Facebook-Familie, 25 Prozent allein über Instagram. Doch was steckt nun hinter dem Bestreben, Giphy zu übernehmen? Die 400 Millionen US-Dollar sind angesichts der 4,9 Milliarden US-Dollar Gewinn im ersten, krisengeschüttelten Quartal 2020 für Facebook keine unerhörte Investition. Im Blogpost heißt es nun:

By bringing Instagram and GIPHY together, we can make it easier for people to find the perfect GIFs and stickers in Stories and Direct. Both our services are big supporters of the creator and artist community, and that will continue. Together, we can make it easier for anyone to create and share their work with the world.

Und es wird ergänzt, dass die User weiterhin ihre GIFs bei Giphy hochladen, und dass Entwickler und API-Partner weiterhin ihren Zugang zu Giphy nutzen können. Immerhin setzen auch Pinterest, Twitter, Slack und Co. auf die Integration der GIFs via Giphy. Demnach ändert sich nicht allzu viel. Allerdings könnten die Integrationsmöglichkeiten gerade für Instagram erweitert werden; was der ohnehin extrem populären Plattform einen weiteren Vorteil verschaffen dürfte. Bei Medium gab das Giphy Team nähere Informationen zur Zusammenarbeit preis:

More than 1 billion people use Instagram to communicate how they’re feeling and what they’re passionate about — we can’t wait to help those people become even more animated! We’ve had a lot of fun teaming up with Instagram over the years; GIPHY’s Stickers were the perfect fit for layering on Instagram Stories, while our GIF search allowed everyone to capture that perfect emotion in Instagram’s DMs. Based on the success of those collaborations (and many others) we know that there are exciting times ahead of us.

Giphy wird Teil der Facebook-Familie – ist das in Ordnung?

Erst 2013 wurde Giphy ins Leben gerufen. Bei der letzten Finanzierungsrunde wurde das Unternehmen noch auf 600 Millionen US-Dollar geschätzt, so Heise. Jetzt hat Facebook es also für zwei Drittel dieses Werts gekauft. Und den eigenen Kosmos zur Social-Media-Kommunikation – Messenger, Instagram, Facebook, WhatsApp – wieder erweitert.

Während die Schnittstellen der Plattformen aber weiterhin auch für Facebooks Konkurrenz verfügbar bleiben, wird besonders von US-Politikern die Frage aufgeworfen, ob eine solche Übernahme überhaupt legitim ist. Heise berichtet, dass die Übernahmen von Instagram (2012) und WhatsApp (2014) heute noch Kritik hervorrufen, weil sie kartellrechtlich restriktiver hätten betrachtet werden sollen. Bei The Verge wird der US-amerikanische Demokrat Josh Hawley als Kritiker der jüngsten Übernahme zitiert:

Facebook keeps looking for even more ways to take our data. Just like Google purchased DoubleClick because of its widespread presence on the internet and ability to collect data, Facebook wants Giphy so it can collect even more data on us.

Außerdem ist Hawley der Ansicht, dass Facebook, das noch Kartellrechtsuntersuchungen über sich ergehen lassen muss, währenddessen keine solchen Übernahmen machen dürfte.

Facebook shouldn’t be acquiring any companies while it is under antitrust investigation for its past purchases.

Auch eine Sprecherin der US-Politikerin und bekennenden Gegnerin monopolistischer Medienkonzerne, Elizabeth Warren, teilt die Kritik:

Facebook’s acquisition is yet another example of a giant company using the pandemic to further consolidate power – this time it’s a company with a history of privacy violations gaining more control over online communications.

Der Aspekt, dass viele soziale Medien in besonderem Maße von der Nutzung Giphys profitieren, könnte dafür sorgen, dass diese künftig, sollte Facebook den Zugang zu Giphys API beschränken, Probleme erhalten könnten.

Die Kurzvideoplattform Vine, seinerzeit von Twitter übernommen, hatte die Macht Facebooks bereits zu spüren bekommen. 2016 wurde die Plattform geschlossen, nachdem sie sich nicht gegen die Konkurrenz hatte durchsetzen können. Später kam heraus, dass Facebooks CEO Mark Zuckerberg sich intern dafür ausgesprochen hatte, dem Dienst den Zugang zur Friends API zu versagen, was eine Etablierung als relevantes soziales Medium zu der Zeit erschwert haben dürfte. Ironischerweise erweist sich derzeit die Kurzvideoplattform TikTok als größte Konkurrenz für Facebooks Social-Familie. Doch die extreme Macht, die Facebook mit der Übernahme Giphys erneut zur Schau stellte und seit Jahren aufgebaut und ausgebaut hat, scheint irreversibel.

Über Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik

Niklas Lewanczik ist studierter Literatur- und Medienwissenschaftler und schreibt für OnlineMarketing.de seit Jahren über diverse Themen im Digital-Marketing-Bereich. Von der Mobile-First-Indexierung über die DSGVO bis hin zum Aufstieg von TikTok hat er schon manche Entwicklung der Branche begleitet.

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